Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

Schlagwort: Ernest Hemingway Seite 39 von 58

Der schönste Hemingway-Satz: Pariser Café

„Bis ich an der Place Saint-Michel ein gutes Café erreichte, das ich kannte. Es war ein angenehmes Café, warm und sauber und freundlich, und ich hängte meinen alten Regenmantel zum Trocknen an die Garderobe, legte meinen abgewetzten verwitterten Filzhut auf die Ablage über der Bank und bestellte einen café au lait.“
Ernest Hemingway Paris – Ein Fest fürs Leben

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Ernest Hemingway und der große Vogel

Was passiert, wenn er einmal nicht mehr seine Angelrute in Anschlag bringen kann? Ernest Hemingway mit Ehefrau Mary auf der Pilar. Foto: George Leavens.

In seinen Werken findet man die Erotik zwischen Mann und Frau in Hülle und Fülle, auch wenn Ernest Hemingway den Sex kunstvoll hinter den Zeilen verstecken muss, die Zeiten sind halt prüde. Wie in Über den Fluss und in die Wälder, als Contessa Renata und Colonel Cantwell zusammen sind und the great bird had flown out of the closed window. Der große Vogel ist plötzlich durch das geschlossene Fenster nach draußen geflogen. Ein flatternder Vogel, wen wundert’s, der für den Orgasmus steht.

Oder wenn ein Mann und eine Frau in Hemingways Erzählungen in trauter Zweisamkeit zusammen weilen, und es an der Oberfläche zwar merklich knistert, doch der Eisberg-Maestro sich wie üblich weitere Details verkneift. Wenn allerdings Ernest Hemingway anschließend seinen nächsten Satz mit einem Dann oder Danach einleitet, so ahnt der Kenner, dass es zuvor wohl heftig geklingelt hat.

Auch im Leben des Ernest Hemingway ist die Sexualität eine der maßgeblichen Triebfedern, der Schriftsteller fühlt sich zeit seines Lebens als körperlicher Mann. Viele Fotografien mit ihm, auch wenn sie scheinbar ein ganz anderes Thema abbilden, strotzen nur so vor unterschwelliger Erotik. In Liebesdingen verhält sich Ernest Hemingway wie ein nimmersatter Narzisst, der ohne körperliche Anerkennung nicht auskommen kann.

Denn die schnell entflammte Zuwendung einer neuen Eroberung lässt ihn spüren, dass es ihn als Mensch gibt und dass er lebt. Ein Nachlassen dieser Aufmerksamkeit vermag er nicht zu ertragen, denn es erinnert ihn an die eigene Begrenztheit. So wundert es nicht, dass besonders in gefahrvollen Ausnahmesituationen sein Bindungsbedürfnis besonders stark ausschlägt.

In die Krankenschwester Agnes von Kurowsky verliebt Ernest sich – schrecklich verwundet – während des Ersten Weltkriegs. Mit Martha Gellhorn turtelt er in Madrid und um ihn herum schlagen die Granaten des Spanischen Bürgerkrieges ein. Mary Welsh schließlich macht er den Hof, beide in der Uniform eines Kriegskorrespondenten, zwischen den Schlachten des Zweiten Weltkriegs.

Das körperliche Verlangen wird für Ernest Hemingway eine der Energien, die ihn am Leben hält. Gleichzeitig spürt er die Fesselung durch den Tod. Und zeitweise ist diese Faszination des Morbiden noch stärker als der Liebestrieb. Ernest Hemingway möchte lieben und er möchte im gleichen Sinne sich über Leben und Tod erheben. Auch so erklären sich seine unkontrollierten Wutausbrüche gegen seine Ehefrauen, sein gelegentlicher Hass auf jedermann, den er liebt. 

All die sexuellen Eroberungen plustern seine Allmacht auf und das solcherart gestärkte Ego lenkt Ernest Hemingway für eine Weile ab vor dem bedrohlichen Gedanken an die Endlichkeit des eigenen Lebens. Doch je mehr sein Ruhm wächst, desto dünnhäutiger wird er. Weil die Erfolge im Liebesleben – auch wegen seines Narzissmus –  sich nicht als besonders tragfähig herausstellen.

