An den Fersen von Ernest Hemingway

Kategorie: Afrika

Ernest Hemingway stirbt in Afrika, um ein Haar

Am 5. Februar schreibt Ernest Hemingway seinem Verwalter nach Kuba. Los dos cojones intactos. Credit Line: Ernest Hemingway Papers Collection, Museum Ernest Hemingway, Finca Vigia, San Francisco de Paula, Cuba

Im Jahr 1954 wird der Schriftsteller in zwei beinahe tödliche Flugzeugunglücke verwickelt, es hat nicht viel gefehlt. Das Ehepaar Hemingway befindet sich auf einer mehrmonatigen Safari-Reise in Ostafrika. Im Januar stürzt eine Cessna 180 ab mit Mary und Ernest Hemingway an Bord über Murchison Falls im Nordwesten Ugandas, nachdem der kleine einmotorige Propellerflieger die Leitungen eines Telegraphenmastes berührt hat.

Ein zweites Flugzeug, eine britische De Havilland Dragon Rapide, mit dem das Ehepaar am nächsten Tag von Butiaba nach Entebbe zurückkehren will, fängt beim Abflug Feuer. Der Pilot Reginald Cartwright und Mary, die beide vorne sitzen, winden sich flink aus dem zweimotorigen Doppeldecker. Doch bei Ernest, der auf der Rückbank hockt, klemmt die verkrümmte Hintertür. Mit Schulter und seinem dicken Schädel als Rammbock findet schließlich auch Ernest im letzten Moment nach draußen.

Die Nachrichtenagentur United Press schickt am 24. Januar 1954 eine Eilmeldung um den Globus. Kampala, Uganda, Afrika: Der bärtige Pulitzer-Gewinner, der Autor Ernest Hemingway und seine Frau sind vermutlich bei einem Crash mit ihrem gecharterten Flugzeug im Urwald von Uganda ums Leben gekommen. Die Zeitungen in den USA drucken, meist riesig auf der Titelseite, die Meldungen von seinem Tod.

Ernest Hemingway darf im fernen Afrika seinen eigenen Nachruf lesen. Er nimmt es mit Humor, das Überleben seines eigenen Todes amüsiert ihn. Mein Glück ist mir weiterhin treu, dementiert er am nächsten Tag gegenüber der Presse lässig sein Ableben. Trotz schwerster Verletzungen trägt der Autor die Abstürze zunächst mit dem üblichen Galgenhumor. 

Das prominente Ehepaar überlebt beide Unglücke, jedoch die Verletzungen stellen sich als verheerend heraus, besonders bei Ernest. Der Schriftsteller erleidet eine schwere Gehirnerschütterung, die Schulter wird ausgekugelt, dazu kommen Darmquetschungen, ein Nierenriss und die Verletzung der Leber. Besonders schmerzvoll sind die Verbrennungen an den Beinen, am Bauch, am rechten Unterarm, an der linken Hand und am Kopf.

Seinem Verwalter Roberto Herrera schreibt er am 5. Februar aus dem New Stanley Hotel in Nairobi einen Brief: Everybody is okay. Und Ernest Hemingway fügt dann handschriftlich hinzu: Los dos cojones intactos. Hubo derrame cerebral pero contenido OK. Die beiden Eier unversehrt. Hatte Schlaganfall, aber innen drin alles ok. Seinen Humor hat er nicht verloren, aber okay ist gar nichts, in Wirklichkeit leidet der Schriftsteller unter höllischen Schmerzen.

Der Kopf und die inneren Organe sind derart verletzt, dass er sich davon nie mehr ganz erholen sollte. Die beiden Unfälle beeinträchtigen sein Seh- und Hörvermögen, es fällt ihm fortan schwer, sich zu konzentrieren, und auch das Schreiben bereitet ihm nun Mühe. Die beiden Flugzeugunglücke sind eine Zäsur in seinem Leben, nichts wird mehr so sein wie vorher.

Bitter wird er nun auf  die Gewissheit gestossen, dass ein solcher Pfundskerl wie er doch nicht für die Ewigkeit gebaut ist. Auch seine Uhr tickt, die Zeit, sich etwas vorzulügen, scheint vorüber. Er wird fortan kein Buch mehr veröffentlichen und in den verbleibenden sieben Lebensjahren mehr Krankenzimmer von innen sehen, als er sich in seinen schlimmsten Träumen vorzustellen wagte.

Der große Ernest Hemingway ist schlecht beieinander ab dem Schicksalsjahr 1954. Sein opus magnum, die Novelle Der alte Mann und das Meer, ist geschrieben und veröffentlicht, doch er ist ausgepumpt und angeschlagen. Ab jetzt geht es körperlich rapide bergab – und geistig erst recht. 

Afrika erweitert Ernest Hemingways Horizont

Ernest Hemingway in Afrika im Februar 1954, gezeichnet von den beiden Flugzeugunfällen. Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Ende 1933 nehmen Ernest Hemingway und seine zweite Ehefrau Pauline Pfeiffer an einer zehnwöchigen Safari in Ostafrika teil, am 9. Dezember quartiert sich das Paar im Palace Hotel von Mombasa ein. Die Amerikaner besuchen anschließend die Städte Nairobi und Machakos in Kenia, danach brechen Ernest und Pauline zur Serengeti auf und in den Tarangire-Nationalpark von Tansania, zur Jagd auf die afrikanischen Wildtiere.

Ihr Guide in der endlosen Steppe wird der berühmte englische Wildschütz Philip Percival, der legendäre weiße Jäger, der schon den amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt auf dessen Safari, im Jahr 1909, begleitet hat. Im Nu lässt sich der Schriftsteller aus Chicago von der Lebenswelt des schwarzen Kontinents betören für sein neues Buchprojekt Die grünen Hügel Afrikas. Ebenso wie für seine beiden Kurzgeschichten Schnee auf dem Kilimandscharo und Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber.

