Stanford University
Palo Alto
Die Spitze. Campus der Stanford University in Palo Alto/California. Foto: W. Stock, 2005.

Es ist eine interessante Tatsache, dass einige der bedeutendsten Schriftsteller der Literaturgeschichte nie eine Universität besucht haben. Oder ihr Studium frühzeitig abgebrochen haben. Auch wenn es wenige sind, es gibt sie. Kein Akademiker, trotzdem Literatur-Nobelpreis. 

Die meisten Preisträger hatten zumindest irgendeine Form von Hochschulbildung (auch wenn sie abbrachen oder nie abschlossen). Bei anderen jedoch steht kein einziger Tag an einer Universität zu Buche. Diese Schriftsteller bildeten sich meist als Autodidakten in Bibliotheken, auf Reisen oder durch handwerkliche Berufe weiter.

Hier eine Auswahl bekannter Literatur-Nobelpreisträger, die ohne akademischen Grad blieben:

Rudyard Kipling (Nobelpreis 1907) besuchte nur Schulen, ein Stipendium für eine Universität wurde ihm nicht zugeteilt. Der in Bombay geborene Brite fing als Journalist in Indien an.

Knut Hamsun (Nobelpreis 1920): Der Norweger wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und arbeitete als Gemeindeschreiber und Straßenbahnschaffner, bevor er als Schriftsteller bekannt wurde.

George Bernard Shaw (Nobelpreis 1925) hasste das formale Ausbildungssystem und verließ die Schule mit 15 Jahren. Der aus Dublin stammende Brite bildete sich selbst in der British Museum Library weiter und bezeichnete Schulen später als „Gefängnisse“.

Grazia Deledda (Nobelpreis 1926): In ihrer Heimat Sardinien war für Mädchen damals nach der Grundschule Schluss. Sie bildete sich privat weiter und wurde als erste Italienerin mit einem Nobelpreis ausgezeichnet.

Harry Martinson (Nobelpreis 1974): Der Schwede wuchs als Waisenkind auf, das mit 16 Jahren zur See fuhr und jahrelang als Heizer und Matrose arbeitete. Seine Universität war der Ozean.

Joseph Brodsky (Nobelpreis 1987) verließ die Schule mit 15 Jahren in der Sowjetunion und arbeitete in verschiedensten Berufen (u. a. im Leichenschauhaus und in Fabriken), während er sich selbst Literatur und Sprachen beibrachte.

José Saramago (Nobelpreis 1998): Aufgrund der Armut seiner Familie konnte er kein Gymnasium besuchen und machte stattdessen eine Ausbildung zum Schlosser. Der Portugiese war ein klassischer Autodidakt.

Doris Lessing (Nobelpreis 2007) verließ mit 14 Jahren die Schule. Nach harter und schwieriger Jugend ergab sich für die Britin kein Studium.

Ernest Hemingway (Nobelpreis 1954): Der Sohn eines Arztes und einer Opernsängerin ging direkt nach der High School als Lokalreporter zur Zeitung Kansas City Star. Ein Studium war nicht sein Ding, der im Mittelwesten der USA aufgewachsene Naturbursche suchte die Ausbildung im „echten Leben“.

Jetzt gibt es doch noch eine Überraschung. Der mit akademischer Aura auftretende Kaufmannssohn Thomas Mann (Nobelpreis 1929) galt als mäßiger Schüler. Der Lübecker verließ das Gymnasium vorzeitig ohne Abitur und besuchte später lediglich als Gasthörer einige Vorlesungen an der TH München, ohne ein ordentliches Studium abzuschließen.

Diese Beispiele – die Liste ist nicht vollständig – zeigen, dass akademische Bildung nicht selbstverständlich ist. Selbst für Nobelpreisträger. Für die höchste literarische Auszeichnung bleiben oft Lebenserfahrung, Beobachtungsgabe und diszipliniertes Selbststudium entscheidend. Nicht der akademische Titel.

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