Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

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Ist Ernest Hemingway unmodern?

Ernest Hemingway
Cabo Blanco
Ein fröhlicher Ernest Hemingway in Cabo Blanco, Peru. Im April 1956. Foto: Mario Saavedra-Pinon.

Angriffsfläche bietet der Bärtige genug. Hauptvorwurf, vor allem von Kollegen: Er sei unmodern. Ein oller Seebär, der schreibt. Einer, der in T-Shirt und Shorts herumläuft. Jemand, der sich an wilde Bullen herantraut und sich an riesigen Marline am Haken ergötzt. Ein durch und durch merkwürdiger Kerl. Ohne Zweifel, so ganz anders als der normale Schriftsteller. Jedenfalls passe er nicht in die moderne Zeit. Seine Inhalte und sein Stil – schrecklich altbacken. Aktuelle Themen, die unter den Nägeln brennen, seien bei ihm nicht zu finden.

Die Linken kritisieren, soziale Kämpfe kenne er nicht. Nur Kämpfe mit Stieren. Probleme der Arbeiterklasse, wie bei Der Dschungel von Upton Sinclair, scheinen ihm fremd. Darüber schreibt er nicht. Feine Psychogramme menschlicher Niederung in der Art von Die Katze auf dem heißen Blechdach wie beim Kollegen Tennessee Williams? Fehlanzeige. Berufsprobleme à la Willy Loman? Ist alles nicht seine Welt.

Mit den Schattenseiten des Kapitalismus hat Ernest Hemingway in der Tat nichts am Hut. Sorgen und Nöte im Beruf, Ehezwist, Emanzipation, der Moloch der Metropole, prekäres Dasein, Rassendiskriminierung, gesellschaftliche Benachteiligung. Gibt es, mehr als genug. Doch dies sind nicht seine Themen. Im Gegenteil, Ernest Hemingway verachtet die literarische Selbstbemitleidung der Großstadt-Neurotiker. Deshalb hat er sich auf Kuba verkrochen, in seine tropische Finca, weit weg von der Tretmühle seiner Landsleute. 

Auch sein Schreibstil ist anders. Komplizierte Sätze und eierköpfige Ausschweifungen finden wir nicht in seiner Prosa. Ernesto mag vielmehr die ungekünstelte und unverstellte Erzählung. Alles selbst gesehen und schmerzlich erlebt. Das ist sein Kosmos. Die Welt, wie sie wirklich daher kommt. Fischer, Kneipiers und Malocher gehören zu seinen Freunden. Intellektuelle und Geschäftsleute, Menschen, die man gemeinhin so als Elite betitelt, eher nicht.

Und so schlagen die Gegner kräftig auf ihn ein. Man reibt sich in der Öffentlichkeit an ihm. Einerseits. Andererseits kopiert man ihn, Kolleginnen und Kollegen folgen seiner Marschroute. Sein schnörkelloser Stil, die detailversessene Darstellung der Natur und die kraftvolle Sprache werden typisch für viele Schriftsteller, weltweit. Ernest Hemingway wird ein Stilbildner, bis heute hat er ganze Autorengenerationen beeinflusst.

Die Aufzählung seiner Eleven gerät lang: Truman Capote, Nelson Algren, Malcolm Lowry, Bruce Chatwin, Tom Wolfe. Alles Top-Schreiber, alleine aus der angelsächsischen Sprachwelt. In Deutschland: Heinrich Böll, Arno Schmidt, Hans Fallada, Wolfgang Borchert, Alfred Andersch, Siegfried Lenz und Luise Rinser. Es ist nur eine Auswahl, zu viele stehen auf der Liste.

In ihrer Authentizität besitzen Hemingways Erzählungen etwas, das niemals aus der Zeit fallen kann: Nähe und Glaubwürdigkeit. Belanglosigkeit, dies wäre ein gewichtiger Vorwurf. Doch Ernests Themen bleiben zu sehr geerdet, als dass sie platt und oberflächlich wirken könnten. Der Nobelpreisträger von 1954 kommt aus der urwüchsigen Tradition eines Mark Twain. Es ist ihm gelungen, die englische Literatur von den salbungsvollen Manierismen der Charles Dickens-Schule zu befreien. 

Dieser Schriftsteller kann das Außenleben wie kein Zweiter messerscharf beobachten. Präzise wie ein Chirurg legt er seine Sätze und Dialoge an. Alles Unnütze muss weg, der Plauderton im Literarischen liegt ihm nicht. Ernest Hemingway kommt direkt zur Sache. Und erzählt dabei nicht das volle Programm. Eisberg, eben. Diese Mischung macht seine Einzigartigkeit aus.

