An den Fersen von Ernest Hemingway

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Alles um ihn herum war ein Lächeln

Als Erster holt sich ein ehrfürchtiger Mario Saavedra von ‚El Comercio‘ ein Autogramm des Nobelpreisträgers. Talara, am 16. April 1956.

Eifrig haben die drei peruanischen Zeitungsjournalisten aus Lima die ersten Eindrücke von der Ankunft des amerikanischen Nobelpreisträgers vermerkt und seine Satzfetzen in ihre Notizblöcke gekritzelt. Das Zusammentreffen an dem spartanischen Airport von Talara bleibt auf beiden Seiten ein wenig verkrampft, unschlüssig und abwartend verharren die Redakteure in entsprechendem Abstand zum prominenten Besucher am Fuße der Flugzeugtreppe. Der Respekt.

Aus dem Reporter-Trio stößt als Erster der junge Mario Saavedra-Pinón vom feinen El Comercio vor, beherzt nähert er sich Ernest Hemingway und spricht den amerikanischen Schriftsteller von Angesicht zu Angesicht auf Spanisch an: „Ich soll Ihnen Grüße von einem gemeinsamen Freund überbringen“, sagt der Peruaner, hält kurz inne und fährt dann fort, „von Edward Murrow.“ Der bekannte US-Radioreporter besitzt in der Medienwelt Amerikas den Status einer journalistischen Legende.

This is London, so begann Edward Murrow auf CBS seinen täglichen Kriegsbericht für das Publikum an den Radiogeräten in den USA. Es war im Winter 1940, auf die englische Hauptstadt fielen die Bomben der deutschen Luftwaffe. This is London war stets Ed Murrows Opener. Und keiner bekam den Anfang so hin wie er. Nach dem ersten Wort This setzte er eine winzige Kunstpause, und prompt war das unverkennbare Markenzeichen dieser kraftvollen Radiostimme geboren.

Edward Murrows Reportagen aus dem Zweiten Weltkrieg endeten jeweils mit einer Redewendung, die dann noch populärer wurde: Good night, and good luck. Gute Nacht und viel Glück. Dieser Wunsch klang dramatisch, an einem Abend, an dem man hoffte, dass genug Glück vorhanden sein würde, dem Terror der braunen Bomben zu entkommen. Am 15. April 1945, der Krieg lief auf sein Ende zu, schilderte Murrow seinen Zuhörern, was er nach der Befreiung des KZ Buchenwald bei Weimar vorgefunden hatte. Die Leichen dort im Krematorium seien stacked up like cordwood, aufgestapelt wie die Holzscheite.

Mario Saavedra-Pinón traf auf Edward Murrow im Jahr 1955, als dieser beruflich Peru besuchte. Der US-Amerikaner wollte über Pedro Beltrán berichten, den Verleger der Tageszeitung La Prensa, den der rechtsgerichtete Präsident Manuel Odría nach einer politischen Intrige ins Gefängnis gesteckt hatte. Mario Saavedra und Ed Murrow hatten im Club Nacional, das war damals der Treffpunkt der Bänker und Aristokraten in Lima, zu Mittag gegessen und der Peruaner hatte sich mit dem berühmten Kollegen angefreundet.

Mit dem Hinweis auf die CBS-Ikone hat der Redakteur von El Comercio auf dem Flughafen von Talara das Eis bei Ernest Hemingway auf Anhieb gebrochen. Danke sehr, antwortet der Schriftsteller, und umarmt den jungen Reporter. Als nächster wird Jorge Donayre Belaúnde und als letzter Manuel Jesús Orbegozo von La Crónica mit einem abrazo geherzt. In seiner Hochstimmung bittet Mario Saavedra-Pinón, noch etwas zurückhaltend, den Nobelpreisträger um ein Autogramm.