Dieser Mann fällt immer in das gleiche Muster: Wenn er das Gefühl hat, von seinen Ehefrauen gekränkt zu werden, in seinen Empfindungen verletzt zu werden oder nicht genug beachtet zu werden, dann reagiert er wie ein angeschossenes Raubtier. Ernest Hemingway kontert dann

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Was hat Ernest Hemingway in Peru verloren?

Ernest Hemingway bei der Ankunft in Peru. Der junge Reporter Mario Saavedra-Pinón vom El Comercio aus Lima holt sich ein Autogramm ab. Talara, den 16. April 1956. Foto: Guillermo Alias.

Auch wenn das Leben des bärtigen Amerikaners bis in kleinste Winkel bestens ausgeleuchtet ist, so weiß man über Ernest Hemingways Abstecher nach Peru im April und Mai 1956 nicht allzu viel. Seine fünf Wochen in Cabo Blanco, so sie denn überhaupt Beachtung finden, bleiben in den Biographien und Abhandlungen über den prominenten Autoren seltsam konturlos und meist auch fehlerhaft. Es mag dem Umstand geschuldet sein, dass sein Ziel diesmal doch weit ab vom Schuss liegt.

Cabo Blanco? Was zum Teufel sucht der Nobelpreisträger, dieser freche Abenteurer und rastlose Schürzenjäger in einem abseitigen Nest wie Cabo Blanco? Ein vergessenes Fischerkaff mit gerade einmal 500 Bewohnern. Peru bleibt, das mag erstaunen, das einzige Land Südamerikas, das Ernest Hemingway jemals bereist hat.

Der amerikanische Nobelpreisträger kennt die Karibik gut, Kuba, die Bahamas, die Florida Keys, er hat mehrmals Mexiko besucht, doch Südamerika bleibt für den allseits anerkannten Schriftsteller Terra incognita – mit der bemerkenswerten Ausnahme Peru. Er, der Kosmopolit und Weltenbummler, hat sich nie das ausschweifende Rio de Janeiro angeschaut, nicht das betuliche Montevideo und das frühlingshafte Buenos Aires muss ebenfalls auf ihn verzichten.

Hingegen begibt er sich wochenlang nach Cabo Blanco, in ein trostloses Kaff mit ein paar ärmlichen Bretterbuden an einer staubigen Dorfstraße. Der berühmte amerikanische Autor, zwei Jahre zuvor hat man ihm den Nobelpreis für Literatur verliehen, reist in ein doch ziemlich vergessenes Eckchen dieses Erdballs.

Dabei wird der Aufenthalt in Cabo Blanco am peruanischen Pazifik bedeutsam für den Schriftsteller, in vielerlei Hinsicht. Ernest Hemingway gibt in dem umwerfenden Spanien-Roman Gefährlicher Sommer seinen Lesern dazu einen ersten Fingerzeig.

Von Ende Juni 1954 bis August 1956 waren wir auf Kuba und arbeiteten. Ich war in schlechter Verfassung. Ich hatte mir bei Flugzeugabstürzen in Afrika schwere Rückenverletzungen zugezogen und versuchte, wieder auf die Beine zu kommen. Niemand wusste genau, was aus meinem Rücken werden würde, bis wir das Ganze vor Cabo Blanco in Peru auf die Probe stellten, als wir für den Film ‚Der alte Mann und das Meer‘ einen riesengroßen Marlin fischen mussten.

Er hat sich wiederum einiges vorgenommen. Der Schriftsteller will in Peru endlich wieder voll auf die Beine kommen, körperlich wie mental. Und möglicherweise auch als Schreiber. Für ambitionierte Herausforderungen ist Cabo Blanco wie geschaffen. In dieses Angelparadies am wilden Pazifik kommen Ernest Hemingway und seine Freunde, um einen schwarzen Marlin zu fangen.

Im Ozean vor Cabo Blanco finden sich gigantische schwarze Marline, ein Fisch over fifteen hundred pounds. Es ist jener riesige Marlin, der in Hemingways fabelhaftem Roman Der alte Mann und das Meer neben dem alten Mann Santiago und dem Jungen Manolín die Hauptrolle spielt.

