
Erst sechs Wochen nach der Invasion in der Normandie wird Ernest Hemingway im Zweiten Weltkrieg seinen Fuß auf französischen Boden setzen. Mit einem Truppentransport über den Ärmelkanal nach Néhou. Dort schließt sich Ernest Hemingway Ende Juli 1944 amerikanischen Bodentruppen an, die sich auf die französische Hauptstadt zubewegen. Der berühmte Reporter erhält einen eigenen Jeep mit persönlichem Fahrer.
Mehr als einmal setzt sich der Kriegskorrespondent mit seinem Chauffeur Archie Pelkey von den Einheiten ab, um eigenmächtig die Gegend auszukundschaften. Als Berühmtheit kann er sich einiges herausnehmen, doch er treibt seine Dreistigkeit auf die Spitze. Frech bittet der Reporter, angeblich mit Unterstützung von General Patton, den französischen Kommandeur Jacques-Philippe Leclerc im Gespräch um ein paar Soldaten. Mit diesen will Ernest in Paris zum Ritz an der Place Vendôme vorstoßen und das weitläufige Luxushotel freikämpfen. Genervt schlägt der General den Wunsch des Zivilisten ab.
In dem Sektor, in dem Hemingway operiert, stoßen die Amerikaner bei ihrem Vorrücken auf wenig Widerstand. Der berühmte Kriegsreporter plustert sich weiterhin auf und will nach eigenem Gutdünken militärische Aufklärungsarbeit leisten. Gegen alle Vorschriften beschlagnahmt der selbstherrliche Autor ein deutsches Militärkrad mit Beiwagen sowie ein Mercedes-Kabriolett.
Mitte August, nur 60 Kilometer vor Paris, bringt es Ernest Hemingway fertig, dass sich ihm eine versprengte Gruppe von Résistance-Kämpfern anschließt. Der bullige Kriegsreporter dreht jetzt voll auf: Er lässt sich mit Colonel anreden und trägt eine Uniform ohne Rangabzeichen. Ernest und sein Trupp beziehen das Hôtel du Grand Veneur in Rambouillet und lagern dort Vorräte, Waffen, Handgranaten und große Mengen Alkohol.
Natürlich ist es einem offiziellen Kriegskorrespondenten streng verboten, aktiv Soldaten zu führen, taktische Befehle zu erteilen oder selbst Waffen zu tragen. Ernest ist in seinem unbändigen Übermut kaum zu bremsen. „Er hat von nichts anderem geredet“, erinnert sich ein Widerstandskämpfer, „als davon, der erste Amerikaner in Paris zu sein und das Ritz zu befreien.“ Ernest gefällt sich in seiner Rolle als Colonel. Zum Glück geraten ‚Oberst Hemingway‘ und seine Kämpen in keine Gefechtssituation.
Andere akkreditierte Reporter werden zunehmend wütend, weil Hemingway mit seinen Eskapaden die Sicherheit, Unabhängigkeit und weltweite Neutralität sämtlicher Kriegsberichterstatter aufs Spiel setzt. Kurz vor der Einnahme der französischen Hauptstadt durch die Truppen der Alliierten zeigen ihn Kollegen schließlich direkt bei der Stabsführung an. Sie bezichtigen den prominenten Schriftsteller offen, auf eigene Faust eine bewaffnete Gruppe französischer Partisanen befehligt und somit vorsätzlich gegen die strengen Regeln der US-Army verstoßen zu haben.
Am 5. Oktober 1944 wird es in Nancy zur Anhörung vor einer US-Militärbehörde kommen. Ernest Hemingway wird beschuldigt, seine Korrespondentenkennung entfernt und sich als Oberst ausgegeben zu haben. Weiterhin sei er vorschriftswidrig mit Waffen gesehen worden. Eine Verurteilung hätte den sofortigen Entzug der Akkreditierung bedeutet, einschließlich einer prompten Abschiebung in die Heimat. Ernest Hemingway – unter Eid – streitet alle Vorwürfe ab. Die Anschuldigungen verlaufen im Sande.
William Walton, der Korrespondent für Time-Life, erinnert sich an den namhaften Kollegen: „Ernest war ein Geschichtenerzähler. Er wusste nicht, wo die Wahrheit aufhörte und die Dichtung anfing. Und immer wieder, wenn wir zusammen waren, erzählte er mir eine Geschichte und dann schaute ich ihn befremdet an und er sagte: Du glaubst mir nicht, oder?“
Wenn Ernest Hemingway über die Stränge schlägt oder sich aufbläst, dann spielen
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