Hemingways Welt

Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

Valerie Hemingway: Running with the Bulls

RunningBulls

Valerie Hemingway: Running with the Bulls

Jeder trägt so seine kleinen Vorurteile mit sich herum. So auch ich, als ich erstmals von diesem Buch hörte. Die Welt ist so voll von Schnurren und Geschnatter über den Schriftsteller und es gibt genug Leute, die schwarz im Transrapid „Ernest Hemingway“ fahren.

Doch als ich Running with the Bulls – My Years with the Hemingways aus der Hand lege, bin ich angetan. Valerie Hemingway überzeugt als eine vorzügliche Schreiberin und ihr Buch hat wirklich etwas zu erzählen.

Valerie Danby-Smith, so der Mädchenname, ist eine interessante Person. Die Irin, Jahrgang 1940, kommt aus Dublin und lernt Hemingway 1959 in Madrid, während des San Isidro Festivals, kennen. In Spanien arbeitet sie als Kindermädchen und Journalistin und will nun den Nobelpreisträger für die Irish Times interviewen.

Ernest Hemingway bittet ins Hotel Suecia, Suite 809, wo er mit Ehefrau Mary logiert. Man findet Gefallen aneinander, Ernest lädt Valerie zum Stierkampf-Rennen nach Pamplona ein. Später stellt er sie als seine Sekretärin ein, für gute 250 Dollar im Monat.

Valerie bleibt an Hemingways Seite. Man fährt nach Málaga, in die Provence, nach Paris. Und im Januar 1960 zieht Valerie in die Gästewohnung der Finca Vigía auf Kuba ein. Die junge Frau erhält Einblicke in Hemingways Spätwerk und auch in seine letzten beiden Lebensjahre wie keine andere Person, Familie vielleicht ausgenommen.

Den Nachnamen Hemingway erhält Valerie Danby-Smith später, als sie

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Eduard Ingriš und Ernest Hemingway

Ernest Hemingway und Eduard Ingriš; Cabo Blanco, Mai 1956.  

Als die Kommunisten 1948 in Tschechien die Macht übernehmen, ist Eduard Ingriš schnell abgehauen. Mit lediglich 50 Dollar in der Tasche, mehr hat man dem in Böhmen Geborenen nicht von seinem Vermögen gelassen. Doch Freiheit und Unabhängigkeit sind ihm wichtiger als alles Materielle.

Das Schicksal verschlägt ihn nach Südamerika, zuerst nach Brasilien, dann nach Peru. Es wird ein buntes Leben, das dieser Eduard Ingriš nun führt.

Man mag ihn nicht nur als einen unabhängigen Geist bezeichnen, zudem ist Eduard Ingriš ein verwegener Abenteurer und auch ein feinfühliger Schöngeist. Ein Mann von tausend Talenten: Komponist, Dirigent, Kameramann, Entdecker.

Im Mai 1956 hat Ernest Hemingway sich mit Eduard Ingriš in Cabo Blanco, an der peruanischen Nordküste, getroffen und lange unterhalten. Dieser Eduard Ingriš ist ein Mann ganz nach Hemingways Geschmack. Ingriš arbeitet als Photograph und Filmemacher, macht sich aber auch als Komponist einen Namen. Einige Jahre arbeitet er als Leiter des Orquesta Sinfónica Nacional, des Nationalen Symphonie Orchesters in Lima.

Doch vor allem als Abenteurer geht er durch die Medien: Mit einem einfachen Balsa-Floss hat Eduard Ingriš die Welt des Pazifik erkundet. Mit der Kantuta I fährt er im Jahr 1955 über Galapagos in Richtung Clipperton Island. Die Expedition scheitert. Doch Eduard Ingriš gibt nicht auf.

Im Jahr 1959 sticht er mit der Kantuta II in die Südsee nach Polynesien. Diesmal

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Dino Jarach, Hemingways venetianisches Auge

Ernest Hemingway auf Torcello, Dezember 1948; (c) Dino Jarach

Ernest Hemingway auf Torcello, Dezember 1948; Photo by Dino Jarach

Ernest Hemingway mag diesen Italiener aus Mailand, Dino Jarach, der ihn damals im Winter 1948 in Cortina d’Ampezzo und in Venedig begleitet hat. Ernest ist verrückt nach Italien, es ist das Land seiner Träume, und er ist diesem Photographen dankbar. Warum? Weil Dino Jarachs Photos zeigen, wie er eins wird mit diesem prächtigen Land.