In Cabo Blanco sollen

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Der schönste Hemingway-Satz: die sehr Tapferen

Aber diejenigen, die nicht zerbrechen, werden getötet. Es tötet die sehr Guten und die sehr Sanften und die sehr Tapferen, ohne Vorbehalt.
Ernest Hemingway

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Ernest Hemingways Vorwort zu Gustav Reglers ‚The Great Crusade‘

The Great Crusade wurde zuerst in den USA veröffentlicht, in der Übersetzung von Whittaker Chambers und Barrows Mussey.

Gustav Reglers beeindruckender Roman über den Spanischen Bürgerkrieg erscheint im Jahr 1940 im New Yorker Verlag Longmans, Green and Company. Der damals überzeugte Kommunist nennt seine Erzählung The Great Crusade. Der große Kreuzzug. Das Buch erhält einen Ritterschlag: Sein Freund Ernest Hemingway wird das Vorwort zu Das große Beispiel, so heißt das Original schließlich auf Deutsch, schreiben.

Im August 1939 bekommt Ernest Hemingway das dicke Manuskript von The Great Crusade auf seine Farm Finca Vigía bei Havanna übersandt. Der bärtige Amerikaner muss 4,32 Dollar Einfuhrgebühr bei der kubanischen Zollbehörde für die Sendung aus New York zahlen. Sogleich macht sich der prominente Autor in seiner tropischen Wahlheimat an die Lektüre des Textes.

Alsdann schreibt der damals schon weltbekannte Schriftsteller in aller Ausführlichkeit sein Vorwort. Es lohnt, diesen launigen Prolog ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Denn er zeigt einerseits die Haltung Ernest Hemingways zu diesem grausamen Bürgerkrieg auf, und er verrät andererseits auch einiges über den Charakter und über die Persönlichkeit des späteren Nobelpreisträgers.

In einem Krieg sollte man aber die Niederlage nicht zugeben – nicht einmal vor sich selbst, schreibt Ernest Hemingway zu Beginn seines fünfseitigen Vorwortes. Wer sie eingesteht, ist endgültig geschlagen. Das ist nicht weit von seinem Lebensmotto A man can be destroyed, but not defeated. Ein Mensch kann zerstört werden, aber nicht besiegt. Er wird sein Credo von Tapferkeit und Resilienz in seinen Veröffentlichungen noch häufig in den verschiedensten Tonarten durchkomponieren.

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Eine vorbildlich editierte Ausgabe von Gustav Reglers Das große Beispiel auf Deutsch ist bei der Büchergilde Gutenberg erschienen.

In seinem Geleitwort erzählt der US-Amerikaner jene Begebenheiten über die Spanienkämpfer, die auch für seine Zeitungsreportagen aus dem Bürgerkrieg so typisch sind. Es gab keinen Mann unter ihnen, der nicht trotz der ständigen Todesgefahr Witze gerissen und zur Bekräftigung darauf gespuckt hätte. Wir hatten den Spucktest eingeführt, als ich mich einer Kindheitserfahrung erinnerte: Wenn man wirklich Angst hat, kann man nicht spucken. In Spanien fehlte mir sehr oft die Spucke, und war der Witz auch noch so gut.

Ernest Hemingway zeigt sich von The Great Crusade angetan. Vor allem lobt er die literarische Aufrichtigkeit des deutschen Autors. Es gibt Ereignisse, die so  groß sind, dass ein Schriftsteller, der sie miterlebt hat, moralisch verpflichtet ist, sie so wahrheitsgetreu wie möglich zu berichten, ohne sich anzumaßen, sie durch Erfindungen zu verändern. Diese Redlichkeit zeichne Gustav Reglers Buch aus. Es kommt selten vor, dass Hemingway einen Maßstab, den er an das eigene Werk anlegt, auch bei einem Kollegen als erfüllt ansieht.

Das Vorwort zu Das große Beispiel spart einen heiklen Punkt nicht aus: das

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Ernest Hemingway und Gustav Regler

Ernest Hemingway mit dem Schriftsteller Gustav Regler (rechts) und dem russischen Autor Ilja Ehrenburg (links) Anfang April 1937 an der Front bei Guadalajara. Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Im Spanischen Bürgerkrieg freundet sich Ernest Hemingway mit dem deutschen Schriftsteller Gustav Regler an. Der Sohn eines Buchhändlers aus dem saarländischen Merzig, ein Mann vom Jahrgang 1898 und damit ein Jahr älter als der Amerikaner, ist als Politkommissar der XII. Internationalen Brigade zugeteilt. Sympathisch und klug charakterisiert Gustav Regler den berühmten Kollegen aus Übersee nach einem Zusammentreffen an der Guadalajara-Front im April 1937: „Genauso verachtete er [Ernest Hemingway] Literaten und Intellektuelle, es haftete das Parfüm der Feigheit an ihnen; Mut aber war der Maßstab, den Hemingway zuerst an den Menschen anlegte.“

