Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

Schlagwort: Ernest Hemingway Seite 33 von 58

Adiós, Ernesto, adiós

Unter einem Paar Kiefern liegt das Grab des Ernest Hemingway auf dem Friedhof in Ketchum, Idaho. Foto: W. Stock, April 2018.

Im Morgengrauen des 2. Juli 1961, es ist ein Sonntag vor genau 60 Jahren, drückt eine trockene Luft auf den ergrünten Talkessel. Es wird früh hell in der warmen Jahreszeit oben in den Bergen Idahos und an diesem Tag wirkt das einsame Dorf in dem kleinen Tal noch geruhsamer als an anderen Wochentagen. Das dreigeschossige Haus aus groben braunen Zementsteinen und den breiten Panoramafenstern liegt oberhalb der Stadt Ketchum, ein wenig verborgen über dem Big Wood River, der in einer Senke ruhig dahin rauscht.

Der greise Schriftsteller, in seinem blauen Pyjama, hebt sich mühevoll aus seinem Bett und kann sich kaum auf den Beinen halten wegen der kurzen Nacht. Er schlüpft nicht wie sonst in die Hausschuhe aus Filz, die neben dem Bett stehen, sondern kriecht in die braunen Mokassins-Schuhe, er schlängelt sich in den rotkarierten Morgenmantel, den Mary in Italien gekauft hat und der über der Rückenlehne des Stuhls neben dem Fenster hängt, danach huscht er an seinem Schreibtisch vorbei mit der Schreibmaschine und den Büchern und Manuskripten und schlurft kaum vernehmbar aus seinem Schlafzimmer.

Fast geräuschlos tappt er an Miss Marys geschlossener Schlafzimmertüre vorbei, seine Ehefrau schläft noch fest. Vorsichtig geht er die schmale braune Holztreppe herunter, sein Schädel dröhnt, von dem Alkohol am Vorabend, und von dem Schmerz der letzten Wochen, von den vielen Medikamenten und von der Krankheit. Der Nobelpreisträger geht an dem offenen Kamin, dem Fernsehgerät und dem schmalen Bücherbord vorbei, der bauschige Teppichboden dämpft seine Schritte, am Ende des Wohnzimmers nimmt er dann die zwei kleinen Rundstufen rechts hoch zur Küche, geht am großräumigen milchweißen Kühlschrank vorbei, passiert die beiden messingverkleideten Backöfen zum Fenstersims, wo über der Anrichte in einem der schmalen Hängeschränke der Bund mit dem Schlüssel zum Waffenschrank aufbewahrt wird.

Anschließend dreht er sich um und marschiert von der Küche aus, an der kleinen länglichen Gästetoilette vorbei, kaum vernehmbar die enge Rundtreppe ganz nach unten ins Kellergeschoss, das Geländer aus Holz fest umklammernd. Im Souterrain macht er sich auf in Richtung zum Waffenschrank, er steht davor, fischt den Schlüssel hervor und schließt den Spind bedächtig auf. Aus dem Waffenschrank mit den vielen Schusswaffen holt er Marys Lieblingsgewehr aus der Halterung, eine doppelläufige englische Scott & Son, die seiner Ehefrau vor allem zur Jagd auf Tauben dient. Einer auf dem Schrankboden liegenden Packung entnimmt der Schriftsteller zwei Patronen, die er in die Tasche seines Morgenmantels steckt.

Dann verschließt er leise den Waffenschrank. Mit dem langen Schrotgewehr in der Hand schleicht er danach die Treppe hinauf, die Stufen bereiten ihm Mühe, er durchquert das Wohnzimmer, in das von Osten her die ersten Sonnenstrahlen fallen. Doch er bemerkt die Sonne nicht, er geht durch bis ans entgegen gelegene Ende des Wohnzimmers und nimmt die winzige Stufe in das karge Vestibül. Das Vestibül ist ein rechteckiger Vorraum, der als Windfang angebaut wurde, der schützende Eingangsbereich zum Wohngeschoss.

