Auf den Fersen von Ernest Hemingway

Schlagwort: Hollywood

Ein Plastikfisch im Wassertank

Spencer Tracy, der alte Mann, und der Junge Manolín.
Ein kubanischer Hollywood-Film mit Ach und Krach.

Die Bosse aus Hollywood haben alle Register gezogen, damit die Verfilmung von Der alte Mann und das Meer künstlerisch wie auch kommerziell zum Volltreffer gerät. Ein auskömmliches Budget ist bewilligt worden, ein erstklassiger Regisseur unter Vertrag genommen, das Skript hat alle überzeugt, exotische Drehorte sind gefunden worden und der populäre Hauptdarsteller soll einen Kassenschlager garantieren. 

Die für den Spannungsbogen der Handlung bestimmende Filmmusik wird in die Hände von Dimitri Tiomkin gelegt, einem exilrussischen Filmkomponisten, der in den USA einen Filmpreis nach dem anderen einheimst. Die Rolle des Jungen Manolín spielt der sympathische Felipe Pazos jr., der Sohn eines bekannten kubanischen Volkswirtes und Politikers gleichen Namens. Alle Voraussetzungen für einen cineastischen Welterfolg scheinen erfüllt.

In Cabo Blanco hat die Second Unit ihre Sequenzen abgedreht, die Jagdszenen mit dem schwarzen Marlin sind im Kasten und befinden sich in Hollywood zur Begutachtung. Die Dreharbeiten in Nordperu liefen passabel, doch die Hauptarbeit der First Unit auf Kuba entwickelt sich mehr und mehr zu einem Reinfall. In Cojímar und bei Boca de Jaruco geraten die Filmaufnahmen ins Stocken und müssen mehrmals unterbrochen werden, teils wochenlang. Der Film überzieht sein großzügig bemessenes Budget erheblich, das Produktionsstudio aus Los Angeles sieht sich gezwungen, dazwischenzufahren.

Auf Kuba geraten Regisseur Fred Zinnemann und der Hauptdarsteller Spencer Tracy heftig aneinander und Warner Bros., die Produktionsfirma, beruft Zinnemann schließlich ab und ersetzt ihn durch John Sturges. Auch die Ablösung Spencer Tracys steht zur Debatte, Edward G. Robinson soll übernehmen. Um das ganze Filmprojekt herum bricht ein ziemliches Durcheinander aus. Aber irgendwie gelingt es Sturges und Tracy dann doch, den Film mit Ach und Krach zu Ende zu bringen.

Der fertige 86-Minuten-Streifen hält sich mehr oder weniger an Hemingways Romanvorlage. Spencer Tracy spielt den alten Mann auf seinem kleinen Boot, einen kubanischen Fischer, der seit vierundachtzig Tagen keinen Fisch gefangen hat und deshalb salao ist. Als er weitab im Golfstrom dann nach langem Kampf einen Marlin erwischt und sich mit dem erlegten Tier auf die Rückfahrt macht, da wird sein kleines Holzboot von einem Schwarm von Haifischen angegriffen. 

Der entkräftete Fischersmann Tracy erreicht den Heimathafen. Von dem mächtigen Marlin, der auf einer Bootsseite fest vertäut gewesen ist, bleibt nur das von den Haien abgenagte Skelett übrig. Und der alte Mann kehrt zurück in seine armselige Hütte am Dorfhang, um zu träumen, von den Löwen am Ufer.

Als Der alte Mann und das Meer am 11. Oktober 1958 in die amerikanischen Filmtheater kommt, da ist er mit einem Etat von fünf Millionen Dollar einer der teuersten Filme seiner Zeit. Trotz des Geldregens und trotz aller Anstrengungen sieht der fertiggestellte Spielfilm

Gary Cooper, der beste Buddy von Ernest Hemingway

Ernest Hemingway, Clara Spiegel und Gary Cooper am Silver Creek in Idaho. Sun Valley, im Januar 1959. Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Einer von Ernest Hemingways ganz engen Freunden ist der Schauspieler Gary Cooper. Der Hollywood-Star hat in der ersten Verfilmung eines seiner Werke die Hauptrolle gespielt. A Farewell to Arms kommt im Jahr 1932 in die Kinos, mit Gary Cooper und Helen Hayes als Protagonisten. In einem anderen Land, so heißen Buch und Film auf Deutsch, spielt in der Zeit des Ersten Weltkriegs in Italien. Der Streifen wird bei Publikum als auch bei Kritikern zu einem riesigen Erfolg.