Ernest Hemingway und die drei Redakteure verstehen sich immer besser. Besonders der 27-jährige Berichterstatter des El Comercio bekommt nach kurzer Zeit einen guten Draht zu dem weltbekannten Autor. Mario Saavedra, er entstammt einer angesehenen Familie, ist von den dreien zwar der Jüngste, jedoch bereits mit allen journalistischen Wassern gewaschen. Kein Wunder, dass er von den drei Reportern in Talara formell den höchsten Rang innehat.

Saavedra ist trotz seiner jungen Jahre bereits Jefe de Información bei seiner renommierten Zeitung, eine Position, die in etwa einem Ressortleiter entspricht. Doch Ernest Hemingway versteht sich nicht nur mit dem Mann des El Comercio gut, sondern ebenfalls mit dem sieben Jahre älteren Jorge Donayre Belaúnde von La Prensa und mit Manuel Jesús Orbegozo von La Crónica. Der prominente Autor jedenfalls drückt die drei peruanischen Journalisten an seine breite Brust, als ob er sie bereits ein halbes Leben kennen würde. Und ganz so, wie in Südamerika ein abrazo, eine Willkommensumarmung, unter Freunden üblich ist.

„Er hat ständig seine Hamsterbacken aufgeblasen und hat wieder und wieder gelächelt“, erinnert sich Manuel Jesús Orbegozo, der an diesem Morgen am lautesten Ernest, Ernest gebrüllt hat. „Alles um ihn herum war ein Lächeln.“ Gerade Manuel Jesús Orbegozo, ein durch seine breite schwarze Hornbrille jovial dreinschauender Peruaner aus Otuzco, der einen guten Kopf kleiner ist als Ernest Hemingway, wirkt nach der Umarmung durch den Nobelpreisträger wie aufgedreht.

Der Redakteur aus Lima, er ist mit einem luftig weißen Hemd gekleidet und trägt eine helle Kappe aus Baumwolle, zeigt sich beeindruckt von der Offenheit und der Umgänglichkeit des hochgestellten Autors. Seit langem verehrt er den Amerikaner als größten Schreiber überhaupt. (Anfang von Kapitel 4 der Neuerscheinung Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. Eine weitere Leseprobe: hier klicken)

Hollywood hat einen Plan für Peru

Das Begrüßungskomitee für die Hemingways im peruanischen Talara: Mario Saavedra, Jorge Donayre und Manuel Jesús Orbegozo.
Flughafen ‚El Pato‘, am 16. April 1956

Ein kleines Empfangskomitee hat sich in Talara eingefunden, die drei Journalisten aus Lima, Angestellte des Flughafens, ein paar Schaulustige. Für gewöhnlich ist Ernest Hemingway, seit zwei Jahren mit den Würden des Nobelpreises gesegnet, anderes gewöhnt. Jedoch befinden wir uns in Peru, an der nördlichen Spitze eines rassisch und sozial tief gespaltenen Landes. Die Geschäftigkeit spielt sich in den Reichenvierteln der amerikanisierten Hauptstadt ab und alles, was in den entlegenen Provinzen geschieht, wo überwiegend Indios und Mestizen leben, wird nicht so recht zur Kenntnis genommen.

So gut wie nie verirrt sich solch ein illustrer Gast in diese trostlose Gegend. Doch Hollywood hat sich für Peru einiges einfallen lassen. Die Warner Bros., der Leinwand-Gigant aus Los Angeles, konnten sich für viel Geld, man munkelt über 300.000 Dollar, die Filmrechte an Hemingways Erfolgsroman Der alte Mann und das Meer sichern. Dieser Geldregen ist ein Vermögen in den 1950er Jahren, um die heutige Kaufkraft zu berechnen, muss man den Betrag mit dem Faktor 8 vervielfachen.

Nach frühen Hungerjahren in Paris ist Ernest Hemingway ein fürstlich bezahlter Schreiber. Vor allem ein glücklicher Umstand lässt sein Bankkonto rapide anwachsen, er braucht nichts zu tun: Zu seinen Lebzeiten werden elf seiner Romane und Kurzgeschichten von Hollywood verfilmt. Der bärtige Amerikaner ist mit solchen Windfall Profits einer der bestbezahlten Schriftsteller überhaupt, mit den Filmtantiemen verdient er in manchen Jahren mehr als mit seinen Büchern. Der Autor ist materiell ein gemachter Mann, vielfacher Millionär, erstaunlich für eine Branche, in der sich sonst eher die Überlebenskünstler tummeln.

