Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

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Die Hölle von Hürtgen: Wie der Zweite Weltkrieg Ernest Hemingway desillusioniert

Hürtgenwald
Hürtgen ist ein blutiges Gemetzel, wo es Pferdescheiße satt zu essen gab. Foto: W. Stock, August 2026.

Im Hürtgenwald bekommt Ernest Hemingway Dutzende gefallene Soldaten zu Gesicht. Heranwachsende Kerle, so alt wie sein von der Wehrmacht inhaftierter Sohn Jack. Blutjunge Burschen, die ihr ganzes Leben vor sich gehabt hätten. Und nun liegen sie wie Eisblöcke auf dem Frostboden der Nordeifel. Entstellt, verstümmelt, gefroren. Tot in einem Krieg, mehr als 8.000 Kilometer fern der Heimat. Auf das schreckliche körperliche und mentale Leid vermag Ernest anfänglich nur mit Zynismus zu reagieren.

Wir bekamen viel Ersatz, aber ich dachte, es sei einfacher, sie dort, wo man sie auslud, zu erschießen, anstatt dass man später versuchen musste, sie von dort zurückzuholen, wo sie getötet worden waren.

Der Schriftsteller, der den Krieg bislang mit romantischer Verklärung betrachtet, gerät im Angesicht der brutalen Realität ins Wanken. Bis zu diesem Moment ist Ernest fest von der Existenz eines „guten Krieges“ überzeugt – von einem Kampf, der zwar hart, aber kurz, gerecht und von bedingungsloser Kameradschaft geprägt ist.

Die Schlacht in der Nordeifel bricht ganz und gar mit jedem seiner Idealbilder. Die schiere Wucht dieses endlosen Gemetzels hinterlässt bei ihm eine tief sitzende Abscheu vor den Absurditäten des Krieges. Die Kampfhandlungen um die Siegfried-Linie sind ein monatelanges Blutbad im frostigen Wald, nur um ein paar Quadratkilometer Bäume unter Kontrolle zu bringen. Hürtgen ist ein tiefblutiges Gemetzel, wo es Pferdescheiße satt zu essen gab, bis man schwer verwundet ist oder getötet wird oder verrückt.

Erst Mitte Januar 1945 gewinnen die US-Truppen merklich an Boden. In der Ardennenoffensive, von deutscher Seite als Entlastung angelegt, verliert die Wehrmacht zahlreiche Soldaten und schwere Geländefahrzeuge, die für die Unterstützung der Westfront fehlen. Den GIs gelingt es daraufhin, den Hürtgenwald zu durchqueren. Nach erneuten heftigen Kämpfen fällt die Ortschaft Schmidt Anfang Februar 1945 endgültig an die US-Truppen.

Im weiteren Verlauf brechen die Stellungen der Wehrmacht nacheinander ein, woraufhin den alliierten Kräften der Durchbruch bis kurz vor Schleiden gelingt. Am 4. Februar fällt die Urfttalsperre in amerikanische Hand. Die Schwammenauel-Talsperre, die große Rurtalsperre, wird sechs Tage später erreicht und eingenommen. Damit ist der deutsche Widerstand in diesem Abschnitt endgültig gebrochen.

Die erbitterten Kämpfe um den Westwall haben fast ein halbes Jahr gedauert, bis Februar 1945 wird in der Nordeifel gefochten. Acht Infanterie-Divisionen und zwei Panzer-Divisionen werden im Hürtgenwald aufgerieben. Die amerikanischen Truppen verlieren 24.000 Soldaten, auf deutscher Seite fallen 13.000 Wehrmachtsangehörige.

In der Nordeifel bleibt ein riesiges Trümmerfeld zurück. Jülich und Düren liegen in Schutt und Asche, ebenso wie die kleinen Dörfer in der Umgebung. In den Hürtgenwald haben sich Schneisen aus Brandbomben und Sprengkörpern eingekerbt, Tausende Tote sind zu bergen. In den USA hat sich die Schlacht im Hurtgen Forest viel stärker ins Bewusstsein gepresst als in Deutschland. Für die Amerikaner sind die Kämpfe im Hürtgenwald die längste und verlustreichste Schlacht auf deutschem Boden.

Fast einen ganzen Monat hat der Schriftsteller die Schlacht rund um Hürtgen im Winter 1944 beobachtet. Am 4. Dezember kehrt Ernest Hemingway, erschöpft und niedergedrückt, nach Paris zurück. Der 45-Jährige hat sich in der frostklirrenden Winterlandschaft der Eifel eine schwere Lungenentzündung eingefangen, dazu plagen ihn andauernde Kopfschmerzen.

Hemingway ist nach dem 4. Dezember nicht endgültig aus dem Kriegsgeschehen heraus. Am 17. Dezember 1944 fährt er nach Luxemburg, um über die Ardennenoffensive zu berichten. Doch er ist

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Hemingway im Hürtgenwald: Die blutige Schlacht um Großhau und Schmidt

Hemingway Trail
Wo früher eine blutige Schlacht stattfand, ist heute ein Wanderweg auf den Spuren Hemingways im Hürtgenwald eingerichtet. Foto: W. Stock, August 2026.

Am 15. November befindet sich Hemingway im Hauptquartier bei seinem Freund Colonel Buck Lanham. Der Zeitpunkt könnte nicht dramatischer sein: Schon am folgenden Tag beginnt für die 3.200 Soldaten des Regiments die Operation Queen. Der Auftrag lautet, das von der Wehrmacht fanatisch verteidigte Großhau einzunehmen, um den Weg in Richtung Rur zu ebnen. Hemingway ist an Lanhams Seite, als dieser vor der Offensive seine Einheiten inspiziert.