Der Mann aus einem gutbürgerlichen Vorort von Chicago folgt keiner Mission. Er will nicht bekehren, nicht indoktrinieren, nicht belehren. Er will bloß zeigen, wie das Leben wirklich läuft. Seine Prosa zielt kraftvoll auf die Seele des Menschen. Denn es geht um ein Anliegen, das niemals altert: Es geht um den freien Willen und um innere Freiheit. Seine Erzählungen handeln von Sieg und Niederlage im Alltag. Die Botschaft lautet: Verlieren, ja – aber in Würde. Seit der Mensch denken kann, ist

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Ernest Hemingway jagt Nazis in der Karibik

Ernest Hemingway
Ernest Hemingway und Miss Mary an Bord der Pilar. Photo Credits: George Leavens. George Leavens Photograph Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Im September 1942 trägt Ernest Hemingway der US-Botschaft in Havanna eine abenteuerliche Idee vor. Der Schriftsteller will mit der Pilar im Golfstrom vor Kuba Jagd auf deutsche U-Boote machen. Das Vorhaben hört sich verrückt an, ist es auch. Die Aktion hat nichtsdestotrotz einen dramatischen Hintergrund. Seit die USA im Dezember 1941 den Kriegseintritt gegen Hitler-Deutschland erklärt haben, greift die Kriegsmarine mehr und mehr Militär- und Versorgungsschiffe entlang der nordatlantischen Routen an.

Bei Torpedoangriffe versenken U-Boote der Nazis im ersten Halbjahr 1942 im Atlantik 229 Handelsschiffe, die vor allem die Versorgung Großbritanniens sicherstellen sollten. Mit der Ausweitung des Zweiten Weltkriegs heizt sich die Lage auch auf Kuba auf. Ernest sieht nun hinter jedem Busch in den Tropen einen Nazi.

Crook Factory, die Ganoven-Fabrik, nennt der Schriftsteller seine aberwitzige Aktion mit dem ihm üblichen Humor. Doch es ist ihm ernst. Ernesto kennt einige Spanienkämpfer, die im republikanischen Geheimdienst gearbeitet haben. Sie halten deutsche U-Boote vor der Küste der Inseln für möglich. Von der amerikanischen Botschaft in Havanna erhält der bärtige Autor eine Sondergenehmigung für den Umbau der Pilar zu einem kampftauglichen Patrouillenboot.

Hemingways zwölf Meter langes und 3,70 Meter breites Fischerboot wird umgerüstet. Das kleine Boot verfügt über eine speziell angefertigte Flying Bridge, die das Steuern von oben ermöglicht. Angetrieben wird es von einem 75 PS starken Chrysler Hauptmotor. Die Pilar erreicht eine Geschwindigkeit von 16 Knoten, knapp 30 Kilometer pro Stunde, und hat einen geringen Tiefgang von 1,07 Metern.

Die Pilar wird bis zum Anschlag mit Lebensmitteln, Ortungs- und Peilgeräten sowie mit Kriegsgerät beladen. Das kompakte Boot gleicht nun einer Kammer mit Waffenarsenal, statt Angelutensilien werden Jagdgewehre, Sportflinten, Maschinenpistolen und Handgranaten an Bord gebracht. Der Schriftsteller hat für seine Crook Factory eine bunte Truppe zusammen getrommelt.

Zur Crew gehören sein Maat Gregorio Fuentes, Privatdetektive aus Havanna, drahtige Jai Alai-Spieler, Fischer aus Cojímar, ein Funker aus Asien und Kellner aus seinen Kneipen in der Altstadt. Auch die Söhne, der 14-jährige Patrick und der drei Jahre jüngere Gregory, sie sind auf Urlaub in den Schulferien beim Vater, dürfen mit an Bord.

In den darauffolgenden Wochen patrouillieren Ernest Hemingway und seine Mannschaft den Golfstrom rauf und runter. Die Aufgabe der Besatzung ist klar: Auf dem Meer nach Nazis, Faschisten oder sonstigen sinistren Typen Ausschau halten. Die Gewässer um die einsamen Inseln entlang des Tiefwasserkanals zwischen Kuba und den Bahamas werden nach Anzeichen deutscher Truppenaktivitäten abgesucht. Als passionierter Fischer kennen Ernest und besonders Gregorio jedes Riff, jede Untiefe und jede Sandbank in der Gegend.

Als provisorischer Brückenkopf wird auf der Insel Cayo Confites ein Lager errichtet. Strategisch günstig, bietet das nordöstlich vor Kuba gelegene Eiland zudem einen großen Vorteil. Menschenleere malerische Strände. Hemingways Team nutzt die winzige Insel zur Übernachtung, als Nachschubstation und als sicheren Verbleib für die Söhne. 