Gary Cooper, im Jahr 1901 im bergigen Montana geboren, wird fortan von den Filmstudios als Darsteller geradliniger Einzelgänger gebucht,  seine Rolle als von allen im Stich gelassener Town Marshall Will Kane in dem Western High Noon12 Uhr mittags in Deutschland – festigt seinen Weltruhm. Der Film, mehr Charakterstudie denn Western, ist hohe Kunst und setzt Maßstäbe. In den Jahren 1941 und 1952 gewinnt Cooper den Oscar als bester Hauptdarsteller.

In seinen Filmen verkörpert Gary Cooper meist einen Hemingway-Helden par excellence. Einsam, lakonisch, voller Zweifel – aber mutig. Wenn der Schriftsteller das Sagen gehabt hätte, dann wäre sein Roman Der alte Mann und das Meer mit Gary Cooper verfilmt worden und nicht mit Spencer Tracy, den er für eine schreckliche Fehlbesetzung hält.

Obwohl Hemingway und Cooper ganz entgegengesetzte Charaktere sind, von Temperament und politischer Anschauung, vertieft sich über die Jahre ihre Freundschaft. Auf Finca Vigía empfängt der Autor den Hollywood-Mimen mehrmals als Gast, im Sun Valley verabreden sie sich oft zum Urlaub. Der hochgewachsene Gary Cooper, den die Freunde Coop rufen, teilt Hemingways Leidenschaften: die Liebe zur Natur und zu den Bergen der Rocky Mountains, die Jagd, schöne Frauen.

Im Herbst, da toben auf Kuba die Hurrikane, mag der Autor in Idaho auf Jagd nach Wildvögeln gehen, nach Enten, Tauben oder Fasanen. Im Sun Valley Gun Club kann er Tontauben schießen, er spielt mit seinem Buddy Gary Cooper Tennis, in den Flüssen und Bächen um Ketchum kann er ausgiebig Angeln und Fischen. Wenn Ernest und Coop zusammen sind, zeigen sie sich ausgelassen wie die Schulbuben.

Ein fester Freundeskreis kommt im Sun Valley zusammen. Mary und Ernest Hemingway, Gary Cooper und Ehefrau Veronica, genannt Rocky, Fred und Clara Spiegel, Rancher Bud Purdy, Taylor Williams, Tillie und Lloyd Arnold. Es ist ein Grüppchen, das in einer großartigen Natur keine großen Worte macht. Und in der Trail Creek Cabin, einer Partyhütte oberhalb der Sun Valley Lodge, wird abends dann kräftig gefeiert.

Im Frühjahr 1960 unterzieht Gary Cooper sich

Ronald Reagan schlägt zu

Ronald Reagan schlägt Angie Dickinson. Nicht im wirklichen Leben, natürlich, sondern auf der Leinwand. In dem Film The Killers. Das Buch zu dieser Hollywood-Produktion geht auf eine Kurzgeschichte von Ernest Hemingway zurück. Seine Short Story The Killers hat der spätere Nobelpreisträger erstmals im März 1927 im Scribner’s Magazine veröffentlicht.

Die lakonische Erzählung handelt von zwei Berufsverbrechern, die Henry’s Lunch-Room, ein einfaches Restaurant in der Kleinstadt, heimsuchen und dort auf einen schwedischen Boxer namens Ole Andreson warten, den sie zu morden trachten. Die beiden Kriminellen bedrohen den Stammgast Nick, den Kneipenwirt George und den schwarzen Koch mit einer Schrotflinte und lauern ihrem Opfer auf, das allerdings nicht erscheint.