Nach vierzehntägigen Kämpfen fällt das kleine Dorf am 29. November 1944. Als Ernest die Ruinen besichtigt, liegt der Ort noch immer unter deutschem Artilleriefeuer. Der Preis für den Geländegewinn ist extrem hoch: Das 22. Infanterieregiment verliert 2.773 Mann – Tote, Verwundete und Vermisste.

Der Winter 1944/1945 ist in der Eifel einer der kältesten seit Jahrzehnten. Die US-Soldaten sind in Kleidung und Ausrüstung nicht auf Kämpfe in Schnee und Frost vorbereitet. Alles ist neu für sie, die Amerikaner haben bisher nie in einer solch harschen Winterlandschaft gekämpft. Selbst am Tag bleibt es bitterkalt und bei Nachttemperaturen von minus 20 Grad erfrieren den Infanteristen in den Stellungen die Arme und Beine.

Die US-Truppen stecken in der Eiseskälte fest; jeder Meter Boden muss unter schwersten Verlusten abgerungen werden. Seit Wochen ist die Frontlinie zwischen Vossenack und dem auf einem Plateau gelegenen Kommerscheidt wie eingefroren. Bei eisigen Temperaturen, dichtem Nebel und zerklüftetem Gelände liefern sich beide Seiten einen erbitterten Abnutzungskampf, bei dem keiner der Kriegsparteien ein entscheidender Durchbruch gelingt – ein zermürbender Stillstand, der den Soldaten auf beiden Seiten das Letzte abverlangt.

Seit Wochen schon zieht sich die Allerseelenschlacht, auch bekannt als die Battle for Schmidt. Das Dorf bei Nideggen ist der Kreuzungspunkt vieler Wege und durch seine Lage auf einer Anhöhe im so genannten Stolberg-Korridor operativ von Gewicht. Ab dem 2. November ringen die US-Armee und die Wehrmacht um jede Straße und jedes Gebäude.

Die amerikanischen Verbände versuchen, den Ort zu erobern, während die deutsche Seite in einem Häuserkampf mit aller Kraft Widerstand leistet. Die US-Truppen nehmen Schmidt schließlich ein. Wenig später müssen sie den kleinen Ort aber nach deutschen Gegenangriffen wieder aufgeben.

Wegen der zahlreichen Erdhügel und Waldungen ist das Gelände um die Eifeldörfer in hohem Grade unübersichtlich. Tagelang fechten die US-Truppen am Ochsenkopf und am weiter östlich gelegenen Burgberg gegen einen fast unsichtbaren Feind. Die Wehrmacht hat sich in den Bergbunkern verschanzt und feuert ihre Gewehrsalven auf die überlasteten Angreifer. Erst am 7. Dezember 1944 erobern die Amerikaner die strategisch wichtige Anhöhe.

Im westlichen Hürtgenwald bewegt sich Ernest nur wenige Kilometer vom Kampfgeschehen entfernt. Aufenthalte so nahe der Front bleiben mit Risiken verbunden. Auch Hemingway selbst gerät in Gefahr.

Auf einer Ausfahrt am 3. Dezember brüllt er den

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Werner Kleeman mit Salinger und Hemingway in Zweifall

Zweifall
In der Jägerhausstraße des Eifeldorfs Zweifall findet im November 1944 die Begegnung von Ernest Hemingway und J. D. Salinger statt. Foto: W. Stock, August 2026.

Mitte November 1944 erlebt das kleine Dorf Zweifall eine stille Sensation. Zwei der bekanntesten Schriftsteller des Jahrhunderts treffen in diesem Eifelort bei Stolberg aufeinander. Es ist Werner Kleeman, der die Erinnerung an das Treffen in seinen Erzählungen und Briefen lebendig hält. J. D. Salinger, Ernest Hemingway und er sind einen ganzen Abend zusammen gewesen. Heute erinnert wenig an die berühmten Gäste.

Das ehemalige Büro des PRO, in dem militärischen Nachrichtenbüro fand die Begegnung statt, ist heute ein normales Wohnhaus. Es gehört einer alteingesessenen Familie aus Zweifall. Werner Kleeman beschreibt das Brick House in der Jägerhausstraße 87 deutlich in seinen Memoiren. In dem Wohnzimmer in Parterre haben Hemingway, Salinger und Kleeman stundenlang über Literatur und den Krieg gesprochen.

Zwei Giganten der Weltliteratur in Zweifall. Kein Schild und keine Gedenktafel weisen in diesen Tagen auf die historische Begegnung hin. Dennoch weiß die Enkelgeneration der Hauseigentümer um den bedeutenden Besuch. Ebenso wie der eine oder andere Ältere in dem Eifeldorf sich erinnern kann.

So hat Hubert Ramers mit den Eltern und Geschwistern auf der gegenüberliegenden Straßenseite gewohnt, wenige Meter unterhalb der Nummer 87. Der Zweifaller hat Ernest Hemingway noch gut im Gedächtnis. Er sei der einzige Amerikaner gewesen, der ständig eine Kamera vor der Brust getragen habe. Nun hat der Kriegsreporter eigentlich keinen Fotoapparat bei sich, aber mit seinem Feldstecher hat er sich schon von gewöhnlichen Soldaten abgehoben.

Nach dem Krieg sind Ernest Hemingway und J. D. Salinger kein großes Thema in Zweifall. Für die katholische Pfarrbibliothek, anderes hat es in den Adenauer-Jahren nicht gegeben, war der bärtige Nobelpreisträger von 1954 zu unfromm, erzählen Einheimische. Und der Autor von Der Fänger im Roggen ist noch zu unbekannt. Auf das Stolberger Gymnasium gingen Schüler aus dem Dorf erst in den 1950er Jahren, angelsächsische Literatur interessierte damals nicht groß.

