Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

Schlagwort: Kuba

5 Pesos – vorne Kuba, hinten Hemingway

Hemingway's Coin Cuba

Münze Vorderseite: 5 Pesos und Kuba

Bunte Briefmarken mit einem Ernest Hemingway, man kennt dies, im Dutzend, auf dem ganzen Globus, von Spanien bis Afrika. Aber Geld? Ernest Hemingway als gültiges Zahlungsmittel? Und doch, auch dies lässt sich auftreiben. Auf der sozialistischen Insel, die zwanzig Jahre seine Wahlheimat gewesen ist. 5 Pesos, Havanna, Republica de Cuba.

Coin Ernest Hemingway Cuba

Münze Rückseite: Ernest Hemingway

In der Tat wird Ernest Hemingway auf Kuba so sehr verehrt, dass es für einen eingefleischten Kommunisten dort fast schon peinlich wird. Das Revolutions-Regime hat diesem reichen Gringo 1982 gar eine Serie von drei Münzen gewidmet. Neben einem Portrait des amerikanischen Autors und einer Münze, auf der sein Motorboot Pilar zu sehen ist, zeigt die schönste 5-Peso-Münze ein Motiv aus dem Roman Der alte Mann und das Meer.

Auf der Vorderseite prangt neben dem Schriftzug República de Cuba das Nationalwappen. Und der Nennwert der Münze in Höhe von 5 Pesos. Das gleiche gibt es dann nochmals als 1-Peso-Münze aus Kupfer und Nickel. Die Auflage der Münzen aus Silber betrug damals 5.000 Exemplare.

Immer wieder Der alte Mann und das Meer. Hemingways schmales opus magnum. EL VIEJO Y EL MAR – PREMIO NOBEL 1952 – 1982 steht auf

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Ernest Hemingway gibt Frank Sinatra einen Korb

Frank Sinatra, 1947. Foto: William P. Gottlieb.
Photo Credits: Wikimedia Commons, Public Domain.

Im Havanna der 1940er Jahre laufen genug gegelte Amerikaner herum, deren Nachnamen auf -a oder -o enden und deren Reichtum bedenklich nach Koks, Puff oder sonstigen niedlichen Sachen riecht. In diesen vorrevolutionären Tagen hören Havannas Nächte auf das Kommando der Bosse aus Chicago und New York, die amerikanische Mafia hat Kubas Hauptstadt unter sich fein aufgeteilt.

Über das Hotel Capri herrscht Nicholas di Constanzo, im Deauville hat Santo Trafficante junior das Sagen, Meyer Lansky macht das Hotel Riviera unsicher, sein Bruder Jack ist der Platzhirsch im Hotel Nacional. Ob Wettspiel, Prostitution oder Heroinschmuggel, die amerikanische Mafia ist in Havanna allgegenwärtiger als im Vatikan der liebe Gott.

Matrosen, Flugzeugpiloten, Anwälte stehen auf den Gehaltslisten der Mafia. Politiker und Polizisten sowieso. Aber wen man auch fragt, keiner weiß genaues. Den feinen Herrschaften ist nichts nachzuweisen. Nicht mal ein klitzekleiner Mord.

Am liebsten hängen die Spitzbuben im Hotel Nacional ab. Das Nacional ist ein achtstöckiges Gran Hotel im Vedado, ein architektonischer Stilmix aus Neoklassik und Art Deco, ein oller Schuppen aus dem Jahr 1930, groß und weitläufig und mit einem riesigen Garten wie in einem mittelalterlichen Kloster. Das Nacional ist das beste und wohl auch schönste Hotel der Stadt mit einem atemberaubenden Ausblick über den Malecón und hin zur Bucht von Havanna.

Im Februar 1947 organisiert Meyer Lansky

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Das tropische Paradies des Ernest Hemingway

Finca Vigía; Kuba, April 1983 Photo by W. Stock

Finca Vigía; Kuba, April 1983
Photo by W. Stock

Dem Haus der Hemingways angeschlossen ist der dreistöckige Turm. Er ist 1947 angebaut worden, damit der Autor dort auf der obersten Etage in aller Ruhe Schreiben kann. Jedoch nicht nur das. Aber dies soll später hier erzählt werden.