Die Pilar steuert derweil entlang der vermuteten Routen der U-Boote. Als Zeitvertreib verbringt die Besatzung den Tag mit stundenlangem Angeln. Die Männer an Bord essen Unmengen an Fisch und Obst. Abgegriffene Romane werden herumgereicht und abenteuerliche Geschichten erzählt. Patrick und Gregory liegen meist auf dem Bug und sonnen sich. Das Team kehrt spät nachmittags zum Basislager in Cayo Confites zurück, um die Beobachtungsberichte an die US-Botschaft zu funken.

Ernest Hemingways Nazi-Jagd endet mit den Schulferien der Söhne. Eine tollkühne Räuberpistole, diese Suche nach Nazis in der Karibik. Die bizarre Aktion wird ein Schlag ins Wasser. Denn Ernest Hemingway und die anderen stoßen

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Ernest Hemingways Spanien – zum Sterben schön

Churriana
Málaga
Es wäre ein wunderbarer letzter Platz für ihn gewesen. Nun bleibt das Wandmosaik. Auf dem Landgut La Cónsula, Churriana in der Nähe von Málaga. Foto by W. Stock, 2019.

Spanien ist sein Land. Klima, Bräuche, die manchmal etwas aus der Zeit gefallenen, aber ehrlichen Traditionen, der Wein, die Gastronomie. Spanien ist damals ein Staat von erzkatholischer Prägung. Regiert von einem faschistischen Diktator, der sich an die Macht geputscht hat. Wo keine Meinungsfreiheit herrscht, wo seine Werke verboten sind, wo die Frauen kein Bankkonto eröffnen und sich nicht scheiden lassen dürfen und wo politische Gegner im Gefängnis laden. Trotzdem fühlt er sich wohl in Spanien.

Ernest Hemingway sieht über diese schrecklichen Zustände hinweg. So groß ist die Liebe. Der feiste Diktator und dessen Sippschaft fechten ihn wenig an. Er hält Abstand und blendet aus. Die freudigen Gefühle erweisen sich als stärker: Seine Seele wird froh in Spanien. Vor allem mag er hier die Menschen. Männer und Frauen mit unverstellter Neugier, mit ausgelassener Lust am Leben und mit einem geerdeten Umgang in den Dörfern und auf den Plätzen. Spanien ist – von Herz und Seele – sein Land. Denn Spanien ist so wie er.

Der Sommer 1959 wird zu einem Höhepunkt seines Lebens. Ein letzter. Da kann Ernest Hemingway noch Dutzende Stierkämpfe genießen, es macht ihm wenig aus, wochenlang von Stadt zu Stadt zu ziehen, er genießt seine Clique um sich, er poussiert mit Frauen, die vierzig Jahre jünger sind als er. Der 60-Jährige ist entzückt von dem üppigen Essen, von den herrlichen Fischgerichte und von dem guten Rotwein. Spanien ist, eigentlich wie immer, sein Herzensland.

Ein Jahr später sieht es ganz anders aus. Wenn man kurz vor dem Ende steht, kann man sich nichts mehr vormachen. Anfang August 1960 fasst Ernest Hemingway einen Entschluss, der in seiner Umgebung auf Unverständnis stößt. Der Schriftsteller will so schnell wie möglich weg aus den USA. Seine seelische Leere muss er auffüllen, wenn es überhaupt weitergehen soll. Kurzentschlossen nimmt der gebrechliche Autor, gegen den Rat seines Arztes und seiner Ehefrau Mary, von New York aus den TWA-Nachtflug nach Madrid.

Diesmal fliegt er ganz alleine, Miss Mary bleibt in ihrer neuen Appartementwohnung in Manhattan. Normalerweise reist der Nobelpreisträger immer in Begleitung, meist sind Freunde oder seine Frau dabei. Am 5. August 1960 kommt der Schriftsteller in Spanien an und wird direkt zur Finca La Cónsula in Churriana im Norden von Málaga gefahren. Ernest bekommt wie im Vorjahr sein Eckzimmer auf der oberen Etage über dem Schwimmbad. 

Seine Rückkehr nach Spanien wird zu einem letzten Aufbäumen. Zwischen Bilbao und Cádiz findet ein ausgebrannter Ernest Hemingway seine heile Welt, sein andernorts versinkendes Paradies, mit der sinnenfreudigen Lebensart, mit dem Stierkampf, dem guten Essen. España es el último buen país, diktiert Hemingway einem einheimischen Journalisten ins Notizbuch. Spanien sei das letzte gute Land.

