Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

Schlagwort: Ernest Hemingway Seite 56 von 58

Ellis O. Briggs und Ernest Hemingway in Cabo Blanco

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Hemingways Postkarte an Ellis O. Briggs

Es ist der 10. Mai 1956, ein Donnerstag, und über das Wochenende hat sich der amerikanische Botschafter in Lima, Ellis Ormsbee Briggs, in Cabo Blanco angesagt. Ernest kennt Ellis aus Kuba, wo der junge Briggs an der Botschaft gearbeitet hat und Ernest freut sich, diesen Freund alter Tage wieder zu sehen.

Am Morgen fahren Ernest und Mary Hemingways auf Meer hinaus und so schreibt der Autor seinem alten Freund noch eine kurze Notiz. Dazu nimmt er die Rückseite einer Photokarte – Vorderseite: Ernest Hemingway neben einem baumelnden toten Marlin –  und schreibt an Ambassador Ellis O. Briggs mit Datum 10/5/56 , wobei Ernest die spanische Schreibweise, zuerst Tag, dann Monat, und nicht die amerikanische Schreibweise, die oft den Monat an die erste Stelle setzt.

Rechts unter das Datum notiert Hemingway die Uhrzeit, 0730. Doch dann unterläuft Ernest ein flüchtiger Rechtschreibfehler, er schreibt anstatt Ellis den Vornamen mit einem falsche ellis klein, er ist ein wenig durcheinander, ein Fehler, den er dann aber mit seinem Kugelschreiber schnell dick überpinselt. Dear Ellis: The boat Petrel will pick you up at the Cabo Blanco Club and run you out to us. We will tell the club by Radio where we are. Wonderful to see you. Ernest.

Als er noch Counselor, ein junger Botschaftsrat, in Havanna war, hat Ellis O. Briggs zusammen mit dem Botschaftsangehörigen Bob Joyce den Schriftsteller unterstützt, als der im Golfstrom mit der Pilar im September 1942 Jagd auf deutsche

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Der Pudel von Nobel

Nobelpreis-Literatur-MedailleDas Jahr 1954, es wird zum Schicksalsjahr des Ernest Hemingway. Im Januar hat er zwei Flugzeugunglücke in Afrika knapp überlebt, in Belgisch-Kongo und in Entebbe ist er Millimeter am Tode vorbei geschrammt, er zieht sich Verbrennungen, schwere Kopfwunden und innere Verletzungen zu. So ganz sollte er sich nicht mehr erholen.

Und am 10. Dezember erhält er in Stockholm den Nobelpreis für Literatur. Auch davon sollte er sich nicht mehr erholen. Er ist dann auch nicht hingeflogen nach Schweden zur Preisverleihung, die Unfälle und eigentlich hatte er auf den ganzen Rummel auf keine große Lust.

Dieser Nobelpreis, das ist natürlich der Höhepunkt im Leben eines Schriftstellers. Ein Lorbeerkranz, der grell leuchtet in der Autorenwelt. Nobel hat sein Ego gestreichelt. Und Kohle gibt es obendrauf. Wer will da schon nein sagen?

Aber was soll nach Nobel nur kommen? Es kann doch nur in eine Richtung gehen. Bergab. Den Nobelpreis in Empfang nehmen und zur selben Stunde umfallen, platsch, tot wie eine vom Stein erschlagene Maus, das wäre es gewesen. Doch so muss er sich noch Jahre als Nobelpreisträger durchs Leben schleppen. So als ob er sein Leben an diesen verdammten Nobelpreis verhökert hat.

Wie ein scharfes Schwert schwebt diese Auszeichnung über seinem Kopf, alles und jedes wird sich künftig an ihr messen. Eines Nobelpreisträgers nicht

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Entzauberung eines Gottes

Portada PaduraAdiosHemingwayZunächst wird eine Leiche gefunden. Eine vierzig Jahre alte Leiche. Bei Ernest Hemingway. Ein Mann, umgebracht irgendwann zwischen 1958 und 1960. Auf Finca Vigía, dem Anwesen Ernest Hemingways auf Kuba. War etwa Hemingway selbst der Mörder?

So lautet der Plot von Adiós, Hemingway, ein Krimi aus der Feder des kubanischen Erzählers Leonardo Padura. Und ein spannendes Stück Literatur obendrein.

