Hemingways Welt

Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

Ernest Hemingway: sechs Handgranaten für Pablo Picasso

Die Messlatte für alle bildenden Künstler nach ihm: Das Genie Pablo Picasso wird 1881 in Málaga geboren. Foto: W. Stock, April 2019.

Die französische Hauptstadt zieht in den 1920 Jahren jene jungen Frauen und Männer an, die auf Neues aus sind. Schriftsteller mit rasanten Texten, Komponisten, denen die acht Töne einer Tonleiter nicht genügen. Maler mit revolutionären Stilformen, jenseits von Impressionismus und Expressionismus. Es ist in Paris, wo diese verwegenen Innovationen entstehen, wie der Surrealismus in der Malerei, wie Kubismus und Dadaismus.

Der US-Amerikaner Ernest Hemingway, der sieben Jahre in Paris leben wird, sieht sich hineingeworfen in diese quirlige Welt, er taucht ein, er staunt und lernt schnell. Vor allem genießt er die Unbeschwertheit in den Cafés und den frischen Wind in den Kulturzirkeln. Bei dieser Gelegenheit lernt der junge Mann aus Chicago, er ist Anfang 20, die Avantgarde jener neuen Zeitepoche persönlich kennen.

Besonders die Maler haben es diesem Augen-Menschen angetan, die Spanier an erster Stelle. Der Katalane Joan Miró und Juan Gris aus Madrid, der Mann aus Chicago bewundert ihr Werk sehr. Einer dritter ragt heraus: Pablo Picasso. Man läuft sich über den Weg, sieht sich im Literarischen Salon der Gertrude Stein in der Rue de Fleurus. Zum ersten Mal trifft Hemingway im Jahr 1922 auf Picasso, man mag sich, ohne dass man fortan dicke Freunde wird.

Pablo Picasso, 1881 in Málaga geboren, ist ein ungemein produktiver Maler, Grafiker und Bildhauer. Am Ende seines Lebens, er stirbt 1973 im französischen Mougins, wird die Gesamtzahl seiner Werke auf 50.000 geschätzt. Der Andalusier, der in Paris lebt, prägt das ganze Genre. Seine künstlerischen Techniken und die vielfältigen Ausdrucksformen werden zum Maßstab in der Malerei. Keiner vermag mitzuhalten.

Der spanische Maler bleibt während des Zweiten Weltkriegs in Paris, auch nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht, meist zieht er sich in sein Landhaus nach Südfrankreich an der Côte d’Azur zurück. Die Nazis belegen ihn mit Ausstellungsverbot, aber alles in allem lässt man ihn unbehelligt. Unter den Deutschen ist die Lebenslust der Stadt perdu, es herrschen Hunger und Angst. Die Lebensmittel sind rationiert, Zigaretten und Schokolade ein Luxusgut.

Dunkle Schatten ziehen sich in jenen Monaten durch die Gemälde des Künstlers. Totenköpfe, kahle Knochen und Tierschädel tauchen auf der Leinwand auf, ausgemergelte und entstellte Körper sind Picassos Motive. Alles in düsteren Farben, die nach Leid und Tod riechen. Das übergroße Guernica aus dem Jahr 1937 wird zu einem künstlerischen Hilfeschrei einer durch die Legion Condor bombardierten Zivilbevölkerung während des Spanischen Bürgerkriegs im Baskenland.

Als Ernest Hemingway im August 1944 mit den US-Truppen ins befreite Paris einzieht, da führt ihn sein erster Weg ins Ritz, in sein Luxushotel an der Place Vendôme. Anschließend schaut er bei der Buchhandlung Shakespeare and Company in der Rue de l’Odéon, um seine Bekannte Sylvia Beach zu treffen. Und schließlich zieht es den Amerikaner zu Pablo Picasso. Das Atelier des damals schon berühmten Künstlers befindet sich in der Rue des Grands-Augustins, in der Nummer 7, im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés.

