Auf den Fersen von Ernest Hemingway

Kategorie: Maler

Ernest Hemingway: The Killers – Warten auf den Schweden

Edward Hopper Nighthawks, 1942. Einsame Nachtschwärmer. Credits: Public Domain.

The door of Henry’s Lunch-Room opened and two men came in. So trocken beginnt Ernest Hemingways Kurzgeschichte The Killers. Zehn Seiten, pure Lakonik. Nüchtern und kühl, ohne jeden Schnörkel. Nicht zu viel wird geschrieben, aber auch nicht zu wenig. Die Tür von Henry’s Esslokal öffnete sich, und zwei Männer traten ein. Nur schwer kann man sich dieser wortfaulen Spröde entziehen.

Eigentlich passiert in dieser Kurzgeschichte nicht allzuviel. Al und Max, zwei Berufskiller, betreten um fünf Uhr nachmittags Henry’s Lunch-Room, weil sie es auf Ole Andreson abgesehen haben. Im Auftrag sollen sie den Schweden umlegen, wahrscheinlich irgendeine alte Rechnung aus Chicago. Der Ex-Schwergewichtsboxer komme bekanntlich jeden Tag vorbei, so gegen 6 Uhr abends, zum Essen.

Nick Adams – der Junge und gleichzeitig Hemingways Alter Ego in seinem Frühwerk – beobachtet dies alles als einziger weiterer Gast der Kneipe. Um 18 Uhr 55 sagt George, der Gastwirt, der Schwede werde heute wohl nicht kommen. Kurz darauf ziehen die beiden Ganoven wieder ab. Der Vorhang fällt, man ist so schlau wie zuvor.

Diese Kurzgeschichte über den ehemaligen Boxer Ole, der umgebracht werden soll, schreibt Ernest Hemingway in Europa. Sie geht ihm flott von der Hand. An einem Vormittag in einem Madrider Hotelzimmer ist diese short story von 3.000 Wörtern vollendet. Im März 1927 erscheint sie erstmals im New Yorker Scribner’s Magazine.

Die Handlungsarmut der Erzählung wird von dem damals 27-jährigen Ernest grandios umschrieben. Der US-Amerikaner wohnt seit über fünf Jahren in Paris, er ist noch kein gefeierter Autor, die wenigsten kennen seinen Namen. Aber The Killers wird ein frühes Meisterwerk. Es eignet sich vorzüglich, um Hemingways Erzählstil – den Eisberg – zu studieren. Nur wenig wird verraten, der Leser muss sich das meiste selbst zusammenreimen.

Das Kolorit von Hemingways Prosa wirkt kühl und distanziert, es ist die Zeit der Prohibition und des Aufblühens der Mafia in den Vereinigten Staaten. Die Dialoge der Erzählung geraten zynisch und mutlos. Das Warten auf den Schweden kommt einem vor wie das Warten auf Godot. Aber auf was wird eigentlich gewartet?

Über der ganzen Kurzgeschichte liegen eine verkrampfte Hoffnungslosigkeit und ein spürbarer Fatalismus, sie passen genau hinein in die späten 1920er Jahre. Der große Wirtschaftsknall kündigt sich so langsam an, die sozialen Konflikte wachsen, es ist insgesamt eine freudlose Dekade für die Amerikaner. Ernest Hemingway, im quirligen Paris, besitzt ein feines Gespür für den Zynismus dieses trübseligen Jahrzehnts.

Hollywood hat den Stoff zweimal verfilmt, einmal 1946 unter der Regie von Robert Siodmak mit Burt Lancaster und Ava Gardner, das andere Mal 1964 von Don Siegel mit Lee Marvin und Ronald Reagan. In den Kinos bestaunen die Zuschauer mit Vorliebe den Film noir, dunkle Krimis mit einem sarkastischen Unterton. Im Text funktioniert es, ebenso im Kinofilm, jedoch auch in der Malerei. 