Unteroffizier Werner Kleeman, der bei der Begegnung Hemingways mit Salinger in Zweifall die ganze Zeit anwesend ist, entstammt einer gutsituierten jüdischen Familie aus Gaukönigshofen in Unterfranken. In dem idyllischen Bauerndorf mit 600 Bewohnern wird Werner im September 1919 geboren. Der Vater Louis ist Getreidebauer und im Dorf als Händler angesehen. Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Kleemanns. Dem Schüler Werner wird verboten, weiterhin die Oberrealschule in Würzburg zu besuchen.

Bei den Novemberpogromen 1938 verwüsten Nazis das Haus der Familie, der Getreidehandel endet im Ruin. Ende desselben Jahres wird Werner von dem Gaukönigshofener Gastwirt, einem NSDAP-Mitglied, denunziert und daraufhin ins KZ Dachau verschleppt. Mit Hilfe eines Vetters aus Nebraska als Bürgen kann sich der 19-jährige Häftling freikaufen. Er flieht nach London und emigriert im November 1939 in die USA. Dort ändert er seinen Namen, streicht das letzte ‚n‘ im Nachnamen, kommt bei Verwandten in Queens unter und arbeitet in einem Kaufhaus.

Im Frühjahr 1945, die Wehrmacht steht vor der Kapitulation, fährt Werner Kleeman nach Gaukönigshofen, um die Nationalsozialisten in seinem Ort zur Rede zu stellen. Er findet die Synagoge als Schuppen für die Feuerwehr entehrt, die jüdischen Friedhöfe zerstört, das Elternhaus als Gefängnis für 50 französische Kriegsgefangene missbraucht. Der US-Militärpolizei nennt er die Namen der Dorfbewohner, die an den Pogromen beteiligt waren.

Der Mann, der ihn sieben Jahre zuvor verhaften ließ, wird nun selbst festgenommen. Es ist ein Plot wie aus einem Hollywood-Film: Ein ehemaliger KZ-Häftling lässt jenen Nazi internieren, der ihn einst verraten hat. Werner trifft in seinem Heimatdorf auch anständige Deutsche. So einen Nachbarn, der einige jüdische zeremonielle Gegenstände in einem Koffer versteckt und verwahrt hat.

Mit Deutschland hat Werner Kleeman abgeschlossen. Er geht zurück nach New York, heiratet, wird Vater zweier Töchter und baut eine kleine Firma für Innendekoration auf. Die Familie wohnt in einem bescheidenen Haus im Stadtteil Queens. Sein Leben lang lehnt er es ab, Deutsch zu sprechen. Die Freundschaft zu Salinger, eine der wenigen des Schriftstellers, hält bis zu dessen Lebensende. Im Juli 2018 stirbt Werner Kleeman mit 98 Jahren in New York.

Die Begegnung zwischen ihm, Salinger und Hemingway im kleinen Eifelort Zweifall im November 1944 bleibt ein Höhepunkt im Leben von Werner Kleeman. Auch wenn das illustre Trio weitgehend

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Vorstoß ins Grauen: Ernest Hemingway kommt an die Hürtgenwald-Front

Hürtgenwald
Die amerikanischen Soldaten nennen den Hürtgenwald Death Factory, die Toten-Fabrik. Foto: Der Soldaten-Friedhof in Hürtgen. © W. Stock, August 2026.

Im Herbst 1944 tritt der Zweite Weltkrieg in die blutige Phase seiner Entscheidung ein. Anfang Oktober rückt die US-Armee auf Aachen vor. Die deutschen Truppen leisten erbitterten Widerstand, es kommt zu heftigen Kämpfen im Stadtgebiet. Die Kapitulation der Wehrmacht unter Oberst Wilck am 21. Oktober markiert das Ende der NS-Herrschaft in Aachen. Die alte Kaiserstadt ist damit die erste Großstadt, die von den Alliierten erobert wird.

Ende Oktober erreichen die US-Bodentruppen den Hürtgenwald zwischen Aachen und Düren, wo der Vormarsch der Amerikaner zum Stehen kommt. Militärisch ist das unebene Gelände mit den dichten Wäldern und den zahlreichen Hügeln und Tälern schwer zu nehmen. Nur langsam kann die US-Army Dorf für Dorf vorrücken. Der Widerstand der Wehrmacht ist heftig, die Kämpfe in der Südeifel münden an vielen Abschnitten in brutale Stellungskämpfe.

Am 9. November 1944 bricht Hemingway vom Pariser Hotel Ritz Richtung Nordeifel auf. In Begleitung seines Fahrers und Bodyguards Jean Décan sowie des TIME-Korrespondenten William Walton erreicht er sechs Tage später das Quartier des 22. Infanterieregiments. Wo er sich in der Zwischenzeit herumgetrieben hat, behält er für sich. Dank seines Prominentenstatus genießt der Starreporter narrenfreie Privilegien – den Rest nimmt er sich einfach. Völlig ungebunden bewegt er sich hinter den Linien und pendelt bis Ende 1944 regelmäßig zwischen der Front und dem Luxus von Paris.

Die Gefechte im Hürtgenwald – Mann gegen Mann – haben sich verstärkt und sind an Grausamkeit kaum zu überbieten. Death Factory nennen die amerikanischen Soldaten die Gegend um die Kleinstadt Hürtgen, die Toten-Fabrik. Ernest Hemingway kann nichts Gutes berichten in die Heimat. Der Schriftsteller veröffentlicht seine Front-Impressionen in dem Artikel Krieg an der Siegfried-Linie für Collier’s am 18. November 1944.