Der Hollywood-Manager Leland Hayward ist eigens nach Havanna geflogen, um Ernest Hemingway das Filmprojekt und die Vorgehensweise der Produktionsfirma persönlich vorzustellen. Mit Peter Viertel hat er einen jungen, dennoch erfahrenen Drehbuchautor im Schlepptau. Fünf Jahre zuvor hat der in Dresden geborene Viertel, als Achtjähriger ging er 1928 mit den Eltern nach Kalifornien, das Skript zu African Queen geschrieben, dem Erfolgsfilm des Filmemachers John Huston.

Dem aufstrebenden Drehbuchschreiber, er ist Sohn einer Schauspielerin und eines Regisseurs aus Deutschland, obliegt die Bürde, Hemingways weihevolle Sprachmelodie von der Novelle auf die Leinwand zu übertragen. Ernest Hemingway und Peter Viertel lernen sich bei diesem Anlass kennen, der Schriftsteller findet augenblicklich Gefallen an dem umtriebigen Kerl. Er ist ein Typ ganz nach seinem Gusto: Im Zweiten Weltkrieg bei den Marines im Südpazifik ist er verwundet worden, später hat er für den US-Geheimdienst gearbeitet. Zwischen den beiden Männern entsteht rasch eine enge Freundschaft.

Die eindrucksvollen Angelszenen des Films, die für die Handlung so wichtig sind, will das Hollywood-Studio auf dem peruanischen Ozean vor Cabo Blanco drehen. Man hat dafür diese Gegend gewählt, weil sich rund um die Äquatorlinie die größten Fische auf diesem Planeten finden lassen. Ernest Hemingway wendet sich an seinen alten Kumpel Kip Farrington, den er seit den 1930er Jahren von zahlreichen gemeinsamen Angeltouren in der Karibik her kennt… (Anfang von Kapitel 3 der Neuerscheinung Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. Eine weitere Leseprobe: hier klicken)

Aus heiterem Himmel landet Ernest Hemingway in Talara

Der Meister schwebt ein. Talara in Nordperu, am 16. April 1956.

Am frühen Morgen des 16. April 1956, es ist ein Montag, landet die vierpropellerige Douglas DC-7B auf dem Flughafen von Talara. Um kurz vor halb acht Uhr rollt die silbergraue Maschine der Fluggesellschaft Panagra unter dem ohrenbetäubenden Gedröhne der Motoren und mit dem monotonen Klackern der Propellerblätter auf der schlichten Landebahn im Norden Perus aus. Panagra, ein Tochterunternehmen der US-amerikanischen PanAm, hat sich auf Passagier- und Frachtflüge nach Südamerika spezialisiert.

Viermal in der Woche bedient die Airline die Strecke von Miami über Panama und Lima bis hinunter nach Santiago de Chile und Buenos Aires. Eine Verbindung, deren erste Etappe, von Florida nach Peru, über Nacht durchgeführt wird. Die Panagra fliegt auf ihrer Südamerika-Route auch kleine Flughäfen wie jenen von Talara an. Die Provinzstadt liegt im Norden Perus, direkt an der Pazifikküste, nicht weit von der Grenze zu Ecuador entfernt.

Beim Anflug auf Talara erkennt man aus den Fensterluken des Flugzeuges hinter weichen Nebelschleiern einen endlos grauen Teppich vor dem blauen Meer, eine knochentrockene Wüstenlandschaft, soweit das Auge reicht. Eigentlich gehört der Flughafen, den die US-Marines gebaut haben und den die Einheimischen El Pato nennen, der International Petroleum Company, einem Ölmulti, der im Pazifik vor Talara riesige Erdölfelder ausbeutet. Weil die Bonanza nach dem schwarzen Gold Arbeitskräfte und Glücksritter aus dem ganzen Land anzieht, wächst die Region in Riesenschritten.