Am besten gefallen Hemingway die wunderbaren Photos von der Entenjagd auf Torcello. Die Photos von Dino Jarach, der sich eigentlich als Modephotograph einen Namen gemacht hat, sind so strahlend, so klar und so eingängig, dass Hemingway sie betrachtet, als seien sie sorgsam skizzierte Gemälde.

Ernest Hemingway erkennt hinter all den erstklassigen Photos von Jarach und den anderen die hohe Kunst und den Künstler. Und wie man zu schreiben hat, lernt er nicht nur von guter Literatur, sondern auch von guter Malerei und guter Photokunst.

Dino Jarach stammt aus Venedig – gibt es eine bessere Stadt um auf die Welt zu gelangen? – und ist vom Jahrgang 1914. Zwei Leidenschaften treiben den Venezianer an. Das Bergsteigen und die Photographie. Er beginnt als Journalist bei der Agentur ANSA, später gründet er seine eigene Agentur, die Interfoto. Als der Krieg ausbricht, verlässt er Venedig, schließt sich den Partisanen an und kämpft im Trentino und in Südtirol.

Nach dem Krieg werden die Filmfestspiele in Venedig und der Lido zu seinem Revier. Er entdeckt die Welt der Stars und Sternchen. Und er wird zum Photographen des Glamours: Elsa Martinelli, der Schah und Farah Dhiba, Sophia Loren, Monica Vitti, Giulietta Masina oder die Balletteuse Carla Fracci – sie alle werden fabelhaft von Dino Jarach abgelichtet.

Und dann kommt dieser Ernest Hemingway. Der große Hemingway bereist

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Tomats?

els Tomats

Tomats? Saftige Tomaten auf dem Gemüsemarkt? Mag sein, jedenfalls in Schweden und Dänemark.

Und was sonst? Ein Code für Kenner. Freunde des bärtigen Autors und andere Hemingwayaner wissen, was gemeint ist. The Old Man and the Sea.

Sein Meisterwerk. Tomats.

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Hemingway: Die Enkel-Generation

Margaux Hemingway auf Vogue

Margaux Hemingway auf Vogue

Die Söhne tragen ihr Päckchen auf der Schulter, aber selbst den Enkeln ergeht es nicht viel besser. Auch auf der dritten Generation von Ernest Hemingway liegt der Fluch. Jacks Töchter Margot Louise, die alle Margaux nennen, und Mariel leiden ebenfalls unter dem Ruhm ihres Großvaters.

Die schöne Margaux bleibt zeitlebens immer nur die Enkelin des großen Ernest Hemingway. Sie macht sich einen Namen als gefeiertes Photomodel, Vogue, Cosmopolitan oder Playboy, die großen Adressen rauf und runter.

Wenn sie sich allerdings als Schauspielerin einen kleinen Patzer leistet, als Modell nicht das Idealmaß mitbringt, sich im Fernsehen verhaspelt, so wird all dies nachsichtig belächelt. Sie ist halt die Enkelin vom Alten, guter Name, Schwamm drüber.

Auch Margaux mag irgendwie keine eigene Persönlichkeit entwickeln. Kein Mann, keine Kinder, keine richtigen Freunde. Margaux torkelt hin und her zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Und es kommt, wie es kommen musste. Alkohol, Drogen, Depression. Ketchum Cemetery, Friedhof von Ketchum. Wie der Großvater. Und wie der Vater.

Und da gibt es noch Mariel. Ja, die kleine, hübsche, blonde Mariel. Sie wird im selben Jahr geboren, als ihr Großvater seinem Leben ein Ende setzt. Und Mariel kommt auch dort zur Welt, wo sich Ernest Hemingway das Leben nimmt. Mariel Hemingway, die Tochter von Jack und Enkelin von Ernest, wird am 22.November 1961 in Ketchum geboren. Ob das verbindet?