Edward Hopper hat einmal verraten, dass

Ernest Hemingway: sechs Handgranaten für Pablo Picasso

Die Messlatte für alle bildenden Künstler nach ihm: Das Genie Pablo Picasso wird 1881 in Málaga geboren. Foto: W. Stock, April 2019.

Die französische Hauptstadt zieht in den 1920 Jahren jene jungen Frauen und Männer an, die auf Neues aus sind. Schriftsteller mit rasanten Texten, Komponisten, denen die acht Töne einer Tonleiter nicht genügen. Maler mit revolutionären Stilformen, jenseits von Impressionismus und Expressionismus. Es ist in Paris, wo diese verwegenen Innovationen entstehen, wie der Surrealismus in der Malerei, wie Kubismus und Dadaismus.

Der US-Amerikaner Ernest Hemingway, der sieben Jahre in Paris leben wird, sieht sich hineingeworfen in diese quirlige Welt, er taucht ein, er staunt und er lernt schnell. Und er genießt die Unbeschwertheit in den Cafés und den frischen Wind in den Kulturzirkeln. Bei dieser Gelegenheit lernt der junge Mann aus Chicago, er ist Anfang 20, die Avantgarde jener neuen Zeitepoche persönlich kennen.

Besonders die Maler haben es diesem Augen-Menschen angetan, die Spanier vor allem. Der Katalane Joan Miró und Juan Gris aus Madrid, er mag ihr Werk sehr. Einer dritter ragt heraus: Pablo Picasso. Man läuft sich über den Weg, sieht sich im Literarischen Salon der Gertrude Stein in der Rue de Fleurus. Zum ersten Mal trifft Hemingway im Jahr 1922 auf Picasso, man mag sich, ohne dass man fortan dicke Freunde wird.

Pablo Picasso, 1881 in Málaga geboren, ist ein ungemein produktiver Maler, Grafiker und Bildhauer. Am Ende seines Lebens, er stirbt 1973 im französischen Mougins, wird die Gesamtzahl seiner Werke auf 50.000 geschätzt. Der Andalusier, der in Paris lebt, prägt das ganze Genre. Seine künstlerischen Techniken und die vielfältigen Ausdrucksformen werden zum Maßstab in der Malerei. Keiner vermag mitzuhalten.

Der spanische Maler bleibt während des Zweiten Weltkriegs in Paris, auch nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht, meist zieht er sich in sein Landhaus nach Südfrankreich an der Côte d’Azur zurück. Die Nazis belegen ihn mit Ausstellungsverbot, aber alles in allem lässt man ihn unbehelligt. Unter den Deutschen ist die Lebenslust der Stadt perdu, es herrschen Hunger und Angst. Die Lebensmittel sind rationiert, Zigaretten und Schokolade ein Luxusgut.

Dunkle Schatten ziehen sich in jenen Monaten durch die Gemälde des Künstlers. Totenköpfe, kahle Knochen und Tierschädel tauchen auf der Leinwand auf, ausgemergelte und entstellte Körper sind Picassos Motive. Alles in düsteren Farben, die nach Leid und Tod riechen. Das übergroße Guernica aus dem Jahr 1937 wird zu einem künstlerischen Hilfeschrei einer durch die Legion Condor bombardierten Zivilbevölkerung während des Spanischen Bürgerkriegs im Baskenland.

Als Ernest Hemingway im August 1944 mit den US-Truppen ins befreite Paris einzieht, da führt ihn sein erster Weg ins Ritz, in sein Luxushotel an der Place Vendôme. Anschließend schaut er bei der Buchhandlung Shakespeare and Company in der Rue de l’Odéon, um seine Bekannte Sylvia Beach zu treffen. Und schließlich zieht es den Amerikaner zu Pablo Picasso. Das Atelier des damals schon berühmten Künstlers befindet sich in der Rue des Grands-Augustins, in der Nummer 7, im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés.

