Auf den Fersen von Ernest Hemingway

Schlagwort: House

Das tropische Paradies des Ernest Hemingway

Finca Vigía; Kuba, April 1983 Photo by W. Stock

Finca Vigía; Kuba, April 1983
Photo by W. Stock

Dem Haus der Hemingways angeschlossen ist der dreistöckige Turm. Er ist 1947 angebaut worden, damit der Autor dort auf der obersten Etage in aller Ruhe Schreiben kann. Jedoch nicht nur das. Aber dies soll später hier erzählt werden.

Beim Schreiben jedenfalls – sein Arbeitszimmer liegt in der Spitze dieses weißen Turmes – steht er meist in seinen übergroßen Sportschuhen auf dem abgeschabten Fell einer von ihm erlegten Kudu-Antilope. Erzählende und beschreibende Partien seiner Werke schreibt er hauptsächlich mit dem Bleistift, für die Dialoge, die ihm flotter von der Hand gehen, nimmt er die Schreibmaschine.

Täglich registriert der Schriftsteller seine Schreibleistung: Der Durchschnitt liegt bei 500 Wörtern pro Tag. Wenn er einen Tag auf dem Meer oder mit den Kindern verbringen will, so gleicht er den literarischen Produktionsausfall mit verdoppeltem Worte-Ausstoß in den Vortagen aus.

Aber der Turm dient nicht nur der Literatur. Der Turm ist zugleich sein Liebesrefugium. Hier schließt er sich ein, um, ähem, zu „arbeiten“. Denn ab und an nimmt er eine Frau mit, die nicht die eigene ist. Vorzugsweise die junge

Auf Kuba war Hemingway der Mensch, der er sein wollte

Kuba, im April 1983 Photo by W. Stock

Kuba, im April 1983,  Photo by W. Stock

Die Finca Vigía auf Kuba ist in den 50er Jahren der sonnige Lebensmittelpunkt des Ernest Hemingway. Äußerlich, aber noch mehr innerlich. Er zeigt die Farm seinen Freunden,jenen aus Havanna, aber auch Kollegen und Berühmtheiten. Jean Paul Sartre, Gary Cooper, Graham Greene, sie alle kommen vorbei und genießen.

Auf Kuba sucht Ernest Hemingway Harmonie und Ruhe. Ruhe vor den vorwitzigen Literaturzirkeln seiner Heimat, Ruhe vor den aufgeblasenen Feuilletons und vor dem Geplapper seiner Fans. Und Harmonie, nun, Harmonie suchte er vor allem mit sich selbst.

Hemingway mag Finca Vigía und das Leben auf Kuba. Die Freunde empfängt er in dem lang gezogenen Esszimmer, wo ein schmaler Tisch steht. Er mag auch den hohen hellen Gartenturm, wo er in Ruhe schreiben kann.

Finca Vigía wird sein Paradies. Es ist Luxus, nicht unbedingt Protz, sondern gediegener Luxus, der das Leben angenehm werden lässt. Hemingway ist, auch das unterscheidet ihn von anderen, bar jeder materieller Not. Nicht wie viele andere Schriftsteller, oft Habenichtse und Hungerleider, und manchmal wird er auch angebettelt. Hemingway verdient mit seinen Artikeln und Büchern und mit den Verfilmungen seiner Romane soviel Geld, dass sein Konto in Millionenhöhe aufschlägt.

Aber Geld ist für ihn nicht das Ziel, what makes him tick. Geld treibt ihn nicht an. Geld ist nicht Ziel, es ist

Grosses Glück in Finca Vigía

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Finca Vigía, im April 1983
Photo by W. Stock

Auf Kuba, eine halbe Autostunde von Havanna entfernt, hat Ernest Hemingway über zwanzig Jahre gelebt. Es werden für den Schriftsteller zwanzig gute Jahre.

Von 1939 bis 1960 wohnt Hemingway in der eingeschossigen Finca La Vigia, die im 19. Jahrhundert als spanische Zitadelle erbaut worden ist. In dem Nest San Francisco de Paula ist er weit weg vom oberflächlichen Leben der Intellektuellen in New York, von dem Party-Gegacker in London und dem aufgeblasenem Getue seiner Altersgenossen in den literarischen Salons von Paris.

Wenn man die Landstraße hinter San Francisco de Paula nach links abbiegt, so erhebt sich auf einem Hügel hinter dichtem Waldgestrüpp ein imposantes weißes Landhaus. Hinter dem Wald aus Caña-Bäumen und versteckt inmitten einer wilden Vegetation aus Palmen, Avocado-Bäumen, grünen Farnsträuchern und Bougainvilleen befindet sich das flache Herrenhaus mit dem aufrechten Turmbau.

Auf dieser Finca Vigía ist Ernest Hemingway weit weg vom Menschen und der Natur sehr nahe. Über die Jahre hinweg hat er einen gepflegten Zynismus entwickelt, aber er hat auch seine festen Werte. Ich empfinde eine große Zärtlichkeit und Bewunderung für die Erde und keine Spur davon für meine Generation.

Es ist Martha Gellhorn, seine dritte Ehefrau, die

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