Doch der Concierge bedeutet dem Schriftsteller, Picasso sei nicht anwesend, er könne eine Notiz hinterlassen. Und übrigens, ein Mitbringsel wie Zigaretten würde den Maestro sicherlich erfreuen. Der Nichtraucher Hemingway geht zu seinem Militärjeep, holt eine

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Der Nobelpreis, den Ernest Hemingway nicht in Empfang nimmt

Das Gemäuer des Blauen Saals in der Stockholmer City Hall hat schon viele Nobelpreisträger gesehen. Nur einen nicht. Foto: W. Stock, im April 2022.

Einladung zu einer Veranstaltung der Stockholm School of Economics. Im Stadshus, an der südöstlichen Spitze der Insel Kungsholmen, findet das feine Event statt. Die Blaue Halle des Rathauses strahlt sakrale Tradition aus: Dort findet alljährlich das festliche Banquet zur Verleihung der Nobelpreise statt. Der schwedische König schreitet dann von der Empore die breite Marmortreppe hinab in den Saal und bittet zum Festessen.

Die Verleihung der Nobelpreise – immer am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel – wird im Konserthuset veranstaltet, dem Stockholmer Konzerthaus. Dort überreicht der König den Geehrten eine Goldmedaille und ein handgefertigtes Diplom, dazu das Avis über eine ansehnliche Preissumme. Danach nehmen die Notabeln und die Gäste am Festbankett im Blauen Saal des Stockholmer Rathauses teil, gefolgt von Tanz und Feier im Goldenen Saal. 

Eigentlich hätte Ernest Hemingway in diesen Festsälen anwesend sein sollen, im Jahr 1954. Denn in diesem Jahr hat man ihm den Nobelpreis für Literatur verliehen. Die höchste Auszeichnung für einen Schriftsteller. Doch dieser Ernest Hemingway lässt sich in Schweden nicht blicken. Und so wird am 10. Dezember 1954 in Stockholm der Nobelpreis für Literatur verliehen. An Ernest Hemingway. Ohne ihn. 

Kaum hat Ernest Hemingway in seinem kubanischen Refugium Finca Vigía südlich von Havanna die freudige Nachricht aus Schweden erhalten, macht er sich an eine kurze Dankesrede. Der US-Botschafter in Stockholm, John M. Cabot, wird die Rede im Dezember 1954 auf dem Nobelpreis-Fest vortragen. Ein Schriftsteller, der die großen Schriftsteller kennt, die den Preis nicht erhalten haben, kann diese Auszeichnung nur in aller Demut entgegennehmen.

Trotz aller Tiefstapelei, der Nobelpreis kommt zur rechten Zeit. Denn Ernest Hemingway durchleidet als Autor eine kritische Phase. Sein vorletztes Buch Über den Fluss und in die Wälder, das Werk ist 1950 erschienen, wird kein Erfolg. Die Kritiker mögen die Geschichte um den alten Colonel Richard Cantwell und die junge venezianische Contessa Renata nicht, die Erzählung ist etwas fahrig im Aufbau und arg konstruiert in den Dialogen.

Auch die Leserschaft hat mehr von dem bärtigen Haudegen erwartet, der immer so großspurig auftritt. Und er selbst findet, in selbstkritischen Momenten, er ist unter seinen Möglichkeiten geblieben. Einen weiteren Schlag ins Wasser hätte ein Autor mit einem solchen Ego wie Ernest Hemingway wohl nur schwer verkraftet. Da erfüllt ihn die Auszeichnung mit Stolz, allerdings verbleibt eine seltsame Distanz zu dem ganzen Rummel. 

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Der Schwede Alfred Nobel, ein kinderloser Chemiker und Erfinder des industriellen Dynamits, stiftet sein Millionenvermögen. Unter anderem für den renommiertesten Literaturpreis der Welt. Foto: W. Stock, Stockholm im April 2022.

