
Was ist dran an dem Kerl, der seit 65 Jahren den Rummel um seine Person vom Dorffriedhof in Ketchum aus betrachtet? Dicke Bücher werden über ihn geschrieben, Filme mit Hollywood-Stars gedreht, Symposien mit seinen Themen abgehalten. Dabei ist er ein ziemlicher Kotzbrocken gewesen, wie man so hört. Tiere töten, Frauen betrügen, Prozente in sich hinein kippen. Der Mann aus Oak Park lässt wenige Fehltritte aus.
Doch zugleich machen ihn solche Schandtaten nahbar. Er ist einer von uns, mit Stärken und Schwächen, mit Mut und Ängsten, so wie wir. Keiner aus dem Poetenturm, keiner mit der gesegneten Aura eines Thomas Mann. Dieser Rabauke sucht den Zwist, provoziert den Widerspruch, seine Unangepasstheit nötigt heimliche Anerkennung aus. Noch heute möchte man sich an ihm reiben. Doch irgendwie bewundern wir ihn.
Nie würde man sich trauen, Jorge Luis Borges auf der Straße in Buenos Aires anzusprechen oder Hermann Hesse in Montagnola von der Seite anzuquatschen. Zu weihevoll die Aura dieser Schriftsteller, dass ein Außenstehender sie stören mag. Es gibt diese Kategorie von Autoren, die abgehoben sind, etwas besseres, Illuminierte, weit weg vom braven Publikum.
Nicht so Ernest Hemingway. Er geht unters Volk, mit ausgebreiteten Armen und einem Drink in der Hand. Er begegnet den Frauen und Männern in aller Offenheit, er erweist sich als ein Menschenfänger, er kommt von der ersten Silbe klar mit den Leuten. Dabei holt er seine Gesprächspartner ab in ihrer Welt. Seine Sätze und die Inhalte schweben nicht über den Wolken, sondern erweisen sich als Dialog mit Bodenhaftung.
So hasst er es, über Literatur zu sprechen. Er bevorzugt die Themen, die auch den Normalsterblichen umtreiben. Essen, Trinken, Spaß haben. Das schöne Leben, eben. Und wichtig: Er hört den Menschen zu, mit ehrlicher Neugier. Auf der Suche nach neuen Geschichten. Man habe das Zuhören verlernt, lässt er verlauten. Er weiß, wenn er über die Wirklichkeit berichten will, braucht er engen Kontakt zu den Herzen.
Besondern zu den – sogenannten – einfachen Leuten findet er schnell einen Draht. Er mag sich mit Fischern umgebenen, mit Bauersleuten, mit kleinen Händlern und Barkeepern. Von Professoren, Literaturdozenten, von Industriellen und von Bussi-Bussi-Ladies hält er Abstand. Es ist einfach nicht seine Welt.
„Er ist uns mit Respekt begegnet“, meint der Fischer Rufino Tume aus Cabo Blanco. Und der Kapitän der Pescadores Dos, der die Hemingways im Frühjahr 1956 fünf Wochen auf dem peruanischen Pazifik geschippert hat, wundert sich. Denn Hemingway sei doch der Nobelautor und auf der anderen Seite finden sich lediglich kleine Fischersleut. Doch so denkt er nicht. Ernest respektiert das Individuum, jeden mit seinen ureigenen Fähigkeiten. Ihm ist ein guter Angler lieber als ein quäkender Intellektueller.
Dieser Mann ist nahbar. Nicht weil er es darauf anlegt oder sich dazu zwingt. Der Mann ist nahbar, weil es seinem Naturell entspricht. Auf seine kommerziellen Triumphe bildet er sich wenig ein. Pulitzer, Nobelpreis, in aller Welt gefeiert, reich wie kaum ein zweiter Autor. Die Eitelkeit des Erfolges kitzelt ihn, im Grunde ist
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