Mariel Hemingway hat eine Laufbahn als

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Norberto Fuentes kennt den kubanischen Hemingway

NorbertoFuentes

Norberto Fuentes, Mitte der 80er Jahre; Photo by W. Stock

Der kubanische Journalist Norberto Fuentes ist Ernest Hemingway schon seit jungen Jahren auf der Spur. Der ehemalige Prensa-LatinaReporter, Jahrgang 1943, kann vielleicht von allen Menschen am besten über den kubanischen Hemingway berichten.

Norberto ist ein großer Verehrer des bärtigen Schriftstellers aus dem Gringo-Land und jemand, der überhaupt eine Menge zu erzählen hat. Hemingway hat 20 Jahre auf Kuba gelebt, und dass die Welt viel über diese Jahre weiß, das verdanken wir Norberto Fuentes.

Norberto hat 1984 ein wunderbares Buch über Hemingways Jahre auf Kuba veröffentlicht. Ein dicker Schmöker, Hemingway en Cuba. Im Verlag Letras Cubanas herausgegeben, auf billigem Papier und zudem schlecht typografiert, jedoch eine einzige Liebeserklärung von Seite 1 bis 718. Eine Fleißarbeit, mit vielen seltenen Fotos.

Gabriel García Márquez, auf den noch zurück zu kommen ist, schrieb das Vorwort. Norberto hat in seinem Buch alles zusammen getragen, was er über

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Der Cabo Blanco Fishing Club liegt in Trümmern

Der Cabo Blanco Fishing Club, in unseren Tagen, komplett ruiniert. Foto: W. Stock

Nur 17 Jahre fröhliches Dasein waren dem Cabo Blanco Fishing Club gegönnt. Als im Oktober 1968 putschende Offiziere den gewählten Präsidenten Fernando Belaúnde Terry im Morgengrauen aus seinem Bett im Präsidentenpalast in Lima klingelten und den netten älteren Herrn noch in seinem Morgenmantel in Gewahrsam nahmen, da war es auch mit dem Spaß in Cabo Blanco vorbei.

Zwölf Jahre blieb die linke Militärjunta an der Macht und die kommunistische Militärregierung des Generals Juan Velasco Alvarado verstaatlichte die Lobitos Oil, womit das Totenglöcklein für den Cabo Blanco Fishing Club immer lauter schlug. Zwei Jahre später musste der Cabo Blanco Fishing Club endgültig seine Pforte schließen.

Der Niedergang von Cabo Blanco begann jedoch schon Ende der 50er Jahre. Die Industrialisierung des Fischfangs in Nordperu sorgte für eine Überfischung des Pazifik. Die Nahrungskette riss. Erst war der Anchovy rar, dann der Bonito, und ohne Bonito, die Nahrung von Marlin und Schwertfisch, verschwand dann auch der schwarze Marlin.

Der Tourismus brach, wie die gesamte Binnenwirtschaft des Landes, durch die Diktatur der Militärs in den 70ern zusammen und hat sich seither nicht so recht erholt. Selbst in der Hochsaison, die von November bis Februar dauert, finden nur wenige Touristen den Weg an die Nordküste Perus.

Das Anwesen des ehemaligen Cabo Blanco Fishing Clubs ist in diesen Tagen abgesperrt und wird von einem Wachmann mit einem

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Papa, Marlene und die langen Beine

MarleneBeineErnest Hemingway ist in diese Frau mit den langen Beinen verschossen, er findet ihre Ausstrahlung umwerfend. Und Marlene Dietrich revanchiert sich. „Der interessanteste Mann, den ich kenne“, lässt die femme fatale von sich hören und es klingt ganz so, als wüsste sie, wovon sie redet.

Aus Finca Vigía schreibt Ernest Hemingway am 21. November 1951 einen langen Brief an Marlene, er erzählt, dass er seine Frau Mary wegen der großen Hitze weggeschickt habe und fügt hinzu: Es war zu heiß, um sich zu lieben, wenn Du Dir das vorstellen kannst. Huch, wer schreibt da? Ernest Hemingway, der Verführer? Ein Maulheld? Ein romantischer Träumer? Oder jemand, der sich tief innen vielleicht sogar einsam fühlt?

