Mary Welsh
Mary Welsh, die vierte Mrs. Hemingway. Eine hübsche und patente Ehefrau in Cabo Blanco, im April 1956. Foto: Modeste von Unruh.

Vier Ehen. Alle enden mit Schiffbruch. Und es gibt ein Muster, das sich nach dem Misserfolg stets wiederholt bei dem bärtigen Schriftsteller. Nach dem Scheitern einer Ehe schicken viele ihren Anwalt. Ernest Hemingway schickt ein Buch.

Bei Hadley: Cat in the Rain. Ein amerikanisches Ehepaar kommt in einem italienischen Küstenort ins Hotelzimmer. Der Mann – es ist natürlich Ernest – schmeißt sich aufs Bett und liest. Ansonsten zeigt er für nichts Interesse, bestenfalls oberflächlich. Seine Gattin öffnet das Fenster und blickt hinaus in den Regen. Und sieht ein Kätzchen. Sofort ist sie in Sorge um die kleine Kreatur. Die Frau – es ist Hadley – sehnt sich nach Liebe und einem Kind.

Der Mann kann oder will nicht. Die Eheleute leben emotional nebeneinander her. Keine Anklage. Im Gegenteil: Ernest nimmt vorab die Schuld auf sich. Der Hallodri ist einfach nicht der richtige Partner für die kreuzbrave Hadley. Der junge Autor schreibt Cat in the Rain 1923. Da ist die Hochzeit gerade einmal zwei Jahre her. Das Paar lebt glücklich in Paris, doch er spürt die unterschiedlichen Ansprüche und Bedürfnisse. Im Jahr 1927 dann die Scheidung.

Schnee auf dem Kilimandscharo bekommt Pauline unter die Nase gehalten. Ernest fühlt sich in der Ehe mit der vermögenden Pauline Pfeiffer eingeengt. Nach neun Jahren übermittelt er seiner steinreichen Gattin die Scheidungspapiere, in Form einer Kurzgeschichte. The Snows of Kilimanjaro. Diese Short Story, im August 1936 erstmals veröffentlicht, ist eine kalte Dusche für die zweite Mrs. Hemingway.

Sie sieht es schwarz auf weiß: Der umtriebige Abenteurer hat die Schnauze voll von der erzkatholischen Gattin und dem wohlfeilen Brimborium in Key West. Durch die Blume seiner Prosa lässt Hemingway verlauten, er habe seine Seele verkauft. Ernest will einen Schlussstrich ziehen unter diesen Irrtum. Die Ehe hält von 1927 bis 1940. Doch schon 1936 turnt er um eine neue Flamme herum: Martha Gellhorn.

Mit der selbstbewussten Martha ist Ernest an die Richtige geraten. Nach seiner dritten Ehe wird es seine Ehefrau sein, die ihm ein Buch schicken wird. Reisen mit mir und einem anderen. Martha Gellhorn ist eine unerschrockene Kriegskorrespondentin und erfolgreiche Buchautorin, deren Texte beim Publikum bewundert werden. Travels with Myself and Another wird Martha Gellhorn ihr Buch über die gemeinsamen Reisen mit dem Ehemann nennen. Another, der Andere, das ist er, Ernest Hemingway, den sie ein wenig zickig auch als UB – ihren Unwilligen Begleiter – kennzeichnet.

Trotz aller Stichelei schildert Martha in zahlreichen Passagen ihren Ex-Mann als eine warmherzige Persönlichkeit. Ungeachtet der ehelichen Turbulenzen hat die selbstsichere Martha ihren Frieden geschlossen mit dem berühmten Schriftsteller. Zu solch einer liebevollen Betrachtung bleibt Ernest nicht fähig. Bei ihm verbleiben Zorn und Verbitterung. Martha sei eine lausige Autorin, ruft er ihr hinterher. Er ist nicht wahr und auch nicht anständig von ihm. Sein Ego ist verletzt. Es wird eine kurze Ehe. Von 1940 bis 1946.  

Ganz happig wird es bei Mary Welsh. Ernest schreibt Paris – Ein Fest fürs Leben. In dem ganzen Werk braucht man den Begriff Paris bloß durch das Wort Hadley zu ersetzten. Wenn du das Glück hattest, als junger Mensch in Paris zu leben, dann trägst du die Stadt für den Rest deines Lebens in dir, wohin du auch gehen magst, denn Paris ist ein Fest fürs Leben. Oha! Das ist deutlich. Und die kluge Mary wird es verstanden haben. Doch Hemingways Kraft hat am Ende nicht ausgereicht, um die Skizzen einer großen Liebe zu Lebzeiten zu veröffentlichen.

Ab März 1946 bis zu seinem Tod im Juli 1961 ist er mit Miss Mary verheiratet. In seinen letzten Lebenswochen in Ketchum telefoniert er oft mit Hadley. Angeblich um Details aus der Pariser Zeit, die ihm entfallen sind, aufzufrischen. Ernest spürt am Telefon die Liebe. Wenn du das Glück hattest, als junger Mensch mit Hadley zu leben, dann trägst du diese Frau für den Rest deines Lebens in dir, wohin du auch gehen magst, denn diese Frau ist ein Fest fürs Leben. Das Buch ist – von der ersten bis zur letzten Seite – eine Klatsche für Miss Mary.

Dieser Schriftsteller ist einfach zu entschlüsseln. Denn alles, was Ernest Hemingway innerlich umtreibt, schreibt er auf in seinen Erzählungen. So wissen seine Leser Bescheid – und auch seine Ehefrauen.

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