Auf den Fersen von Ernest Hemingway

Schlagwort: Spanischer Bürgerkrieg

Ernest Hemingway und Gustav Regler

Ernest Hemingway mit dem Schriftsteller Gustav Regler (rechts) und dem russischen Autor Ilja Ehrenburg (links) Anfang April 1937 an der Front bei Guadalajara. Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Im Spanischen Bürgerkrieg freundet sich Ernest Hemingway mit dem deutschen Schriftsteller Gustav Regler an. Der Sohn eines Buchhändlers aus dem saarländischen Merzig, ein Mann vom Jahrgang 1898 und damit ein Jahr älter als der Amerikaner, ist als Politkommissar der XII. Internationalen Brigade zugeteilt. Sympathisch und klug charakterisiert Gustav Regler den berühmten Kollegen aus Übersee nach einem Zusammentreffen an der Guadalajara-Front im April 1937: “Genauso verachtete er [Ernest Hemingway] Literaten und Intellektuelle, es haftete das Parfüm der Feigheit an ihnen; Mut aber war der Maßstab, den Hemingway zuerst an den Menschen anlegte.”

Als im Juni 1937 bei Huesca eine Granate der Franquisten das Auto trifft, in dem auch Gustav Regler sitzt, wird der deutsche Spanienkämpfer schwer verwundet. Nach langer Rekonvaleszenz, als Soldat fortan untauglich, schickt die spanische Regierung den mehrsprachigen Regler in die USA, um für das republikanische Sanitätswesen in Spanien Spenden zu sammeln. Regler, er trifft auch Albert Einstein, gelingt es, eine ansehnliche Summe zusammenzutragen.

Am 7. Februar 1938 kommen Gustav Regler und seine Ehefrau Marieluise Vogeler dann nach Key West. Ernest und Pauline Hemingway empfangen die Reglers mit offenen Armen in ihrem herrschaftlichen Haus. Der Deutsche wird überwältigt von der Wohlhabenheit der Hemingways. Er staunt nicht schlecht über das üppige Anwesen mit Swimmingpool und über den Diener, der zu den Mahlzeiten die Speisen aufträgt. Sein Bild eines Schriftstellers ist bisher ein ganz anderes gewesen, das eines armen Schluckers und Überlebenskünstlers. 

Das deutsche Ehepaar wohnt für einige Wochen im Gästetrakt des Hemingway-Hauses an der Whitehead Street. Gustav Regler reist auf einem spanischen Diplomatenpass, für Marieluise Vogeler hat Hemingway persönlich bei den US-Behörden gebürgt und ihre Reisekosten bezahlt. Der Ortswechsel vom Elend des Bürgerkrieges in den vergnüglichen Alltag Amerikas wirkt wie ein Schock. “Wir waren ohne Geld. Ohne Freund. (Hemingway war da, ein Fels, eine Treue, aber gerade der eine Fels zeigte die Wüste um uns her noch deutlicher.)”, schreibt Regler über den USA-Besuch.

Zurück in Europa wird Gustav Regler bei Kriegsausbruch 1939 in Frankreich im Pyrenäenlager Le Vernet interniert. Ernest Hemingway und andere Freunde lassen ihre Beziehungen spielen. In Paris, an Weihnachten 1939, setzt sich Martha Gellhorn, Ernest Hemingways neue Flamme, persönlich bei den Behörden für Regler ein. Nach seiner Freilassung im März 1940 nehmen Gustav Regler und seine Frau dann ein Schiff nach New York.

Ihr endgültiges Exil finden Gustav Regler und Marieluise Vogeler dann in Mexiko, zunächst in Ajusco, südlich der Hauptstadt, später in Coyoacán, einem pittoresken Vorort vom Mexiko-Stadt. Mit Verkäufen von Mieke Vogelers Bildern, sie ist die Tochter des Worpswedener Malers Heinrich Vogeler, hält das Ehepaar sich über Wasser. Über die Jahre, desillusioniert von seinen Jugendidealen, setzt sich Regler auch öffentlich von der kommunistischen Bewegung ab. Unter dem Eindruck des Hitler-Stalin-Paktes bricht er Anfang der 1940er Jahre endgültig mit der Kommunistischen Partei. Üble Nachreden und bösartige Schmähungen durch ehemalige Gesinnungsgenossen folgen stehenden Fusses.

