Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

Schlagwort: Eifel

Das ‚Hotel Zwicker‘ in der Eifel: Ernest Hemingways Feldküche an der Westfront

Hotel Zwicker
Etappenziel Bleialf: Das Hotel Zwicker diente im Herbst 1944 als Herz der US-Versorgung in der Schnee-Eifel. Nach dem Krieg wurde das Anwesen neu gebaut. Foto: W. Stock, August 2026.

Die Wehrmacht will die Front am Westwall halten, den die Alliierten Siegfried Line nennen. Zwischen Aachen und Prüm plant die US-Army, einen Teil dieser Schutzmauer aus Bunkern und Sperren zu überwinden, um bis zum Rhein vorstoßen zu können. Strategisch würde der Verlust des Rheinlandes die deutsche Abwehr entscheidend schwächen und das Ende der NS-Diktatur beschleunigen.

Am 8. September 1944 reist Ernest Hemingway über den belgischen Ort Sankt Vith und das nahegelegene Dorf Ouren an die Grenzlinie. Der Kriegsberichterstatter ist voller Erwartung, denn für seine Reportagen und den geplanten Roman benötigt er möglichst viele Eindrücke aus erster Hand. Er muss die Kampfhandlungen miterleben, um anschaulich darüber schreiben zu können. Ganz nah herangehen, nur so funktioniert seine Prosa. 

Zwei Tage zuvor, am letzten Tag vor dem Einbruch des Schlechtwetters, waren wir am Ziel des Rattenrennens angelangt. Es war eine schöne Rattenjagd von Paris bis nach Le Cateau, mit erbitterten Kämpfen bei Landrecies, die nur wenige gesehen haben und an die sich noch weniger erinnern können. Dann waren die Pässe des Ardennenwaldes bezwungen worden, in einer Landschaft, die den Illustrationen zu Grimms Märchen glich, nur viel grimmiger.

Hemingway begibt sich zunächst nicht an die Frontlinie im Norden bei Aachen, sondern beginnt 80 Kilometer weiter südlich, mitten in der Schnee-Eifel. Ziel der US-Army ist es, von Belgien aus in der Westeifel die Siegfried-Linie aufzubrechen, um den Bodentruppen den Weg nach Köln und Koblenz zu ebnen. Im Grenzgebiet herrscht im Herbst ein raues und feuchtes Klima. In höheren Lagen ist es meist noch einige Grad kälter als im Flachland. 

Mit der Frontverschiebung erreicht auch das Pressekorps das Territorium der Schnee-Eifel. Es ist Dienstag, der 12. September 1944. Um 04.27 Uhr setzt der Kriegsreporter seinen Fuß in das Land der Nazis. Das Dorf heißt Hemmeres, es ist die erste deutsche Ortschaft, die Hemingway im Zweiten Weltkrieg betritt. In dem winzigen Fleckchen, direkt am Grenzfluss Our, leben nur ein paar Dutzend Menschen, die ihre Bauernhöfe bewirtschaften.

Es wird Hemingways erste Begegnung mit den Deutschen während des Krieges. Alte Frauen und greise Männer laufen auf die Soldaten zu. Sie bringen Schnaps und trinken selbst aus den Flaschen, um zu zeigen, dass der Fusel nicht vergiftet ist. Andere kommen mit weißen Fahnen und erhobenen Händen. Die Wehrmacht hat sich nach Osten abgesetzt und zerstört auf dem Rückzug die noch intakte Infrastruktur.

Ein uraltes Bauernhaus in Schweiler wird zum ersten Quartier Hemingways auf deutschem Boden. Das Haus verfügt über kein fließendes Wasser, kein Badezimmer, keinen Strom, keine Heizung. Überstürzt haben Soldaten der Wehrmacht das trostlose Gebäude verlassen. Der US-Trupp richtet sich behelfsmäßig ein, unter dem Lichtschein einer Öllampe geht es am Abend feuchtfröhlich zu. Es gibt ein gutes Essen, das die verbliebenen Bauern der Umgebung auftreiben. Auch Wein und Cognac werden den Amerikanern aufgetischt.

In Schweiler stoßen die Soldaten auf Eifel-Bewohner, die nicht geflohen sind. Greise Männer und Frauen, kleine Kinder. Und Ernest wundert sich. Diese Nazi-Deutschen sehen seinem Großvater oder anderen Großvätern gar nicht so unähnlich. Und auch die Kinder sind Kinder wie in sonstigen Ecken der Welt.

