Hemingways Welt

Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

Gregorio Fuentes, Hemingways alter Kapitän

Ein Besuch bei Gregorio Fuentes in Cojímar/Kuba, im April 1983; Photo by W. Stock

In Cojímar nahe Havanna, auf Kuba, im April 1983.

Wer sich denn in Sachen Hemingway am besten auskenne, frage ich den Wirt der Hafenkneipe, nachdem ich den Teller Linsen, das einzige Mittagsgericht im Lokal, aufgegessen habe. Hemingway?, hebt der dicke Gastwirt fragend die Augenbraue.

Ja, sage ich, el Maestro, der Meister aller Klassen, Don Ernesto, sage ich. Ach, sagt der unlustige Wirt, dann gehen Sie am besten zu Gregorio, der wohnt oben im Dorf. Ich zahle ein paar Pesos für die Linsen, Pfennigbeträge, und mache mich auf zu Gregorio.

In Sachen Ernest Hemingway ist Gregorio Fuentes in der Tat die beste Adresse in Cojímar. Vielleicht ist er – neben seinen Kindern – die beste Adresse weltweit. Der rüstige Gregorio wohnt mit seiner Frau in einem kleinen, blau gestrichenen Häuschen oberhalb der Dorfstraße. Den Gallego, den Galizier, nennen sie Gregorio in Cojímar, weil seine Vorfahren aus dem nordspanischen Galizien stammen. Übrigens wie Fidel Castros Vater, sagt Gregorio, der ist aus Lugo eingewandert.

Gregorio Fuentes trägt eine einfache Leinenhose und ein weißes Guayabera-Hemd, das man nicht in die Hose zu stecken braucht. Gregorio ist in Cojímar eine Berühmtheit. Von 1938 bis zu Hemingways Tod war er der Kapitän der Pilar. Eigens für den Schriftsteller war das Motorboot 1936 gebaut worden, und oft fuhren die drei – Gregorio, Hemingway und Ehefrau Mary Welsh – zur Fischjagd in den Golfstrom.

Der hagere Gregorio nannte

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Ernest Hemingway, der Autor des Jahrhunderts

HemingwayLife1Die Erinnerung an das 20. Jahrhundert der Menschheit fällt ein wenig zwiespältig aus. Es waren hundert Jahre, die zwei schreckliche Weltkriege erlebt haben, Hyperinflation und Depression, Grausamkeiten, ein Jahrhundert mit Verbrechern und Diktatoren aller Couleur. Aber auch die Erfindung einer langgestreckten Blechdose gab es zu vermelden, ein Mysterium, das mit 300 Menschen an Bord durch die Lüfte fliegt. Oder die Erfindung einer kleinen Box, die flinker rechnen kann als Albert Einstein, und die auch sonstige Wunderdinge vollbringen kann. Und es war ein Jahrhundert, das etwas schier Unglaubliches vollbracht hat, es hat einen Menschheitstraum Wirklichkeit werden lassen: Es hat den Mann im Mond gesehen.

Die vielfältigen Ereignisse, diese dunklen wie auch sonnigen Seiten der Historie dieses zwanzigsten Jahrhunderts vor Augen: Wer ist der Schriftsteller, der für diese hundert Jahre steht? Wer ist – aus Weltsicht – der Autor dieses Jahrhunderts? Thomas Mann? Wahrscheinlich der deutsche Meister. Kafka? Zu düster. Hesse? Eine Spur zu schrullig. James Joyce? Ein Eierkopf. Maxim Gorki? Zu russisch. Gabriel García Márquez? Zu lebendig. Nach ein wenig Grübeln bleibt da nur noch Old Hem übrig.

Hemingway beherrscht

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La Florida in Barcelona

La Florida

Das Hotel La Florida, hoch über Barcelona. Foto: Premsa La Florida

Im La Florida hat Ernest Hemingway gerne gewohnt. Mitte der 50er Jahre, als er in Spanien auf der Suche nach Toreros, nach Corridas und den Picadores war, aber auch um dem sterbenden Pio Baroja einen Besuch abzustatten.

Und ohne Zweifel ist das Florida das imposanteste und wohl auch faszinierendste Hotel der katalanischen Hafenstadt. Ramón Raventos hatte das Jugendstilgebäude 1925 entworfen und fortan traf sich hier, 500 Meter über der Stadt, die Oberschicht Barcelonas. Ernest Hemingway hat damals, so wie man es heute noch tun muss, das Stadtzentrum im Taxi Richtung Norden hinter sich gelassen, ist die engen und langen Serpentinen hinauf zum Tibidabo gefahren, um dort oben in dem luxuriösen Hotel dem Lärm der Stadt zu entfliehen.

