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Werner Kleeman mit Salinger und Hemingway in Zweifall

Zweifall
In der Jägerhausstraße des Eifeldorfs Zweifall findet im November 1944 die Begegnung von Ernest Hemingway und J. D. Salinger statt. Foto: W. Stock, August 2026.

Mitte November 1944 erlebt das kleine Dorf Zweifall eine stille Sensation. Zwei der bekanntesten Schriftsteller des Jahrhunderts treffen in diesem Eifelort bei Stolberg aufeinander. Es ist Werner Kleeman, der die Erinnerung an das Treffen in seinen Erzählungen und Briefen lebendig hält. J. D. Salinger, Ernest Hemingway und er sind einen ganzen Abend zusammen gewesen. Heute erinnert wenig an die berühmten Gäste.

Das ehemalige Büro des PRO, in dem militärischen Nachrichtenbüro fand die Begegnung statt, ist heute ein normales Wohnhaus. Es gehört einer alteingesessenen Familie aus Zweifall. Werner Kleeman beschreibt das Brick House in der Jägerhausstraße 87 deutlich in seinen Memoiren. In dem Wohnzimmer in Parterre haben Hemingway, Salinger und Kleeman stundenlang über Literatur und den Krieg gesprochen.

Zwei Giganten der Weltliteratur in Zweifall. Kein Schild und keine Gedenktafel weisen in diesen Tagen auf die historische Begegnung hin. Dennoch weiß die Enkelgeneration der Hauseigentümer um den bedeutenden Besuch. Ebenso wie der eine oder andere Ältere in dem Eifeldorf sich erinnern kann.

So hat Hubert Ramers mit den Eltern und Geschwistern auf der gegenüberliegenden Straßenseite gewohnt, wenige Meter unterhalb der Nummer 87. Der Zweifaller hat Ernest Hemingway noch gut im Gedächtnis. Er sei der einzige Amerikaner gewesen, der ständig eine Kamera vor der Brust getragen habe. Nun hat der Kriegsreporter eigentlich keinen Fotoapparat bei sich, aber mit seinem Feldstecher hat er sich schon von gewöhnlichen Soldaten abgehoben.

Nach dem Krieg sind Ernest Hemingway und J. D. Salinger kein großes Thema in Zweifall. Für die katholische Pfarrbibliothek, anderes hat es in den Adenauer-Jahren nicht gegeben, war der bärtige Nobelpreisträger von 1954 zu unfromm, erzählen Einheimische. Und der Autor von Der Fänger im Roggen ist noch zu unbekannt. Auf das Stolberger Gymnasium gingen Schüler aus dem Dorf erst in den 1950er Jahren, angelsächsische Literatur interessierte damals nicht groß.

Unteroffizier Werner Kleeman, der bei der Begegnung Hemingways mit Salinger in Zweifall die ganze Zeit anwesend ist, entstammt einer gutsituierten jüdischen Familie aus Gaukönigshofen in Unterfranken. In dem idyllischen Bauerndorf mit 600 Bewohnern wird Werner im September 1919 geboren. Der Vater Louis ist Getreidebauer und im Dorf als Händler angesehen. Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Kleemanns. Dem Schüler Werner wird verboten, weiterhin die Oberrealschule in Würzburg zu besuchen.

Bei den Novemberpogromen 1938 verwüsten Nazis das Haus der Familie, der Getreidehandel endet im Ruin. Ende desselben Jahres wird Werner von dem Gaukönigshofener Gastwirt, einem NSDAP-Mitglied, denunziert und daraufhin ins KZ Dachau verschleppt. Mit Hilfe eines Vetters aus Nebraska als Bürgen kann sich der 19-jährige Häftling freikaufen. Er flieht nach London und emigriert im November 1939 in die USA. Dort ändert er seinen Namen, streicht das letzte ‚n‘ im Nachnamen, kommt bei Verwandten in Queens unter und arbeitet in einem Kaufhaus.

Im Frühjahr 1945, die Wehrmacht steht vor der Kapitulation, fährt Werner Kleeman nach Gaukönigshofen, um die Nationalsozialisten in seinem Ort zur Rede zu stellen. Er findet die Synagoge als Schuppen für die Feuerwehr entehrt, die jüdischen Friedhöfe zerstört, das Elternhaus als Gefängnis für 50 französische Kriegsgefangene missbraucht. Der US-Militärpolizei nennt er die Namen der Dorfbewohner, die an den Pogromen beteiligt waren.