Hemingways Liebe gilt der Natur, der Schöpfung, er ist ein Kerl vom Land, der es liebt zu fischen und zu jagen. Und wer so behutsam die Natur beobachtet wie er, der muss einen sensiblen Charakter besitzen. Große Literatur ist ein einsames Geschäft, hat er gesagt, und vielleicht meint er nicht nur die Literatur, sondern das Leben.

Warum rutscht Hemingways Liebespoesie bei Marlene so oft in untere Regionen ab? Ich liebe dich und halte dich ganz fest und küsse dich hart. Man weiß, Ernest Hemingway ist auch ein körperlicher Mann, ein Jäger und Krieger, der nach Möglichkeit nichts auslässt im Leben. Oft und gerne lässt er sich mit nackten Oberkörper ablichten. Eine Sehnsucht spricht aus Hemingways Poesie, ja, aber Sehnsucht nach was?

Jedoch, und das mag verwundern, die körperliche Vollendung hat diese Liebe

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Hemingways Liebe, ewig und länger

DietrichTaschenErnest Hemingway bewundert Marlene Dietrich. Ihre Unverblümtheit, ihren Mut, das Unkonventionelle, ihre freche Berliner Schnauze, die Angriffslust. Sie ist der Typ Frau, den er mag.

Hemingways Frauen ähneln dem Abbild seiner männlichen Bedürfnisse. Einmal, Ernest Hemingway weilt mit seiner Frau zu Besuch bei ihr, da läuft Marlene durch ihr Apartment, pudelnackig, so wie Gott sie erschuf, als sei es das natürlichste auf der Welt. Später bügelt sie die Wäsche und da hat sie immer noch nichts an. Hemingway gefällt es sehr, seiner Frau weniger.

Marlene hat einen großen Männerverschleiß: Gary Cooper, James Stewart, Erich Maria Remarque, Jean Gabin, Orson Welles, George Raft, Ray Milland, Fritz Lang, Michael Wilding, wahrscheinlich ist die Liste länger. Nur Männer? Marlene deutet an, dass sie zwischen Männlein und Weiblein als Partner nun keinen großen Unterschied macht. Auch das gefällt Hemingway.

Von der androgynen Aura der Dietrich fühlt Ernest sich magisch angezogen. Dieses Verschwimmen von Maskulinität und Feminität bei Marlene, das mag er. Ob er sie darum beneidet? Ob Hemingway die eigene Neigung mit seinem Macho-Gedöns zukleistert? Oder ob er sich selbst vielleicht mehr liebt als andere?

Nun schätzt es Ernest Hemingway nicht gerade, wenn eine Frau ihm Kontra gibt. Doch bei Marlene ist er da an der Richtigen. Oft leidet er

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Marlene Dietrich, Hemingways ferner Engel

MarleneAngel1Aus allen Winkeln dieser Welt schreibt Ernest Hemingway an Marlene Dietrich, die in New York lebt. Er sendet Grüße an die Schauspielerin, kumpelhafte Liebeserklärungen, kleine Gedichte, alles aus der Ferne.

Ernest Hemingway und die Dietrich haben sich 1934, bei einer Atlantik-Überquerung auf dem Dampfer Ile de France kennengelernt. Hemingway kommt aus Ostafrika und will über Paris nach Key West, Marlene fährt zurück nach Hollywood. Es knallt gleich, irgendwie, Anziehung auf den ersten Blick.

Was willst du denn im Leben wirklich machen?, schreibt Hemingway an Marlene. Allen Kerlen das Herz brechen für zehn Cents? Mein Herz kannst du jederzeit brechen, wenn du willst, für fünf Cents, und das Geld bringe ich noch mit.

Die Romanze der beiden beginnt draufgängerisch. Ich verliebe mich in Dich, mein Kraut, schlimm. Und Marlene erwidert seine Gefühle. „Ich könnte Dich nicht mehr lieben, als ich es tue.“ Und sie schreiben sich Botschaften voller Leidenschaft wie zwei frisch verliebte Pennäler. Bis 1959 werden über dreißig Briefe von Hemingway zusammen gekommen sein. Und Marlene antwortet. 31 Briefe von ihr sind bekannt.

Eigentlich hasst Hemingway alles Deutsche. Wie kann es da sein, dass er sich in eine Frau verliebt,

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