Er freut sich über die Ehrung aus Stockholm. Trotzdem kann Ernest Hemingway in seinem Tropenparadies sich nicht aufraffen, von Kuba in den schwedischen Winter zu fliegen, zur Preisverleihung, um die 36.000 Dollar und die Goldmedaille aus der Hand von König Gustav Adolf in Empfang zu nehmen. Er fühlt sich dazu

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Ernest Hemingway in Peru – Vortrag in der Buchhandlung ‚Lesezeit‘ in Kaiserswerth

In der Buchhandlung Lesezeit in Düsseldorf-Kaiserswerth halte ich am 11. Mai 2022 einen Vortrag rund um mein Buch Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru.

Am 11. Mai 2022 erwartet Sie in der Buchhandlung Lesezeit in Düsseldorf-Kaiserswerth ein spannender Vortrag. Ich werde über die Entstehung und den Inhalt meines Buches Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru berichten.

Am 15. April 1956 brechen Ernest Hemingway und seine Ehefrau Mary von ihrem Wohnsitz in der Nähe von Havanna auf zu einer mehrwöchigen Reise nach Cabo Blanco. In dem winzigen peruanischen Fischerdorf sollen die Außenaufnahmen zur Hollywood-Verfilmung von Der alte Mann und das Meer stattfinden.

Gut 60 Jahre nach dem Besuch des Nobelpreisträgers bin ich der Expedition nachgereist. Neben zahlreichen Dokumenten, Fotos und Spuren habe ich Zeitzeugen gefunden, die sich so lebhaft an Ernesto erinnern, als sei er gestern um die Ecke gebogen.

In einem einstündigen Vortrag möchte ich die abenteuerliche Reise von Ernest Hemingway in das südamerikanische Land nachzeichnen. Und neugierig machen auf die (erneute?) Lektüre der Werke von Ernest Hemingway. Und auch neugierig machen auf das wenig bekannte, aber hochinteressante Land Peru.

Ort der Veranstaltung: Buchhandlung Lesezeit, Kaiserswerther Markt 31, 40489 Düsseldorf. Beginn: 19,30 Uhr.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns zu diesem Anlass (Anmeldung über diesen Link) in der Lesezeit treffen würden. Und einen Daiquirí gibt es oben drauf.

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Der schönste Hemingway-Satz: Das Wetter

„Denken Sie an das Wetter in Ihrem verdammten Buch – Wetter ist sehr wichtig.“ Ernest Hemingway

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Ernest Hemingways Doppelgänger

Der falsche Ernest Hemingway bei einer Corrida. Kenneth H. Vanderford schaut sich einen Stierkampf in Murcia an. Credit Line: Archivo General Región de Murcia.

Im Sommer 1960 kommt ein gesundheitlich schwer angeschlagener Ernest Hemingway nach Spanien. Der Schriftsteller kann nicht mehr, wie in den Jahren zuvor, wochenlang von Stadt zu Stadt zu ziehen, von einer Corrida zur nächsten. Und prompt wird Kenneth H. Vanderford, ein amerikanischer Aficionado mit grauem Bart, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Hemingway aufweist, mit dem Nobelpreisträger verwechselt. Es ist nicht das erste und auch nicht das letzte Mal.

Kenneth Hale Vanderford, 1908 im Norden Indianas geboren, wird nach seinem Studium Lehrer für Spanisch und Französisch in Texas und Florida. Im Jahr 1940 erhält der Amerikaner einen Doktortitel von der University of Chicago. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitet er für den Geheimdienst seines Landes, danach reist er durch Lateinamerika, arbeitet in Venezuela, Argentinien und Bolivien. Er hat genug Geld verdient und wählt 1959 Madrid zu seinem Altersruhesitz.