Der Mann, der ihn sieben Jahre zuvor verhaften ließ, wird nun selbst festgenommen. Es ist ein Plot wie aus einem Hollywood-Film: Ein ehemaliger KZ-Häftling lässt jenen Nazi internieren, der ihn einst verraten hat. Werner trifft in seinem Heimatdorf auch anständige Deutsche. So einen Nachbarn, der einige jüdische zeremonielle Gegenstände in einem Koffer versteckt und verwahrt hat.

Mit Deutschland hat Werner Kleeman abgeschlossen. Er geht zurück nach New York, heiratet, wird Vater zweier Töchter und baut eine kleine Firma für Innendekoration auf. Die Familie wohnt in einem bescheidenen Haus im Stadtteil Queens. Sein Leben lang lehnt er es ab, Deutsch zu sprechen. Die Freundschaft zu Salinger, eine der wenigen des Schriftstellers, hält bis zu dessen Lebensende. Im Juli 2018 stirbt Werner Kleeman mit 98 Jahren in New York.

Die Begegnung zwischen ihm, Salinger und Hemingway im kleinen Eifelort Zweifall im November 1944 bleibt ein Höhepunkt im Leben von Werner Kleeman. Auch wenn das illustre Trio weitgehend

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Ernest Hemingway bleibt tagelang vor Ort in Zweifall

Zweifall
In Zweifall ist es wohl dieses Haus in der heutigen Jägerhausstraße 87 gewesen, in dem Ernest Hemingway Mitte November 1944 logiert und seine Artikel in die Heimatredaktion übermittelt hat. Foto: W. Stock, August 2026.

Nachdem die US-Truppen die belgisch-deutsche Grenze bei Roetgen überquert haben, sprengen Einheiten der Wehrmacht auf ihrem Rückzug im Hinterland alle Brücken über die Vicht und den Hasselbach. Es hält die GIs nicht auf, in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1944 erobern amerikanische Soldaten Zweifall kampflos.

Der Ort ist eine katholisch geprägte Gemeinde mit 850 Einwohnern, nahe am Hürtgenwald, südlich von Aachen und Düren gelegen. Es gibt eine evangelische und eine katholische Kirche, dazu drei Gastwirtschaften. Zwei Wasserläufe – der Hasselbach und der Vichtbach – durchfließen den Ort. Zweifall ist ein Dorf, wie viele andere in der Umgebung. Man hat den Nazi-Oberen nicht gerade zugejubelt, und doch hat man sich irgendwie arrangiert. 

Seit der Einnahme des kleinen Eifeldorfes Mitte September 1944 haben die US-Streitkräfte in Zweifall eine Einheit für Presse und Film eingerichtet. Nicht als stationäre Dienststelle wie in größeren Städten, sondern als mobile Stabsabteilung, die dem Frontverlauf nachrückt. Das PRO-Office dient als Anlaufpunkt für die 10 bis 20 US-Journalisten, die über die Schlacht im Hürtgenwald berichten. Hier werden die Presseleute von Führungsoffizieren gebrieft und können zudem kurzzeitig Quartier finden.

Aus Paris kommt Ernest Hemingway Mitte November 1944 in die Gegend um Zweifall und nutzt zwischen dem 10. und dem 15. November die Fernmeldeleitungen der PRO-Verwaltung, um sich mit seinem Auftraggeber in den USA abzusprechen. Und er übernachtet mehrmals in dem Anwesen, das in der heutigen Jägerhausstraße 87 liegt.

Die Elektrizität fällt in dem ganzen Ort oft aus, doch das Büro des PRO besitzt einen Generator zur Notstromversorgung, damit die Reporter dort telefonieren und ihre Depeschen absetzen können. So wird in Zweifall für das Truppenblatt Stars and Stripes geschrieben, ebenso wie die Motion Picture Unit die Rückkehr der Bevölkerung in ihr Dorf für die Wochenschauen in den USA filmt.