Die Pleite im Spanischen Bürgerkrieg lastet schwer auf Hemingways Gemüt. Gustav Regler berichtet von einer verstörenden Begegnung. Der berühmte Kollege ist im Frühjahr 1942 zu Besuch bei den Reglers in Mexiko, man verlässt gerade den Tampico-Club, da drückt der Amerikaner unvermittelt seinen Freund

Ernest Hemingway im Spanischen Bürgerkrieg

Ernest Hemingway mit dem niederländischen Dokumentarfilmer Joris Ivens und Soldaten im Spanischen Bürgerkrieg 1937. Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Dem Spanischen Bürgerkrieg steht Ernest Hemingway anfangs gespalten gegenüber. Er mag zunächst weder für die Putschisten noch für die Loyalisten Partei ergreifen, denn er besitzt Freunde in beiden Lagern. Doch dann sagt ihm sein Instinkt, wo in Spanien seine politische Heimat zu finden ist: auf der Seite der einfachen Menschen, bei den liberalen und linken Bürgern und an der Seite all jener, die sich aufrichtig zur gewählten Regierung verhalten.

Als ihm die North American Newspaper Alliance (NANA), ein Zeitungssyndikat von 50 großen Tageszeitungen, den Job als Berichterstatter in Spanien anbietet, ergreift Ernest Hemingway die Gelegenheit und lässt sich als Kriegskorrespondent akkreditieren. Insgesamt viermal wird er in den Bürgerkrieg nach Spanien reisen, meist bleibt er jeweils ein, zwei Monate. Der Schriftsteller wird in jener Zeit mehr als bloßer Beobachter sein, das Herz des Amerikaners pocht für die Seite der linken Republik. 

Im Frühjahr 1937 trifft der amerikanische Autor zum ersten Mal in Kriegsspanien ein. Die spanische Gesellschaft ist schon seit Jahrzehnten aufgewühlt und nun haben sich die sozialen und politischen Konflikte im Bürgerkrieg entladen. Die Putschisten massakrieren den politischen Gegner auf brutalste Weise und ein linker Mob zündet Klöster und Kirchen an und verbrennt Nonnen und Priester bei lebendigem Leib. Dieser von beiden Seiten gnadenlos geführte Bürgerkrieg ist der Kampf der zwei Spanien, der Riss geht durch viele Familien.

Das restaurative Militär unter dem General Francisco Franco, der katholische Klerus, andalusische Latifundistas, die monarchistischen Carlisten und das konservative Bürgertum finden sich auf der putschenden Seite zusammen. Die Republik wird verteidigt von fortschrittlichen Liberalen und von linken Kräften aller Couleur, von Sozialisten, Kommunisten, Trotzkisten und Anarchisten. Und von Separatisten, die zudem für die Unabhängigkeit ihrer Region kämpfen. 

Im Hotel Florida an Madrids Plaza de Callao hat Ernest Hemingway seit Mitte März 1937 das Zimmer 108 bezogen. Schon ein Autor von Weltruf, wird der NANA-Reporter in der spanischen Hauptstadt mit seltenen Privilegien hofiert. Hemingway kann über ein Auto mit Fahrer verfügen, er erhält trotz der Mangelwirtschaft ausreichend Benzin, und er darf ohne Einschränkungen die verschiedenen Frontabschnitte bereisen. Wie ein Feldherren beobachtet der Schriftsteller, hoch zu Pferd, die Frontlinie vor Madrid.

Im Hotel Florida tummeln sich die ausländischen Journalisten und Sympathisanten der Loyalisten. Antoine de Saint-Exupéry wohnt dort, man trifft dort den Maler Luis Quintanilla, der als Geheimdienstchef der Republik in Südfrankreich dient. Ebenso geht dessen Bruder Pepe Quintanilla, der Chef der Geheimpolizei in Madrid, in dem luxuriösen Hotelkomplex ein und aus. Hemingway trifft den Auslandskorrespondenten der New York Times, Herbert Matthews, die Schriftstellerin Lillian Hellman ebenfalls, so wie seinen Freund und Kollegen John Dos Passos. 