Ein paar Tage zuvor hat die US-amerikanische Nachrichtenagentur UP die Visite des Nobelpreisträgers angekündigt. Mit dem Datum 13. April 1956 kabelt der UP-Korrespondent aus Havanna eine 40 Zeilen-Meldung an Zeitungen in alle Welt. „Der Schriftsteller Ernest Hemingway und seine Ehefrau Mary werden am Sonntagnachmittag nach Peru fliegen und dort auf die Jagd nach einem 700 Kilogramm Blaumarlin gehen.

Die Filmaufnahmen davon werden für die Verfilmung seines Romans Der alte Mann und das Meer verwendet.“ Und weiter heißt es in der kurzen Meldung der United Press: „Der Schriftsteller gab der Hoffnung Ausdruck, den Fisch in drei oder vier Wochen fangen zu können. In zahlreichen Monaten des vergangenen Jahres konnte ein Fisch von einer solchen Größe nicht in den Gewässern vor Kuba geangelt werden.“

Einen peinlichen Patzer leistet sich Reuter, die renommierte britische Nachrichtenagentur, die von dem deutschen Exilanten Paul Julius Reuter gegründet wurde. Die Londoner Agentur schmeißt die Länder durcheinander. Hemingway for Persia, kabelt Reuter am 15. April 1956 an die ihr angeschlossenen Medienhäuser. Ernest Hemingway plans to leave his home tomorrow and fly to Persia with his wife to catch fish for use in filming his Nobel Prize winning novel ‚The Old Man and the Sea‘.

Doch der prominente Schriftsteller reist nicht nach Persien, sondern nach Peru. Die meisten Tageszeitungen drucken die korrekte Meldung ab, gleichwohl geben die zahlreichen Medien den Sachverhalt nicht akkurat wieder. Für den Film soll kein Blaumarlin, vielmehr ein schwarzer Marlin gefangen werden, der größte Fisch aus der Familie der Marline. Denn einen blauen Marlin hätte man, mit etwas Anglerglück, auch im Golf vor Kuba erlegen können.

Die Filmgesellschaft aus Los Angeles hat vielerlei Überlegungen angestellt, wie mit den Außenaufnahmen des Filmes am besten zu verfahren ist, denn im Meer rund um Kuba hat man keine imposanten Fische aufnehmen können. In einem Vorführraum …
(Anfang von Kapitel 2 der Neuerscheinung Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. Eine weitere Leseprobe: hier klicken)

Novedad: Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru

El 15 de abril de 1956, Ernest Hemingway y su esposa Mary Welsh parten desde su residencia cubana cerca de La Habana en un viaje de varias semanas a Cabo Blanco. En este pueblecito pesquero peruano van a rodarse algunas escenas de la película El viejo y el mar, basada en su novela homónima.

Casi todos los días, el barbudo norteamericano sale con unos amigos a pescar al Pacífico. ¿Por qué Ernest Hemingway está tan obsesionado por atrapar un marlín negro en la costa peruana? Este animal más grande que el ser humano puede doblegar con su propia fuerza.

La vida de Ernest Hemingway está documentada hasta el último de sus rincones, pero se sabe muy poco sobre los 36 días que el escritor pasó en el Perú. Sesenta años después de la visita del premio Nobel, Wolfgang Stock sigue el rastro de la expedición. Además de hallar numerosos indicios, como documentos y fotografías, el periodista alemán entrevistó a octogenarios que todavía recuerdan a Ernesto con tanta viveza como si lo hubieran visto ayer.

Wolfgang Stock desempolvó algunos archivos, contactó con escritores, buscó información en artículos de periódicos y revistas, fotografías y otras fuentes. También visitó con el ojo clínico de un investigador los lugares por los que pasó el escritor en el Perú, en Cuba, en Estados Unidos y en Europa.

Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru reconstruye el viaje de un simpático aventurero, con sus sueños y sus esperanzas. Pero también retrata la imagen de un hombre envejecido y cada vez más vencido por sus miedos y contradicciones.

Viajando por un Perú fascinante de la mano de Ernest Hemingway, acompañado de los pescadores locales y los reporteros insistentes, tal vez sea posible acercarse un poco a la fascinación y al secreto de este rey de la literatura moderna.

Wolfgang Stock
Cabo Blanco
Mit Ernest Hemingway in Peru
364 páginas, BoD
12,99 € (tapa blanda), 6,99 € (libro electrónico)
ISBN: 9783751972567
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Abflug

Mr. und Mrs. Hemingway in aufgeräumter Stimmung.
Miami International Airport, am 15. April 1956.

Der Nobelpreisträger lächelt. Selten genug. Sanft umfasst die kräftige Hand des Autors Marys zierlichen Oberarm. Seine Ehefrau schaut liebevoll auf zu ihm, während sie seine Krawatte zurechtzupft. Ernest trägt nur ab und an einen Schlips, höchstens bei offiziellen Anlässen oder auf wichtigen Reisen. Der Schriftsteller hat seine blaue Krawatte mal wieder viel zu kurz gebunden, trostlos baumelt das gute Stück vor seinem karierten Tweed-Jackett. Auch Mrs. Hemingway kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Das Ehepaar wirkt wie aufgekratzt, denn die beiden zieht es von Neuem hinaus in die Ferne.

An diesem Sonntagabend legen der amerikanische Autor und seine Ehefrau Mary Welsh einen Zwischenstopp auf dem Miami International Airport ein. Das Ehepaar ist aus Kuba, wo die Hemingways auf einer Finca in der Nähe von Havanna ihren Wohnsitz halten, herüber nach Florida geflogen. Smiling Ernest Hemingway gets a final touch-up from his wife Mary, just before leaving Miami Sunday night for Talara, Peru, so wird die lokale Tageszeitung, der Miami Herald, unter das Foto schreiben, das den Schriftsteller in bester Laune zeigt.

Ein lächelnder Ernest Hemingway erhält von seiner Frau Mary eine letzte Nachbesserung, kurz bevor das prominente Paar an diesem Sonntag Florida verlässt, Richtung Talara in Peru. Der Schnappschuss im Flughafen von Miami strahlt eine innige Vertrautheit und Zuneigung aus, vielleicht ist die Liebe des prominenten Ehepaares ja doch noch nicht ganz und gar aufgebraucht.

Die beiden leben zu diesem Zeitpunkt seit zehn Jahren zusammen und bislang sind keine unschönen Meldungen aus ihrem Ehealltag nach außen gedrungen. Höchstens ein paar boshafte Gerüchte, wie sollte es anders sein, bei einem Mann, der zum vierten Mal verheiratet ist.

Immer wenn es ans Meer geht, hellt sich die Gemütslage des Nobelpreisträgers auf. Der Kalender zeigt den 15. April des Jahres 1956. Aus dem Lautsprecher in der Airport-Lounge tönt die Stimme des Sängers Perry Como mit einem ungewohnt hämmernden Rhythmus, Oh! Jukebox Baby, my Jukebox Baby.

Diese neuartige Musik, die mit dem ruppigen Beat des Rock ‚n‘ Roll gegen die alte Spießigkeit aufbegehrt, verkörpert ein neues Lebensgefühl, das Ernest Hemingway jedoch irgendwie fremd geblieben ist. Auch im Kino hat James Dean vor einigen Monaten in dem Filmstreifen Rebel Without a Cause den Protest der Halbstarken gegen die biedere Welt der Eltern in das brave Amerika hinausgebrüllt. All dies ist an den Hemingways mehr oder weniger vorbeigegangen, weil das Ehepaar zurückgezogen lebt auf einer tropischen Farm im kubanischen Dorf San Francisco de Paula, weitab von Gut und Böse.