Das fünfgeschossige Hotel mit dem

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Hemingways Notizbuch

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Moleskine heute, eine Kultmarke.  Photo by W. Stock

Dieses Notizbuch ist Kult. Retro. Gerade in den Zeiten der Digitalisierung, des iPads, der papierlosen Flüchtigkeit erlebt dieses Notizheft eine heftige Renaissance. Es ist ein wohlfeiles Statussymbol von Reflektiertheit und Nachhaltigkeit.

Und dieses Notizbuch has a story to tell. Es ist das Büchlein der Intellektuellen, der Schriftsteller und der Künstler. Ein Paris in der Westentasche.

In solch ein kleines schwarzes Lederbüchlein haben Bruce Chatwin, Pablo Picasso und auch Ernest Hemingway geschrieben. Mehr geht nicht. Das ist die Erhebung in den Adelsstand für ein stinknormales Notizbüchlein.

Was steckt hinter dem Erfolg des Moleskine? Die Ausstattung zeigt sich trotz kleinem Preis liebevoll: liniertes Papier, Lesebändchen, kräftiger Kartonumschlag, eine Falttasche am Ende, Fadenheftung und ein Gummiband zum Schließen. Das Format, robust und praktisch, besonders auf Reisen.

Der Moleskine ist eine Erfolgsgeschichte. In seinem Buch

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Die kürzeste Kurzgeschichte aller Zeiten

Die kürzeste Kurzgeschichte

Wir schreiben die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Drei Freunde sitzen beim Whiskey zusammen und frönen der Aufschneiderei unter angehenden Autoren.

Sie wollen wetten, eine literarische Wette, der Einsatz beträgt 10 Dollar.

Der junge Journalist und  Schriftsteller Ernest Hemingway aus Chicago wettet mit den Freunden, dass er eine Kurzgeschichte aus nur sechs Wörtern schreiben könne. Sechs Wörter. Kaum zu glauben!

Die Wette gilt. Natürlich gewinnt sie Ernest Hemingway. Wie lautet seine kurze Kurzgeschichte?

Hemingways Text:

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Acht Fragen an Ernest Hemingway

Ernest Hemingway nach der Landung in Talara, am 16. April 1956, mit den Journalisten Manuel Jesús Orbegozo, Jorge Donayre Belaúnde und Mario Saavedra-Pinón. Foto: Guillermo Alias

Hola, colegas! Ernest Hemingway grüsst gut gelaunt die Journalisten in Talara, gibt ihnen die Hand und umarmt Manuel Jesús Orbegozo, einen untersetzten Mestizen mit dicker schwarzer Hornbrille, der mehr als einen Kopf kleiner als Hemingway ist. Und dann umarmt er auch die anderen zwei, Jorge Donayre und Mario Saavedra, so als würde er sie ein ganzes Leben kennen. Und so wie in Südamerika ein abrazo unter Freunden üblich ist.

Und schon prassseln die Fragen der drei Reporter, noch auf dem Rollfeld, auf den Nobelpreis-Träger nieder:

Wie lange haben Sie gebraucht, um Der alte Mann und das Meer zu schreiben?

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Hemingway verliert seine Unschuld

FossaltaBlog3

Fossalta di Piave, im September 2009;
Photo by W. Stock

In Mailand, im Hospital des American Red Cross in der Via Manzoni, wird er geröntgt und man entfernt ihm aus den Beinen 227 kleine Splitter – eigene, Hemingways Zählung. Manche Nerven bleiben taub für den Rest seines Lebens. Nur einem neuen Wundwaschverfahren hat er es zu verdanken, dass sein Bein nicht amputiert werden muss.

Hemingway hat dem Tod ins Angesicht geschaut. Fosslta war ein Wendepunkt in seinem Leben. Vielleicht weniger Wendepunkt, sondern mehr Verstärkungspunkt. Fossalta hat irgendetwas in ihm zerstört, etwas, von dem er ahnte, dass es irgendwann kaputt gehen würde. Du trägst den Tod auf den Schultern, das würde ihm später ein spanischer Freund sagen.

Denn die schlimmste Verletzung passierte nicht an Bein und Knie, sondern im Kopf. Die österreichische Granate hat seine heile Welt in Stücke gerissen, den jungen und gesunden Mann plagen in Folge nun Todesängste, Albträume, Schlaflosigkeit und Angstzustände.