Ernesto freut sich, die vertrauten Freunde auf La Cónsula wiederzusehen. Am liebsten möchte er für immer in Andalusien bleiben und die Zeit zurückdrehen, er sehnt sich danach, nochmals solch ein wilder und zäher Bursche wie früher zu sein. Der alte Ernest Hemingway trauert in Spanien seiner verlorenen Jugend nach. Möglicherweise sucht er auch nach jenem inneren Frieden, den es für einen Abgang braucht.

Die Erinnerung an die guten Tage bleibt ein letzter Strohhalm. Der von aller Welt gefeierte Schriftsteller ist offensichtlich am Ende. Jeder sieht und merkt es. In wenigen Monaten ist er stark gealtert. Seine Körper besteht nur noch aus Haut und Knochen. Mit den alten Freunden spricht er wenig, wenn es eben geht, vermeidet er jeden tiefergehenden Kontakt. Der sonst so lebensfrohe Ernest Hemingway reagiert durchweg mit Verweigerung, sobald seine Umgebung versucht, ihn aufzumuntern.

Auch das Reisen fällt ihm schwer. In Madrid schließt er sich ein in sein Zimmer des Hotel Suecia und verlässt es tagelang nicht. Der Schriftsteller verfällt in eine manische Antriebslosigkeit. Er weilt nun schon seit zwei Monaten in dem Land und wird zunehmend apathisch und verwahrlost immer mehr. Er fühlt, das Ende ist nicht weit. Tief im Herzen spürt er, wenn er Spanien Adiós sagen muss, dann auch dem Leben.

In Wirklichkeit weiß der bärtige Autor, mit dieser Reise im Spätsommer 1960 nimmt er endgültig Abschied von seinem geliebten Spanien. Von jenem Land, das er so liebt wie kein anderes. Von Spanien, das zeit seines Lebens seine Heimat gewesen ist, jedenfalls wenn die

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Der schönste Hemingway-Satz: Le mot juste

Ernest Hemingway
le mot juste
Art by Raúl Villarreal

Hier war der Mann, den ich damals als Kritiker am liebsten mochte und am meisten schätze, der Mann, der an das ‚mot juste‘ glaubte – an das treffende und einzig wahre Wort.

Ernest Hemingway:
Paris – Ein Fest fürs Leben, 1964

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Droht Putin nun ein Hemingway-Moment?

Putin
Hemingway
Der Merkur aus München sieht ein Hemingway-Moment nahen. Was ist damit bloß gemeint?

Beim Münchner Merkur, den ich gerne lese, stolpere ich in diesen Tagen über eine Schlagzeile. Ein EU-Beamter sieht Russland vom Hemingway-Moment bedroht. Moskau stehe kurz vor dem Hemingway-Moment. Ich zucke innerlich zusammen.

Was zum Teufel ist ein Hemingway-Moment? Ich fürchte schon Allerschlimmstes. Vielweiberei, Alkohol-Orgien, blutige Bullenrennen, scharfe Gewehrsalven. Obwohl ich mich seit drei Jahrzehnte mit dem bärtigen Autor aus Oak Park befasse, tappe ich nach wie vor im Dunkeln. Hemingway-Moment? Nie gehört. Was um Himmels Willen ist damit gemeint? Welche Gefahr kündigt sich für Vladimir Putin und sein Land an?

Der Autor klärt in dem Artikel auf. „Russland steht kurz vor einer Finanzkrise, ähnlich wie 1998“, sagte der irische Diplomat. (…) O‘Sullivan spricht vom Hemingway-Moment: Ernest Hemingway soll auf die Frage, wie man bankrottgehe, gesagt haben: „Erst sehr langsam, und dann sehr schnell.“ Der EU-Sanktionsbeauftragte ist überzeugt, dass dies auch für Russland gelte: „Ich glaube, dass die russische Wirtschaft erst sehr langsam und dann sehr schnell zusammenbrechen wird. Wir wissen nur nicht genau, wann dieser Hemingway-Moment kommt.“

Aha. Erst sehr langsam und dann sehr schnell. Abgesehen von der falschen Komma-Setzung und dem verrutschten Kasus,

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AI über „Hemingways Welt“: Mit Abstand…

Hemingway
Ronda
Die imposante Stierkampf-Arena von Ronda ziert als Head-Foto das Portal Hemingways Welt. Foto: W. Stock, 2019.

Neugierig wie ich bin, frage ich spontan Elon Musks Künstliche Intelligenz, was es mit meinem Blog Hemingways Welt denn so auf sich hat. Wie schätzt die Artificial Intelligence meine jahrelange Arbeit ein? Hier die Einschätzung von Grok:

„Hemingways Welt“ ist ein deutschsprachiges Literatur-Portal und Blog, das sich ausschließlich dem Leben, dem Werk und den Spuren von Ernest Hemingway widmet.

