
Der schnauzbärtige Amerikaner ist ein international gefeierter Star-Reporter und wird im Spanischen Bürgerkrieg mit allen Privilegien ausgestattet. Der Schriftsteller, der in Key West lebt, erhält ein Auto, einen persönlichen Fahrer, trotz Knappheit ausreichend Benzin und darf sich zwischen den Frontlinien bewegen. Ernest Hemingway, dessen Herz für den Widerstand gegen Franco schlägt, dankt der Republik mit brillanten Reportagen.
Eines meiner Lieblingsstücke aus dem Spanischen Bürgerkrieg ist jenes, in dem Hemingway von seinen Fahrern erzählt. Ernest fabuliert nicht über die Schlacht, die bösartigen Faschisten und die tapferen Loyalisten. Nein, er schreibt am 22. Mai 1937 eine NANA-Depesche über seine Chauffeure. Wir hatten eine Menge verschiedener Fahrer in Madrid. Der erste hieß Tomás, war ein Meter fünfzig und besonders unansehnlich, ein verirrter Zwerg aus einem Velázquez, den man in einen blauen Overall gesteckt hatte.
Die Chauffeure von Madrid – im Original: The Chauffeurs of Madrid – ist eine Reportage aus dem Frühjahr 1937. Die spanische Hauptstadt, noch in den Händen der republikanischen Kräfte, wird von Francos Truppen umlagert. Die Bomben und Granatenhagel der Aufständischen fallen auf die Stadt. Der Korrespondent aus den USA beschreibt die Arbeit und das Leben seiner insgesamt fünf Fahrer, die unter gefahrvollen Bedingungen den prominenten Autor kutschieren.
Danach bekamen wir David. David war ein junger Anarchist aus einer Kleinstadt bei Toledo. Seine Ausdrucksweise war von einer so äußersten, so unbegreiflichen Scheußlichkeit, dass man bei jedem zweiten Wort seinen Ohren nicht traute. (..) Er war von untadeliger Tapferkeit, und als Chauffeur hatte er nur einen Nachteil: Er konnte nicht Autofahren.
Liebevoll schildert Hemingway die Persönlichkeit seiner verschiedenen Fahrer, die ihm während seiner Zeit in Madrid zur Verfügung gestellt werden. Aller Gefahr zum Trotz wird der amerikanische Korrespondent von ihnen zu den Frontlinien und heil zurück ins Hotel gebracht. Diese permanente Todesnähe und die surrealen Szenen im belagerten Madrid haben sich über das Alltagsleben der sonst so lebensfrohen Spanier gelegt, aus dem brutalen Krieg gelingt kein Entrinnen.
Anhand der Charakterstudien seiner Fahrer zeigt Hemingway die ganze Breite des spanischen Widerstandes gegen die Franquisten. Ernest baut seinen Text, der in zahlreichen US-Tageszeitungen veröffentlicht wird, anekdotisch auf. Der Stil wirkt aufgekratzt und überaus lebendig, wie ein Brückenschlag von der Literatur zum Journalismus. Die Stimmungen, die Menschen und die normalen Alltagsdetails, die Ernest einfängt, fügen sich zu einem facettenreichen Panoramabild des kriegsgeschüttelten Madrid.
Hemingways letzter Chauffeur heißt Hipolito. Dieser Hipolito ist ein Tausendsassa wie aus dem Buche. Er konnte fahren, verstand etwas vom Motor, und wenn Sie ihm sagten, dass er um sechs Uhr früh kommen sollte, so war er zehn Minuten vorher zur Stelle. Solche Kerle braucht es in Madrid. Denn Hunderte von Granaten schlagen ein auf die mehr und mehr zermürbte Metropole.
Der Artikel ist ein gutes Beispiel für Hemingways direkte Prosa, die durch seine literarische Perspektive eine hohe atmosphärische Dichte erreicht. Wir fuhren die Gran Via hinunter. Sie war bedeckt mit Scherben. Auf den Gehsteigen waren Granattrichter. Häuser waren eingestürzt, und wir mussten einen Bogen um einen Trümmerhaufen und einen zerschossenen Vorbau machen, um ins Hotel hineinzukommen.
Hemingway beschreibt nicht abstrakt oder faktenbasiert, was den Kampf um die Republik ausmacht. Im Krieg geht es zwar um Bomben, die fallen, um Schützengräben, die halten müssen und um Leiche, die begraben werden müssen. Solche Tatsachen deutet Ernest nur leicht an. Den Krieg begreift die Leserschaft im fernen Amerika am besten, wenn die Menschen in den Mittelpunkt gestellt werden.
Am Ende der Zusammenarbeit zwischen dem berühmten Autor und dem Spanier lehnt Hipolito eine Geldzuwendung von Hemingway strikt ab, auch für die Familie nicht. Obwohl es in jenen Kriegstagen an allem fehlt. Stolz und Leidenschaft genügen ihm. Hipolito ist ein sympathischer und unpolitischer Hansdampf. An Hipolitos Mut und an seiner Pfiffigkeit kann man Kraft und Zuversicht im Abwehrkampf gegen die Faschisten schöpfen.
Es geht um die Demokratie in Spanien, natürlich, gegen den Putschgeneral. Allerdings, Hemingway spürt es, der Kampf um
![]()