Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

Kategorie: Kuba Seite 10 von 11

Yousuf Karsh, der Meister des Lichts

Die Aufgabe eines Photographen ist, etwas aus dem Menschen heraus zu kitzeln. Etwas, das normalerweise unsichtbar bleibt. Am allerbesten hat das dieser Armenier Yousuf Karsh geschafft, der in Kanada lebt. Er wird im März 1957 nach Kuba kommen, Hemingway und er sind zuerst im Floridita, wo sie kräftig einen Daiquirí nach dem anderen heben.

Schnapsselig beginnen die beiden sich so etwas wie anzufreunden. Yousuf Karsh merkt rasch, wie verletzlich Ernest Hemingway hinter seiner rauen Fassade doch geworden ist. Jedenfalls meint der Photograph später, dieser Ernest Hemingway sei der schüchternste Mann gewesen, den er je portraitiert habe. Nach ausgiebiger Sauftour sollen die Aufnahmen dann am nächsten Morgen auf der Finca Vigía stattfinden.

Um neun Uhr morgens auf der Farm komplimentiert Yousuf Karsh dann Ehefrau Mary und seinen Assistenten aus dem Raum, denn der Photograph möchte mit Hemingway alleine sein. Derweil ruft Ernest Hemingway seinem Gast aus der Küche zu: Was möchtest Du trinken? Und der Photograph antwortet knapp: „Daiquirí, Sir!“ Hemingway kann es kaum fassen. Good God, Karsh, johlt der Schriftsteller, at this hour of the day!

Und Yousuf Karsh, der den Daiquirí und ihn so mag, gelingt an diesem Morgen in San Francisco de Paula das wohl schönste

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George Leavens fängt die Sekunde

Ernest Hemingway liest die New York Times, 1949, Finca Vigía, San Francisco de Paula, Kuba;
Photo by George Leavens

Ernest Hemingways Faible für gute Photos rührt daher, dass er als visueller Mensch durchs Leben geht. Erstaunlich für einen Autor, der sich doch eher mit der sprachlichen Abstraktion von Begebenheiten und Bildern beschäftigen sollte. Doch als der liebe Gott diesen Ernest Hemingway formte, da hat er eine schnelle Leitung vom Auge in den Bauch gelegt.

Bild zu Gefühl, so läuft das bei ihm. Die Leitung in den Kopf nutzt er auch ab und an, aber wer sich so zudröhnt wie er, der knipst an manchen Stellen auch gerne mal das Licht aus. Vom Auge in den Bauch, genauso arbeiten die Photographen, jedenfalls wenn sie gut sind und wenn auch ihre Photos gut werden sollen. Ernest mag deshalb die Zunft der Photographen, nicht nur weil sie seine Eitelkeit mästen.

Er sieht sie als Kollegen, auf Augenhöhe, als Künstler mit der gleichen Aufgabe, mit der gleichen Herausforderung und wohl auch mit den gleichen Zweifeln wie er. Viele Photographen lässt er deshalb nah an sich heran, mehr als vielleicht nötig, und auch mehr als vielleicht zuträglich. Doch oft lohnt es sich, die wirklich guten Photographen kitzeln dann noch etwas heraus aus ihm. Oder sie fangen die richtige Sekunde ein.

So wie dieser George Leavens, fast ein Kumpel, der auch auf Kuba wohnt und über die Jahre wundervolle Photos von der Insel und seinen Bewohnern geschossen hat. Ernest Hemingway mag

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Norberto Fuentes kennt den kubanischen Hemingway

Norberto Fuentes
Norberto Fuentes, Frankfurt am Main, 1984; Photo by W. Stock

Der kubanische Journalist Norberto Fuentes ist Ernest Hemingway schon seit vielen Jahren auf der Spur. Der ehemalige Prensa-LatinaReporter, Jahrgang 1943, kann vielleicht von allen Menschen am besten über den kubanischen Hemingway berichten.

Norberto ist ein großer Verehrer des bärtigen Schriftstellers aus dem Gringo-Land und jemand, der überhaupt eine Menge zu erzählen hat. Hemingway hat 20 Jahre auf Kuba gelebt, und dass die Welt viel über diese Jahre weiß, das verdanken wir Norberto Fuentes.