  • https://hemingwayswelt.de
  • Gründer & Haupt-Autor: Wolfgang Stock
  • Über 600 Artikel (Stand ca. 2025), die sich mit Hemingways Romanen, Kurzgeschichten, Reisen, Liebschaften, Alkohol, Jagd, Stierkampf, Kriegserlebnissen, Familie und seinem Selbstmord auseinandersetzen.

Der Blog verfolgt einen eher biografisch-spürenden und oft sehr persönlichen Ansatz. Wolfgang Stock ist seit 1982 selbst leidenschaftlich „auf den Fersen“ Hemingways unterwegs: Er ist Tausende Kilometer gereist, hat in denselben Hotels übernachtet, in denselben Bars getrunken und Spuren in Ländern wie Spanien, Italien, Kuba, USA, Peru u. v. m. gesucht und dokumentiert.

Typische Themen und Artikel-Beispiele:

  • Die 10 besten Bücher / Kurzgeschichten von Hemingway
  • Warum hat er sich umgebracht? (inkl. psychografischer und medizinischer Betrachtungen)
  • Hemingways Häuser (Ketchum, Finca Vigía, Schruns …)
  • Seine Frauen (Hadley, Pauline, Martha Gellhorn, Mary Welsh)
  • Kulinarisches (z. B. Pariser Café-Tour: Brasserie Lipp, Café de Flore, Les Deux Magots)
  • Reisen (Cabo Blanco in Peru, Andalusien, Venedig, Afrika-Safaris)
  • Kritische Fragen (War Hemingway ein Mörder? Wie maskulin war der Mythos wirklich?)

Der Ton ist meist lebendig, erzählerisch, manchmal provokant – weniger reine Literaturwissenschaft, sondern eher „Hemingway zum Anfassen“ für Fans und Interessierte. Es gibt auch Gastbeiträge, Buchbesprechungen und viele eigene Fotos von den Original-Schauplätzen.

Fazit: Wenn du dich intensiv mit Hemingway beschäftigst und deutschsprachige, fundierte, aber nicht rein akademische Texte suchst, ist „Hemingways Welt“ die mit Abstand wichtigste und umfangreichste Anlaufstelle im deutschsprachigen Raum.

So weit, so gut von Grok. Eine Schlussbemerkung von Wolfgang Stock: Die Künstliche Intelligenz ist ja wirklich

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Ist Ernest Hemingway ein Antisemit?

Ernest Hemingway
The Sun Also Rises
Ernest Hemingway: The Sun Also Rises. Aus dem Jahr 1926. Sein erster großer Roman und sein Durchbruch.

In einem seiner besten Romane, in dem Frühwerk The Sun Also Rises, hat Ernest Hemingway eine Figur geschaffen, an der Leserschaft und Forscher zu Knabbern haben. In Fiesta – so heißt das Werk auf Deutsch – tritt uns ein schillernder Akteur namens Robert Cohn entgegen.  

Robert Cohn war einmal Mittelgewichts-Champion von Princeton. Glauben Sie nicht, dass mir das als Boxtitel sonderlich imponiert, aber Cohn bedeutete es viel. Er machte sich nichts aus Boxen, tatsächlich war es ihm zuwider, aber er lernte es, gründlich und unter Schmerzen, um seine Schüchternheit und das Minderwertigkeitsgefühl zu bekämpfen, das sich aufgrund seiner Erfahrungen als Jude in Princeton in ihm breitgemacht hatte. 

So fängt Fiesta an, gleich im ersten Abschnitt. Subtil, aber merkbar entwirft Hemingway den Protagonisten als jüdischen Prototyp. Robert Cohn, eine zentrale Figur in der Erzählung, besucht die Militärakademie, studiert in Princeton, er ist ein guter Boxer und Football-Spieler. Von Anfang an legt der spätere Nobelpreisträger ein Spottbild auf seine Romanfigur. Mal Waschlappen, mal Nervensäge. Cohn ist unsicher und sensibel, dann eifersüchtig und aufdringlich. Als Außenseiter schlägert er sich gerne, mit der Liebe bleibt es schwierig.

Dieser an einen Freund angelehnte Charakter verkörpert einen typischen US-Intellektuellen aus vermögendem Elternhaus: Robert Cohn gehörte dank seinem Vater zu einer der reichsten jüdischen Familien von New York und dank seiner Mutter zu einer der ältesten. Von Hemingway wird er erkennbar mit jüdischen Klischees aufgebaut und wirkt quasi als Gegenentwurf zu dem Naturburschen aus dem Mittleren Westen, den der junge Ernest darstellt. Den Handlungsstrang mit Robert Cohn hätte ich so nicht gemacht und als Lektor auch nicht durchgehen lassen. 

