
Der Malerei gilt seine tiefe Leidenschaft. Ernest Hemingway lebt von 1921 bis 1928 in Paris, wo er avantgardistische Künstler wie Pablo Picasso, Henri Matisse, Georges Braque und Juan Gris kennenlernt. Die visuelle Kraft der künstlerischen Darstellungen hilft ihm, seine Prosa zu entwickeln. Denn der bärtige Autor aus Oak Park schreibt mit dem Auge. Kein Wunder, dass er die erstklassigen Maler anhimmelt.
Ich möchte so schreiben können, wie Cézanne malen kann. Diesen Ausspruch lässt er mehrfach fallen. In der impressionistischen Kunst des Paul Cézanne findet Ernest sein kreatives Konzept wieder. Hemingways mot juste, das Ringen um das treffende Wort, das ein Schriftsteller treffen muss, entspricht der sicheren Farbgebung Cézannes. Die stimmige Farbgestaltung bei dem Maler aus Aix-en-Provence wie auch Hemingways genaue Wortwahl schaffen Klarheit und Dichte.
Der amerikanische Autor mag die moderne Malerei, er ist mit vielen Künstlern seit seiner Pariser Zeit befreundet. Schon in frühen Jahren beginnt der Literat aus Chicago, zeitgenössische Kunst zu sammeln. Die US-Expatriates in der französischen Metropole scharen sich um Gertrude Stein, eine wohlhabende Autorin und Kunstsammlerin. Die Frau aus Pittsburgh führt den Neuankömmling Ernest Hemingway in ihren progressiven Zirkel ein und fördert den talentierten Autor.
In ihrem literarischen Salon sammelt Gertrude Stein die experimentierfreudigen Künstler jener Zeitepoche. Und so treffen sich in der Rue de Fleurus 27 nicht nur Schriftsteller, sondern ebenso Komponisten, Architekten und nicht zuletzt die Maler. Der junge Ernest Hemingway, ein Bauch- und Augen-Mensch, zeigt sich begeistert von den Wegbereitern der Moderne, er spürt, hier werden stilbildende Innovationen geschaffen.
Als er später 21 Jahre auf Finca Vigía wohnt, hängt der Nobelpreisträger die von ihm gekauften Gemälde an die Wände als seien es billige Kunstdrucke. Es sind jedoch allesamt Originale. El guitarrista und Le torero von Juan Gris, Paul Klees Monument in Arbeit. Ein Gemälde hat es ihm besonders angetan. La Masía, gemalt von dem damals 28-jährigen Katalanen Joan Miró, der abwechselnd in seiner Heimat und in der französischen Hauptstadt lebt.
Auf dem Gemälde – in den USA heißt es The Farm – ist der Bauernhof seiner Eltern in Mont-roig del Camp abgebildet, südlich von Tarragona. Miró malt das großformatige Werk im Jahr 1921 als ein Mix aus Stilen und Anspielungen. Man kann stundenlang vor diesem Bildnis weilen und stets etwas Überraschendes entdecken. Alle revolutionären Neuerungen deuten sich in diesem Gemälde an. Denn neben dem Surrealismus werden in dem Bild auch abstrakte, kubistische und dadaistische Motive versteckt.
Eine besondere Beziehung hat Ernesto zu einem Porträt, das ihn selbst darstellt. Es ist gemalt von seinem guten Freund Waldo Peirce und stellt den 30-jährigen Schriftsteller in legerer Pose auf Finca Vigía dar. Kid Balzac hat Peirce das imposante Bild genannt, mit Bezug auf den französischen Literaten Honoré de Balzac, den Hemingway so verehrt.
Nach Ernests Tod treten die Gemälde Reisen in alle Himmelsrichtungen an. In seinem Testament hat der Nobelpreisträger verfügt, dass sein ältester Sohn Jack das Bild Le torero von Juan Gris erhält, El guitarrista, ebenfalls von Juan Gris, geht an den Sohn Patrick. Der jüngste Sohn Gregory übernimmt Monument in Arbeit von Paul Klee. Mirós La Masía wird Ehefrau Miss Mary übereignet. Die Bilder, heute mit Millionenwert, sind in bekannten Museen ausgestellt oder liegen unter Verschluss bei Privatsammlern.
![]()

Schreibe einen Kommentar