‘The Place is costly to reach‘ meckert ‚Sports Illustrated‘. Am 19. März 1956 erscheint die Ausgabe mit Alfred Glassell und seinem Fang auf dem Cover.

Anfang des Jahres 1956 schickt das auflagenstarke nordamerikanische Wochenmagazin Sports Illustrated ein Reporter-Duo nach Nordperu, es soll eine Titelgeschichte über den Cabo Blanco Fishing Club recherchieren und schreiben. Das Resultat kann man Mitte März an den Kiosken in den USA erwerben. Auf dem farbigen Cover der New Yorker Zeitschrift sieht man einen stolzen Alfred Glassell jr. auf dem Landungssteg, neben einem bulligen Schwertfisch, der als Beute vom Kran herab hängt. Im Hintergrund erkennt man die grauen Wüstenhügel vor Cabo Blanco, rötlich koloriert. Die Ankündigung der Story auf Titelseite macht neugierig. IN THIS ISSUE: THE FABULOUS CABO BLANCO CLUB IN COLOR. Was hat es mit diesem sagenhaften Cabo Blanco Fishing Club auf sich?

Sports Illustrated ist zwei Jahre zuvor von dem legendären Verleger Henry Luce als Wochenmagazin gegründet worden. Mit TIME verlegt Luce, der sich in persona als Chefredakteur von Sports Illustrated ausweisen lässt, bereits das einflussreichste Nachrichtenmagazin der Welt. Und nun widmet sich seine neue Zeitschrift dem Fishing Club in Cabo Blanco auf ganzen neun Seiten. George Weller and Cornell Capa visit it in words and pictures, ist im Inhaltsverzeichnis zu lesen, ein Besuch in Wort und Bild.

Dieser Cornell Capa gilt schon damals als Star seiner Zunft. Der Fotograf ist der jüngere Bruder des Meisterfotografen Robert Capa, weshalb er unter Kollegen le petit Capa genannt wird. Cornell Capa, ein gedrungener Enddreißiger ungarischer Abstammung, arbeitet seit 1954 als Magnum-Fotoreporter, er hat in LIFE veröffentlicht und macht sich als Reportagefotograf in Mittel- und Südamerika einen Namen. Wie klein die Welt ist! Cornells Bruder Robert Capa hat Ernest Hemingway, beide sind gute Freunde, häufig fotografiert. Vor knapp zwanzig Jahren, in Spanien, im Bürgerkrieg oder im Sun Valley, in den Bergen Idahos.

Der Schreiber George Weller ist ebenfalls nicht irgendwer. Als Journalist für die Chicago Daily News hat er aus dem Zweiten Weltkrieg in Europa berichtet, später aus Afrika und Asien reportiert, im Jahr 1943 erhält er für seine Arbeit den Pulitzer-Preis. Weller ist der erste amerikanische Reporter, der das japanische Nagasaki nach dem Atombomben-Abwurf besucht hat, sein Artikel darüber wird indes vom US-Militär zensiert und nicht zur Veröffentlichung freigegeben.

Enrique Pardo Heeren, Kip Farrington und Cloyce Tippett, der damalige Geschäftsführer des Fishing Clubs, schwant bei der Visite der beiden Journalisten nichts Böses. Zumal Sports Illustrated weltweit als hoch renommierte Zeitschrift gilt und Kip Farrington höchstselbst ab und an für das Wochenblatt schreibt. Mit offenen Armen werden die Reporter empfangen, bestens gelaunt zeigt man ihnen den Cabo Blanco Fishing Club in voller Schönheit. Umso größer ist bei allen Klubverantwortlichen der Schreck, als sie einige Wochen später den gedruckten Artikel in Händen halten.

Denn sie und die Hunderttausenden Käufer der Sports Illustrated lesen ein befremdliches Portrait des Fishing Clubs. Zeilen voller dunkler Andeutungen wechseln sich ab mit scharfzüngigen Attacken. Neben allerlei Fachsimpelei setzt die Reportage einige schmerzhafte Tiefschläge in die Magengrube. Reporter George Weller lässt kaum ein gutes Haar an dem Klub und macht sich besonders über dessen Exklusivitätsanspruch lustig. The Place is costly to reach and still costlier to fish. Hier könne man eine Menge Geld versenken, so die spöttelnde Botschaft, wenn man denn nur dämlich genug sei.

Zunächst lobt Reporter Weller die einheimischen Angestellten, für die US-amerikanischen Mitglieder hingegen findet er ausschließlich sarkastische Umschreibungen. Dieser ganze Fishing Club sei artifical, künstlich, ein Plastikprodukt. Dass man die toten Marline nach Miami fliegen lasse, zum Ausstopfen, das sage schon alles über diese Herrschaften. In Cabo Blanco seien jedenfalls keine geradlinigen Sportfischer am Werk. (Anfang von Kapitel 9 der Neuerscheinung Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. Eine weitere Leseprobe: hier klicken)