In der Tat beflügelt der fremdartige Alltag den Schriftsteller mental wie thematisch, der Kontinent hebt den Horizont des Autors auf eine neue Stufe. Zuvor war dessen Fokus auf Europa gerichtet, insbesondere auf Frankreich und Spanien. Green Hills of Africa wird 1935 veröffentlicht, The Short Happy Life of Francis Macomber erscheint dann ein Jahr später. Aus seinen von Afrika inspirierten Werken ragt eine Short Story von etwa 40 Seiten heraus: The Snows of Kilimanjaro.

In der Kurzgeschichte Schnee auf dem Kilimandscharo verarbeitet Ernest Hemingway abermals seine Safari-Erlebnisse in Kenia und Tansania, streut allerdings

Ernest Hemingway – ein kämpferischer Weltenbummler

Eine Doppelseite von Ernest Hemingways Reisepass. Credit Line: Ernest Hemingway Papers Collection, Museum Ernest Hemingway, Finca Vigia, San Francisco de Paula, Cuba

Von seiner Zukunft besitzt der 17-jährige Schüler eine genaue Vorstellung. My name is Ernest Miller Hemingway. I want to travel and write, verrät er 1916 in seinem Notizbuch Memoranda an der Oak Park and River Forest High School. Der hochgewachsene Jugendliche aus einem Vorort von Chicago möchte in der Welt umherreisen und schreiben. Und Ernest Hemingway wird in seinem zukünftigen Lebensjahren diesen Traum verwirklichen.

Sein amerikanischer Reisepass braucht viele Seiten für all die Ein- und Ausreisestempel dieser Welt. USA, Kuba, Bahamas, Mexiko, Peru, Frankreich, Italien, Luxemburg, Belgien, Spanien, Österreich, Schweiz, Deutschland, Belgien, Bulgarien, Türkei, Hong Kong, China, Kenia, Uganda, Tansania. Die Liste kann nicht vollständig sein.

Wir reden nicht von heute, ICE, Jumbo Jet und Lufthansa Frankfurt nach Rio de Janeiro für 650 Euro, hin und retour natürlich. Wir müssen uns schon 100 Jahre in die Welt des jungen Hemingway zurückbeamen. Ernest fängt an im Mai 1918, kurz nach der Schule, als naiver Kerl mit achtzehn Jahren. Wochenlang auf dem Ozeandampfer von den USA nach Europa. Erster Weltkrieg, Italien, Ambulanzfahrer, Schlacht an der Piave. Sechs Monate Lazarett.

Es geht munter weiter im turbulenten Leben dieses Mannes. Bürgerkrieg in Spanien, Zweiter Weltkrieg, Aufstand in China, kubanische Revolution. Dazu Krankheiten, Abstürze mit dem viersitzigen Propeller-Flugzeug. Ernest Hemingway reist gerne dahin, wo es kracht und bummert. Das wird dann kein TUI-Urlaub, all inclusive, sondern mündet in harter Arbeit. Mit hohem Risiko für Leib und Seele. Und dieser Mann kommt nicht ohne Wunden nach Hause.

Der berühmte amerikanische Autor, im Jahr 1954 verleiht man ihm den Nobelpreis für Literatur, bereist gerne die versteckten Eckchen und die stürmischen Schauplätze unseres Erdballs. Dieser scheinbar ungehobelte Bursche, der nicht nur packende Reportagen und erstklassige Romane schreiben kann, ist zugleich bereit, dafür durch die große weite Welt zu preschen. Denn ihm ist klar, ein Frosch am Boden des Brunnens sieht nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels.

Ein weiteres unterscheidet ihn von vielen Landsleuten: Der bärtige Rabauke lässt sich auf das Fremde ein mit Haut und Haaren. Die Welt ist so voll von so vielen Dingen, dass ich sicher bin, wir sollten alle glücklich sein wie die Könige. Ernest ist dafür bekannt, dass er die

Der schönste Hemingway-Satz: Afrika

In Afrika war er in der guten Zeit seines Lebens am glücklichsten gewesen, und um noch einmal anzufangen, war er hierher zurückgekommen.
Ernest Hemingway, Schnee auf dem Kilimandscharo

Ernest Hemingway liest seinen eigenen Nachruf

Im Jahr 1954, im Herbst diesen Jahres wird er den Nobelpreis für Literatur erhalten, ist der Schriftsteller dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen. Ernest Hemingway und Miss Mary befinden sich auf einer ausgedehnter Safari in Ostafrika, als das Unglück seinen Lauf nimmt.

Im Januar stürzt eine Cessna 180 ab mit Mary und Ernest Hemingway an Bord. Das Unglück ereignet sich über Murchison Falls im Nordwesten Ugandas, nachdem der kleine einmotorige Propellerflieger einen Telegraphenmast geschrammt hat. Doch Glück im Unglück, das prominente Ehepaar kommt mit einigen Schrammen und leichten Verletzungen davon.

Doch ein schlimmeres Unglück sollte noch auf sie warten. Ein zweites Flugzeug, eine britische De Havilland Dragon Rapide, mit dem die Hemingways am nächsten Tag von Butiaba nach Entebbe zurückkehren wollen, fängt beim Abflug Feuer. Der Pilot Reginald Cartwright und Miss Mary, die beide vorne sitzen, winden sich flink aus dem zweimotorigen Doppeldecker.

Doch bei dem stämmigen Schriftsteller, der auf der Rückbank hockt, klemmt die verkrümmte Hintertür. Nun wird es dramatisch, weil die Maschine lichterloh brennt und Ernest Hemingway nicht aus dem kleinen Flugzeug kommt. In

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