Der schmucklose Raum vor der Eingangstüre, dort wo üblicherweise die Mäntel und die Schuhe abgelegt werden, misst gerade einmal drei, vier Quadratmeter, es gibt nur wenig Freiraum, um sich zu bewegen. Der Autor hat für sein Vorhaben das Vestibül mit Bedacht gewählt, er weiß, seine Frau muss noch weiter in dem Haus leben, und so hat er es aus Rücksicht nicht im Wohnzimmer machen wollen oder im Schlafzimmer, wie sein Vater.

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Die Grabplatte des Ernest Miller Hemingway auf dem Friedhof in Ketchum wird bedeckt von den Mitbringseln der Verehrer. Foto: W. Stock, April 2018.

Der ausgezehrte alte Mann sucht mühsam mit seinem knochigen Rücken Halt an der glatten Westwand des Vestibüls, die dünnen Mokassins hauchdünn auf den Holzbohlen des kleinen Raums. Und dann winkelt der Schriftsteller behutsam die Knie an und

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Radio-Tipp: Die Lange Nacht über Ernest Hemingway

Von einsamen Kämpfen und stillen Niederlagen
Die Lange Nacht über Ernest Hemingway
Von Tom Noga
Regie: Tom Noga

An Ernest Hemingway (1899 -1961) scheiden sich die Geister. Für die einen ist er ein Aufschneider, der sich als Kriegsheld inszenierte (der er nicht war) und sich gerne mit seinen Jagdtrophäen abbilden ließ, mit riesigen Schwertfischen etwa, die ihn um das Zweifache überragen. Andere fasziniert gerade seine Männlichkeit, die Kompromisslosigkeit, mit der er sich in jedes Abenteuer stürzte, und sei es noch so aussichtslos.

Die einen kritisieren seine Romane als flach, eindimensional und sprachlich bescheiden. Anderen gefällt gerade dies: seine unprätentiöse, packende Sprache, seine Direktheit, der Reichtum an Bildern, die seine Romane und Kurzgeschichten wie Filme wirken lassen. Fest steht: Ernest Hemingway hat die englischsprachige Literatur vom Schwulst des viktorianischen Zeitalters befreit.

Als Autor ist er aus dem Elfenbeinturm der Kunst ausgebrochen. Ein Super-Macho, ein amerikanischer Held, der dorthin ging, wo es weh tat: in den Boxring, in den Krieg, auf Safari, zum Hochseefischen. Und der dann darüber schrieb. Seine Protagonisten sind

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‚Hemingway‘, ein kleines Meisterwerk von Fausto Canel

Der kurze Dokumentarfilm Hemingway, bisher in den Hemingway-Kreisen wenig bekannt, ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes künstlerisches Meisterstück. Der schwarz-weiße Streifen, den man heute auf Youtube abrufen kann, wurde im Jahr 1962 von dem kubanischen Filmemacher Fausto Canel im Stile des italienischen Neorealismus gedreht und montiert.

In jenen Jahren ist Fausto Canel ein junger Filmverrückter aus Havanna, Journalist bei Revolución und Lunes, zudem Mit-Gründer des Instituto Cubano de Arte e Industria Cinematográficos (ICAIC). Nach der Castro-Revolution im Januar 1959 wird überwiegend steinharter Agitprop gedreht, es herrscht mehr und mehr ein strenger Propagandazwang unter den Bärtigen, wie Fausto Canel in seiner Biografie Sin pedir permiso anschaulich erzählt.

Umso erstaunlicher das Werk Hemingway. Es kommt weitgehend ohne die übliche Propaganda und den sozialistischen Holzschnitt aus, obwohl sich das Thema Ernest Hemingway und Fidel Castro dafür anbietet. Im Gegenteil, das Drehbuch ist betont poetisch angelegt. Es stammt aus der Feder von Canels damaligem Kollegen Lisandro Otero, der später zu einem der wichtigen Autoren der Karibikinsel werden sollte. 