Zwei Sachen hat Kenneth H. Vanderford mit Ernest Hemingway gemeinsam. Eine gewisse Ähnlichkeit in der Physiognomie und im Auftreten, sowie die Vorliebe für den Stierkampf. Im Juli 1959 hat er am Encierro der Sanfermines teilgenommen, dem Bullenlauf in Pamplona. Da ist es zum ersten Mal geschehen: Vanderford sitzt in einem Café als drei nordamerikanische Touristen vorbeikommen und Mister Hemingway um ein Autogramm bitten. Vanderford kann dem Schabernack nicht widerstehen. Er unterschreibt.

Und der richtige Hemingway sitzt nur ein paar Ecken weiter. Fortan halten ihn die Leute etliche Male für den berühmten Schriftsteller. „Wann erscheint Ihr nächsten Buch“, bekommt er als Frage zu hören. Mit Kappe und in kurzem Hemd findet man ihn auf der Plaza de Toros und – so schreibt Sports Illustrated in einem Portrait – er sieht mehr nach Hemingway aus als Hemingway selbst.

Van, wie Vanderford von seinen Freunden genannt wird, macht sich einen Spass daraus, Spanier und Landsleute zu foppen. Er treibt den Jokus auf die Spitze, indem er sich

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Lose Gedanken: Jäger

Die größte Beute eines Jägers?

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Er konnte so wunderbar erzählen

Mario Saavedra in seiner Wohnung in Miraflores. Lima, im März 2016.

Mehr als 60 Jahre nach den Ereignissen in Cabo Blanco gerät Mario Saavedra derart ins Schwärmen, als habe sich alles vorgestern zugetragen. „Ernesto war ein großer Freund Spaniens und Lateinamerikas. Hemingway es bienvenido en el Perú, das habe ich deshalb in einem Artikel des El Comercio zu seiner Ankunft geschrieben.“ Hemingway ist herzlich willkommen in Peru. 

In der Hauptstadt Lima lebt Mario Saavedra-Pinón, der in seinem 88. Lebensjahr wacker und guter Dinge auf den Füssen steht, mit klarer Erinnerung an den Nobelpreisträger. „Wir haben viel an der Bar des Fishing Clubs gesprochen, wie Freunde, das waren eigentlich keine Interviews. Es war phantastisch, dass dieser großartige Mann mich wie einen Kollegen behandelt hat“, begeistert sich der peruanische Journalist. 

Ich treffe Mario Saavedra in seiner gemütlichen Wohnung in der Calle Bolognesi in Limas wohlhabendem Stadtteil Miraflores, ein andermal verabreden wir uns im famosen Café Haití an der Plaza Kennedy. Mario ist der letzte Überlebende des Reportertrios aus Cabo Blanco, seine Kollegen von La Prensa und von La Crónica sind schon vor geraumer Zeit verstorben. Die Begegnung mit Ernest Hemingway sollte aus den drei jungen Journalisten einen engen Männerbund fürs ganze Leben schmieden. 

Mario Saavedra-Pinón Castillo, Manuel Jesús Orbegozo und Jorge Donayre Belaúnde, den die Kollegen El Cumpa rufen, werden Freunde und die gemeinsame Erfahrung mit dem Nobelpreisträger begründet eine brüderliche Verbundenheit, auch über ihre aktive Zeit hinaus. Alle drei Peruaner, die einige Tage auf Ernest Hemingway in Cabo Blanco treffen, sollten in ihrem weiteren Berufsleben hochgerühmte Journalisten werden. Mario Saavedra-Pinón wird bei El Comercio und anschließend in seinen letzten 20 Berufsjahren bei dem einflussreichen Wochenmagazin Caretas eine beachtliche Karriere hinlegen. 

Ab 1963 wird er fünf Jahre lang Secretario de Prensa de la Presidencia, der Pressedirektor des legendären peruanischen Präsidenten Fernando Belaúnde Terry, der noch heute von seinen Landsleuten als honoriger Politiker der Mitte Verehrung findet. Im Oktober 1968 wird Belaúnde Terry von einer linken Militärjunta weggeputscht und Mario gleich mit.