Beim Schreiben jedenfalls – sein Arbeitszimmer liegt in der Spitze dieses weißen Turmes – steht er meist in seinen übergroßen Sportschuhen auf dem abgeschabten Fell einer von ihm erlegten Kudu-Antilope. Erzählende und beschreibende Partien seiner Werke schreibt er hauptsächlich mit dem Bleistift, für die Dialoge, die ihm flotter von der Hand gehen, nimmt er die Schreibmaschine.

Täglich registriert der Schriftsteller seine Schreibleistung: Der Durchschnitt liegt bei 500 Wörtern pro Tag. Wenn er einen Tag auf dem Meer oder mit den Kindern verbringen will, so gleicht er den literarischen Produktionsausfall mit verdoppeltem Worte-Ausstoß in den Vortagen aus.

Aber der Turm dient nicht nur der Literatur. Der Turm ist zugleich sein Liebesrefugium. Hier schließt er sich ein, um, ähem, zu „arbeiten“. Denn ab und an nimmt er eine Frau mit, die nicht die eigene ist. Vorzugsweise die junge

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Auf Kuba war Hemingway der Mensch, der er sein wollte

Kuba, im April 1983 Photo by W. Stock

Kuba, im April 1983,  Photo by W. Stock

Die Finca Vigía auf Kuba ist in den 50er Jahren der sonnige Lebensmittelpunkt des Ernest Hemingway. Äußerlich, aber noch mehr innerlich. Er zeigt die Farm seinen Freunden,jenen aus Havanna, aber auch Kollegen und Berühmtheiten. Jean Paul Sartre, Gary Cooper, Graham Greene, sie alle kommen vorbei und genießen.

Auf Kuba sucht Ernest Hemingway Harmonie und Ruhe. Ruhe vor den vorwitzigen Literaturzirkeln seiner Heimat, Ruhe vor den aufgeblasenen Feuilletons und vor dem Geplapper seiner Fans. Und Harmonie, nun, Harmonie suchte er vor allem mit sich selbst.

Hemingway mag Finca Vigía und das Leben auf Kuba. Die Freunde empfängt er in dem lang gezogenen Esszimmer, wo ein schmaler Tisch steht. Er mag auch den hohen hellen Gartenturm, wo er in Ruhe schreiben kann.

Finca Vigía wird sein Paradies. Es ist Luxus, nicht unbedingt Protz, sondern gediegener Luxus, der das Leben angenehm werden lässt. Hemingway ist, auch das unterscheidet ihn von anderen, bar jeder materieller Not. Nicht wie viele andere Schriftsteller, oft Habenichtse und Hungerleider, und manchmal wird er auch angebettelt. Hemingway verdient mit seinen Artikeln und Büchern und mit den Verfilmungen seiner Romane soviel Geld, dass sein Konto in Millionenhöhe aufschlägt.

Aber Geld ist für ihn nicht das Ziel, what makes him tick. Geld treibt ihn nicht an. Geld ist nicht Ziel, es ist

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Grosses Glück in Finca Vigía

FincaVigiaBlog

Finca Vigía, im April 1983
Photo by W. Stock

Auf Kuba, eine halbe Autostunde von Havanna entfernt, hat Ernest Hemingway über zwanzig Jahre gelebt. Es werden für den Schriftsteller zwanzig gute Jahre.

Von 1939 bis 1960 wohnt Hemingway in der eingeschossigen Finca La Vigia, die im 19. Jahrhundert als spanische Zitadelle erbaut worden ist. In dem Nest San Francisco de Paula ist er weit weg vom oberflächlichen Leben der Intellektuellen in New York, von dem Party-Gegacker in London und dem aufgeblasenem Getue seiner Altersgenossen in den literarischen Salons von Paris.