Als im Juni 1937 bei Huesca eine Granate der Franquisten das Auto trifft, in dem auch Gustav Regler sitzt, wird der deutsche Spanienkämpfer schwer verwundet. Nach langer Rekonvaleszenz, als Soldat fortan untauglich, schickt die spanische Regierung den mehrsprachigen Regler in die USA, um für das republikanische Sanitätswesen in Spanien Spenden zu sammeln. Regler, er trifft auch Albert Einstein, gelingt es, eine ansehnliche Summe zusammenzutragen.

Am 7. Februar 1938 kommen Gustav Regler und seine Ehefrau Marieluise Vogeler dann nach Key West. Ernest und Pauline Hemingway empfangen die Reglers mit offenen Armen in ihrem herrschaftlichen Haus. Der Deutsche wird überwältigt von der Wohlhabenheit der Hemingways. Er staunt nicht schlecht über das üppige Anwesen mit Swimmingpool und über den Diener, der zu den Mahlzeiten die Speisen aufträgt. Sein Bild eines Schriftstellers ist bisher ein ganz anderes gewesen, das eines armen Schluckers und Überlebenskünstlers. 

Das deutsche Ehepaar wohnt für einige Wochen im Gästetrakt des Hemingway-Hauses an der Whitehead Street. Gustav Regler reist auf einem spanischen Diplomatenpass, für Marieluise Vogeler hat Hemingway persönlich bei den US-Behörden gebürgt und ihre Reisekosten bezahlt. Der Ortswechsel vom Elend des Bürgerkrieges in den vergnüglichen Alltag Amerikas wirkt wie ein Schock. „Wir waren ohne Geld. Ohne Freund. (Hemingway war da, ein Fels, eine Treue, aber gerade der eine Fels zeigte die Wüste um uns her noch deutlicher.)“, schreibt Regler über den USA-Besuch.

Zurück in Europa wird Gustav Regler bei Kriegsausbruch 1939 in Frankreich im Pyrenäenlager Le Vernet interniert. Ernest Hemingway und andere Freunde lassen ihre Beziehungen spielen. In Paris, an Weihnachten 1939, setzt sich Martha Gellhorn, Ernest Hemingways neue Flamme, persönlich bei den Behörden für Regler ein. Nach seiner Freilassung im März 1940 nehmen Gustav Regler und seine Frau dann ein Schiff nach New York.

Ihr endgültiges Exil finden Gustav Regler und Marieluise Vogeler dann in Mexiko, zunächst in Ajusco, südlich der Hauptstadt, später in Coyoacán, einem pittoresken Vorort vom Mexiko-Stadt. Mit Verkäufen von Mieke Vogelers Bildern, sie ist die Tochter des Worpswedener Malers Heinrich Vogeler, hält das Ehepaar sich über Wasser. Über die Jahre, desillusioniert von seinen Jugendidealen, setzt sich Regler auch öffentlich von der kommunistischen Bewegung ab. Unter dem Eindruck des Hitler-Stalin-Paktes bricht er Anfang der 1940er Jahre endgültig mit der Kommunistischen Partei. Üble Nachreden und bösartige Schmähungen durch ehemalige Gesinnungsgenossen folgen stehenden Fusses.

Die Pleite im Spanischen Bürgerkrieg lastet schwer auf Hemingways Gemüt. Gustav Regler berichtet von einer verstörenden Begegnung. Der berühmte Kollege ist im Frühjahr 1942 zu Besuch bei den Reglers in Mexiko, man verlässt gerade den Tampico-Club, da drückt der Amerikaner unvermittelt seinen Freund

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Ernest Hemingway lässt nichts anbrennen

Ernest Hemingway fühlt sich wohl in weiblicher Gesellschaft.
Havanna, Kuba, im Jahr 1954

Der Mann hat einen Schlag bei den Frauen. Neben dem Schreiben und den hohen Prozenten beherrscht die Faszination für das weibliche Geschlecht den Alltag des Ernest Hemingway. The Sun Also Rises wird er im Jahr 1926 sein Erstlingswerk nennen, so lautet eigentlich ein hehres Bibelzitat, aber wenn er auf den Buchtitel zu sprechen kommt, fügt er oft an, like my cock. Nicht nur die Sonne steht hoch bei Ernest Hemingway.