Mr. und Mrs. Hemingway steigen in Miami in ein Flugzeug um, das sie über Nacht nach Peru bringen wird. Genauer gesagt nach Talara, in den Norden des Andenlandes, und von dort geht es mit dem Auto die Panamericana entlang nach Cabo Blanco, einem winzigen Fischerdorf am Pazifik. Der Black Marlin Boulevard, ein fischreicher Küstenstreifen südlich der Äquatoriallinie, gilt unter Hochseeanglern als legendenumrankte Destination.

Ernest Hemingway, seine Ehefrau und einige Freunde werden 36 Tage und Nächte – vom 16. April bis zum 22. Mai 1956 – im Cabo Blanco Fishing Club residieren, in unmittelbarer Nähe zum Meer. Der Schriftsteller wird das Pazifiknest in diesen fünf Wochen kein einziges Mal …. 
(Anfang von Kapitel 1 der Neuerscheinung Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. Eine weitere Leseprobe: hier klicken)

Es geht gut an…

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New: Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru

On April 15, 1956, Ernest Hemingway and his wife Mary set off from their home near Havana on a five-week trip to Cabo Blanco. The offshore filming for the Hollywood motion picture The Old Man and the Sea was to take place near this Peruvian fishing village. Almost every day Hemingway went out marlin fishing on the Pacific with friends.

Why was the author so eager to catch a marlin off the coast of Peru? Perhaps because this is the largest animal that humans can conquer with their own strength.

Ernest Hemingway’s life has been examined in great detail. Very little, though, is known about those days in Cabo Blanco. More than 60 years after the Nobel Prize winner’s visit to Peru, the German journalist Wolfgang Stock retraced Hemingway’s steps.

Stock searched through dusty archives, tracked down old newspaper articles and photos, but also found witnesses who remember Ernesto as vividly as if they had just met.

Determined to discover every detail of Hemingway’s stay in Cabo Blanco, Stock travelled to Peru, Cuba, the USA and around Europe. The result, in clear and concise language, is an account of Ernest Hemingway’s weeks in Cabo Blanco as well as a retrospective assessment of his frame of mind.

Hemingway was, at this time, still the big-hearted adventurer with hopes and dreams, but also a man no longer in the prime of life and increasingly crushed by fears and contradictions. In Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru we see him through the eyes of both local fishermen and savvy reporters and are given the chance to decode the fascination and the secrets of this literary giant just a little more.

Wolfgang Stock
Cabo Blanco
Mit Ernest Hemingway in Peru
364 pages, BoD
12,99 € (Paperback), 6,99 € (E-Book)
ISBN: 9783751972567
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Neu: Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru

Am 15. April 1956 brechen Ernest Hemingway und seine Ehefrau Mary von ihrem Wohnsitz nahe Havanna auf zu einer mehrwöchigen Reise nach Cabo Blanco. In dem abgelegenen peruanischen Fischerdorf sollen die Außenaufnahmen zur Hollywood-Verfilmung von Der alte Mann und das Meer stattfinden.

Fast jeden Tag, von früh bis spät, wird der bärtige US-Amerikaner mit einigen guten Freunden hinaus auf den Pazifik fahren. Warum ist Ernest Hemingway so versessen darauf, in Peru einen schwarzen Marlin zu fangen? Dieses größte Lebewesen, das der Mensch mit eigener Kraft zur Strecke bringen kann.

Auch wenn Ernest Hemingways Leben bis in kleinste Winkel ausgeleuchtet ist, so weiß man über seine 36 Tage in Peru recht wenig. Gut 60 Jahre nach dem Besuch des Nobelpreisträgers ist der deutsche Journalist Wolfgang Stock der Expedition nachgereist. Neben zahlreichen Dokumenten, Fotos und Spuren findet er Zeitzeugen, die sich so lebhaft an Ernesto erinnern, als sei er gestern um die Ecke gebogen.