In dem Ort treffen im Kriegswinter 1944 zwei der einflussreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zusammen. Hauptmann Marcus Stevenson, der die PRO-Niederlassung leitet, begrüßt an diesem Abend zwei Neuankömmlinge, die beiden Soldaten J. D. Salinger und Werner Kleeman. Die einzige weitere Person im Raum ist ein hochgewachsener, kräftiger Mann in Uniform, allerdings ohne Waffe. Auf seiner Armeejacke steckt das „C“ für Correspondent – Kriegsberichterstatter – gut sichtbar.

Der bullige Mittvierziger hat sich auf dem Sofa breitgemacht, eine Schirmmütze über Stirn und Kopf gezogen und schreibt eifrig Notizen in einen gelben Block. Ernest Hemingway schaut auf, erhebt sich von der Couch und geht auf die zwei Besucher zu. Der Schriftsteller lächelt sanft, umarmt beide herzlich und schenkt dann allen einen Begrüßungsdrink ein.

Seit seinen Romanerfolgen Fiesta und Wem die Stunde schlägt sowie den Reportagen aus dem Spanischen Bürgerkrieg gilt der draufgängerische Amerikaner als ikonische Leitfigur der modernen US-Literatur. Der spätere Nobelpreisträger ist dem 22. Infanterie-Regiment zugeteilt, es steht unter dem Kommando von Oberst Charles Lanham, den Ernest Buck ruft. Der Starschreiber berichtet als akkreditierter Korrespondent für das Wochenmagazin Collier’s aus dem Krieg gegen Hitler.

Selbstbewusste wie er auftritt, wird der prominente Reporter von den Militärbehörden behandelt wie eine Diva. Ihm werden Privilegien zuteil wie keinem anderen Kollegen. Der Autor kann über einen Jeep mit persönlichem Chauffeur verfügen, zudem wird er manchmal von einer Ordonnanz begleitet. Gerne nutzt Ernest seine Sonderrechte, um sich hinter den Kampflinien nach eigenem Gutdünken von seiner Einheit abzusetzen.

Doch ist der berühmte Kriegsreporter in der Nordeifel gesundheitlich angeschlagen, die Nachwirkungen eines Bronchialkatarrhs, den er sich in den eisigen Gefilden eingefangen hat, machen ihm zu schaffen. Später werden sich die Beschwerden zu einer heftigen Lungenentzündung auswachsen, mehrmals muss er einen Armee-Arzt konsultieren.

Nachts ist Zweifall ohne Elektrizität stockfinster, über dem Flecken liegt die Dunkelheit der nahen Front. Denn nur einen zweistündigen Fußmarsch entfernt tobt eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Der Einsatz von Panzern und Luftwaffe ist in dem waldbedeckten Gelände unmöglich, die Soldaten stürmen im dichten Unterholz mit Handgranaten und Flammenwerfern aufeinander zu.

Adolf Hitler in der Berliner Reichskanzlei hat den Befehl ausgegeben, jeden Meter Boden zu halten, um den Vorstoß der Amerikaner zum Rhein zu verhindern. Die Verluste auf beiden Seiten sind enorm. Der nasskalte Spätherbst 1944 verwandelt

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J. D. Salinger mit Ernest Hemingway in dem kleinen Eifeldorf Zweifall

Ernest Hemingway
J. D. Salinger
Von dem historischen Treffen Ernest Hemingways mit J. D. Salinger existieren keine Fotos. In unseren Tagen kann die KI aushelfen. AI-Foto: Gemini.

In dicke Jacken eingepackt, die M1-Karabiner über der Schulter, stapfen zwei junge Soldaten durch die kalte Novembernacht der Nordeifel. Mit Taschenlampen leuchten sie ihren Weg durch das stockfinstere Dorf, seit Tagen ist in allen Gebäuden die Elektrizität ausgefallen. Die beiden Amerikaner durchqueren den menschenleeren Ortskern von Zweifall, vorbei an der Gastwirtschaft und den Schieferhäusern, die so typisch sind für die Siedlung mit den umliegenden Steingruben.

Schließlich biegen die Soldaten, parallel zum Hasselbach, in die leicht ansteigende Hauptstraße ab. Der Staff Sergeant Jerome David Salinger wird begleitet von dem Unteroffizier Werner Kleeman, beide sind dem Stab der 4. Infanteriedivision zugeteilt. Salinger arbeitet für die Abwehr und Kleeman, ein US-Bürger deutscher Abstammung, ist Dolmetscher der Division. Gemeinsam sind beide Kameraden am D-Day in der Normandie gelandet und später ins befreite Paris eingerückt.