Der 23-jährige Fausto Canel quartiert sich 1962 mehrere Tage auf Hemingways Finca Vigía in San Francisco de Paula ein, um ein Gefühl für sein Sujet zu entwickeln. Im Gästetrakt des Anwesens, unter einem Bett, entdeckt er dann zufällig einen alten Koffer mit Dokumenten und Fotos, die der Filmemacher in sein Werk einbaut. Im Resultat sind die Schnitte, Einblendungen und Überblendungen des Films von erstklassiger Machart. Die klare Stimme von Carlos Fernández führt durch den Dokumentarfilm.

Vor allem besitzt Fausto Canels 35 mm-Film Hemingway sympathische Tiefe, sowohl optisch, als auch inhaltlich. So schafft es der blutjunge Kubaner an zahlreichen Stellen, Hemingways Faible für starke Naturbilder in seinen Film einzubauen. Der Kubaner nähert sich künstlerisch dem US-Amerikaner: In dem 20-Minuten-Film arbeitet Canel, ebenso wie Ernest Hemingway in seinen Erzählungen, stark mit Tier-Symbolik.

Dieses kurze Kunstwerk gilt es neu zu entdecken, sechs Jahrzehnte nach seiner Entstehung. Ausgehend von der verlassenen Finca Vigía und der aus dem Off gesprochenen Todesnachricht vom Juli 1961, touchiert Fausto Canel die entscheidenden Stationen in Hemingways Leben. Kindheit, Erster Weltkrieg, Paris, Spanien, Bürgerkrieg, Key West, Kuba. Ganz zum Schluß kommt Canels Film auf die Finca Vigía zurück. Eine von Hemingways so geliebten Katzen schleicht sich stumm aus dem Bild.

Ein Interview mit dem Regisseur Joris Ivens, der mit Ernest Hemingway als Drehbuchschreiber und Sprecher den Film The Spanish Earth gedreht hat, nimmt großen Raum ein. Ivens, der zu dieser Zeit

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Paris – The Greatest Luck

„Wenn du soviel Glück hattest, als junger Mensch in Paris gelebt zu haben, dann bleibt die Stadt für den Rest deines Lebens bei dir, einerlei wohin du auch gehen magst. Denn Paris ist ein Fest fürs Leben.“

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Ernest Hemingway und die Naturbilder

Ernest Hemingway veröffentlicht In einem anderen Land im Jahr 1929. Viele sagen, es sei sein bestes Werk.

Clarence Hemingway, der Vater, hat Ernest von Kindesbeinen an in die Natur mitgenommen und dem kleinen Jungen an den Bächen und Flüssen um den Lake Michigan das Fischen beigebracht. Mit drei Jahren vermag der wissbegierige Ernest eine Angel zu halten, ebenso wie ein Gewehr. Die Hemingways besitzen das Sommerhaus Windemere am Walloon Lake im Norden Michigans und die Eltern verbringen dort mit den Kindern die Sommermonate.

Durch den Vater hat Ernest auch den Respekt vor der Natur erfahren. In der unberührten Natur entdeckt der neugierige  Junge das Gerinnsel einer Quelle, das Wachsen zu einem Bachlauf, der breiter und breiter wird und schließlich in einem Fluss mündet, der dem Meer zufließt. Der Jugendliche zeigt sich früh fasziniert vom Wasser, er bestaunt die selbstverständliche Beständigkeit dieses Kreislaufes von Flora und Faune, so als sei die Tier- und Pflanzenwelt von einer unsichtbaren Hand gelenkt, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt.

In der Natur spürt Ernest die Momente von Einkehr, er braucht eine solche innere Harmonie, denn dieser Mensch schleppt vielerlei Verletzungen mit sich herum. „Hemingway hat Narben vom Kopf bis zur Spitze seines rechten Fußes“, sagt der Schriftsteller und Psychologe José María Gatti aus Buenos Aires. „Man kann sagen, dass die Geschichte seines Lebens auf seinem Körper aufgemalt ist.“

Man lese zur Einstimmung Ernest Hemingways zweites Buch In einem anderen Land, im Original heißt das Werk A Farewell to Arms. Schauen wir uns gleich einmal die ersten Zeilen an, wunderbar von Werner Schmitz ins Deutsche übertragen. Was auffällt: Im ersten Abschnitt werden wir gleich mit einer Vielzahl von Naturbildern bombardiert, obwohl es Hemingway so einfühlsam macht, dass wir es kaum wahrnehmen.