Ernest Hemingways Kurzgeschichte The Killers ist mehrfach fürs Kino und auch für das Fernsehen verfilmt worden. Die beste Fassung stammt vom Regisseur Robert Siodmak aus dem Jahr 1946, mit Burt Lancaster und Ava Gardner in den Hauptrollen. Der bärtige Schriftsteller aus Chicago mag diese schwarz-weiße Version sehr gerne, diese Produktion bringt in der Tat alles mit, was einen guten Film noir so auszeichnet. Zu Recht hat Ernest Hemingway Siodmaks The Killers stets als seinen besten Film bezeichnet.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist TheKillersReagan.jpgDon Siegel verfilmt den Stoff im Jahr 1964 erneut, mit Lee Marvin und John Cassavetes. Und mit Ronald Reagan. Der spätere US-Präsident spielt in dem Film den Räuber Jack Browning, einen schießwütigen Bankräuber. The Killers ist Ronald Reagans letzter Kinoauftritt und zudem seine einzige Rolle als Mordbube.

Danach zieht der Schauspieler sich aus Hollywood zurück und geht in die Politik. Seine weitere Karriere ist einzigartig: Von 1967 bis 1975 wird Ronald Reagan zunächst zum Gouverneur von Kalifornien gewählt und von 1981 bis 1989 amtiert er als der 40. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Noch heute ist Ronald Reagan seinen amerikanischen Landsleuten als einer der beliebtesten und erfolgreichsten Präsidenten in Erinnerung.

Allerdings hat Don Siegels The Killers nicht

Ernest Hemingway explodiert

Über den Abspann des Hollywood-Films Der alte Mann und das Meer ärgert sich Ernest Hemingway ungemein.

Seine Erzählungen sind schwierig zu verfilmen. Die Hollywood-Leute kommen zu mir und wollen einen meiner Romane verfilmen. Dabei eignet sich keines meiner Werke für die Leinwand, hat Ernest Hemingway mehr als einmal kundgetan. Wenn er nach Los Angeles fliege, so sagt er, dann fahre er immer in Windeseile an Hollywood vorbei. Mit der einen Hand schmeiße er das Manuskript über den Zaun, mit der anderen fange er den Zaster auf.

Nach der landesweiten Premiere besucht der Nobelpreisträger in New York mit Aaron Edward Hotchner eine Aufführung von Der alte Mann und das Meer. Nach 12 oder 13 Minuten dann das Déjà-vu: Ernest Hemingway wendet sich an Hotch und bemerkt kurz Ready to go?. Und die beiden verlassen ernüchtert das Kino. Weißt Du, vertraut Ernest seinem Freund verärgert an, da schreibt man ein Buch, dass man über alle Jahre hinweg liebt, und dann muss man so etwas erleben – das ist so, als würde man seinem Vater ins Bier pissen.

Doch bei Der alte Mann und das Meer treiben es die Hollywood-Macher krass. Obwohl der Trailer darauf hinweist, dass dieser Film neben Kuba auch in Peru gedreht worden ist, wartet noch eine unangenehme Überraschung auf den Schriftsteller. Ganz grauenvoll kommt es für den Nobelpreisträger, als er sieht, dass in den Spielfilm alte dokumentarische Kurzsequenzen von der Marlin-Jagd des Alfred C. Glassell einmontiert worden sind. Und es trifft Ernest Hemingway wie ein Schlag mit dem Hammer, als er den Abspann des Films zu Gesicht bekommt.

This picture was directed by John Sturges. Der Regisseur dieses Filmes heißt John Sturges. So weit, so gut. Doch dann kommt der Knall: Some of the marlin film used in this picture was of the world’s record catch by Alfred C. Glassell Jr. at the Cabo Blanco Fishing Club in Peru. Mr. Glassell acted as special advisor for these sequences. Träumt er? Glassells Rekordfang ist in den Film eingebaut, nicht jedoch die Aufnahmen von Hemingways Team in Cabo Blanco?

Wo nur ist das stundenlange Material der Second Unit geblieben, dass man in Nordperu auf dem Pazifik so

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