Als Mann lässt er so schnell nichts anbrennen. Gerade auf Kuba setzt er sich immer wieder mit seiner Körperlichkeit angriffslustig in Szene. Hinter der aktionistischen Oberfläche fällt er als Mann auf, der auch emotional nach Liebe sucht. Jedoch er selbst versagt auf ganzer Linie in einem Ehebund, oder in der festen Partnerschaft mit einer Frau, nicht nur einmal, sondern ständig. Vier Ehen und drei Scheidungen bilden da nur die Spitze des Eisbergs ab.

Mit der ehelichen Treue hält er es, weshalb auch immer, zeitlebens locker bis oberlocker. Alle vier Ehefrauen betrügt er ohne schlechtes Gewissen nach Strich und Faden. Ehefrauen, Freundinnen, Gespielinnen, sein Durst auf Liebesabenteuer kennt keine Grenzen, der Frauenverschleiß dieses Nobelpreisträgers für Literatur ist enorm. Ernest Hemingway scheint als Liebhaber mindestens genauso erfolgreich wie als Literat.

Es gibt Tage auf Kuba, da ist er vormittags auf der Finca Vigía mit seiner Ehefrau Mary zusammen, dann nachmittags in Havanna mit der festen Geliebten Leopoldina und hernach kann am Abend noch eine Zufallsnummer dazu kommen. Drei Frauen, bei anderen reicht es fürs ganze Leben, Ernest Hemingway braucht

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Der schönste Hemingway-Satz: Spanien

Es war seltsam, wieder nach Spanien zu kommen. Ich hatte nie erwartet, in das Land zurückkehren zu dürfen, das ich außer meine Heimat mehr als jedes andere liebe, und ich wollte nicht zurückkehren, solange dort noch einer von meinen Freunden in Haft war.
Ernest Hemingway

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Die Orient Bar – ein Hauch von Konstantinopel in Istanbul

Wo westliche Gaumenfreude und orientalische Gastfreundschaft aufeinander treffen. Die Orient Bar in Istanbul. Foto: W. Stock, Februar 2020

Als Reporter des Toronto Daily Star kommt der Amerikaner Ernest Hemingway Ende September 1922 von Paris nach Istanbul, das damals noch Konstantinopel heißt. Er soll für seine Zeitung Artikel über die Friedensverhandlungen zwischen Türken und Griechen schreiben. Mit den Friedensverhandlungen läuft es gut, mit dem Schreiben weniger.

Hemingway ist krank, die Malaria hat ihn angefallen, und er fühlt sich mies, Trost bereit ihm wie immer Hochprozentiges. In Konstantinopel kommt er mit dem Absinth in Berührung, einer Alkoholrakete aus Wermut, Anis und Fenchel, mit einer Flughöhe von bis zu 85 Prozent Volumenprozent. Sein Stammplatz wird, natürlich, die Orient Bar im Erdgeschoss des Pera Palace Hotels.

Den Absinth findet man nicht mehr auf der Getränkekarte, dafür reichlich jene modischen Mix-Drinks mit trendigen Bezeichnungen wie South Pole, White Lotus oder Lemon Drop. Vodka, Gin, Rum, Tequila – in hundert Jahren hat sich nicht viel daran geändert, was einen Mann wie Ernest Hemingway glücklich machen kann. Die Orient Bar hat angenehmerweise etwas von Wohnzimmer-Atmosphäre, sie fällt ein wenig plüschig aus, geradezu familiär, und diese Tradition hat sicherlich nicht nur der Bar gutgetan. 

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Die Theke der Orient Bar in Istanbul. Hier werden Geschäfte gemacht und Politikerkarrieren ausgeklüngelt. Und Schriftsteller lassen sich inspirieren. Foto: W. Stock, Februar 2020.