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Der Beginn seines Romans In einem anderen Land. Ernest Hemingway legt mit seinen Naturbildern die Melodie für sein Werk und sein Leben.

Ernest Hemingway und die Naturbilder. Was hat es damit auf sich? Es ist die Natur, die seinen Erzählungen einen Rahmen geben, das Handeln der Protagonisten spielt sich innerhalb dieser Begrenzung ab. Die uns umgebende Schöpfung – das Meer, die Seen, die Berge und die Wälder – folgt ihren eigenen unergründlichen Regeln. Die Natur ist mächtiger als alles, was sie umschließt, mächtiger als der Mensch ohnehin. Die Menschen kommen und gehen, die Natur jedoch bleibt.

Zum Kreislauf der Natur gehören nicht nur das Sprießen und Blühen, sondern ebenso das

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Heinz Helfgen – Auf dem Fahrrad zu den Hemingways

Heinz Helfgen: Ich radle um die Welt – Der Klassiker der Radtourer-Literatur, Verlag Rad und Soziales, 2014

Vor 70 Jahren lässt ein deutscher Journalist eine Schnapsidee Wirklichkeit werden: Mit seinem Patria-Fahrrad plus Camping-Ausrüstung radelt der Mann um die Welt. Von September 1951 bis Herbst 1953 hat Heinz Helfgen mit seinem Drahtesel den halben Globus umrundet, von Osteuropa, Türkei, durch den Orient, Persien, Indien, Vietnam, Thailand, Japan, USA, bis nach Venezuela und Brasilien.

Die Leser in der Heimat, sechs Jahre nach Kriegsende, nehmen gebannt teil an der abenteuerlichen Exkursion, zweimal pro Woche erscheint eine Kolumne in der Frankfurter Boulevard-Zeitung Abendpost über die Erlebnisse des Heinz Helfgen in der Ferne. Es ist noch nicht die Zeit des Massentourismus, das Ausland liegt nicht um die Ecke, sondern weit weg, noch bestaunt man das Fremde und die Exotik von Übersee. Helfgen, ein Mann vom Jahrgang 1910, kommt auf insgesamt 157 Folgen in seiner Zeitung, ein Millionenpublikum hängt an seinen Zeilen, später kommt das Radio hinzu.

In Havanna erblickt der Radler den Schriftsteller Ernest Hemingway in dessen Stammkneipe El Floridita. Helfgen ist entzückt und notiert, der berühmte Autor sehe aus wie ein normannischer Fischer. Der Reporter aus dem Saarland stellt sich ihm vor, erzählt von seiner Weltumrundung, der bärtige Amerikaner findet Gefallen an dem kauzigen Typ. Nach zwei Daiquirís steckt Papa ihm einen Zettel zu, Ernest Hemingway Tel. 154 – Finca Vigía, San Francisco de Paula.

Zwei Tage später macht Heinz Helfgen sich mit seinem Fahrrad auf zum Landgut des US-Autors. Nach den undatierten Aufzeichnungen des Journalisten kann man seinen Besuch bei den Hemingways eingrenzen zwischen Anfang Mai 1953 (Helfgen erwähnt die Verleihung des Pulitzer-Preises, der Hemingway am 4. Mai verliehen wurde) und Mitte Juni 1953 (da ging es für die Hemingways für mehrere Monate nach Europa). 

Launig wird der Radpionier von Ernest Hemingway auf der Finca Vigía empfangen. Ritter Ernst von und zu Hemingstein, stellt der Amerikaner sich blödelnd auf Deutsch vor. Ehefrau Mary zeigt sich ein wenig reserviert. Nach einem langen feuchtfröhlichem Beisammensein am Nachmittag mit

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Ernest Hemingway auf ‚The Blacklist/Die Schwarze Liste‘

Das Kunstwerk The Blacklist/Die Schwarze Liste von Arnold Dreyblatt erinnert seit dem 6. Mai 2021 am Münchner Königsplatz an die Bücherverbrennung. Foto: W. Stock, Mai 2021.