Doch der Concierge bedeutet dem Schriftsteller, Picasso sei nicht anwesend, er könne eine Notiz hinterlassen, und übrigens, ein Mitbringsel wie Zigaretten würde den Maestro sicherlich erfreuen. Der Nichtraucher Hemingway geht zu seinem Militärjeep, holt eine

Ernest Hemingway kauft einen Paul Klee

Ernest Hemingway und der kubanische Journalist Fernando Campoamor im Oktober 1954 auf der ‚Finca Vigia‘. An der Seite das Bild von Paul Klee ‚Monument in Arbeit‘ von 1929. Die Ähnlichkeit des Gemäldekopfs mit dem des Nobelpreisträgers ist verblüffend. Credit Line: Ernest Hemingway Photograph Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Mitte November 1929, drei Wochen nach dem verheerenden Black Thursday an der Wall Street, befindet sich Ernest Hemingway in Berlin. Mit dem Rowohlt Verlag verhandelt er am 15. November die deutschen Rechte zu A Farewell to Arms, das in der Übersetzung In einem andern Land heißen wird. Die Vorschusszahlung, die er von seinem deutschen Verleger bekommt, wird am gleichen Tag ausgegeben. 

Beim Berliner Galeristen Alfred Flechtheim erwirbt der US-Amerikaner ein Gemälde von Paul Klee. Monument in Arbeit heißt das Werk, es ist ein abstraktes Portrait. Paul Klee hat das Aquarell 1929 gemalt, Ernest Hemingway ist beim ersten Anblick von der geheimnisvollen Kraft des Bildes angetan. Mit ein wenig Phantasie kann man es – im Nachgang – als erstaunlich genaue Illustration des späteren Literatur-Nobelpreisträgers betrachten.

Der junge Schriftsteller mag die moderne Kunst, er kennt viele Maler aus seinen sieben Jahren in Paris. Er kauft zahlreiche Kunstwerke und nimmt sie mit in die USA, später auf sein tropisches Anwesen im Süden Havannas. An den Wänden und auf den Anrichten der Finca Vigía finden sich großartige Bilder avantgardistischer Maler, wertvolle Originale von Paul Klee, Georges Braque, Juan Gris, von Waldo Peirce und Joan Miró.

Der Schriftsteller mag sie alle, allerdings kristallisieren sich bei den Europäern drei Favoriten heraus: Juan Gris, Joan Miró und Paul Klee. El guitarrista und Le torero von Juan Gris, Paul Klees Monument in Arbeit und Der Bauernhof von Joan Miró, das Farmhaus in San Francisco de Paula gleicht in den 1950er Jahren einem kleinen Museum.

Auf der anderen Seite des Raumes, über dem Bücherregal, befand sich Paul Klees ‚Monument in Arbeit‘. Mit diesen Worten erinnert sich Ernest Hemingway in seinem autobiografisch gefärbten Roman Inseln im Strom an die Reise mit seiner zweiten Ehefrau Pauline und an die Herkunft seines Gemäldes. Er wußte heute nicht mehr darüber wie damals, als er es zum ersten Mal in der Galerie Flechtheim gesehen hatte, in dem Gebäude am Fluss, in jenem wundervollen kalten Herbst in Berlin, als sie so glücklich gewesen waren. Aber es war ein gutes Bild, und er betrachtete es gerne. 

Paul Klees Kunstwerk findet über die Jahrzehnte seinen Platz auf der Finca Vigía, Ernest Hemingway hütet seine zahlreichen Bilder wie einen Schatz. Selbst über seinen Tod hinaus verbleiben die Gemälde im Familienbesitz, darauf hat er Wert belegt. Er vermacht alle Kunst seiner Ehefrau Mary Welsh und seinen drei Söhnen. In seinem Testament hat er die moderne Kunst penibel aufgeteilt.