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Mario Saavedra mit Ernest Hemingway an der Bar des ‚Cabo Blanco Fishing Clubs‘. Cabo Blanco, im April 1956.

Um zwei Uhr morgens, am 3. Oktober, donnern die Panzer der Putschisten zur Plaza de Armas in Lima. Die Generäle um Juan Velasco Alvarado holen den Präsidenten aus seiner Amtsresidenz, fahren ihn zum Flughafen, wo er in eine Maschine nach Buenos Aires gesetzt wird, ins erzwungene Exil. „Am frühen Morgen erfuhr ich von dem Putsch und hatte auf einmal weder Büro noch Job. Ich habe in aller Öffentlichkeit meinen Rücktritt als Pressedirektor bekannt gegeben und damit meine Verbundenheit zu Belaúnde und der Verfassung gezeigt“, erklärt Mario Saavedra erhobenen Hauptes.

„Und dann zwölf Jahre das Militär“, seufzt der peruanische Journalist voller Schrecken. Er trauert noch heute

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Ernest Hemingway – am Nullpunkt in Paris

Ernest Hemingway lebte sieben Jahre in Paris. Die Stadt hat den Autor aus Chicago nicht vergessen.

Ab Dezember 1921 lebt Ernest Hemingway in der Stadt an der Seine, es sind mühevolle Lehrjahre. Paris ist in jenen Jahren eine Stadt im Aufbruch. Autoren, Maler und Komponisten begeben sich auf die Suche nach neuen Ideen. Es ist eine aufregende Zeitepoche für Künstler, voller Unsicherheit: Eine verlorene Generation muss nach einem schrecklichen Weltkrieg ihren Weg finden, Neues wie Surrealismus, Kubismus oder Dadaismus werden ausprobiert.

Doch materiell reiht sich der Mann aus einem Vorort von Chicago ein in das Heer mittelloser Schriftsteller aus aller Welt, meist verkrachte Existenzen, die nicht wissen, woher sie das Geld für die nächste Miete nehmen sollen. Auch Ernest Hemingway muss das knappe Geld gut einteilen, besonders seit er den Vertrag mit einer kanadischen Tageszeitung gekündigt hat und als Schriftsteller reüssieren will.

Doch der frisch gebackene Familienvater, Sohn John wird 1923 geboren, erhält von Verlagshäusern aus den USA eine Absage nach der anderen. Seine Themen seien schwer vermittelbar, kriegt Hemingway als Kritik zu hören. Mit solch schroffer Ablehnung hat er nicht gerechnet, den Kerl mit dem riesigen Ego übermannen in Paris die Selbstzweifel und Depressionsschübe. Der junge Autor fällt in ein tiefes Loch.

Nach zahlreichen Tiefschlägen erreicht ihn endlich eine Zusage, überraschenderweise aus Deutschland. Der Herausgeber einer Berliner Zeitschrift mit dem Titel Der Querschnitt will ihn veröffentlichen. Wedderkop schreibt, meine Stierkampf-Story sei wunderbar, verkündet er stolz. Man wolle ihn drucken, ein gutes Honorar gebe es obendrein.

Am 9. Oktober 1924 treffen sich Querschnitt-Chef und der junge Amerikaner in Paris, im Apartment von Ezra Pound, der schon öfter für das Berliner Magazin geschrieben hat. Man findet Gefallen aneinander. Ernest Hemingway ist angetan von den Ideen des avantgardistischen Chefredakteurs und Hermann von Wedderkop erspürt das Talent des unbekannten US-Autors.

Seit 1924 verantwortet Hermann von Wedderkop als Chefredakteur und Herausgeber die redaktionelle Linie, er fördert innovative Autoren mit wirklichkeitsnahen Themen und realistischem Stil. Der Querschnitt druckt zunächst einige schlüpfrige Gedichte Hemingways. Wedderkop veröffentlicht meine ganzen obszönen Arbeiten schneller als ich sie schreiben kann.