Auf dem ersten Hügel hatten die Deutschen eine Aussichtsplattform gebaut für hohe Offiziere. Diese diente zur Beobachtung der Manöver, die belegen sollten, dass der Westwall undurchdringbar war. Wir hatten genau jene Barrikadenlinie zertrümmert, mit der die Deutschen in Probeschlachten die Uneinnehmbarkeit des Walls beweisen wollten.

Das Gedröhne der Gewehrsalven hört man bis in das Quartier der Pressevertreter. I’m right back where I was in 1918, schreibt er in Hochstimmung am 18. November 1944 in einem Brief an seine neue Geliebte Mary Welsh. Er sei wieder da, wo er sich zu Ende des Ersten Weltkriegs befunden habe. Damals, als der junge Ambulanz-Fahrer in den letzten Kriegsmonaten an der Piave-Front schwer verwundet wurde.

Doch Ernest irrt. Die Gefechte im Hürtgenwald werden barbarischer ausfallen als die eh schon grausamen Grabenkämpfe in Italien. Der Hürtgenwald war eine Gegend, in der es äußerst schwierig war, am Leben zu bleiben, selbst wenn man nichts weiter tat, als dort zu sein. Die heranrückenden US-Amerikaner sind den deutschen Truppen zwar materiell und personell überlegen. Das zerklüftete Gelände lässt den Einsatz von Panzertruppen jedoch nicht zu. Ebenso sinnlos ist es, die US-Luftwaffe über den dichten Wäldern einzusetzen.

Das 22. Regiment, das sein Freund Colonel Charles Buck Lanham kommandiert, versucht die winzigen Orte wie Großhau, Gey und Rabenheck unter seine Kontrolle zu bringen. Der Widerstand der Wehrmacht ist enorm. Kurz vor Großhau liegt eine kleine Senke mit einer Erhebung, die Hemingway als arschnackten Hügel beschreibt. Aus den verdeckten Stellungen im Wald feuert die deutsche Artillerie unablässig auf alles, was sich bewegt.

Die Wehrmacht hat sich in ihren Bunkern verbarrikadiert. Von wo aus, wie Hemingway schreibt, sie

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Im Zweiten Weltkrieg fehlen Ernest Hemingway die Worte


Im US-amerikanischen Magazin Collier’s vom 18. November 1944 veröffentlicht Ernest Hemingway über vier großformatige Seiten eine Reportage aus dem Krieg.

Anfang September 1944 sitzt der Schriftsteller in Paris auf gepackten Koffern. Er kann es nicht mehr erwarten, denn zum ersten Mal geht es für Ernest Hemingway an die Front des Zweiten Weltkriegs. Von der französischen Hauptstadt steuert er über Belgien in Richtung deutsche Westgrenze. Ziel der Alliierten ist es dort, die Siegfried-Linie aufzubrechen, jenen Wall von Holland bis zur Schweiz mit seinen Bunkern, Stollen und Panzersperren. Erst dann können die Amerikaner bis zur strategisch wichtigen Rheingrenze vorstoßen.

Die Infanterie durchbrach die Siegfried-Linie. Sie knackte sie an einem kalten, regnerischen Morgen, als nicht einmal die Krähen flogen, geschweige denn die Luftwaffe. Zwei Tage zuvor, am letzten Tag vor dem Einbruch des Schlechtwetters, waren wir am Ziel des Rattenrennens angelangt. Es war eine schöne Rattenjagd von Paris bis nach Le Cateau, mit erbitterten Kämpfen bei Landrecies, die nur wenige gesehen haben und an die sich noch weniger erinnern können. Dann waren die Pässe des Ardennenwaldes bezwungen worden, in einer Landschaft, die den Illustrationen zu Grimms Märchen glich, nur viel grimmiger.

Ernest Hemingway schlägt sein Quartier zunächst nicht hinter der Frontlinie im Hürtgenwald auf, sondern weiter südlich, mitten in der Schnee-Eifel, in kleinen Ortschaften wie Schweiler und Buchet. Die vorrückende US-Army nimmt Dorf für Dorf ein, sie ist den deutschen Truppen materiell und personell überlegen, doch aufgrund des unebenen Geländes geht es nur langsam voran. Der Widerstand der Wehrmacht ist in der ländlichen Eifel heftig, der Diktator hat ein Halten der Linien bis zum letzten Mann befohlen.

Als Kriegsberichterstatter für das Wochenmagazin Collier’s begleitet Hemingway den Vormarsch der Fourth Infantry Division’s 22nd Regiment im Gebiet der belgisch-deutschen Grenze. Der Autor bewegt sich hinter der Kampflinie, auf  luxemburgischem Territorium, in der Schnee-Eifel und schließlich weiter nördlich in der Nähe von Aachen. Der prominente Schriftsteller schließt sich meist den Truppen von Colonel Charles Lanham an, den alle Freunde Buck nennen. Bis Ende 1944 sollte Hemingway mehrmals zwischen Paris und den Frontabschnitten pendeln, im November und Dezember kommt er auf insgesamt 18 Einsatztage.

Ernest Hemingway Collier's

WAR IN THE SIEGFRIED LINE heißt Ernest Hemingways Reportage von der Front des Zweiten Weltkriegs in Collier’s. BY RADIO VIA PARIS.

Im Winter 1944 gelangen die amerikanischen Bodentruppen an den Hürtgenwald im Süden zwischen Aachen und Düren, wo ihr Vormarsch zum Stehen kommt. Das zerklüftete Gebiet erlebt von Oktober 1944 bis Februar 1945 blutige Gemetzel mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. Das unebene Gelände mit den dichten Waldungen ist militärisch schwer zu nehmen, die Kämpfe, Mann gegen Mann, sind an Grausamkeit kaum zu überbieten. Ernest Hemingway hätte also einiges zu berichten in die Heimat.