Auf dem Königsplatz in München fanden am 6. und am 10. Mai 1933 öffentliche Bücherverbrennungen  statt. Unter dem Gejohle völkisch-nationalistischer Studenten wurden im Rahmen einer Bücherverbrennung in vielen deutschen Städten die Werke kritischer Autoren in die lodernden Flammen geworfen und die Namen der Verfemten laut verlesen. Die Bücherverbrennungen bildeten den Auftakt zur systematischen Entfernung unliebsamer Literatur aus Bibliotheken, Buchhandlungen und dem Literaturbetrieb.

Bücher wurden von den Nationalsozialisten nicht nur verboten, sondern eben auch verbrannt. Zuerst brannten Bücher, dann die Menschen. Es muss immer und immer wieder an dieses dunkle Kapitel deutschen Geistesleben erinnert werden. Auf dem Königsplatz in München findet sich dazu nun ein würdiges Mahnmal. Der Künstler Arnold Dreyblatt übernahm für seinen Entwurf die wohl umfangreichste und bekannteste Schwarze Liste.

Der Bibliothekar und Nationalsozialist Wolfgang Herrmann hatte sie im Frühjahr 1933 im eigenen Auftrag erstellt, als Anleitung zur Säuberung von öffentlichen Büchereien. Im Frühjahr 1933 wandte sich die Deutsche Studentenschaft an Herrmann mit der Bitte, seine Liste mit der Literatur wider den undeutschen Geist als Grundlage der Bücherverbrennung benutzen zu dürfen. 

The Blacklist/Die Schwarze Liste befindet sich zentral in der halbrunden Fläche vor der Treppe der Staatlichen Antikensammlungen mit etruskischer und römischer Kunst. Die begehbare Kreisform hat einen Durchmesser von acht Metern, die Textspirale aus circa 9.600 Buchstaben ist gut lesbar in die Bodenplatte eingelassen. Alle verbotenen Bücher fließen nahtlos ineinander.

„Diese Textfragmente kollidieren und aktualisieren für uns heute neue Bedeutungen in einer spiralförmigen Komposition, die auch an die Rauchsäulen in den historischen Abbildungen der Bücherverbrennungen von 1933 erinnert“, meint der geborene New Yorker Arnold Dreyblatt, der seit 2009 als Professor für Medienkunst an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel lehrt.

Als Textspirale, ohne Interpunktion, werden als fortlaufender Text 310 Buchtitel von verbotenen Autoren aufgelistet. Erich Maria Remarque, John Reed, Ludwig Renn, Gustav Regler, Joachim Ringelnatz, Joseph Roth, Walther Rathenau – es ist nur der Buchstabe R, und nur eine Auswahl. Unter den 310 Büchern befindet sich auch: In einem anderen Land. Ein Roman von Ernest Hemingway, in Deutschland im Jahr 1930 verlegt.

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Ernest Hemingways In einem anderen Land auf der Schwarzen Liste. Die Nazis haben den Roman verstanden: gegen den Krieg und für die Liebe. Foto: W. Stock, Mai 2021.

In einem anderen Land – eine weitere Übersetzung lautet In einem andern Land – ist der zweite große Roman des US-Amerikaners, er erscheint 1929 bei Scribner’s in New York unter dem Titel A Farewell to Arms. In diesem Anti-Kriegsroman, der schon alle Eigenschaften einer großen Hemingway-Erzählung besitzt, lässt

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Ernest Hemingway heiratet Mary Welsh

Mary Welsh fährt gerne mit ihrem Ehemann Ernest Hemingway auf der Pilar hinaus in den Golfstrom vor Kuba.