Im drei Kilometer entfernten Bleialf richtet die Army Dienstleistungen ein, die auch im Krieg vonnöten sind. Am Bahnhof bietet der Zahnarzt der Einheiten seine Dienste an und in der Pfarrkirche hält der Truppen-Geistliche für die GIs Messen ab. Das Hotel Zwicker wird zur Feldküche hergerichtet. Im Hinterhof des Gasthauses werden von den Soldaten die Mahlzeiten eingenommen. Ernest Hemingway kommt

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Werner Kleeman mit Salinger und Hemingway in Zweifall

Zweifall
In der Jägerhausstraße des Eifeldorfs Zweifall findet im November 1944 die Begegnung von Ernest Hemingway und J. D. Salinger statt. Foto: W. Stock, August 2026.

Mitte November 1944 erlebt das kleine Dorf Zweifall eine stille Sensation. Zwei der bekanntesten Schriftsteller des Jahrhunderts treffen in diesem Eifelort bei Stolberg aufeinander. Es ist Werner Kleeman, der die Erinnerung an das Treffen in seinen Erzählungen und Briefen lebendig hält. J. D. Salinger, Ernest Hemingway und er sind einen ganzen Abend zusammen gewesen. Heute erinnert wenig an die berühmten Gäste.

Das ehemalige Büro des PRO, in dem militärischen Nachrichtenbüro fand die Begegnung statt, ist heute ein normales Wohnhaus. Es gehört einer alteingesessenen Familie aus Zweifall. Werner Kleeman beschreibt das Brick House in der Jägerhausstraße 87 deutlich in seinen Memoiren. In dem Wohnzimmer in Parterre haben Hemingway, Salinger und Kleeman stundenlang über Literatur und den Krieg gesprochen.

Zwei Giganten der Weltliteratur in Zweifall. Kein Schild und keine Gedenktafel weisen in diesen Tagen auf die historische Begegnung hin. Dennoch weiß die Enkelgeneration der Hauseigentümer um den bedeutenden Besuch. Ebenso wie der eine oder andere Ältere in dem Eifeldorf sich erinnern kann.

So hat Hubert Ramers mit den Eltern und Geschwistern auf der gegenüberliegenden Straßenseite gewohnt, wenige Meter unterhalb der Nummer 87. Der Zweifaller hat Ernest Hemingway noch gut im Gedächtnis. Er sei der einzige Amerikaner gewesen, der ständig eine Kamera vor der Brust getragen habe. Nun hat der Kriegsreporter eigentlich keinen Fotoapparat bei sich, aber mit seinem Feldstecher hat er sich schon von gewöhnlichen Soldaten abgehoben.

Nach dem Krieg sind Ernest Hemingway und J. D. Salinger kein großes Thema in Zweifall. Für die katholische Pfarrbibliothek, anderes hat es in den Adenauer-Jahren nicht gegeben, war der bärtige Nobelpreisträger von 1954 zu unfromm, erzählen Einheimische. Und der Autor von Der Fänger im Roggen ist noch zu unbekannt. Auf das Stolberger Gymnasium gingen Schüler aus dem Dorf erst in den 1950er Jahren, angelsächsische Literatur interessierte damals nicht groß.

Unteroffizier Werner Kleeman, der bei der Begegnung Hemingways mit Salinger in Zweifall die ganze Zeit anwesend ist, entstammt einer gutsituierten jüdischen Familie aus Gaukönigshofen in Unterfranken. In dem idyllischen Bauerndorf mit 600 Bewohnern wird Werner im September 1919 geboren. Der Vater Louis ist Getreidebauer und im Dorf als Händler angesehen. Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Kleemanns. Dem Schüler Werner wird verboten, weiterhin die Oberrealschule in Würzburg zu besuchen.

Bei den Novemberpogromen 1938 verwüsten Nazis das Haus der Familie, der Getreidehandel endet im Ruin. Ende desselben Jahres wird Werner von dem Gaukönigshofener Gastwirt, einem NSDAP-Mitglied, denunziert und daraufhin ins KZ Dachau verschleppt. Mit Hilfe eines Vetters aus Nebraska als Bürgen kann sich der 19-jährige Häftling freikaufen. Er flieht nach London und emigriert im November 1939 in die USA. Dort ändert er seinen Namen, streicht das letzte ‚n‘ im Nachnamen, kommt bei Verwandten in Queens unter und arbeitet in einem Kaufhaus.