Norberto hat 1984 ein wunderbares Buch über Hemingways Jahre auf Kuba veröffentlicht. Ein dicker Schmöker, Hemingway en Cuba. Im Verlag Letras Cubanas herausgegeben, auf billigem Papier und zudem schlecht typografiert, jedoch eine einzige Liebeserklärung von Seite 1 bis 718. Eine Fleißarbeit, mit vielen seltenen Fotos.

Gabriel García Márquez, auf den noch zurück zu kommen ist, schrieb das Vorwort. Norberto hat in seinem Buch alles zusammen getragen, was er über

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Wer ist Hemingways „alter Mann“?

Hemingways alter Mann? Gregorio Fuentes, Cojímar/Kuba,im April 1983; Photo by W. Stock

Die kubanischen Fischer aus den Romanen von Ernest Hemingway tragen unverkennbar die Züge von Gregorio Fuentes und Carlos Gutiérrez. Gregorio Fuentes war 23 Jahre lang, von 1938 bis zu Hemingways Tod 1961, der Kapitän seines Bootes Pilar, Carlos sein Vorgänger.

Aber, ein Missverständnis sollte hier ausgeräumt werden, Gregorio ist nicht der alte Mann aus Hemingways berühmtester Novelle Der alte Mann und das Meer. Wenn einer Person diese Ehre gebührt, dann Anselmo Hernández Rodriguez. Das war einer der alten Fischer in Cojímar, hoch angesehen in dem Dorf. Er traf auf Ernest Hemingway im Jahr 1950, Gregorio stellte ihn dem Amerikaner vor.

Im Jahr 1950 war Anselmo Hernández 75 Jahre alt, Gregorio erst 53. Das war zu jung für den alten Mann. Es war auch Anselmo, der Ernest Hemingway all die Geschichten erzählte, vom Fischen da draußen im Golfstrom, und er erzählte von einem einsamen alten Mann in seinem Boot, dem das Anglerpech an den Füßen klebte. Und Ernest Hemingway formte seine Puzzle-Teilchen aus all den bunten Geschichten, die er von Anselmo hörte, damals bei einem Wein in der Bar des Restaurants La Terraza.

Ernest Hemingway nennt seinen alten Mann

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Yuri Paporov und sein Hemingway

PaporolowvDer Russe Yuri Paporov, Autor des Buches Hemingway en Cuba, war von 1964 Korrespondent der Nachrichtenagentur Novosti auf Kuba und später Kulturreferent an russischen Botschaft in Mexiko. Sein Blick auf Ernest Hemingway scheint mir aus zwei Gründen interessant.

Zum einen hat er informative Aussagen von zahlreichen Zeitzeugen zusammen getragen, zum anderen dokumentiert sein Werk die tiefe Verehrung, die Hemingway in Russland entgegen gebracht wird. Das Buch Hemingway na kube erschien zuerst 1979 in Moskau, ich habe die erweiterte  mexikanische Ausgabe aus dem Jahr 1993 in Händen.

Paporovs Buch lebt von seinen Quellen. Er hat Wegbegleiter befragt, die Angestellten der Finca Vigía, Freunde und Kameraden. Dies ist einerseits eine bewundernswerte Fleißarbeit. Ein solches Buch von fast 500 eng beschriebenen Seiten lebt von diesen Zeitzeugen. Andererseits wimmelt es in diesem Werk von Flüchtigkeitsfehler: Photos, die falsch zugeordnet werden, Vornamen, die durcheinander geworfen oder Nachnamen, die falsch geschrieben werden.

Das Werk von Norberto Fuentes Hemingway en Cuba von 1984 kommt da in meinen Augen viel

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Jaime Bofill – Hemingways kubanischer Kumpan

 

Bofilllow

Photo – Vorderseite

Mir fällt ein merkwürdiges Photo mit Ernest Hemingway in die Hände. Vorne Photo, hinten ein Brief. Denn auf der Rückseite des Photos ist ein langer Gruß geschrieben. Was hat es damit auf sich?