Im Sommerheft des Jahres 1925 druckt Der Querschnitt Hemingways Stierkampf-Story. Im folgenden Heft 7, vom Juli 1925, findet sich der zweite Teil der Erzählung über den abgehalfterten Torero Manuel Garcia. Gekonnt improvisiert schon diese Kurzgeschichte von gut 30 Seiten über die Grundmelodie des Hemingway’schen Werkes: den heroischen Willen, gegen die menschlichen Grenzen zu kämpfen und niemals aufzugeben. 

Die Story überzeugt die Leser durch die Kürze und Klarheit ihres Stils, besonders gelungen ist schon hier die unterkühlte Kargheit in den Dialogen. Während andere zeitgenössische Autoren

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Der schönste Hemingway-Satz: Prosa ohne Schwindel

Mein Ziel ist, eine Prosa zu schreiben, die noch niemals geschrieben worden ist – ohne Tricks und ohne Schwindel. Ernest Hemingway.

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Ernest Hemingways zweite Safari in Afrika

Mutter Erde. Ernest Hemingway inmitten eines Massai-Stammes, in Ostafrika, im Jahr 1953. Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston. Public Domain

Von August 1953 bis März 1954 dauert die zweite Jagdreise Ernest Hemingways nach Ostafrika. Sie führt ihn durch Belgisch Kongo, Uganda und Kenia. Der legendäre Jäger Philip Percival wird aus dem Ruhestand in Machakos geholt, die kenianische Regierung unterstützt das Vorhaben in der Hoffnung auf dollarschwere Touristen. Finanziert wird die Exkursion durch das Hochglanz-Magazin LOOK, der bekannte Schriftsteller soll in dem Magazin über Afrika berichten. Starfotograf Earl Theisen wird die Expedition begleiten und für grandiose Fotos sorgen.

Die Hemingways besuchen zunächst Ernests Sohn Patrick, der sich seit kurzem in Tanganjika als Farmer und Safari-Veranstalter niedergelassen hat. Danach geht es auf die Jagd, es ist wie immer. Löwen schießen, Nashörner, Leoparden, Antilopen. Ernest Hemingway – der Großwildjäger, der Macho-Mann und der Säufer. Wie schon in Spanien beim Stierkampf kultiviert der bärtige Autor sein Image als stahlharter Abenteurer und erfolgreicher Jäger. Und als Gebieter über die Tiere. Trotzdem bleibt Ehrfurcht: The man is not a great thing in front of the great birds and the wild animals.

Ernest Hemingway befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Doch die zweite Safari des weltbekannten Autors, genau zwei Jahrzehnte nach seiner ersten, endet im Desaster. Bei den Murchison Falls erleidet das Ehepaar Ende Januar zwei Flugzeugunglücke in Folge, Ernests Leben hängt am seidenen Faden. Er überlebt, doch die inneren Verletzungen werden ihn bis an sein Lebensende plagen.

Als der LOOK-Fotograf Earl Theisen vorzeitig abreist, geschieht etwas Merkwürdiges: Ernest scheint von einem Tag auf den anderen wie ausgewechselt. Er verliert das Interesse an der Jagd, befasst sich mehr mit den Tieren, der Flora und wendet sich den Massai zu. Der Mann aus Chicago taucht ein in ihre Welt, ergründet ihre Fertigkeiten und entschlüsselt die Bräuche der Halbnomaden, ihre Tänze und die Musik. Es ist für ihn mental ein trotziges zurück zum Einfachen und Ursprünglichen. Zur Natur, wie in den Kindheitstagen am Lake Michigan.

In den flachen Steppen Ostafrikas, bei den Massai, lernt er das Umherschleichen, es gibt keinen besseren Jäger als einen Massai mit seinem Speer. Die Massai trinken saroi, das Blut ihrer Rinder, das sie

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