Im Frühjahr 1945, die Wehrmacht steht vor der Kapitulation, fährt Werner Kleeman nach Gaukönigshofen, um die Nationalsozialisten in seinem Ort zur Rede zu stellen. Er findet die Synagoge als Schuppen für die Feuerwehr entehrt, die jüdischen Friedhöfe zerstört, das Elternhaus als Gefängnis für 50 französische Kriegsgefangene missbraucht. Der US-Militärpolizei nennt er die Namen der Dorfbewohner, die an den Pogromen beteiligt waren.

Der Mann, der ihn sieben Jahre zuvor verhaften ließ, wird nun selbst festgenommen. Es ist ein Plot wie aus einem Hollywood-Film: Ein ehemaliger KZ-Häftling lässt jenen Nazi internieren, der ihn einst verraten hat. Werner trifft in seinem Heimatdorf auch anständige Deutsche. So einen Nachbarn, der einige jüdische zeremonielle Gegenstände in einem Koffer versteckt und verwahrt hat.

Mit Deutschland hat Werner Kleeman abgeschlossen. Er geht zurück nach New York, heiratet, wird Vater zweier Töchter und baut eine kleine Firma für Innendekoration auf. Die Familie wohnt in einem bescheidenen Haus im Stadtteil Queens. Sein Leben lang lehnt er es ab, Deutsch zu sprechen. Die Freundschaft zu Salinger, eine der wenigen des Schriftstellers, hält bis zu dessen Lebensende. Im Juli 2018 stirbt Werner Kleeman mit 98 Jahren in New York.

Die Begegnung zwischen ihm, Salinger und Hemingway im kleinen Eifelort Zweifall im November 1944 bleibt ein Höhepunkt im Leben von Werner Kleeman. Auch wenn das illustre Trio weitgehend

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Dem ‚Schloss Hemingstein‘ in Buchet droht der Verfall

Buchet
Dunkle Wolken über Schloß Hemingstein in der Eifel. Das Gehöft in Buchet ist unbewohnt und erinnert mehr und mehr an eine Ruine. Foto: W. Stock, August 2026.

Ernest Hemingway rückt nach der Befreiung von Paris mit den US-Truppen vor in Richtung Osten bis zur Schnee-Eifel. Zwei Wochen verbringt der Amerikaner in Buchet, das keine zehn Kilometer hinter der belgischen Grenze liegt.

Schloss Hemingstein nennt Ernest in Buchet seine Unterkunft am Ortsrand. Es ist feine Ironie, denn wenig erinnert an einen Feudalsitz. Offiziell heißt das schlichte Quartier Haus Frames, es beherbergt in der zweiten Septemberhälfte 1944 den Kommandostab des 22. Infanterie-Regiments. Ein halbes Dutzend Männer hat sich in Schloss Hemingstein verschanzt, in dem Bauernhaus mit Gastwirtschaft, das In der Jennenbach 5 gelegen ist.

Der Schriftsteller aus Oak Park ist in Buchet eine Berühmtheit. Besucher machen in Schloss Hemingstein ihre Aufwartung. Ein Gast kündigt sich für einen Tag an, bleibt dann aber zwei Wochen. Es ist der 36-jährige Autor und Grafiker John Groth. Have a drink, begrüßt Ernest den Kollegen aus Chicago. 

Im Schloss Hemingstein will John Groth sich zur Nachtruhe in ein Schlafzimmer im Obergeschoss zurückziehen. Ernest gibt ihm zwei Handgranaten mit und meint: Leg sie auf deinen Nachttisch, damit Du schnell an sie rankommst. Groth erwidert, er habe noch nie eine Granate in der Hand gehalten. Und der Schriftsteller zeigt ihm, wie man den Splint zieht, bis zwei zählt und dann den Sprengkörper wirft. Hemingway fügt hinzu, Groth solle angekleidet im Bett liegen, die Lage sei ernst.