Wenn man die Landstraße hinter San Francisco de Paula nach links abbiegt, so erhebt sich auf einem Hügel hinter dichtem Waldgestrüpp ein imposantes weißes Landhaus. Hinter dem Wald aus Caña-Bäumen und versteckt inmitten einer wilden Vegetation aus Palmen, Avocado-Bäumen, grünen Farnsträuchern und Bougainvilleen befindet sich das flache Herrenhaus mit dem aufrechten Turmbau.

Auf dieser Finca Vigía ist Ernest Hemingway weit weg vom Menschen und der Natur sehr nahe. Über die Jahre hinweg hat er einen gepflegten Zynismus entwickelt, aber er hat auch seine festen Werte. Ich empfinde eine große Zärtlichkeit und Bewunderung für die Erde und keine Spur davon für meine Generation.

Es ist Martha Gellhorn, seine dritte Ehefrau, die

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Gregorio Fuentes, Hemingways alter Kapitän

Ein Besuch bei Gregorio Fuentes in Cojímar/Kuba, im April 1983; Photo by W. Stock

In Cojímar nahe Havanna, auf Kuba, im April 1983.

Wer sich denn in Sachen Hemingway am besten auskenne, frage ich den Wirt der Hafenkneipe, nachdem ich den Teller Linsen, das einzige Mittagsgericht im Lokal, aufgegessen habe. Hemingway?, hebt der dicke Gastwirt fragend die Augenbraue.

Ja, sage ich, el Maestro, der Meister aller Klassen, Don Ernesto, sage ich. Ach, sagt der unlustige Wirt, dann gehen Sie am besten zu Gregorio, der wohnt oben im Dorf. Ich zahle ein paar Pesos für die Linsen, Pfennigbeträge, und mache mich auf zu Gregorio.

In Sachen Ernest Hemingway ist Gregorio Fuentes in der Tat die beste Adresse in Cojímar. Vielleicht ist er – neben seinen Kindern – die beste Adresse weltweit. Der rüstige Gregorio wohnt mit seiner Frau in einem kleinen, blau gestrichenen Häuschen oberhalb der Dorfstraße. Den Gallego, den Galizier, nennen sie Gregorio in Cojímar, weil seine Vorfahren aus dem nordspanischen Galizien stammen. Übrigens wie Fidel Castros Vater, sagt Gregorio, der ist aus Lugo eingewandert.

Gregorio Fuentes trägt eine einfache Leinenhose und ein weißes Guayabera-Hemd, das man nicht in die Hose zu stecken braucht. Gregorio ist in Cojímar eine Berühmtheit. Von 1938 bis zu Hemingways Tod war er der Kapitän der Pilar. Eigens für den Schriftsteller war das Motorboot 1936 gebaut worden, und oft fuhren die drei – Gregorio, Hemingway und Ehefrau Mary Welsh – zur Fischjagd in den Golfstrom.

Der hagere Gregorio nannte

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La Bodeguita del Medio

BodeguitaBlog

Havanna, im April 1983
Photo by W. Stock

Auch in diesem Jahr liegt auf Havanna jene seltsame Jahreszeit, die für die Karibik so typisch ist. Laue Luft, dünne Wolkenstreifen am blauen Himmel, ein warmer Wind aus Südwest, aus Richtung Yucatán. Brecher fegen über den Malecón hinweg und benässen übermütige Jugendliche. Wenn man Glück hat, zieht am Abend eine kühlende Brise über die Insel. Der  Wind hat sich gedreht und weht nun frisch von Florida.

Dämmerung. La Habana, das Herz der Revolution. Ein Herz, das stottert, das stolpert und nicht so recht in voller Taktung schlagen will. Wenn man durch die Strassen und über die Plätze dieser Stadt geht, dann scheint dieses Havanna wie ein Amphitheater aus verfallenen Prunkvillen und kargen Wohnsilos, alles zusammengehalten von Wäscheleinen mit abgetragenen Kleidungsstücken.

Links hinter der Kathedrale in der schmalen Seitengasse Calle Empedrado hinter der Nummer 207 liegt ganz

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