Als Martha Gellhorn am 30. März 1937 in Madrid dazustößt, bezieht sie das Zimmer neben Ernest Hemingway. Beide Journalisten genießen ihre Rollen. Er als weltgewandter und umschwärmter Schriftsteller, sie als umwerfende Schönheit und unerschrockene Kriegsreporterin. Martha und Ernest verstehen sich prächtig, sie werden rasch ein Liebespaar, sie machen kein Geheimnis daraus. Um sie herum fallen im Zentrum Madrids die Bomben.

In seinen Depeschen berichtet Ernest Hemingway mit einem kalten Zynismus von den Kämpfen in Spanien, er leitet seinen Sarkasmus jedoch von einem klaren Blick für das Detail ab. Die Leser in den USA werden so in die Handlung wie bei einem Film hineingezogen und finden sich plötzlich mitten im Geschehen wieder. Sie töteten eine alte Frau, die vom Markt kam und nach Hause ging. Was von ihr liegen blieb, war ein Knäuel schwarzer Kleider. Ein Bein war gegen die Wand des nächsten Hauses geflogen.

Bomben über Barcelona

CNT Catalunya

Die Anarchisten des C.N.T. mobilisieren während des Bürgerkrieges in Barcelona. Und Ernest Hemingway wird Beobachter.

Im Jahr 1937 weilt Ernest Hemingway in Barcelona. Es ist das Barcelona des Bürgerkrieges, eines grausamen Bruderkrieges zwischen 1936 bis 1939, in dem Spanier gegen Spanier kämpfen. Wo Liberale, Sozialisten, Kommunisten und die Anarchisten des C.N.T. die Republik verteidigen gegen die Putschisten des kleinen Generalissimo Francisco Franco.

Dieser General Franco, der das Militär, den Klerus und die Latifundisten Andalusiens hinter sich weiß, steht für das dunkle Spanien. Für eine bigotte Diktatur des Großgrundbesitzes und des konservativen Bürgertums.

Auf der Seite der republiktreuen Anhänger findet sich ein ziemlicher Wirrwarr an Ideologien, von bürgerlichen Regionalisten über skrupellose Stalinisten bis hin zu verträumten Schlaraffenland-Romantikern. Ein Chaos an Denkweisen und Interessen, das sich nur schwer zusammen halten lässt.

Es ist, die Jahre werden es zeigen, ein ungleicher Kampf. Hier die zerstrittenen Republikaner, dort die gedrillten Putschisten. General Franco wird zudem von Nazi-Deutschland mit schweren Waffen unterstützt, die andere Seite hat nicht viel mehr als die Schwärmerei der Internationalen Brigaden entgegen zu setzen.

Der Journalist und Autor Ernest Hemingway kommt Ende 1937 bis Anfang 1938 als Korrespondent für die North American Newspaper Alliance (NANA) nach Spanien, um den Krieg zu beobachten und wohl auch, um

Der General Franco mag Hemingway nicht – und umgekehrt

Hemingways Reportagen aus dem Spanischen Bürgerkrieg finden sich in der Sammlung 49 Depeschen.

Das ist eine meiner Lieblingsstellen. In den 49 Depeschen aus dem Spanischen Bürgerkrieg, wo Ernest Hemingway zwar auf der richtigen, aber dann doch verlierenden Seite kämpfte.

Gibt es eine sympathischere Ansprache an den Leser, als jene von Hemingway zu Abschluss seiner Reportage über den pfiffigen Chauffeur Hipolito, der den Autor wohlbehalten durch das Madrider Granatengewitter steuert? Sie können natürlich Ihr Geld auf Franco setzen, wenn Sie wollen, oder auf Mussolini oder Hitler. Ich setze auf Hipolito.

Als junger Student habe ich

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