
Ernest Hemingway rückt nach der Befreiung von Paris mit den US-Truppen vor in Richtung Osten bis zur Schnee-Eifel. Zwei Wochen verbringt der Amerikaner in Buchet, das keine zehn Kilometer hinter der belgischen Grenze liegt.
Schloss Hemingstein nennt Ernest in Buchet seine Unterkunft am Ortsrand. Es ist feine Ironie, denn wenig erinnert an einen Feudalsitz. Offiziell heißt das schlichte Quartier Haus Frames, es beherbergt in der zweiten Septemberhälfte 1944 den Kommandostab des 22. Infanterie-Regiments. Ein halbes Dutzend Männer hat sich in Schloss Hemingstein verschanzt, in dem Bauernhaus mit Gastwirtschaft, das In der Jennenbach 5 gelegen ist.
Der Schriftsteller ist eine Berühmtheit. Zahlreiche Besucher machen in Schloss Hemingstein ihre Aufwartung. So schaut der berühmte TIME-Fotograf Robert Capa in Buchet vorbei, er kennt Hemingway aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Ein anderer Gast kündigt sich für einen Tag an, bleibt dann aber zwei Wochen. Es ist der 36-jährige Autor und Grafiker John Groth. Have a drink, begrüßt Ernest den Kollegen.
Im Schloss Hemingstein will John Groth sich zur Nachtruhe in ein Schlafzimmer im Obergeschoss zurückziehen. Ernest gibt ihm zwei Handgranaten mit und meint: Leg sie auf deinen Nachttisch, damit Du schnell an sie rankommst. Groth erwidert, er habe noch nie eine Granate in der Hand gehalten. Und der Schriftsteller zeigt ihm, wie man den Splint zieht, bis zwei zählt und dann den Sprengkörper wirft. Hemingway fügt hinzu, Groth solle angekleidet im Bett liegen, die Lage sei ernst.
Die Lage ist in der Tat ernst. Und trotzdem wird kräftig gebechert in Schloss Hemingstein. Die meisten GIs kennen den Schriftsteller nicht. „Wer ist dieser Hemingway“, fragt ein Soldat. „Keine Ahnung“, antwortet ein anderer, „aber er ist ein prima Kerl.“ Ein Artillerist mischt sich ein: „Er muss ein hohes Tier sein. Seit einem Monat bin ich in seiner Nähe, wir trinken häufig, aber ich weiß immer noch nicht, was dieser Hemingway beruflich macht.“
Ernest ist hin- und hergerissen vom Krieg. Er sieht ihn als Kreuzzug gegen den Diktator, aber er selbst wirkt zunehmend müde. Der Widerstand der Wehrmacht ist heftig, die amerikanischen Soldaten können den Abwehrriegel an der Siegfried-Linie nicht knacken. Die Schlacht ist blutig, ohne jeden von ihm literarisch gepflegten Romantizismus. Überhaupt ist Ernest Hemingway in keiner guten körperlichen und mentalen Verfassung.
Der prominente Schriftsteller vermisst sein tropisches Kuba, seine Ehe mit klugen Martha Gellhorn liegt zudem in Trümmern, gesundheitliche Beschwerden plagen ihn in der Kälte. Beständig zieht er sich in der beißenden Kälte des Eifelwinters Atemwegserkrankungen zu, bis hin zu einer verschleppten Lungenentzündung. Oft muss dieses eigentlich kernige Mannsbild den Truppenarzt aufsuchen.
Was ist von Ernest Hemingway aus seinen Tagen in Buchet übrig geblieben? Lange Zeit blieb an der Mauer des Anwesens Haus Frames eine Gedenktafel ins Mauerwerk gebohrt.
Hier im „Schloß Hemingstein“
(Frammes-Haus Nr. 5) wohnte
Ernest Hemingway
beim ersten Vormarsch der Amerikaner
im September 1944.
Ernest Hemingway * 1899 – † 1961
1954 Nobelpreis für Literatur
für seine Erzählung:
„Der alte Mann und das Meer“
Die kleine Ortsgemeinde Buchet mit nur 250 Einwohnern hat 1994 – zum 50. Jahrestag des D-Day – die schwarze Gedenkplatte am Anwesen anbringen lassen. Mit dem kleinen Rechtschreibfehler bei Haus Frames. Auf der Tafel steht fälschlicherweise Frammes.
Im rechten Flügel des Erdgeschosses ist 1944 die Dorfkneipe gewesen, gegenüber die Küche, im ersten Obergeschoss die privaten Räume der Wirtsfamilie. Nach Kriegsende führen die Hausbesitzer die Schankwirtschaft noch eine Zeit lang weiter. Apollonia Fuchs, die Eigentümerin von Haus Frames, vermietet das Gehöft danach als Dauerferienwohnung. Heute ist jedes Leben aus dem Haus entschwunden.
Das Anwesen ist schon länger unbewohnt und
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