Die Ansätze sind da, wie eine mehrseitige Reportage für die Collier’s-Ausgabe vom 18. November 1944 unter Beweis stellt. Zunächst skizziert Ernest Hemingways Prosa – wie so häufig – ein Landschafts-Panorama aus Bergen, Wäldern und Bächen. Der kleine Mensch in der großen Natur. Das Naturreich begrenzt als Rahmen das gewaltige Gemälde, der winzige Mensch irrt kopflos in der Pracht der Schöpfung umher. Das kann Ernest sehr gut, wie immer, es ist gekonnt.

Wir befanden uns auf einer Anhöhe, außerhalb des Waldes, und all die sanften Hügel und Wälder, die wir vor uns sahen, waren Deutschland. Aus dem Tal eines Baches unter uns ertönte ein schweres, vertrautes Dröhnen, als die Brücke gesprengt wurde. Und hinter der schwarzen Rauch- und Trümmerwolke, die aufstieg, sah man zwei feindliche Halbkettenfahrzeuge, die die weiße Straße hinauffuhren, die in die deutschen Berge führte.

Doch urplötzlich fällt seine Reportage in ein Loch. Ernest Hemingway hört auf,

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John Groth und Ernest Hemingway in der Schnee-Eifel

Studio Europe. John Groths Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg in Europa erscheinen 1945 in den USA.

Im Herbst 1944 stehen die amerikanischen Bodentruppen vor dem Hürtgenwald südöstlich von Aachen, wo der Vormarsch der GIs zum Stehen kommt. Die Alliierten müssen nun die Siegfried-Linie aufbrechen, jenen Wall von Holland bis zur Schweiz mit seinen Bunkern, Stollen und Panzersperren. Erst dann wird es den US-Soldaten möglich sein, bis zum Rhein vorzustoßen und damit dem Nazi-Regime militärisch den Todesstoß zu verpassen. 

Ab September berichtet Ernest Hemingway, er kommt aus dem befreiten Paris, über das Kampfgeschehen in Deutschland. Der Schriftsteller befindet sich zunächst nicht an der Frontlinie im Hürtgenwald, sondern weiter südlich, mitten in der Schnee-Eifel. Die heranrückende US-Armee ist der deutschen Wehrmacht materiell und personell überlegen, doch die dichten Wälder und die zahlreichen Hügel lassen den Einsatz von Panzern nicht zu, es geht deshalb nur schwerfällig voran.

Während Ernest Hemingway in seinen Berichten zu allerlei Überzeichnungen neigt, insbesondere die eigene Person betreffend, berichtet ein anderer Journalist geradeheraus. Nach dem Ende des Krieges wird John Groth im Jahr 1945 seine Erlebnisse in dem Buch Studio: Europe  veröffentlichen. Inklusive seiner Treffen mit Ernest Hemingway. Über Paris und Belgien kommt auch der 36-Jährige Maler John Groth an die Frontlinie in der Schnee-Eifel.

In dem winzigen Eifelort Schweiler, drei Kilometer Luftlinie von der belgischen Grenze entfernt, trifft er Ernest Hemingway zum ersten Mal. Der verlassene Bauernhof der Familie Markgraf am Rande des Dorfes dient Colonel Buck Lanham und den beiden Kriegsreportern als Quartier. Das Haus aus dem Jahr 1732 hat kein fließend Wasser, kein Badezimmer, keinen Strom, keine Heizung. Überstürzt haben es deutsche Soldaten verlassen. 

Have a drink, es sind die ersten Worte des Schriftstellers zu John Groth. Zu jenem Zeitpunkt ist der Autor von Wem die Stunde schlägt und Schnee auf dem Kilimandscharo schon ein berühmter Mann. Schloss Hemingstein wird das heruntergekommene Bauernhaus in Schweiler von Ernest Hemingway großspurig und zugleich spöttisch getauft. Der Erfolgsautor weist den Besitzer Markgraf – einen 73-jährigen Bauern aus Schweiler – an, er möge für Essen sorgen.

Im Schein von Petroleumlampen beugen sich die Amerikaner abends über die Landkarten des unwegsamen Gebietes. Es ist Anfang September 1944 und die Gefahr bleibt groß, dass die deutsche Wehrmacht den Weiler wieder einnimmt. Die Frontlinie verschiebt sich von Tag zu Tag. Hat man morgens ein Dorf erobert, so kann es am Abend wieder an den Gegner zurückfallen.

Als John Groth auf Schloss Hemingstein sich zur Nachtruhe in sein Schlafzimmer im zweiten Stock zurückziehen will, gibt Hemingway ihm zwei Handgranaten mit und meint: Leg sie auf deinen Nachttisch, damit Du schnell an sie kommst. Der verdutzte Groth erwidert, er habe noch nie eine Handgranate in der Hand gehalten. Und der berühmte Schriftsteller zeigt dem Kollegen wie man den Splint zieht, bis zwei zählt, und dann die Granate wirft. Er möge angekleidet im Bett liegen, fügt Hemingway an, aus Vorsicht.

Der Weg an die Kriegsfront ist für John Groth nicht gerade vorgezeichnet. Der Feingeist studiert am Art Institute of Chicago und an der Art Students League in New York, dort unter anderem bei dem exilierten Berliner Maler und Grafiker George Grosz. Schon frisch im Beruf macht sich John Groth als Illustrator einen guten Namen, in den 1930er Jahren wird er der erste Art Director des Magazins Esquire.

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John Groth hält in Skizzen den Krieg fest, und er malt Ernest Hemingway. Aus John Groth, Studio: Europe, 1945.

