
Nachdem die US-Truppen die belgisch-deutsche Grenze bei Roetgen überquert haben, sprengen Einheiten der Wehrmacht auf ihrem Rückzug im Hinterland alle Brücken über die Vicht und den Hasselbach. Es hält die GIs nicht auf, in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1944 erobern amerikanische Soldaten Zweifall kampflos.
Der Ort ist eine katholisch geprägte Gemeinde mit 850 Einwohnern, nahe am Hürtgenwald, südlich von Aachen und Düren gelegen. Es gibt eine evangelische und eine katholische Kirche, dazu drei Gastwirtschaften. Zwei Wasserläufe – der Hasselbach und der Vichtbach – durchfließen den Ort. Zweifall ist ein Dorf, wie viele andere in der Umgebung. Man hat den Nazi-Oberen nicht gerade zugejubelt, und doch hat man sich irgendwie arrangiert.
Seit der Einnahme des kleinen Eifeldorfes Mitte September 1944 haben die US-Streitkräfte in Zweifall eine Einheit für Presse und Film eingerichtet. Nicht als stationäre Dienststelle wie in größeren Städten, sondern als mobile Stabsabteilung, die dem Frontverlauf nachrückt. Das PRO-Office dient als Anlaufpunkt für die 10 bis 20 US-Journalisten, die über die Schlacht im Hürtgenwald berichten. Hier werden die Presseleute von Führungsoffizieren gebrieft und können zudem kurzzeitig Quartier finden.
Aus Paris kommt Ernest Hemingway Mitte November 1944 in die Gegend um Zweifall und nutzt zwischen dem 10. und dem 15. November die Fernmeldeleitungen der PRO-Verwaltung, um sich mit seinem Auftraggeber in den USA abzusprechen. Und er übernachtet mehrmals in dem Anwesen, das in der heutigen Jägerhausstraße 87 liegt.
Die Elektrizität fällt in dem ganzen Ort oft aus, doch das Büro des PRO besitzt einen Generator zur Notstromversorgung, damit die Reporter dort telefonieren und ihre Depeschen absetzen können. So wird in Zweifall für das Truppenblatt Stars and Stripes geschrieben, ebenso wie die Motion Picture Unit die Rückkehr der Bevölkerung in ihr Dorf für die Wochenschauen in den USA filmt.
In dem Ort treffen im Kriegswinter 1944 zwei der einflussreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zusammen. Hauptmann Marcus Stevenson, der die PRO-Niederlassung leitet, begrüßt an diesem Abend zwei Neuankömmlinge, die beiden Soldaten J. D. Salinger und Werner Kleeman. Die einzige weitere Person im Raum ist ein hochgewachsener, kräftiger Mann in Uniform, allerdings ohne Waffe. Auf seiner Armeejacke steckt das „C“ für Correspondent – Kriegsberichterstatter – gut sichtbar.
Der bullige Mittvierziger hat sich auf dem Sofa breitgemacht, eine Schirmmütze über Stirn und Kopf gezogen und schreibt eifrig Notizen in einen gelben Block. Ernest Hemingway schaut auf, erhebt sich von der Couch und geht auf die zwei Besucher zu. Der Schriftsteller lächelt sanft, umarmt beide herzlich und schenkt dann allen einen Begrüßungsdrink ein.
Seit seinen Romanerfolgen Fiesta und Wem die Stunde schlägt sowie den Reportagen aus dem Spanischen Bürgerkrieg gilt der draufgängerische Amerikaner als ikonische Leitfigur der modernen US-Literatur. Der spätere Nobelpreisträger ist dem 22. Infanterie-Regiment zugeteilt, es steht unter dem Kommando von Oberst Charles Lanham, den Ernest Buck ruft. Der Starschreiber berichtet als akkreditierter Korrespondent für das Wochenmagazin Collier’s aus dem Krieg gegen Hitler.
Selbstbewusste wie er auftritt, wird der prominente Reporter von den Militärbehörden behandelt wie eine Diva. Ihm werden Privilegien zuteil wie keinem anderen Kollegen. Der Autor kann über einen Jeep mit persönlichem Chauffeur verfügen, zudem wird er manchmal von einer Ordonnanz begleitet. Gerne nutzt Ernest seine Sonderrechte, um sich hinter den Kampflinien nach eigenem Gutdünken von seiner Einheit abzusetzen.
Doch ist der berühmte Kriegsreporter in der Nordeifel gesundheitlich angeschlagen, die Nachwirkungen eines Bronchialkatarrhs, den er sich in den eisigen Gefilden eingefangen hat, machen ihm zu schaffen. Später werden sich die Beschwerden zu einer heftigen Lungenentzündung auswachsen, mehrmals muss er einen Armee-Arzt konsultieren.
Nachts ist Zweifall ohne Elektrizität stockfinster, über dem Flecken liegt die Dunkelheit der nahen Front. Denn nur einen zweistündigen Fußmarsch entfernt tobt eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Der Einsatz von Panzern und Luftwaffe ist in dem waldbedeckten Gelände unmöglich, die Soldaten stürmen im dichten Unterholz mit Handgranaten und Flammenwerfern aufeinander zu.
Adolf Hitler in der Berliner Reichskanzlei hat den Befehl ausgegeben, jeden Meter Boden zu halten, um den Vorstoß der Amerikaner zum Rhein zu verhindern. Die Verluste auf beiden Seiten sind enorm. Der nasskalte Spätherbst 1944 verwandelt
![]()