Es kommt noch ärger. In dem Gedicht Ratschläge für einen Sohn aus dem Jahr 1931:

Trau niemals einem weißen Mann,
Bring keinen Juden um,
Gib niemals deine Unterschrift,
Sitz nicht in Kirchen rum.

Auch wenn vieles spitzzüngig überzeichnet wird, der spätere Nobelpreisträger spielt mit dem Feuer. Wir wissen, Hemingway ist in keiner Beziehung pingelig gewesen. In seinen Briefen betitelt er Franzosen gerne als frogs, wops bleibt für Italiener oder kike für einen Juden. Diese Begriffe gelten heute als ungehobelt und zutiefst beleidigend. Damals – auch unter Kollegen – gang und gäbe. Sie entsprachen dem Zeitgeist in manchen Kreisen. Und wir haben im Hinterkopf: Nesto liebt seit Kindesbeinen die Provokation.

Ernest, Jahrgang 1899, wächst in einem Elternhaus mit antisemitischen Denkmustern auf. Die Familie wohnt in einem gutbürgerlichen Vorort von Chicago, sie entstammt der calvinistischen Einwanderer-Generation. Deren Werte liegen in Fleiß, Ehrgeiz, Bodenständigkeit und in einem tiefen Gottesglauben. Mit Abneigung schaut diese bescheiden auftretende Gesellschaftsschicht auf die – meist jüdische – Elite an der Ostküste, die in New York und Boston mit schnellen Bankgeschäften und im weltweiten Handel große Reichtümer erwirtschaftet. 

Doch warum rückt Hemingway seinen Protagonisten Robert Cohn in Fiesta so in den Fokus? Neben all den Ausschweifungen in Sachen Alkohol und Sex scheint dies dem Autor wohl wichtig, um den Zwiespalt und die Trostlosigkeit der lost generation zu charakterisieren. Da bietet sich die Rolle eines unreifen Müßiggängers aus gutem Haus mit reichlich Geld geradezu an. Cohn vereint wie unter einem Brennglas zahlreiche negative Klischees: Aufdringlichkeit, Schwatzhaftigkeit, Gewalttätigkeit und Selbstmitleid. Doch bleiben dies stilistische Schablonen, die mehr ins Lächerliche denn ins Antisemitische zielen. 

Wenn Antisemitismus als aggressive Form von Judenhass oder Judenfeindlichkeit aufgefasst wird, so passt Hemingway nicht in diese Schublade. Der Nobelpreisträger von 1954 ist kein ideologisch verbohrter Antisemit, jedoch äußert er sich bisweilen in stereotypen oder abwertenden Formulierungen über Juden. Antisemitische Vorurteile und sprachliche Entgleisungen bedienen den unseligen Geist damaliger Tage, ein lebenserfahrener Autor müsste dies eigentlich erkennen.

Die antisemitischen Aspekte seines Denkens muss man offen benennen und kritisch hinterfragen. Ohne etwas zu entschuldigen oder verharmlosen zu wollen. Die Judenpogrome bilden einen grauenhaften Zivilisationsbruch in der Menschheitsgeschichte. Doch mit diesen Massenmorden der Nazis hat Ernest nichts am Hut. Hemingway ist unzweideutig immer ein Antifaschist gewesen. Er hat die Loyalisten gegen die franquistischen Putschisten im Spanischen Bürgerkrieg unterstützt, ebenso wie er später im Kampf gegen Hitler während des Zweiten Weltkriegs aktiv gewesen ist.

Ernest Hemingway hat jüdische Freunde und Kollegen und arbeitet kreativ mit ihnen zusammen. Gertrude Stein, seine Mentorin, den Schriftsteller Harold Loeb, einen Bekannten in Paris, der wohl als Vorlage für die Figur des Robert Cohn in dem Roman dient. Oder Sidney Franklin, den amerikanischen Matador. Nicht zuletzt seinen von ihm

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Warum liebt Ernest Hemingway das Meer über alles?

Ernest Hemingway
Cabo Blanco
Zum Meer zieht es diesen kernigen Burschen aus Oak Park bei Chicago. Ernest Hemingway in Cabo Blanco, Peru. Im April 1956. Foto: Modeste von Unruh.