Zusätzlich hat Wolfgang Stock Archive entstaubt, Kontakte aufgebaut, nach Zeitungsartikeln, Fotos und sonstigen Informationen gesucht. Er hat Schauplätze in Peru, auf Kuba, in den USA und in Europa sorgfältig in Augenschein genommen. Ernest Hemingways fünf Wochen in Cabo Blanco und die Seitenblicke sollen anschaulich und detailgenau in diese literarische Entdeckungsreise einfließen.

Das Buch Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru rekonstruiert den Aufenthalt eines sympathischen Abenteurers mit Träumen und Hoffnungen. Es zeichnet aber auch das Bild eines gealterten Mannes, der mehr und mehr zerrieben wird von seinen Ängsten und Widersprüchen.

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Wolfgang Stock
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Ernest Hemingway und die Marsmenschen

Ernest Hemingway im Kreise der Bruderschaft der Marsmenschen, im Cabo Blanco Fishing Club, im Mai 1956.

Eine kuriose Begegnung ereignet sich Anfang Mai 1956 in Cabo Blanco an der peruanischen Pazifikküste. Aus dem 370 Kilometer entfernten Chiclayo hat sich La Hermandad de los Marcianos, die Bruderschaft der Marsmenschen, angesagt. Diese Bruderschaft, im Dezember 1955 von José Arana, Pancho Cabrea und Ernesto García gegründet, ist kein sinistrer Haufen von Verschwörungsanhängern oder politisch Verirrten.

Vielmehr ist die Hermandad aus der Küstenstadt Chiclayo ein fideler Freundeskreis, in dem bei lauter Musik gut gegessen, viel gelacht und noch mehr getrunken wird. Pepe Arana hat die Hymne der Marcianos geschrieben, die nun im Fishing Club intoniert wird:

Para asentar el marisco: pisco!
para el hígado en destronque: yonque!
para el dolor de cabeza: cerveza!
para el flojo intestino: vino!
para los males del riñón y el corazón: ron!
y para la desdicha, la espumante chicha!

Dies ist ein ziemlich aufgedrehtes Loblied aufs Saufen und aufs Volllaufen lassen, dass sich zudem wunderbar zum Schmettern reimt und frei übersetzt kann man die Verse in etwa so verorten:

Damit der Fisch sich richtig sitzt: Schnaps!
Damit die Leber nicht schlapp macht: Likör!
Gegen die Kopfschmerzen: Bier
Gegen den kraftlosen Darm: Wein!
Gegen den Schmerz in Nieren und Herz: Rum!
und gegen das ganze Elend hier, schäumendes Maisbier!

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Marcianos2017.jpg

Die Hermandad Marciana gibt es in Chiclayo noch heute. Gutes Essen und viel Trinken gehören nach wie vor zu ihren Grundsätzen.

Die ulkige Freizeit-Truppe der Marsmenschen ist in den Cabo Blanco Fishing Club eingefallen, um dem Schriftsteller die Ehre zu erweisen. Bei dieser Gelegenheit will man den prominenten US-Amerikaner in einer kleinen Zeremonie zum Hermand ad Marciana ernennen.

Bekanntlich ist der auf Kuba lebende Ernest Hemingway ja ebenfalls ein Freund der flüssigen Prozente. Der bärtige Nobelpreisträger, keinem Jux abgeneigt, wird jedenfalls an diesem 8. Mai 1956, es ist ein Dienstag, in Cabo Blanco feierlich zum Mitglied der saufenden Bruderschaft aus Chiclayo berufen.

Möglicherweise hat der Mann aus Chicago das Schelmenstück an der Pazifikküste Perus nicht in jeder Hinsicht durchschaut, muss man ja auch nicht unbedingt. Vielleicht hat der leicht überrumpelte Ernest Hemingway gedacht, die Marcianos haben etwas mit seinem geliebten Mar zu tun, zumal Chiclayo nahe dem Meer liegt.

Es ist Halbzeit von Hemingways fünfwöchigem Besuch in Cabo Blanco und die Stimmung ist allseits prächtig. Jedenfalls posiert ein Dutzend gut gekleideter und gesitteter Bürger der peruanischen Mittelschicht, die Samstag Abend gerne einen heben, im

Was hat Ernest Hemingway in Peru verloren?