Seine Skizzen aus dem Krieg in Europa fallen auf, es ist noch nicht das Zeitalter des Fernsehens. John Groth malt an manchen Tagen über hundert Skizzen. Dabei benutzt der Vielzeichner eine spezielle Technik, die er Speedline nennt. Er skizziert seine aktionsgeladenen Motive mit groben, nicht perfekten und unscharfen Linien, die weißen Flächen werden später koloriert.

John Groth, Jahrgang 1908, stammt aus Chicago, ebenso wie Ernest Hemingway. Obwohl eigentlich Grafiker und Maler, schreibt Groth darüber hinaus auch Artikel aus dem Krieg in Europa, für die Chicago Sun in seiner Heimatstadt. Yanks are in Paris! lautet seine Schlagzeile, nachdem die US Army die französische Hauptstadt eingenommen hat. Ernest Hemingway veröffentlicht seine Berichte in der Chicago Tribune, doch die beiden publizistischen Rivalen finden einen guten Draht zueinander.

Am nächsten Tag rücken die US-Truppen inklusive der Kriegsberichterstatter von Schweiler aus langsam vor. Im benachbarten Bleialf stossen die Amerikaner auf deutsche Zivilisten. Auf Eifel-Bewohner, die zurückgeblieben sind, alte Leute und kleine Kinder. Und Groth wundert sich,

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Señor Hemingüey im Paradies

Der Gringo Ernest Hemingway auf Kuba. Es werden zwanzig glückliche Jahre.
Grafik: Filippo Imbrighi, Roma

Der bärtige Amerikaner liebt Kuba über alles und die Lebensart der Kubaner nicht minder. Von 1939 bis 1959 wird er auf der tropischen Insel seinen Wohnsitz nehmen, am Rande des Dorfes San Francisco de Paula, es werden zwanzig Jahre voller Glück und Erfüllung. Finca Vigía, für ihn das Paradies auf Erden, dient als Idyll des Rückzugs und der Tollheit zugleich, ein tropischer Palmengarten, der alles bietet, was ein Mann zum Glücklichsein so braucht.

Sein ländliches Anwesen im Süden von Havanna ist wohl Luxus, allerdings kein Protz, eher gediegener tropischer Komfort, der den Alltag angenehm und leicht fließen lässt. Auf Kuba baut sich Ernest Hemingway schnell einen ansehnlichen Freundeskreis auf. Ernest Hemingway pflegt seine Freundschaften, sie sind ihm wichtig. Meist sind es Kubaner oder Exil-Spanier, die zu seinem engen Bekanntenkreis gehören, zu den eigenen Landsleuten hält er eher Abstand.

Der Tag des Schriftstellers folgt einem festen Rhythmus: Den ganzen Vormittag schreibt er eifrig an seinem Manuskript, einerlei wie lang und feucht die Nacht zuvor ausgefallen ist. Dann ein leichtes Mittagessen, gefolgt von einer ausgiebigen Siesta, oft über zwei Stunden, den Nachmittag hält er sich frei. Für Cojímar, den Golfstrom, für einen Abstecher in die Hauptstadt. Zweimal in der Woche fährt er mit dem Lincoln Continental ins El Floridita. Der Tag klingt abends mit dem geselligen Teil aus, in Havanna oder auf Finca Vigía.

Der weltbekannte Schriftsteller kann wunderbar mit den einfachen Menschen, mit jenem Menschenschlag, der ohne groß nachzudenken in den Tag lebt. Gerade die Einfachheit des Lebens zieht ihn auf Kuba an, denn eigentlich ist Ernest Hemingway ein unkomplizierter Mensch, einer jedenfalls, der nicht so viel nachdenken möchte. Auf Kuba ist er der Mensch, der er immer sein wollte. Vor allem ist er ein Mensch, der mit jeder Pore merkt und spürt, dass er lebt, richtig lebt.

Es fühlt sich wunderbar an, dieses unbekümmerte Leben auf seiner sonnigen Insel, die er so sehr braucht, um den Akku für die kühle Welt aufzuladen. Für seine Reportage-Reisen in den Zweiten Weltkrieg, für die Schlacht im Hürtgenwald der Schneeeifel, für die Trips nach New York oder ins kalte London. Auf seiner Finca Vigía hingegen herrscht unentwegt Hochsommer, der Frühling findet an einem Dienstagnachmittag statt, Winter bleibt ein gänzlich unbekanntes Phänomen. 

Der Schriftsteller braucht diese sommerliche, wolkenlose Natur, die ihn erwärmt. Der eisige Winter fühlt sich für ihn an wie ein kleiner Tod. Einzig in der Natur folgen dem kalten Winter stets die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings. Im richtigen Leben geht das nicht. Der bärtige Schriftsteller ist kein großer Freund der Kälte und des Winters. Er weiß, am Ende all der Abenteuer da draußen, nach all den Eskapaden und Grausamkeiten wartet sein tropischer Garten Eden auf ihn. 

Und so trifft man auf Finca Vigía einen genügsamen Ernest Hemingway an, einen stinknormalen Kerl in Shorts und ohne steifen Kragen, der barfuß oder in einfachen Schlappen herum läuft und am liebsten

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Salinger, Böll, Hemingway und der Hürtgenwald

The Catcher in The Rye, Jerome Salinger Meisterwerk. Zu Deutsch: Der Fänger im Roggen.

Jerome David Salinger wird in New York geboren, im Jahr 1919, als Spross einer jüdisch-litauischen Familie. Nach Schulabschluss und Militärdienst verdient er sich als Verfasser von Filmkritiken erste Meriten. Im Sommer 1941 dann der erste persönliche Tiefschlag: Er verliebt sich in die Tochter des Dramatikers Eugene O’Neill, durchlebt eine kurze Romanze mit dem Mädchen, doch Oona O’Neill verlässt den angehenden Autor und heiratet mit 18 Jahren den vierundfünfzigjährigen Charlie Chaplin.