Die Lage ist in der Tat ernst. Und trotzdem wird kräftig gebechert in Schloss Hemingstein. Die meisten GIs kennen den Schriftsteller nicht. „Wer ist dieser Hemingway“, fragt ein Soldat. „Keine Ahnung“, antwortet ein anderer, „aber er ist ein prima Kerl.“ Ein Artillerist mischt sich ein: „Er muss ein hohes Tier sein. Seit einem Monat bin ich in seiner Nähe, wir trinken häufig, aber ich weiß immer noch nicht, was dieser Hemingway beruflich macht.“ 

Ernest ist hin- und hergerissen vom Krieg. Er sieht ihn als Kreuzzug gegen den Diktator, aber er selbst wirkt zunehmend müde. Der Widerstand der Wehrmacht ist heftig, die amerikanischen Soldaten können den Abwehrriegel an der Siegfried-Linie nicht knacken. Die Schlacht ist blutig, ohne jeden von ihm literarisch gepflegten Romantizismus. Überhaupt ist Ernest Hemingway in keiner guten körperlichen und mentalen Verfassung.

Der prominente Schriftsteller vermisst sein tropisches Kuba, seine Ehe mit klugen Martha Gellhorn liegt zudem in Trümmern, gesundheitliche Beschwerden plagen ihn in der Kälte. Beständig zieht er sich in der beißenden Kälte des Eifelwinters Atemwegserkrankungen zu, bis hin zu einer verschleppten Lungenentzündung. Oft muss dieses eigentlich kernige Mannsbild den Truppenarzt aufsuchen.

Was ist von Ernest Hemingway aus seinen Tagen in Buchet übrig geblieben? Lange Zeit blieb an der Mauer des Anwesens Haus Frames eine Gedenktafel ins Mauerwerk gebohrt.

Hier im „Schloß Hemingstein“
(Frammes-Haus Nr. 5) wohnte
Ernest Hemingway
beim ersten Vormarsch der Amerikaner
im September 1944.
Ernest Hemingway  * 1899 – † 1961
1954 Nobelpreis für Literatur
für seine Erzählung:
„Der alte Mann und das Meer“

Die kleine Ortsgemeinde Buchet mit nur 250 Einwohnern hat 1994 – zum 50. Jahrestag des D-Day – die schwarze Gedenkplatte am Anwesen anbringen lassen. Mit dem kleinen Rechtschreibfehler bei Haus Frames. Auf der Tafel steht fälschlicherweise Frammes.

Im rechten Flügel des Erdgeschosses ist 1944 die Dorfkneipe gewesen, gegenüber die Küche, im ersten Obergeschoss die privaten Räume der Wirtsfamilie. Nach Kriegsende führen die Hausbesitzer die Schankwirtschaft noch eine Zeit lang weiter. Apollonia Fuchs, die Eigentümerin von Haus Frames, vermietet das Gehöft danach als Dauerferienwohnung. Heute ist jedes Leben aus dem Haus entschwunden.

Das Anwesen ist schon länger unbewohnt und

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J. D. Salinger mit Ernest Hemingway in dem kleinen Eifeldorf Zweifall

Ernest Hemingway
J. D. Salinger
Von dem historischen Treffen Ernest Hemingways mit J. D. Salinger existieren keine Fotos. In unseren Tagen kann die KI aushelfen. AI-Foto: Gemini.

In dicke Jacken eingepackt, die M1-Karabiner über der Schulter, stapfen zwei junge Soldaten durch die kalte Novembernacht der Nordeifel. Mit Taschenlampen leuchten sie ihren Weg durch das stockfinstere Dorf, seit Tagen ist in allen Gebäuden die Elektrizität ausgefallen. Die beiden Amerikaner durchqueren den menschenleeren Ortskern von Zweifall, vorbei an der Gastwirtschaft und den Schieferhäusern, die so typisch sind für die Siedlung mit den umliegenden Steingruben.

Schließlich biegen die Soldaten, parallel zum Hasselbach, in die leicht ansteigende Hauptstraße ab. Der Staff Sergeant Jerome David Salinger wird begleitet von dem Unteroffizier Werner Kleeman, beide sind dem Stab der 4. Infanteriedivision zugeteilt. Salinger arbeitet für die Abwehr und Kleeman, ein US-Bürger deutscher Abstammung, ist Dolmetscher der Division. Gemeinsam sind beide Kameraden am D-Day in der Normandie gelandet und später ins befreite Paris eingerückt.