In seinem Letzten Willen hat der Nobelpreisträger verfügt, dass sein ältester Sohn John das Bild Le torero von Juan Gris erhält. El guitarrista, ebenfalls von Juan Gris, geht an den Sohn Patrick. Miss Mary, die vierte Mrs. Hemingway, bekommt Der Bauernhof von Joan Miró. Dem jüngsten Sohn, Gregory, einem Sensiblen, wird Monument in Arbeit von Paul Klee zugeteilt.

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Monument in Arbeit gehört zur Collection Ernest Hemingway, New-York. So das französische Werkverzeichnis von René Crevel.

Paul Klee wird im Dezember 1879 in Munchenbuchsee, in der Schweiz geboren, die Deutschen und die Schweizer werden ihn als Maler für sich reklamieren. Er ist mehr als ein Expressionist, mit den Jahren nähert er sich

Ernest Hemingway mit Pascin im Dôme

Jules Pascin: Ein Mann mit einem Glas Wein. In Paris. Aus dem Jahr 1923.

Paris in den 1920er Jahre ist für jemanden, der in der calvinistischen Enge des amerikanischen Mittelwestens groß geworden ist, ein himmelweites Paradies der Sinnenfreude. Während in der Heimat Wirtschaftskrisen, Mafia und Prohibition die gute Laune verderben, hockt der aus dem Land vertriebene Müßiggang im Café de Flore in Saint-Germain-des-Prés und nippt an einem Cabernet

Die französische Hauptstadt zieht all die jungen Frauen und Männer an, die auf Neues aus sind. Maler mit frischen Stilformen, Schriftsteller mit rasanten Texten, Komponisten, denen acht Töne nicht genügen. Ernest Hemingway wird hineingeworfen in diese quirlige Welt, er taucht ein, er lernt und er genießt die Unbeschwertheit und das Wohlbehagen an der Seine. 

Der junge Amerikaner, er ist Anfang 20, lernt die kulturelle Avantgarde jener neuen Zeitepoche kennen. Ernest Hemingway trifft auf Ezra Pound, James Joyce, Joan Miró, Pablo Picasso, Gertrude Stein, Ford Madox Ford, F. Scott Fitzgerald. Man nennt sie die lost generation, die verlorene Generation, weil nach dem schlimmen Krieg die Werte modrig geworden sind, und das Neue erst langsam an Kontur gewinnt.

An einem Abend trifft Ernest Hemingway im Café du Dôme am Boulevard du Montparnasse den bulgarischen Maler Jules Pascin. Der Expressionist, Jahrgang 1885, macht vor allem durch freizügige Frauenakte von sich reden. Hemingway gesellt sich zu dem Maler, der mit zwei bildhübschen jungen Frauen, seinen Modells vom Arbeitstag, an einem Tisch sitzt.

Im Laufe des Gesprächs fragt ein zunehmend betrunkener Pascin den US-Amerikaner, ob er nicht mit einer der beiden Frauen in Bett möchte. Und prompt macht sich dann eine der Schönen fordernd an den Schriftsteller heran, zeigt ihre Reize, Pascin bietet sein Atelier als Liebesnest an. Doch Ernest Hemingway löst sich aus der lasziven Situation, verabschiedet sich und geht nach Hause zu seiner Ehefrau Hadley.

Jules Pascin ist ein Ruheloser. Budapest, Wien, London, München, Berlin, die USA, der Bulgare reist viel. Dies hat er mit Hemingway gemein. Die beiden verstehen sich gut. Der Mann aus Chicago mag den Stil des Künstlers und seinen jovialen Charakter. Pascin war ein sehr guter Maler, und er war betrunken, ständig, vorsätzlich betrunken, aber bei klarem Verstand. In der Tat malt Pascin wie ein Besessener, Tausende Bilder und Skizzen.

Ein manischer Künstler, angetrieben von Rastlosigkeit und dem Alkohol. Im Grunde seines Herzens indes ein Romantiker. Hin und her gerissen zwischen Ehefrau, Geliebte und seinen Modells. Wenn er feiert, und er feiert jeden Tag, findet man ihn in den Bars und Restaurants von Paris, umringt von Freunden und koketten Frauen. Seine Bilder verkaufen sich gut, das schöne Geld fließt in den Wein.