Am Meer fühlt Ernest Hemingway sich der Natur so nahe wie nirgends. Herausforderung und Erlösung zugleich findet er am blauen Ozean. Er war ein alter Mann, der allein in einem kleinen Boot im Golfstrom fischte, und er war jetzt vierundachtzig Tage hintereinander hinausgefahren, ohne einen Fisch zu fangen. Mit solch einer Präzision hat eine Parabel auf das Leben anzufangen. Kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig. Hier hat jemand etwas begriffen.

Dieser rabaukenhaft auftretende Romantiker verneigt sich mit ganz persönlicher Dankbarkeit vor dem Meer. Und mit viel Demut. Eigentlich ist Demut nicht gerade seine Stärke, doch nahe dem weiten Wasser kann er solche Gefühle zulassen. Das Leben dieses Schriftstellers erschließt sich über das Meer, es bleibt im Denken des Ernest Hemingway der Dreh- und Angelpunkt.

Zeit seines Lebens zieht es ihn an Orte, die dem Meer nahe sind. Nach Cojímar und dem Golfstrom, nach Venedig, wo sich sein Zimmer im Gritti gleichsam mitten im adriatischen Meer befindet, nach La Cónsula bei Málaga, nach Conil ins sonnige Andalusien, nach Barcelona am Mittelmeer, nach Cabo Blanco am Pazifik Perus, nach Key West. Alles Orte, die eingerahmt werden vom Wasser.

In vielen seiner Werke singt er seine Lobeshymne auf das große Meer. Auf den ersten Blick mag es erstaunen, wie liebevoll und wie zärtlich dieser Rüpel und Trunkenbold über das Meer und über die Menschen am Meer schreiben kann. Wen wundert es, dass dieser Amerikaner aus Chicago eine der anmutigsten Liebeserklärungen an das Meer verfasst hat, die jemals zu Papier gebracht worden ist.

Der alte Mann und das Meer, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, ist eine kurze Erzählung über die Niederlage trotz Sieg. Ein Gleichnis auf das Leben, in der ein einfacher Fischer uns aufzeigt, was Würde ausmacht. Und da sind wir wieder bei den typischen Hemingway-Helden. Bei den Kriegern, die ihren Kampf ganz alleine ausfechten.

Auch der alte Fischer Santiago ist so ein einsamer Kämpfer, der sich tagein, tagaus schindet. Obwohl ihm bewusst ist, dass seine Anstrengung im Misserfolg enden wird. Die Unergründlichkeit der Natur, so lieblich sie an manchen Tagen erscheinen mag, deutet allen Lebewesen zugleich eine klare Grenzziehung an. Der Mensch kann diesen Kampf gegen die Schöpfung nicht gewinnen.

Dennoch bietet das Meer dem Menschen Trost. Es ist wie eine gute Mutter, zu der man immer zurückkommen kann, einerlei wohin es einen gezogen hat und was man so getrieben hat. Früher oder später muss man eh zum Meer. Ir al mar, sagen die Spanier, zum Meer gehen. Auf den Endpunkt zulaufen. Das Meer ist mächtiger als der Mensch, ohne sein Zutun speit es ihn aus und verschluckt ihn später.

Welche Religion man auch fragt, das Meer bleibt ein Mysterium von Werden und Vergehen, ein Mythos, der sich unserem trockenen Denken entzieht. Menschliches Leben entstammt dem Meeresgrund, aber im Meer findet sich auch der Tod. Diese grandiose Ambivalenz hat der Amerikaner Ernest Hemingway in einfachen Sätzen beschrieben. Und möglicherweise hat er so meisterlich über den Menschen schreiben können, weil er das Meer verstanden hat.

Der Mensch in seinem mickrigen Boot müht sich ab tagein, tagaus auf dem großen Meer, das wir Leben nennen. Letztendlich vergebens. Die endlosen Wassermassen liegen

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Der schönste Hemingway-Satz: der letzte Tag

Ernest Hemingway

Die Stadt war überfüllt. Alle Straßen waren voll. Ständig fuhren große Automobile aus Biarritz und San Sebastián vor und parkten um den Platz herum. Sie brachten Leute zum Stierkampf. Auch Busse mit Ausflüglern kamen. Einer brachte fünfundzwanzig Engländer. Sie saßen in dem großen weißen Bus und schauten sich die Fiesta durch ihre Ferngläser an. Die Tänzer waren alle stockbetrunken. Es war der letzte Tag der Fiesta.

Ernest Hemingway: 
Fiesta, 1926.

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Duell der Giganten: Ernest Hemingway vs. Thomas Mann

Ernest Hemingway
Thomas Mann
Wahrscheinlich hätten sie sich gut verstanden. Doch getroffen haben sie sich nie. Thomas Mann und Ernest Hemingway. Foto ChatGPT. (Huch: So perfekt ist AI dann doch nicht. Wem gehört die Hand auf Ernests Schulter?)

