Das Dokument, in dem die Witwe Mary Hemingway die Besitztümer ihres verstorbenen Mannes auf Kuba dem kubanischen Volk überschreibt. The Pueblo of Cuba schreibt Mary etwas verschachtelt.

Die Stimmung im Kuba des Fidel Castro heizt sich Ende der 1950er Jahre auf, die Situation für die Hemingways auf der Finca Vigía verkompliziert sich. Mich persönlich berührt es nicht. Ich bin für die Herrschaften eine gute Reklame, deshalb werden sie mich wahrscheinlich nicht belästigen. Doch mehr und mehr droht die revoltierende Aufwallung außer Kontrolle zu geraten, die US-Botschaft rät dem prominenten Ehepaar zur endgültigen Ausreise.

Es ist vor allem Mary Welsh, die nach dem Sieg der Castro-Revolution im Januar 1959 den Wegzug aus Kuba vorantreibt. Er hätte wohl bleiben wollen in seinem versteckten Refugium unter der Sonne, sein Traum war, neben dem Ceiba-Baum hinter der Veranda begraben zu werden. Doch Mary dringt darauf, dass ihr Ehemann, der gesundheitlich zusehends abbaut, sich in den USA einer erstklassigen medizinischen Behandlung unterzieht. 

Seit der Machtübernahme der Revolutionäre weilen Ernest und Mary nur noch selten auf Kuba. Als Zweitwohnsitz halten sie an ihrer malerischen Finca Vigía in der Nähe von Havanna noch eine Weile fest, erst am 25. Juli 1960, vier Tage nach seinem 61. Geburtstag, verlässt Ernest Hemingway sein geliebtes Kuba und siedelt zusammen mit Ehefrau Mary nach Ketchum über, in die Bergwelt Idahos am Rande der Rocky Mountains.

Es wird ein schmerzhafter und tränenreicher Abschied aus Kuba. Die Finca Vigía, seine Bücher und die Manuskripte, die Angestellten, alle Freunde, die Katzen und die Hunde muss er zurücklassen, das Lebewohl bricht ihm das Herz. Es gab keinen Ort auf der Welt, Paris ausgenommen, wo er sich so wohl gefühlt hat. Ernest Hemingway verlässt sein Paradies. Für immer.

„Wir wissen nicht, was mit unserem Zeug dort passieren wird“, klagt Mary ihrer Freundin Tillie Arnold aus Ketchum im August 1960, „in Wirklichkeit sind es ja die Schätze unseres ganzen Lebens.“ An George Brown schreibt Mary im Februar 1961, dass Ernest und sie Kuba schrecklich vermissen, die Wärme, den Golfstrom, die Bücher und die Fotos, die Tiere.

Aber man möchte es nicht an die große Glocke hängen, man fürchte die Regierung könne ihr Eigentum einkassieren oder die Finca gar zerstören. Mit ihrem Misstrauen sollte Miss Mary Recht behalten. Nach dem Auszug der Hemingways aus der Finca Vigía werden Milizionäre der Jovenes Rebeldes, die Jungtruppen der Revolution, das Anwesen besetzen, dort wahl- und sinnlos umherballern, die Katzen massakrieren und die Räume des Farmhauses verwüsten.

Nach Ernest Hemingways Tod im Juli 1961 in Ketchum verwaltet seine Witwe Mary den reichen Nachlass des Nobelpreisträgers. Der Reichtum und das Vermögen des Ernest Hemingway sind beachtlich. Doch die meisten Manuskripte des Schriftstellers und auch die wertvollen Gemälde, seltene Fotos und private Erinnerungsstücke des Ehepaares befinden sich noch immer auf Kuba. 

Mit Fidel Castro persönlich handelt Mary Mitte der 1970er Jahre eine Vereinbarung aus. Sie darf einige Manuskripte, Unterlagen und Erinnerungsstücke ihres verstorbenen Mannes aus der Finca Vigía in die USA mitnehmen, im Gegenzug muss sie das komplette Anwesen dem kubanischen Staat übereignen. Die tapfere Mary setzt sich hin und formuliert die Abtretung.

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