Das Schicksal meint es nicht gut mit dem Maler. Früher hat er farbenprächtige Landschaften auf Kuba und in Mexiko gezeichnet, mit der Zeit werden seine Gemälde und Zeichnungen

Ein Fussballspieler für Ernest Hemingway

Der Fussballspieler von Renée Sintenis. Ein Fussballer ohne Trikot und Ball, eher die ästhetische Dynamik eines Körpers in Bewegung. Foto: Galerie Flechtheim.

Im November 1927 reisen Ernest Hemingway und seine zweite Ehefrau Pauline Pfeiffer nach Berlin. In den neun Tagen ihres Aufenthalts besuchen sie das Sechstage-Fahrradrennen im Sportpalast und treffen sich mit dem Kollegen Sinclair Lewis. Berlin ist in den Roaring Twenties eine laute und lärmende Metropole, wo politische und soziale Konflikte sich entladen, wo Moden und Meinung entstehen. Verrücktheiten sind zu sehen, ebenso wie junge Künstler Neues ausprobieren.

Ernest Hemingway interessiert sich besonders für moderne Malerei und kommt mit dem Berliner Kunsthändler Alfred Flechtheim in Kontakt. Bei ihm kauft der Amerikaner eine Skulptur der Bildhauerin Renée Sintenis für 500 Mark, das Kunstwerk trägt den Titel Der Fußballspieler. Über die nächsten zwei Jahre wird Ernest Hemingway bei Flechtheim, der auch Verleger der Zeitschrift Der Querschnitt ist und die avantgardistische Malerei fördert, weitere Skulpturen kaufen.

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Der Pariser Kunstkatalog von Gallimard aus dem Jahr 1930 über Sculpteurs allemands verzeichnet Ernest Hemingway als Sammler von Der Fussballspieler.

Der Fussballspieler, eine Boxer-Skulptur, sie stellt den Mittelgewichtsboxer Erich Brandl im Jahr 1925 dar. Berühmt wird die Bronze des legendären Langstreckenläufers Paavo Nurmi aus Finnland. All die kleinformatigen Sportler-Plastiken der Renée Sintenis zeigen einen Körperkult in Bewegung. Die Auflagen der Kunstwerke bewegen sich meist um die 10 Exemplare.

Es ist zu vermuten, dass Ernest Hemingway je ein Exemplar dieser drei Kleinskulpturen besessen hat. Zwar kann man nicht mehr genau nachvollziehen, welche Sintenis-Plastiken der junge Autor gekauft hat, die Provenienz sämtlicher Werke ist nach fast hundert Jahren nicht mehr exakt in alle Verästelungen zurückzuverfolgen. Fakt bleibt, Hemingway kauft und sammelt Renée Sintenis, Belege dafür gibt es genug. Ernest Hemingway, New York, steht in den Werkverzeichnissen. 

Renée Sintenis, eigentlich Renate Alice Sintenis, spezialisiert sich auf Akte und Köpfe, auf kleinformatige Tierplastiken, sowie auf zahlreiche Selbstbildnisse und Aktfiguren von Sportlern. In den 1920er Jahren feiert die Bildhauerin, im Jahr 1888 in Schlesien geboren, beachtliche Erfolge. Alfred Flechtheim wird ihr Galerist und präsentiert zwischen 1920 und 1933 zahlreiche Ausstellungen mit Plastiken und Zeichnungen von ihr. Im Jahr 1931 wird Renée Sintenis als erste Bildhauerin Mitglied der Berliner Akademie der Künste.

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Die Staatlichen Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Bilddatei-Nr. ngnge_0210, verzeichnet mit der Jahresangabe 1930 Ernest Hemingway als Besitzer der Sintenis-Skulptur von Paavo Nurmi.