Ernest Hemingway bei der Ankunft in Peru. Der junge Reporter Mario Saavedra-Pinón vom El Comercio aus Lima holt sich ein Autogramm ab. Talara, den 16. April 1956. Foto: Guillermo Alias.

Auch wenn das Leben des bärtigen Amerikaners bis in kleinste Winkel bestens ausgeleuchtet ist, so weiß man über Ernest Hemingways Abstecher nach Peru im April und Mai 1956 nicht allzu viel. Seine fünf Wochen in Cabo Blanco, so sie denn überhaupt Beachtung finden, bleiben in den Biographien und Abhandlungen über den prominenten Autoren seltsam konturlos und meist auch fehlerhaft. Es mag dem Umstand geschuldet sein, dass sein Ziel diesmal doch weit ab vom Schuss liegt.

Cabo Blanco? Was zum Teufel sucht der Nobelpreisträger, dieser freche Abenteurer und rastlose Schürzenjäger in einem abseitigen Nest wie Cabo Blanco? Ein vergessenes Fischerkaff mit gerade einmal 500 Bewohnern. Peru bleibt, das mag erstaunen, das einzige Land Südamerikas, das Ernest Hemingway jemals bereist hat.

Der amerikanische Nobelpreisträger kennt die Karibik gut, Kuba, die Bahamas, die Florida Keys, er hat mehrmals Mexiko besucht, doch Südamerika bleibt für den allseits anerkannten Schriftsteller Terra incognita – mit der bemerkenswerten Ausnahme Peru. Er, der Kosmopolit und Weltenbummler, hat sich nie das ausschweifende Rio de Janeiro angeschaut, nicht das betuliche Montevideo und das frühlingshafte Buenos Aires muss ebenfalls auf ihn verzichten.

Hingegen begibt er sich wochenlang nach Cabo Blanco, in ein trostloses Kaff mit ein paar ärmlichen Bretterbuden an einer staubigen Dorfstraße. Der berühmte amerikanische Autor, zwei Jahre zuvor hat man ihm den Nobelpreis für Literatur verliehen, reist in ein doch ziemlich vergessenes Eckchen dieses Erdballs.

Dabei wird der Aufenthalt in Cabo Blanco am peruanischen Pazifik bedeutsam für den Schriftsteller, in vielerlei Hinsicht. Ernest Hemingway gibt in dem umwerfenden Spanien-Roman Gefährlicher Sommer seinen Lesern dazu einen ersten Fingerzeig.

Von Ende Juni 1954 bis August 1956 waren wir auf Kuba und arbeiteten. Ich war in schlechter Verfassung. Ich hatte mir bei Flugzeugabstürzen in Afrika schwere Rückenverletzungen zugezogen und versuchte, wieder auf die Beine zu kommen. Niemand wusste genau, was aus meinem Rücken werden würde, bis wir das Ganze vor Cabo Blanco in Peru auf die Probe stellten, als wir für den Film ‚Der alte Mann und das Meer‘ einen riesengroßen Marlin fischen mussten.

Er hat sich wiederum einiges vorgenommen. Der Schriftsteller will in Peru endlich wieder voll auf die Beine kommen, körperlich wie mental. Und möglicherweise auch als Schreiber. Für ambitionierte Herausforderungen ist Cabo Blanco wie geschaffen. In dieses Angelparadies am wilden Pazifik kommen Ernest Hemingway und seine Freunde, um einen schwarzen Marlin zu fangen.

Im Ozean vor Cabo Blanco finden sich gigantische schwarze Marline, ein Fisch over fifteen hundred pounds. Es ist jener riesige Marlin, der in Hemingways fabelhaftem Roman Der alte Mann und das Meer neben dem alten Mann Santiago und dem Jungen Manolín die Hauptrolle spielt.

In Cabo Blanco sollen

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