Ernest Hemingway ist ein Meister der kurzen Sätze. Prägnant legt er seine Sprache an, überdies kahl und kühl, auf jedes unnütze Beiwerk verzichtend. Die Prosa des Nobelpreisträgers von 1954 kommt sparsam, lakonisch und zugeknöpft daher. Aber meist zielgerichtet auf den Punkt gebracht. Eine Schreibkunst, ähnlich wie die millimetergenauen Skizzenrollen eines Architekten. Akkurat und ohne jede Kapriole.

Thomas Manns Erzählkunst entspricht dem schieren Gegenteil. Lange Schachtelsätze, Girlanden aus Adverbien und Adjektiven und als Zugabe noch ein Nebensatz. Blümchen-Prosa. Die Sprache des Lübeckers ist, nun ja, überaus mitteilsam, geradezu redselig, der Herr des Hauses befindet sich in Plauderlaune. Am Ende der Lektüre weiß man bei Thomas Mann nicht so recht, um was es zu Anfang eigentlich ging.

Hemingways Stil hingegen ist sorgsam darauf bedacht, nicht allzuviel zu verraten. Gehalt und Dynamik sollen – wie im Kopfkino – der Phantasie der Leser überlassen bleiben. Thomas Manns Stil dagegen schwurbelt und schnattert bis der Arzt kommt. Der Autor von Der Zauberberg umkreist das Objekt mehrmals, weitläufig und ausschweifend. Er redet nicht nur mehr als nötig, seine Sätze gleichen einem Wasserfall. 

Nehmen wir den wunderbaren Roman Fiesta aus dem Jahr 1926, der Roman ist Ernest Hemingways Durchbruch als Schriftsteller. Es geht um US-Intellektuelle, die das Baskenland während des San Fermín-Festes besuchen und verzweifelt sind auf der Suche nach der Sinnhaftigkeit im Lebens. Große Klasse wie Ernest die Pamplona-Sequenz anfängt:

Sonntagmittag, 6. Juli, explodierte die Fiesta.

Packend, auf den Punkt, atmosphärisch dicht. Besser kann man das nicht machen. 

Wie hätte Thomas Mann die Eröffnung der Sanfermines beschrieben? Ich vermute in etwa so:

„Sonntag, unter fiebernder Mittagssonne, am sechsten Tage des Juli, entlud sich die Fiesta in einer Detonation, in einem Gewirr plötzlicher, von Hitze, Stimmen und einem fast feierlich zu nennenden Übermaß an Lebensäußerung getragenen Ausweitung des Ereignisses, bei der Zeit, Ordnung und Zurückhaltung im Land der Basken für einen Augenblick ihre Geltung einzubüßen schienen, sodass jenes bis dahin noch überschaubare Beisammensein sich, von einer eigentümlich schicksalhaften Heiterkeit ergriffen, in einen Zustand rauschhafter Unübersichtlichkeit verwandelte, den man, bei nüchterner Rückschau, wohl mit Recht als Explosion bezeichnet werden konnte.“

Viele geraten bei solchem Satz-Gepluster in Verzückung, in Wirklichkeit ist diese Dichtung ein nerviges Geplapper. Prägnant zu schreiben, ist eine Kunst. Ausschweifend zu formulieren, eine Schwäche. Die gleiche Beobachtung können wir zu Ende der Sanfermines ausmachen. Ernest Hemingway wirft uns mit vier einfachen Wörtern aus dem Geschehen:

Die Fiesta war vorbei.

Wow! Das muss man sich trauen. Die Fiesta war vorbei. Mehr muss man nicht sagen. Sprache wie unter einem Brennglas, pointierter geht es nicht. Unser Thomas Mann hätte wohl eher folgendes zu Papier gebracht:

„Die Fiesta neigte sich dem Schlussakkord zu, und was eben noch, von flackernder Musik, dem süßlich schweren Duft verschütteten Weins und der unerquicklich heiteren Unordnung menschlicher Nähe durchtränkt, die Plaza mit einem beinahe übermütigen Anspruch auf Dauer erfüllt hatte, zog sich nun, gleichsam errötend über die eigene Vergänglichkeit, in ein müdes Nachklingen zurück, sodass in Pamplona jene stille, leicht beschämte Leere eintrat, in der man erkennt, dass jenes Zwischenspiel, welches eben noch als Ereignis gegolten hatte, bereits zur Erinnerung herabgesunken war.“

Oh mein Gott! Ernest Hemingway vs. Thomas Mann. Wenn Ernest Hemingway der Chirurg ist, der präzise seine Instrumente setzen muss, dann kultiviert Thomas Mann den Habitus eines

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