Die Künstlerin ist schlank, selbstbewusst, mondän, mit schwarzem Bubikopf. Sie wirkt androgyn, ein IT-Girl der damaligen Zeit, häufig wird sie von berühmten Fotografen portraitiert. In den wilden Zwanzigern verkörpert sie die modische Femme fatale der lokalen Boheme, auch wenn sie persönlich eher schüchtern im Auftreten ist.

Bekannte Autoren wie Gottfried Benn und Rainer Maria Rilke, gehören zu ihrem Freundeskreis, ebenso wie die Schauspielerin Asta Nielsen.
Herr Flechtheim angelte am See
Sich kleine Tierchen von Renée
spottet treffend ihr enger Vertrauter,

Ein Miró für Mrs. Hemingway

Ernest Hemingway, Ehefrau Miss Mary und Verwalter Roberto Herrera Sotolongo im Esszimmer der Finca Vigía. An der Wand: Der Bauernhof von Joan Miró. Foto: George Leavens.

Schon in frühen Jahren beginnt Ernest Hemingway, moderne Kunst zu sammeln. Anfang der 1920er Jahre lebt er mit seiner ersten Ehefrau Hadley in Paris, dort, wo junge Frauen und Männer mit neuen, wilden Ideen von sich reden machen. Die amerikanischen Expatriates in der französischen Metropole scharen sich in jenen Jahren um Gertrude Stein, eine wohlhabende Autorin und Kunstsammlerin. Die Frau aus Pittsburgh führt den Neuankömmling Ernest Hemingway in ihren avantgardistischen Zirkel ein und fördert den talentierten Autor.

In ihrem literarischen Salon in der Rue de Fleurus 27 sammelt Frau Stein die experimentierfreudigen Künstler jener Zeitepoche um sich, nicht nur Autoren und Komponisten, sondern auch zahlreiche Maler, so Pablo Picasso, Henri Matisse, Georges Braque und Juan Gris. Der junge Ernest Hemingway, ein Bauch- und Augen-Mensch, besitzt von früh an ein Gespür für gute Kunst. Ein Gemälde hat es ihm besonders angetan. Der Bauernhof, gemalt von dem Katalanen Joan Miró, der abwechselnd in seiner Heimat und in Paris lebt.

Der Maler aus Barcelona, Jahrgang 1893, er ist sechs Jahre älter als Hemingway, steht am holprigen Anfang seines Erfolgsweges. Der Bauernhof, auf Katalanisch La Masía, wurde von ihm 1921 und 1922 in neunmonatiger Fleißarbeit erstellt. Der 28-jährige Miró ist noch auf der Suche nach seinem eigenen Stil und mischt realistische, naive, phantastische und kubistische Elemente. Auf dem Bild ist der Bauernhof seiner Eltern in Mont-roig del Camp abgebildet, der im Landesinneren westlich von Tarragona liegt.

Das großformatige Bild wird von einem Eukalyptus-Baum beherrscht, der aus einem schwarzen Kreis ragt und im Abendhimmel vom Mondlicht erleuchtet wird. Die Tiere des Hofes – ein Hahn, ein Esel, eine Ziege, ein Hund, eine Taube – verteilen sich wild über das ganze Bild. Unter dem Baum befindet sich ein umgestürzter Blecheimer vor einer Gießkanne, rechts davon die französische Zeitung L’INTRANSIGEANT. Wegen der Faltung kann man nur L’INTR (hinein!) lesen, was der gesamten Komposition eine sexuelle Andeutung verleiht.

Nach diesem Schema versteckt Joan Miró in seinem Gemälde eine Vielzahl kleiner Anspielungen. Jedes Detail erzählt seine Botschaft, wie in Trance vereinen sich viele an sich realistische Eindrücke mit dezenter Kraft zu einem verrückten Traum. Man kann stundenlang vor diesem Gemälde weilen und stets etwas Neues entdecken. Eigentlich markiert dieses Schlüsselwerk Mirós den Beginn des Surrealismus in der Malerei. Man kann wunderbar beobachten, wie in diesem Bild die realistische Darstellung des Landlebens übergeht in abstrakte und dadaistische Motive.