Konstantinopel, diese Metropole zwischen Europa und Asien, hat schon immer zwischen Tradition und Modernität gekippelt, und selbst heute weiß sie nicht so recht, wohin. Der alte Geist von Konstantinopel weht noch lau durch die Orient Bar, dessen geistiges Augen viel vom Zerfall und Aufbruch der Nation gesehen hat. Konstantinopels Stadtteil Pera, heute Beyoğlu genannt, wird nach dem Ersten Weltkrieg zum Schmelztiegel der Glücksritter aus aller Welt.

Rumänen, Armenier, Griechen und Levantiner zieht es magisch hierher. Ebenso wie italienische, britische, französische und amerikanische Soldaten, die nach der Besetzung im Jahr 1918 durch die Straßen der Altstadt patrouillieren und die im flüchtigen Amüsement doch nur den grausamen Krieg vergessen wollen.

Wohlhabende Russen, die vor der Oktoberrevolution geflohen sind, hoffen in Konstantinopel auf eine neue Chance. Streuner, Heimatlose, Kriegsgewinnler, Spione, Lebemänner und gefallene Seelen – alle kommen mit Hoffnung und Absichten in diese lebhafte Kapitale am Bosporus.

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Zur Tea Time spielt der famose 93-jährige Ilham Gencer jeden Nachmittag Jazzballaden in der angrenzenden Lounge. Foto: W. Stock, Februar 2020.

Mit all den Neubürgern erreichen auch der Jazz und der Tango, der Jugendstil und die Lebenslust der Roaring Twenties diese putzmuntere Metropole an der Grenzlinie von Orient und Okzident. Alles potenziert sich, wenn man denn will, mit Opium und Kokain, das in jenen Jahren in den Rauschgifthöhlen der Stadt serviert wird, als sei es ein harmloses Brausepülverchen.

Man soll nicht denken, Jazz und ähnlich lasterhafte Eskapaden des Westen fänden nicht ihre Anhänger in der Türkei. Einen Raum weiter spielt der 93-jährige Ilham Gencer jeden Nachmittag von 15 bis 18 Uhr wunderbare amerikanische Jazzballaden zur Tea Time. Ein Privileg Istanbuls kann sein, westliche Lebensfreude mit orientalischer Gastfreundschaft zusammenzuführen.

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Ernest Hemingway an der Wand der Orient Bar. Foto: W. Stock, Februar 2020.

Die Lebenslust ist groß im Konstantinopel jener Zeit, die Nacht wird zum Tag gemacht. Das Nachtleben stellt in den 1920er Jahren jenes von Berlin oder Paris locker in den Schatten. Dies ist auch Ernest Hemingway in seinen Depeschen nicht entgangen. Hier hat niemand den Anspruch, sich vor neun Uhr abends an die üblichen Gepflogenheiten zu halten. Die Theater öffnen um zehn, die Nachtclubs öffnen um zwei, die verruchten Nachtclubs um vier.

Die Orient Bar öffnet um 18 Uhr. So mancher Schriftsteller hat versucht, sich hier seine Stimulanzien zu holen, in welcher Form auch immer. Ian Fleming, der Vater von James Bond, ist hier gewesen, Agatha Christie hat an dieser Stelle den Mord im Orient-Express geplant und der Franzose Pierre Loti tüftelt an seinen exotischen Reise-Stories. Der aller berühmteste Gast ist ein

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In Konstantinopel entfernt sich Ernest Hemingway vom Journalismus

Ernest Hemingway tut sich schwer mit der ihm fremden Welt des Orients. Eingang zur Eyüp-Sultan-Moschee in Istanbul. Foto: W. Stock, Februar 2020.

Es ist Herbst 1922, Ernest Hemingway gefällt sich als ein Reporter mit Haut und Haaren, neugierig und abenteuerlustig. Doch sein Aufenthalt in Konstantinopel wird seine beruflichen Prioritäten gehörig durcheinander wirbeln. Seine Depeschen für den Toronto Daily Star über den griechisch-türkischen Krieg tragen maßgeblich dazu bei, dass er sich dem Journalismus entfremdet und der Schriftstellerei nähert.