Nun stecken ihre Verbände seit Wochen östlich von Aachen fest, an der Siegfried-Linie mit ihren unzähligen Bunkern, Stollen und Panzersperren erlahmt der Vormarsch der US-Truppen. Salinger und Kleeman ziehen in dem kleinen Ort der nördlichen Eifel an der Hausnummer 14 vorbei. In dem Braunen Haus, dem ehemaligen Sitz der NSDAP-Verwaltung, hat sich nun der Führungsstab der 4. US-Infanteriedivision eingerichtet.

Am Ortsausgang von Zweifall bleiben die beiden Mittzwanziger vor einem zweistöckigen Gebäude mit dem Schild PRO stehen. Das militärische Public Relations Office hat in der damaligen Adolf-Hitler-Straße – heute: Jägerhausstraße 87 – einen Stützpunkt aufgebaut. Gegen acht Uhr abends steigen die zwei Soldaten das Dutzend Stufen der Außentreppe hinauf, passieren die Wache und treten links durch den Haupteingang des höher gelegenen Gebäudes ein.

In Zweifall sind die beiden jungen Amerikaner mit einem Bekannten verabredet. Einem weltberühmten Kriegsreporter, den Salinger vor zehn Wochen in Paris kennengelernt hat. Sein Name: Ernest Hemingway. An der American Bar des Ritz in Paris sind Ernest Hemingway und Salinger zwei Tage nach der Befreiung der Stadt erstmals aufeinander getroffen. In dem Pariser Grandhotel an der Place Vendôme erzählt Hemingway dem Neuling, dass er sich an eine seiner Storys im Monatsmagazin Esquire erinnere. Ob es mehr gäbe?

Salinger gibt dem arrivierten Kollegen seine Kurzgeschichte Last Day of the Last Furlough, die von der Saturday Evening Post einen Monat zuvor veröffentlicht worden ist. Er habe die Lektüre genossen, meint der Mann aus Oak Park nach der Lektüre. Jesus, he has a hell of a talent, soll Ernest in Hochstimmung ausgerufen haben. Gleichermaßen zeigt sich Salinger von seinem weltbekannten Kollegen begeistert. Hemingway sei großzügig, freundlich und ganz ohne Starallüren.

In dem winzigen Eifeldorf Zweifall sitzen nun Mitte November 1944 zwei Giganten der Weltliteratur zusammen und trinken Champagner aus Aluminiumtassen. Auch in Zweifall, in dem spartanischen Kontor des PRO, verstehen sich der Nachwuchsschreiber und der Starreporter prächtig. Obwohl sie vom Temperament so grundverschieden sind. Hier der breitbeinige und ungehobelte Naturbursche vom Michigan-See, dort der schlaksige und zurückhaltende Kopfmensch aus der Großstadt.

Vier Stunden, bis kurz vor Mitternacht, bleiben die drei Amerikaner an diesem Abend im PRO-Büro beisammen und reden. Ernest Hemingway und der zwanzig Jahre jüngere J. D. Salinger plaudern über Bücher und Schreibtechniken. Der Neuling spitzt die Ohren, der Einfluss des berühmten Kollegen auf den Novizen wird von nun an zunehmen. Beide Autoren sollten Zeit ihres Lebens freundschaftlichen Kontakt halten.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitet Jerome Salinger, der vorzüglich Deutsch spricht, zunächst als Zivilist für eine Abteilung des US-Nachrichtendienstes im fränkischen Gunzenhausen. Er heiratet, später siedelt er in die USA über. Der Kontakt zu Hemingway reißt indes nicht ab. Er sei ein wirklich guter Schreiber, lässt Ernest des Öfteren verlauten. Seine Familie möge ihn und schicke ihm häufig Zeitschriften nach Kuba.

Die Bewunderung des bärtigen Nobelpreisträgers für den Kollegen ist grundehrlich. Als Hemingway 1959 in Madrid eine neue Sekretärin engagiert, kauft er ihr sogleich ein Exemplar von The Catcher in the Rye. In ihren Memoiren Running With the Bulls verrät Valerie, die zeitgenössischen Autoren, die Hemingway am meisten bewunderte, sind J. D. Salinger, Carson McCullers und Truman Capote. Eine signierte

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