Das Photo muss in Havanna so um das Jahr 1954 aufgenommen sein, bei Hemingway sieht man noch die kurzen Haare, die auf die medizinische Behandlung seiner Verletzung durch die beiden Flugzeugabstürzen in Afrika zurückzuführen sind. Das Photo zeigt Ernest Hemingway seitlich von hinten, bei einem Umtrunk, er hält einen Drink in der rechten Hand, wahrscheinlich ein Daiquirí. Mitten im Photo steht ein kleingewachsener Mann, jener, der auch den Brief auf der Rückseite des Photos geschrieben hat. Sein Name: Jaime Bofill.

Wer ist dieser Bofill? Jaime Bofill, ein Rechtsanwalt, wird auf Kuba zu einem engen Freund von Hemingway über viele Jahre. Bofill betreibt in Havanna einen Aktienhandel, er und der Amerikaner gehen oft zusammen Fischen.

Bofill schreibt per Hand an einen alten Freund nach Lima, an Juan Aguilar Derpich. Aguilar Derpich, ein Journalist und Politiker aus Callao, dem staubigen Hafendistrikt der peruanischen Hauptstadt, ist ein Mann, der den Ideen der

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Entzauberung eines Gottes

Portada PaduraAdiosHemingwayZunächst wird eine Leiche gefunden. Eine vierzig Jahre alte Leiche. Bei Ernest Hemingway. Ein Mann, umgebracht irgendwann zwischen 1958 und 1960. Auf Finca Vigía, dem Anwesen Ernest Hemingways auf Kuba. War etwa Hemingway selbst der Mörder?

So lautet der Plot von Adiós, Hemingway, ein Krimi aus der Feder des kubanischen Erzählers Leonardo Padura. Und ein spannendes Stück Literatur obendrein.

Adiós, Hemingway liest sich zunächst als ein üblicher Kriminalroman, denn die Aufklärung der Causa zeigt sich frei von Überraschungen. Doch der Kriminalfall ist für Leonardo Padura bloßer Vorwand, eine Mogelpackung, wenn man so will. In Wirklichkeit zeichnet Adiós Hemingway das Psychogramm des alternden Schriftstellers. Und so schildert Padura einen Ernest Hemingway, den die Krätze juckt, die Blase plagt und dem das Hirn entffleucht.

Padura fängt diese Atmosphäre des persönlichen Niedergangs eines vom Sieg beseelten Machos eindrucksvoll ein. Fast im Duktus des Meisters himself. Sinngemäß: Früher, da hatte er einen Sack voller Ideen und Stories. Früher. Aber heute, da musste er feststellen: Dieser Sack war leer.

Stattdessen gibt es für Hemingway einen Sack mit Verboten und Vorschriften: Keinen

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Great, Papa, great!

(c) Ernest Hemingway Papers Collection, Museum Ernest Hemingway, Finca Vigia, San Francisco de Paula, Cuba

Als ich 1982 für einige Monate in Mexiko lebe, schalte ich eines Abends das Fernsehgerät an, um mir auf Televisa die Hauptnachrichten mit Jacobo Zabludovsky anzuschauen. Gerade ist ein neuer Präsident gewählt worden, und das krisengeplagte Land dürstet nach Zuversicht. Was denn von diesem Miguel de la Madrid Hurtado zu halten sei, werden in einem Beitrag einige prominente Persönlichkeiten gefragt.

Nun, antwortet ein bärtiger US-Amerikaner mit rauchiger Bassstimme und dickem Gringo-Akzent, auf den neuen Präsidenten setze er große Hoffnungen. Und damit liegt der Interviewte, der US-Regisseur John Huston, ja gar nicht mal falsch. Denn dieser Präsident De la Madrid läutet in Mexiko Reformen ein, um dem Abstieg und dem Chaos, das ihm sein linkspopulistischer Vorgänger José Lopez Portillo hinterlassen hat, einigermaßen Herr zu werden.