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La Masía, von Joan Miró. Zu Deutsch: Der Bauernhof.

Ernest Hemingway, damals noch ein mehr oder weniger unbekannter amerikanischer Autor in Paris, kauft Mirós Gemälde im Herbst 1925 über den Kunsthändler Léonce Rosenberg. Er möchte das Bild seiner Frau Hadley zum Geburtstag schenken. Der 26-jährige Journalist aus Chicago, in den Anfangsjahren meist klamm, leiht sich den Kaufpreis von 5.000 Franc bei seinem wohlhabenden Freund und Kollegen John Dos Passos.

Als Ernest Hemingway – mit der zweiten Ehefrau Pauline – im Jahr 1928 nach Key West zurück in die USA übersiedelt, kommt Joan Mirós Bild mit. Nach einem weiteren Jahrzehnt und einer weiteren Ehefrau hängt das Gemälde seit 1939 im

Waldo Peirce, Ernest Hemingways Lieblingsmaler

Ernest Hemingway im Jahr 1953 auf Finca Vigía, vor einem Portrait, das Waldo Peirce von ihm gemalt hat. Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Ernest Hemingway mag die moderne Malerei. Aus seiner Pariser Zeit kennt er Pablo Picasso und andere Maler der Avantgarde. Wenn er in den jungen Jahren irgendwie Geld erübrigen kann, er steckt es in den Kauf von Bildern. Im Schlafzimmer der Finca Vigía über seinem Bett hängt El guitarrista von Juan Gris, im Wohnzimmer und in Marys Schlafzimmer finden sich ein Paul  Klee, ein Georges Braque und Joan Mirós Der Bauernhof kann im Esszimmer bestaunt werden.

Und dann prangt auf der Finca Vigía noch ein Portrait, im Jahr 1929 gemalt von seinem Freund Waldo Peirce, das den dreißigjährigen Ernest darstellt. Kid Balzac hat Peirce das Gemälde genannt, in Anlehnung an den von Hemingway verehrten französischen Autoren Honoré de Balzac. Die Ähnlichkeit mit dem Romantiker aus dem 19. Jahrhundert ist verblüffend, obgleich ein leicht ironischer Seitenhieb dazukommt, denn im Vergleich zum kugelrunden Balzac erscheint Hemingway im Pinselstrich von Peirce als ziemlich abgespeckte Variante. 

Waldo Peirce, ein Falstaff mit Rauschebart, wird schnell ein enger Kumpel des Schriftstellers. Der Mann aus Bangor in Maine, ein kräftiges Mannsbild  vom Jahrgang 1884, besucht Ernest oft in Key West. Dann fahren sie gemeinsam fischen oder hinaus auf die Marquesas Keys, auf eine kleine unbewohnte Inselgruppe, die westlich der Keys liegt, und die beiden Freunde machen all den Blödsinn, den Männer halt machen, wenn sie unter sich sind. 

Viermal heiratet Waldo Peirce und bekommt fünf Kinder. In die Kinder ist er vernarrt, er tollt mit ihnen herum und macht jeden infantilen Klamauk mit. Die Kinder haben auch eine Krankenschwester und eine Haushälterin, beobachtet Ernest Hemingway bei einem Besuch, aber Waldo ist nur wirklich glücklich, wenn er malt und ein Kind versucht, seinen dicken Bart anzuzünden und ein anderes Kind Kartoffelpüree auf seine Leinwand klatscht. So geht Vaterliebe!

Waldo Peirce begleitet den Freund von frühen Jahren hin bis zu seinem Ende. Am 2. Juli 1961, am Tag seiner Selbsttötung, schlurft Ernest Hemingway im

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