Er möchte in der Welt umherreisen und darüber schreiben, so hat es der 17-jährige Ernest Hemingway in der Chronik seiner Schule verlauten lassen. Und der Dickkopf aus Oak Park setzt seinen Wunsch durch. Er hatte gesehen, wie die Welt sich veränderte; nicht nur die großen Ereignisse; obwohl er viele davon miterlebt und die Menschen beobachtet hatte, aber er hatte die feineren Veränderungen gesehen, erinnert er sich 1936 in seiner Kurzgeschichte Schnee auf dem Kilimandscharo und zieht für sich das Resümee. Er war dabei gewesen, und er hatte es beobachtet, und es war seine Pflicht, darüber zu schreiben.

Seine Pflicht? Dies hört sich schon weniger nach einer Berufung an, eher nach einem Muss an, im Zweifel nach einer lästigen Verpflichtung, jedenfalls fehlt irgendwie die Lockerheit, die diesen kraftvollen Mann so auszeichnet. Dabei vermag Ernest Hemingway wunderbar zu schreiben, so packend, so kurzweilig, so anschaulich. Und so lässig.

In seinem Artikel Hamid Bey für The Toronto Daily Star, der am 9. Oktober 1922 veröffentlicht wird, reportiert Ernest Hemingway launig aus Konstantinopel, dem heutigen Istanbul: Bismarck meinte, alle Männer, die im Balkan ihre Hemden in die Hose stecken, sind Ganoven. Die Hemden der Landarbeiter, natürlich, hängen heraus. Die hohen Funktionäre der Kemal-Bewegung, denen der Amerikaner begegnet, tragen, wenig überraschend, das Hemd in ihre feine Anzugshose gesteckt.

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Neben anderen illustren Gästen ziert Ernest Hemingways Portrait die Wand des Restaurant Agatha im Pera Palace Hotel von Istanbul. Foto: W. Stock, Februar 2020.

Ernest Hemingway ist blutjung, ein Bursche ohne Hochschulstudium und fern der Familie, als er mit 23 Jahren in die ihm unbekannte Welt des Orients geschmissen wird. Er kommt aus der behüteten Oberschicht des Mittelwestens bei Chicago und findet sich mit einem Mal in der wild umher schlingernden Exotik Konstantinopels wieder. Dieser quirlige Alltag, ebenso wie die osmanische Kultur, erst recht dieser brutale Krieg müssen dem Europa-Korrespondenten des Toronto Daily Star mehr als sperrig vorkommen. Ob im Journalismus wirklich seine Passion liegt?

Der Krieg zwischen Türken und Griechen, der von 1919 bis 1922 gedauert hat, ist nun vorüber, die Friedensgespräche beginnen. In seinen Artikeln für die kanadische Tageszeitung offenbart Ernest Hemingway mehr seine persönlichen Eindrücke über die Sitten und Gebräuche des Orients, es fehlt fast vollständig die politische Analyse. Wenn er mal über Politik schreibt, dann geht er nicht in die Tiefe, er beschreibt die Oberfläche und begnügt sich damit, diese in sein humanistisches Weltbild einzuordnen. Aus Unsicherheit jedoch traut er sich nur ins flache Wasser.

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In Konstantinopel vollzieht sich der Wandel vom Journalisten zum Schriftsteller. Das Portrait Ernest Hemingways im Schlafzimmer der Suite 220 des Pera Palace. Foto: W. Stock, Februar 2020.

Die drei Wochen seiner Türkei-Reise legen die Stärken und Schwächen dieses amerikanischen Auslandskorrespondenten schonungslos offen. Er ist ein bärenstarker Abenteurer, einer, der bereit ist, dorthin zu gehen, wo der Pulverdampf schwelt. Vor allem kommt in den Artikeln sein großes Talent zur Geltung: Ernest besitzt ein waches Auge, er vermag schnell und präzise zu beobachten. Und – es ist eine Gottesgabe – er kann einzigartig formulieren.

Wenn es allerdings darum geht, historische Begebenheiten und aktuelle Ereignisse zu durchdringen und einzuordnen, dann kommt Ernest Hemingway schnell an seine Grenzen. Diese analytischen Mängel stehen in krassem Gegensatz zu seiner begnadeten Schreibe. Wahrscheinlich hat er diese Schwachstelle selber bemerkt.

Prompt liegt der Amerikaner in seiner politischen Beurteilung oft daneben. Die Depeschen aus Konstantinopel aus dem Oktober 1922 machen dies deutlich. So kanzelt er

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