Nun stecken ihre Verbände seit Wochen östlich von Aachen fest, an der Siegfried-Linie mit ihren unzähligen Bunkern, Stollen und Panzersperren erlahmt der Vormarsch der US-Truppen. Salinger und Kleeman ziehen in dem kleinen Ort der nördlichen Eifel an der Hausnummer 14 vorbei. In dem Braunen Haus, dem ehemaligen Sitz der NSDAP-Verwaltung, hat sich nun der Führungsstab der 4. US-Infanteriedivision eingerichtet.

Am Ortsausgang von Zweifall bleiben die beiden Mittzwanziger vor einem zweistöckigen Gebäude mit dem Schild PRO stehen. Das militärische Public Relations Office hat in der damaligen Adolf-Hitler-Straße – heute: Jägerhausstraße 87 – einen Stützpunkt aufgebaut. Gegen acht Uhr abends steigen die zwei Soldaten das Dutzend Stufen der Außentreppe hinauf, passieren die Wache und treten links durch den Haupteingang des höher gelegenen Gebäudes ein.

In Zweifall sind die beiden jungen Amerikaner mit einem Bekannten verabredet. Einem weltberühmten Kriegsreporter, den Salinger vor zehn Wochen in Paris kennengelernt hat. Sein Name: Ernest Hemingway. An der American Bar des Ritz in Paris sind Ernest Hemingway und Salinger zwei Tage nach der Befreiung der Stadt erstmals aufeinander getroffen. In dem Pariser Grandhotel an der Place Vendôme erzählt Hemingway dem Neuling, dass er sich an eine seiner Storys im Monatsmagazin Esquire erinnere. Ob es mehr gäbe?

Salinger gibt dem arrivierten Kollegen seine Kurzgeschichte Last Day of the Last Furlough, die von der Saturday Evening Post einen Monat zuvor veröffentlicht worden ist. Er habe die Lektüre genossen, meint der Mann aus Oak Park nach der Lektüre. Jesus, he has a hell of a talent, soll Ernest in Hochstimmung ausgerufen haben. Gleichermaßen zeigt sich Salinger von seinem weltbekannten Kollegen begeistert. Hemingway sei großzügig, freundlich und ganz ohne Starallüren.

In dem winzigen Eifeldorf Zweifall sitzen nun Mitte November 1944 zwei Giganten der Weltliteratur zusammen und trinken Champagner aus Aluminiumtassen. Auch in Zweifall, in dem spartanischen Kontor des PRO, verstehen sich der Nachwuchsschreiber und der Starreporter prächtig. Obwohl sie vom Temperament so grundverschieden sind. Hier der breitbeinige und ungehobelte Naturbursche vom Michigan-See, dort der schlaksige und zurückhaltende Kopfmensch aus der Großstadt.

Vier Stunden, bis kurz vor Mitternacht, bleiben die drei Amerikaner an diesem Abend im PRO-Büro beisammen und reden. Ernest Hemingway und der zwanzig Jahre jüngere J. D. Salinger plaudern über Bücher und Schreibtechniken. Der Neuling spitzt die Ohren, der Einfluss des berühmten Kollegen auf den Novizen wird von nun an zunehmen. Beide Autoren sollten Zeit ihres Lebens freundschaftlichen Kontakt halten.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitet Jerome Salinger, der vorzüglich Deutsch spricht, zunächst als Zivilist für eine Abteilung des US-Nachrichtendienstes im fränkischen Gunzenhausen. Er heiratet, später siedelt er in die USA über. Der Kontakt zu Hemingway reißt indes nicht ab. Er sei ein wirklich guter Schreiber, lässt Ernest des Öfteren verlauten. Seine Familie möge ihn und schicke ihm häufig Zeitschriften nach Kuba.

Die Bewunderung des bärtigen Nobelpreisträgers für den Kollegen ist grundehrlich. Als Hemingway 1959 in Madrid eine neue Sekretärin engagiert, kauft er ihr sogleich ein Exemplar von The Catcher in the Rye. In ihren Memoiren Running With the Bulls verrät Valerie, die zeitgenössischen Autoren, die Hemingway am meisten bewunderte, sind J. D. Salinger, Carson McCullers und Truman Capote. Eine signierte

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