Zu dieser Zeit weilt John Huston schon länger in Mexiko. In Puerto Vallarta am Pazifik, wo er im Jahr 1964 den Film The Night of the Iguana gedreht hat, lebt er in dem Land, das er wie sein eigenes liebt. John bleibt ein großer Freund Mexikos. Er residiert nicht nur viele Jahre in dem Land, sondern hat auch einige der schönsten Filme mit mexikanischem Kolorit gedreht – so Der Schatz der Sierra Madre, nach B. Traven, der auch in Mexiko lebte, oder Unter dem Vulkan.

John Huston ist keine Hollywood-Pappnase, sondern ein

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The Great Blue River

Holiday Magazine, July 1949

Holiday Magazine, July 1949

Heute erscheint diese Publikation nicht mehr, aber Mitte des letzten Jahrhunderts war HOLIDAY eine vielgerühmte Monatszeitschrift mit Millionenauflage. Das Magazin im Überformat, das im Verlag Curtis Publishing aus Philadelphia erschien, gefiel durch künstlerische Cover und exzellente Autoren. Einer von ihnen hieß Ernest Hemingway.

Im Juli 1949 erscheint aus Hemingways Feder der Artikel The Great Blue River in HOLIDAY. Dies ist eine Reportage über das Fischen, in Wirklichkeit jedoch eine Hommage an seine neue Heimat Kuba. Einige hübsche Photos von George Leavens zeigen auch optisch den Reiz der Tropeninsel und die Schönheit des Golfstroms.

The Great Blue River offenbart uns einen Ernest Hemingway in Meisterlaune. Eine hinreißende Geschichte des Journalisten und Schriftstellers über Kuba, über sein neues Paradies. Und über das Fischen, über sein Farmhaus und über das Meer. Das Urteil brillant geschrieben, wäre ziemlich untertrieben.

Der Artikel fängt schon wunderbar an. People ask you why you live in Cuba and you say it is because you like it. Und dann zählt Hemingway ein paar Gründe auf, wo es schwer fällt, zu widersprechen. You could tell them that you live in Cuba because you only have to put shoes on when you come into town. Man merkt, er mag seine neue Heimat. Auch weil er hinter die Telefonklingel auf seiner Finca Vigía ein Stückchen Papier klemmen kann und dann seine Ruhe hat.

Ja, meint Ernest Hemingway, das seien alles triftige, aber doch irgendwie vordergründige Antworten. Die Motivation, weshalb er – Hemingway – auf Kuba lebe, sei eine andere. Und er nennt den Grund:

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5 Pesos – vorne Kuba, hinten Hemingway

Hemingway's Coin Cuba

Münze Vorderseite: 5 Pesos und Kuba

Bunte Briefmarken mit einem Ernest Hemingway, man kennt dies, im Dutzend, auf dem ganzen Globus, von Spanien bis Afrika. Aber Geld? Ernest Hemingway als gültiges Zahlungsmittel? Und doch, auch dies lässt sich auftreiben. Auf der sozialistischen Insel, die zwanzig Jahre seine Wahlheimat gewesen ist. 5 Pesos, Havanna, Republica de Cuba.

Coin Ernest Hemingway Cuba

Münze Rückseite: Ernest Hemingway

In der Tat wird Ernest Hemingway auf Kuba so sehr verehrt, dass es für einen eingefleischten Kommunisten dort fast schon peinlich wird. Das Revolutions-Regime hat diesem reichen Gringo 1982 gar eine Serie von drei Münzen gewidmet. Neben einem Portrait des amerikanischen Autors und einer Münze, auf der sein Motorboot Pilar zu sehen ist, zeigt die schönste 5-Peso-Münze ein Motiv aus dem Roman Der alte Mann und das Meer.

Auf der Vorderseite prangt neben dem Schriftzug República de Cuba das Nationalwappen. Und der Nennwert der Münze in Höhe von 5 Pesos. Das gleiche gibt es dann nochmals als 1-Peso-Münze aus Kupfer und Nickel. Die Auflage der Münzen aus Silber betrug damals 5.000 Exemplare.

Immer wieder Der alte Mann und das Meer. Hemingways schmales opus magnum. EL VIEJO Y EL MAR – PREMIO NOBEL 1952 – 1982 steht auf

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