Was als Abenteuer angelegt war, endet in einer

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Hemingway wird schwer verwundet

Fossalta di Piave

Das Denkmal des Ernest Hemingway in Fossalta di Piave, im September 2009: Photo by W. Stock

Dann kommt die schlimmste Nacht seines Lebens. Vom 7. auf den 8. Juli 1918 ist Ernest Hemingway auf Versorgungsfahrt in Fossalta an der Piave bei einer Stelle, die die Einheimischen als Buso de Burato, als Loch des Burato, bezeichnen.

Per Fahrrad soll er den in den Schützengräben liegenden Soldaten Lebensmittel überbringen. Und ein paar kleine Annehmlichkeiten, die die Last des Krieges mildern sollen: Zigaretten, Schokolade, Kaffee, Postkarten. Weil er nahe an der feindlichen Linie sein will, mag Hemingway diese Verpflegungsfahrten des Rolling Canteen Service.

Hemingway erreicht den nahen Damm, hinter dem italienische Soldaten in Stellung liegen. Auf der anderen Seite der Piave, in den östlichen Uferauen, liegen die österreichischen Truppen, die die Italiener unter Beschuss halten. Als Hemingway gegen ein Uhr nachts den Damm am Westufer der Piave erreicht, explodiert zwei Meter von ihm entfernt eine Mörsergranate. Plötzlich und mit einem riesigen Knall.

Die Granate, von einem Minenwerfer der Österreicher abgefeuert, ist

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Ein Junge zieht in den Krieg

Die Piave im Veneto, September 2009;
Photo by W. Stock

Die Piave fließt träge und trübe dahin, vielleicht auch arg verschmutzt durch die Industrie am Oberlauf, aber wie von unsichtbarer Hand nimmt der Fluss diese satte grüne Farbe der Vegetation an. Selbst im September kann es im Piave-Becken noch glutheiß werden und das Thermometer in dieser trockenen Luft schnell über 30 Grad steigen.

Der junge Ernest Hemingway hatte sich 1918 freiwillig als Fahrer des Red Cross Ambulance Corps gemeldet, nachdem die USA im April 1917 den Kriegseintritt beschlossen hatten. Hemingway wäre lieber als Soldat gekommen, aber bei der U.S. Army war er wegen seiner Sehschwäche durch die Musterung gefallen. Ende Mai 1918 war er mit 70 Kameraden per Schiff aus New York nach Europa gekommen.

Als Zivilist wird Ernest Hemingway nun der norditalienischen Front zugeteilt. Eine Frontlinie dieses sich dem Ende zuneigenden Krieges verläuft entlang der Piave, dort wo die Kämpfe zwischen italienischen und österreichischen Truppen toben.

Hemingway wird als Fahrer eingesetzt, bei Verpflegungsfahrten und im Ambulanzservice. Ernest ist noch ein Junge, er steht kurz vor seinem 19. Geburtstag, genau genommen ist er erst 18, aber schon ein Kerl wie ein Baum. Jemand, der vor Tatendrang und Lebenslust nur so sprüht, und er glaubt, diesem schmutzigen Krieg trotzen zu können.

Im Grunde genommen ist Hemingway

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Schmutziger Krieg in lieblichem Land

Hemingway in FossaltaBuch

Fossalta di Piave, im September 2009
Photo by W. Stock

Diese Landschaft ist zu schön zum Sterben. So lieblich dieses Fossalta am Ufer des Piave-Flusses ruht, so sollte sich in diesem Örtchen eine tragische Begebenheit im Leben des Ernest Hemingway abspielen. Hier wäre um Haaresbreite dem jungen Leben ein jähes Ende gesetzt worden. Auch wenn er hier knapp dem Tode entrann, die Geschehnisse in diesem Dorf sollten des Schriftstellers Leben – das literarische wie das persönliche – prägen wie kaum etwas anderes. Ohne Fossalta ist Ernest Hemingway nicht zu verstehen.

Die Piave ist ein idyllischer kleiner Fluss, der den Alpen entspringt und in scharfen Mäandern bei Jesolo in die Adria mündet. Das flache Delta des Veneto wird bestimmt vom Fischfang und Weinbau, entlang den engen Chausseen stehen die für diese Landschaft typischen Pinienbäume, deren Duft in der Luft verströmt. Eigentlich ist dies eine karge Landschaft mit nicht allzu viel Vegetation, doch das Grün blüht trotzig und das Blau des Himmels strahlt in jenem Azur, das zu Italien passt. An Herbsttagen erscheint dieses Idyll wie ein Paradies, blau und grün, und reich von der Sonne verwöhnt.

Bei klarer Sicht erkennt man

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