Jerome D. Salinger schließt sich 1942 dem Counter Intelligence Corps an, dem militärischen Abwehrdienst der USA, und geht nach Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg nach Europa. Mit dem 12. Infanterieregiments nimmt er am 6. Juni 1944 an der Landung in der Normandie teil. Ernest Hemingway und Jerome David Salinger treffen sich im Herbst 1944 zum ersten Mal, in dem von den Nazis befreiten Paris. Sie verstehen sich gut, obwohl sie doch so grundverschieden sind. Etwas anderes eint sie: Beide Amerikaner kommen in den nächsten Wochen bis an die Front der Hürtgenwald-Schlacht, Salinger als Soldat, Hemingway als Kriegskorrespondent.

Nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht besucht Jerome Salinger das Konzentrationslager in Kaufering. Der Hürtgenwald ist schon schrecklich gewesen, doch was Salinger im Allgäu sieht, lässt sein Blut in den Adern gefrieren. Im Lager Kaufering IV sind kurz vor der Befreiung durch die Alliierten die invaliden Häftlinge bei lebendigem Leib verbrannt worden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitet Jerome Salinger, der gut Deutsch spricht, als Zivilist für eine Abteilung des US-Nachrichtendienstes in Gunzenhausen. Er heiratet die deutsche Ärztin Sylvia Welter, später siedelt das Ehepaar in die USA über.

In den Schützengräben des Hürtgenwaldes soll J. D. Salinger die ersten Kapitel seiner grandiosen Novelle The Catcher in the Rye geschrieben haben. Der Fänger im Roggen, ein Entwicklungsroman über das Erwachsenwerden, begründet Salingers Weltruf. In dieser Erzählung schildert der 16-jährige Protagonist Holden Caulfield die zwiespältige Gefühlslage der Jugend und den schwierigen Weg, das eigene Ich zu finden. Der erste Übersetzer der deutschen Ausgabe von The Catcher in the Rye ist kurioserweise Heinrich Böll, der bis zu seinem Tod in Langenbroich gewohnt hat, keine acht Kilometer vom Hürtgenwald entfernt. 

Ernest Hemingway, J. D. Salinger und Heinrich Böll – die Lebenslinien dieser drei Weltautoren schneiden sich im Hürtgenwald. Obwohl keiner der drei Großmeister einen Roman über den Hürtgenwald schreibt, verarbeiten sie die Erlebnisse in der Schlacht, jeder auf seine Weise. 

Der Haudegen Hemingway stürzt sich bekanntlich in jedes Getümmel, je lauter geballert wird, desto besser. Doch das Gemetzel im Hürtgenwald sprengt – selbst für Hartgesottene wie ihn – alle bisher erlebte Grausamkeit. Zuerst flüchtet der bärtige Amerikaner sich in seinen üblichen Sarkasmus und den gewohnten Zynismus. Doch was Ernest Hemingway in der Voreifel Ende 1944 gesehen hat, lässt sich nicht mehr wegdrücken. Mit dem Säbelrasseln ist er nach Hürtgen ein für alle Mal durch.

Heinrich Böll, der zwar nicht an der deutschen Westfreund kämpfen muss, sondern von der Wehrmacht zu Auslandseinsätzen abkommandiert wird, verzweifelt ebenfalls am Krieg. Über die Feldpost bittet er seine Eltern um Pervitin, unter Soldaten Panzerschokolade tituliert, denn nur mit dieser synthetisch hergestellten Droge lassen sich die Angstzustände und das Erschöpfungsgefühl im Krieg aushalten. Als Autor schreibt Heinrich Böll in den Adenauer-Jahren dann tapfer gegen Militarismus und Aufrüstung an, vielleicht ein wenig arglos, dennoch mit einem einnehmenden sympathischen katholischen Ethos. 

Der Horror und die Rohheit im Hürtgenwald, 37.000 Soldaten fallen auf beiden Seiten, lassen sich auch für den anderen Amerikaner nicht aushalten. Die Unbarmherzigkeit, die Jerome David Salinger in der Schnee-Eifel erlebt hat, führen bei ihm zu

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Im Hürtgenwald verzweifelt Ernest Hemingway am Krieg

Mit der Kriegsverherrlichung des Ernest Hemingway hat es ein Ende nach dem Abschlachten im Hürtgenwald bei Aachen.

Für das amerikanische Wochenmagazin Collier’s hat Ernest Hemingway von der Landung in der Normandie berichtet und über die Befreiung von Paris geschrieben. Nun steht der berühmte Kriegskorrespondent an der deutschen Westfront, wo die US-Truppen vom heftigen Widerstand der Wehrmacht überrascht werden. Die Siegfried-Linie ist überwunden, doch der Hürtgenwald zwischen Aachen und Düren wird im Winter 1944/1945 eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs erleben.

Die Verluste auf beiden Seiten sind erschreckend, in dem unübersichtlichen Waldgebiet fallen die Soldaten zu Tausenden. Wir bekamen Ersatz, aber ich kann mich erinnern, dass ich dachte, es wäre einfacher und zweckdienlicher, sie direkt in der Gegend zu erschießen, wo man sie auslud, anstatt den Versuch zu machen, sie von dort, wo sie getötet werden würden, zurückzuschaffen und zu begraben. Die Kriegsverherrlichung des Ernest Hemingway weicht im Hürtgenwald zunächst einem kalten Zynismus.