Ernest Hemingway und Mary Welsh lernen sich während des Zweiten Weltkriegs in London kennen. Beide sind anderweitig verheiratet, doch sogleich spüren beide Seiten eine magische Anziehung. Die Journalistin, sie arbeitet für das Nachrichtenmagazin TIME in der englischen Hauptstadt, ist eine starke Frau, die überaus erfolgreich im Berufsleben steht. Andererseits gefällt der neun Jahre jüngeren Frau das Werben des berühmten Schriftstellers.

Auch Ernest ist von der selbstbewussten blonden Frau begeistert und wirft den Flirt-Turbo an. Es dauert nicht lange und er macht ihr einen Heiratsantrag. Mary denkt im ersten Augenblick, er sei betrunken. Das ist er tatsächlich, doch der bärtige Autor meint es ernst mit seiner Heiratsabsicht. Sie ziert sich noch ein wenig, die Eskapaden des Schriftstellers sind gemeinhin bekannt, doch schon bald ist von einer gemeinsamen Zukunft auf Kuba die Rede.

Nach Ende des Krieges besucht Mary Welsh ihren Schwarm auf seinem Anwesen in San Francisco de Paula, er hat ihr zuvor fast täglich feurige Liebesbriefe geschrieben. Sie kommt in eine für sie fremde Welt, es ist ihr erster Besuch auf der karibischen Insel, sie ist des Spanischen nicht mächtig. Doch die kecke US-Amerikanerin ist sogleich angetan von Ernests kubanischem Garten Eden und von dem lässigen Leben auf der Finca Vigía.

Nach wenigen Wochen auf Kuba ist sie bereit, ihren Beruf in London aufzugeben und zu Ernest Hemingway in das tropische Abenteuerambiente zu ziehen. „Es hat viele Vorteile“, erklärt sie Lucy Moorehead, einer Freundin, „einfach eine Ehefrau zu sein und nicht eine gehetzte Karrierefrau im Konkurrenzkampf.“

Im Sommer fliegt die 37-Jährige zu ihren Eltern nach Minnesota und leitet die Scheidung von Ehemann Noel Monks ein. Das Ehe-Aus von Ernest mit Martha Gellhorn wird

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‚Papa‘ geht so langsam das Benzin aus

Er ist erst Mitte fünfzig, sieht aber schon aus wie ein alter Mann.
Ernest Hemingway vor Cabo Blanco, im April 1956.

Foto: Modeste von Unruh

Das Schicksal hat ihm in der letzten Zeit arg mitgespielt. Zwei Jahre vor Cabo Blanco, das Jahr 1954, es ist der Einschnitt für ihn gewesen. Im Januar hat er die beiden Flugzeugunglücke in Afrika knapp überlebt, es hat nicht viel gefehlt. Sein Körper und die Geisteskraft haben schon vorher nach und nach abgebaut, doch die starken Verbrennungen, die schweren Kopfwunden und die zahlreichen inneren Verletzungen setzen ihm heftig zu.

So ganz sollte er sich von den Flugzeugunfällen nicht mehr erholen. Und am 10. Dezember erhält er in Stockholm den Nobelpreis für Literatur verliehen. Auch davon sollte Ernest Hemingway sich nicht mehr erholen. Der entkräftete Schriftsteller in seinem tropischen Inselidyll auf Kuba kann sich nicht aufraffen, über den Atlantik in den schwedischen Winter zu fliegen. Er sieht sich körperlich und mental nicht in der Lage, überhaupt zu verreisen. Die Unfallverletzungen aus Ostafrika schmerzen noch, er fühlt sich elend und ausgebrannt. Und große Lust auf den ganzen Rummel verspürt er eh nicht.

Die Verleihung in der schwedischen Hauptstadt findet ohne ihn statt. Der US-amerikanische Botschafter in Stockholm, John M. Cabot, verliest seine kurze Dankesrede. Das Schreiben, im günstigsten Fall, ist ein einsames Geschäft. Ein Schriftsteller schreibt sein Werk zurückgezogen, und wenn er gut genug ist, muss er sich jeden Tag der Ewigkeit stellen, oder der Ermangelung davon. Das Preisgeld von 36.000 Dollar wird auf sein Konto überwiesen und die Goldmedaille nach Kuba geschickt, wo sie ihm auf der Finca Vigía vom schwedischen Geschäftsträger überreicht wird.