Nach achtzehn Tagen an der Front des Hürtgenwaldes kehrt der Schriftsteller Anfang Dezember 1944 zurück nach Paris, desillusioniert und krank, eine Lungenentzündung plagt ihn, er macht sich schnell auf in die USA, von dort zu seinem Wohnort Finca Vigía. In Kuba angekommen, fällt Ernest Hemingway in eine tiefe Depression. Der Hürtgenwald ist das nackte Grauen gewesen, weit jenseits der Grenze dessen, was der Mensch dem Menschen antun darf. Wenn für die Brutalität, weil sie jede menschliche Vorstellungskraft sprengt, auch die Worte fehlen, dann braucht es einen literarischen Großmeister, um das Geschehen für die Nachwelt in Sätze zu fassen. 

Und so erwartet nun alle Welt von Ernest Hemingway den großen Anti-Kriegsroman, einen Roman, in dem er abrechnet mit all dem Terror und Völkermord. Doch von Ernest Hemingway kommt nichts. Im Jahr 1950 erscheint eine nette Erzählung, Across the River and into the Trees, in dessen Mittelpunkt der amerikanische Kriegsveteran Richard Cantwell steht. Colonel Cantwell, der beide Weltkriege mitgemacht hat, trifft im Gritti seine junge Geliebte, die wunderschöne Venezianerin Contessa Renata. Der Colonel ist krank, verbittert und kriegsmüde. 

Als Über den Fluss und in die Wälder erscheint, da halten nur wenige Literaturkritiker das Werk für gelungen. John Dos Passos, der Freund, schreibt ernüchtert über das Werk: „Wie kann ein einfühlsamer Mann wie er nur solch einen Scheißdreck zu Papier bringen?“ Dos ist nicht der einzige, der mit dem Roman über Venedig und die Lagune wenig anfangen kann. Der Geschichte um den Oberst Cantwell und die Contessa Renata wird bei Kritik und Lesern als zu geschwätzig und zu gekünstelt abgetan. Seine Leser nehmen die Erzählung als Enttäuschung wahr, Ernest zeigt sich gekränkt.

Trotz einiger Schwächen besitzt

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Die Schlacht im Hürtgenwald

Der amerikanische IllustratorJohn Groth zeichnet ein Bild von Ernest Hemingway an der Front im Hürtgenwald.

Die Schlacht um Aachen ist schon lang und schrecklich gewesen. Doch um bis zum Rhein vorzustoßen, müssen die Alliierten die Siegfried-Linie knacken, jenen deutschen Schutzwall von Holland bis zur Schweiz mit seinen Bunkern, Stollen und Panzersperren. Im Oktober 1944 stehen die amerikanischen Bodentruppen vor dem Hürtgenwald südlich zwischen Aachen und Düren, wo der Vormarsch der Amerikaner zum Stehen kommt.

Ernest Hemingway kreuzt Mitte November an der Front auf, aus Paris, er hat in der französischen Hauptstadt nach der Befreiung feuchtfröhlich im Ritz residiert, und nun soll er für das Wochenmagazin Collier’s über den Siegeszug der US-Truppen berichten. Der Schriftsteller ahnt, was da kommen kann, er wird Augenzeuge der letzten verzweifelten Gegenwehr des Nazi-Reiches. Achtzehn Tage lang wird der Kriegsreporter von dem Kampfgeschehen im Hürtgenwald berichten, aus einem Wald, in dem die Drachen hausen.

Der Hürtgenwald sei eine Gegend, in der es äußerst schwierig war, am Leben zu bleiben, selbst wenn man nichts weiter tat, als dort zu sein. Das zerklüftete Gebiet bei Hürtgen mit seinen hohen Fichten, dort wo die Eifel ins Kalltal abfällt, wird in den nächsten Wochen eines der blutigsten Gemetzel des Zweiten Weltkrieges erleben. Die heranrückenden US-Amerikaner sind den deutschen Truppen materiell und personell überlegen, doch das unebene Gelände ist militärisch schwer zu nehmen.

Die dichten Wälder und die zahlreichen Hügel lassen den Einsatz von Panzertruppen nur eingeschränkt zu, ebenso wenig kann die Überlegenheit der US-Luftwaffentruppen in den Wäldern zur Geltung kommen. Im Herbst 1944 weiß die Generalität der Wehrmacht natürlich, dass der Krieg verloren ist, doch der Widerstand überrascht in seiner Heftigkeit die anrückenden amerikanischen Truppen. Die deutschen Soldaten haben sich in ihren Westwall-Bunkern verschanzt, von wo aus sie mit ihren Mörsern alles zu Klump hämmerten.

Die Soldaten im Hürtgenwald gehen mit Handgranaten und Flammenwerfern aufeinander los, Auge um Auge kämpfen die jungen Männer um jeden Meter Gelände. Der Winter 1944 ist in der Eifel der kälteste seit Jahrzehnten, selbst am Tag wird es frostig und bei Temperaturen von 20 Grad minus erfrieren die Soldaten auf beiden Seiten. In Hürtgen gefroren die Toten alle einfach, und es war so kalt, dass sie mit roten Gesichtern gefroren, berichtet ein erschütterter Ernest Hemingway.

Im Dezember 1944 starten die Amerikaner schwere Bombenangriffe auf die Eifel-Talsperren, die Staudämme halten jedoch dem Einsatz der Spezialbomben stand. Anfang Februar 1945 erfolgt der Durchbruch bis kurz vor Schleiden, ein paar Tage später fällt dort die Urfttalsperre in die Hand der amerikanischen Soldaten, am 9. Februar auch die Rurtalsperre. Damit ist der Widerstand der Wehrmacht gebrochen.

In der Nordeifel bleibt ein riesiges

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