Kurz nach Verkündung der Nobel-Ehre kreuzt das kubanische Fernsehen auf Finca Vigía auf. Der Reporter Juan Manuel Martínez, der sich etwas windig hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt, fragt im gestelzten Duktus nach dem Befinden des Schriftstellers ob der guten Neuigkeit. Und Ernest Hemingway stimmt im Sender CMQ, in den 1950er Jahren eine große Radio- und TV-Station auf der Insel, einen Lobgesang auf sein Gastland Kuba an.

Der amerikanische Autor streut in seinem auf Spanisch gebrummelten Statement gar Begriffe aus dem kubanischen Spanisch ein, er sei ein cubano sato, sagt er, er sei ein kubanischer Straßenköter, eine Promenadenmischung aus USA und Kuba. Und Cojímar, wo sein Roman Der alte Mann und das Meer spielt, sei más o menos sein pueblo, sein Dorf, sein Volk, seine Heimat. Und so erweckt der US-amerikanische Schriftsteller den Eindruck, hier habe eigentlich ein Kubaner diesen Nobelpreis erhalten. Und dann sagt Ernest Hemingway es wortwörtlich: Soy el primer cubano que consigue un Premio Nobel, ich bin der erste Kubaner, der einen Nobelpreis erhält.

Die Gratulanten stehen Schlange auf seiner Farm und in den Kneipen von Havanna. Glückwunsch-Telefonate kommen aus aller Welt, Präsidenten, Schauspieler und Kollegen freuen sich mit. Das kleine Postamt von San Francisco de Paula versinkt unter einem Berg von Briefen, mehrmals am Tag kommt der alte Postbote Mancebo mit neuen Telegrammen auf die Finca Vigía. Den schönsten Glückwunsch schickt

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Weitere Pressestimmen zu ‚Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru‘

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Wolfgang Stock: Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. BoD über amazon.de

„In den zahlreichen einzelnen Kapiteln seines Buches setzt Wolfgang Stock ein Mosaiksteinchen an das andere. Er beschreibt und analysiert, er deutet und interpretiert, und kommt am Ende seiner ausführlichen Betrachtung zu einem überraschenden Schluß, der ein völlig neues Bild auf die üblicherweise schillernde Persönlichkeit von Ernest Hemingway wirft.

Spannend ist diese beinahe investigative Erkundungsreise in die Reise von Ernest Hemingway nach Peru allemal. Sie ist zudem unterhaltsam verfasst, und gibt mit etlichem Fotomaterial ungewöhnliche Einblicke in die vielleicht entscheidendste und bedeutsamste Periode im Leben und literarischen Wirken von Ernest Hemingway. Und das obwohl gerade diese Reise nach Peru in allen Biografien so gut wie keine Rolle spielt.“ Latízon TV

„In seinem Buch Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru schildert Wolfgang Stock den Aufenthalt des Nobelpreisträgers und seiner Frau Mary in dem peruanischen Fischerdorf Cabo Blanco. Weshalb Hemingway gerade hier einen Marlin fangen wollte, das hat der Journalist Stock herausgefunden, als er sich auf die Spuren des Nobelpreisträgers begeben hat. Neben Dokumenten hat er sogar noch Zeitzeugen gefunden, die sich noch an „Ernesto“ erinnerten. Das Buch konstruiert das Leben eines gealterten Abenteurers mit all seinen Träumen und Hoffnungen.“
Blinker – Europas große Angelzeitschrift, Mai 2021

„Stock hat nicht irgendeinen Text veröffentlicht, sondern ein sehr tiefgründiges Buch, eine sehr lebendige Beschreibung dieser etwas mehr als 30 Tage des Ernest Hemingway in Peru.“
Oscar Sosa, in www.hemingwayoskar.com.ar

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