Adiós, Hemingway liest sich zunächst als ein üblicher Kriminalroman, denn die Aufklärung der Causa zeigt sich frei von Überraschungen. Doch der Kriminalfall ist für Leonardo Padura bloßer Vorwand, eine Mogelpackung, wenn man so will. In Wirklichkeit zeichnet Adiós Hemingway das Psychogramm des alternden Schriftstellers. Und so schildert Padura einen Ernest Hemingway, den die Krätze juckt, die Blase plagt und dem das Hirn entffleucht.

Padura fängt diese Atmosphäre des persönlichen Niedergangs eines vom Sieg beseelten Machos eindrucksvoll ein. Fast im Duktus des Meisters himself. Sinngemäß: Früher, da hatte er einen Sack voller Ideen und Stories. Früher. Aber heute, da musste er feststellen: Dieser Sack war leer.

Stattdessen gibt es für Hemingway einen Sack mit Verboten und Vorschriften: Keinen

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Ein Hohelied auf Caorle

HemCaorleShirt

Photo by W. Stock

Irgendwie scheint der Mann noch da zu sein. Im Restaurant, in dem er gesessen hat, weist ein Schild stolz daraufhin, im Hafen liegt ein Motorboot, das seinen Spuren folgt und in der Boutique wird ein T-Shirt verkauft, auf dem zwei Sätze von ihm zu lesen sind.

Im Fenster des Fremdenverkehrsbüros hängt ein riesiges Poster, das ihn und seinen Freund Nanuk Franchetti bei einem Jagdausflug in der Lagune von Caorle zeigt. Caorle, ein Nest 60 Kilometer östlich von Venedig, und Ernest Hemingway aus Chicago. Eine Liebesgeschichte.

Caorle, ein pittoreskes Fleckchen Erde mit vielen bunten Häusern, hält die Erinnerung an seinen Ernest Hemingway lebendig. Der Schriftsteller scheint auf mysteriöse Art und Weise noch da zu sein, nicht nur sein Geist. Ein billiger Werbetrick mit einer Person, die sich nicht mehr wehren kann, weil sie schon so lange tot ist?

Nein, nein, die Sache liegt hier anders. Ernest Hemingway kannte Caorle, und er liebte den Ort. Der Amerikaner gerät ins Schwärmen über diese Landschaft am Meer, er ist betört von ihrer Vegetation, von ihrem Duft. Diese Gegend hier bedeutete ihm sehr viel, mehr als er je irgendwem sagen würde und konnte.

Ernest Hemingway mag die

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Jack Hemingway fährt auf der Fahrkarte des Vaters

Auf einer Buchmesse im Oktober, es muss so Ende der 1980er Jahre gewesen sein, zieht mich der Foreign Rights Manager von McGraw-Hill am Ende der Verhandlung zur Seite. Ich habe damals als Verlagsleiter beim ECON Verlag in Düsseldorf gearbeitet und bin in Frankfurt auf Ausschau nach interessanten Neuerscheinungen aus den USA.

Ob ich nicht Lust habe, so fragt der Rights Manager kollegial, Jack Hemingway kennenzulernen, den Sohn von Ernest Hemingway. Er sei hier gleich um die Ecke anzutreffen, am Buchstand der Amerikaner. Was für eine Frage!, bemerke ich zum Rechte-Manager in bester Laune, natürlich habe ich.

Jack Hemingway sieht so aus, wie Millionen anderer US-Amerikaner auch aussehen. Nicht sehr groß, aber auch nicht gerade klein, ein wenig korpulent, aber nicht dick, ein heiterer Blick, ein offenes Wesen. Ein feiner Schnauzbart, die schüttere Haarpracht, korrekter Anzug. Sollte man Wochen nach dem Treffen ein Phantombild anfertigen müssen, es schiene ein Ding der Unmöglichkeit.

Nice to meet you, schaut mich Jack Hemingway aufgeschlossen an. It’s my pleasure, antworte ich. Do you like Frankfurt? Jack ist zur Buchmesse in die Mainmetropole gekommen, um sein Buch Misadventures of a Fly Fisherman: My life with and without Papa vorzustellen.

Ich verschlinge jede Zeile Ihres Vaters, sage ich, er ist ein wundervoller Autor. Danke, nickt er kurz, als gelte das Kompliment ihm selbst. Während wir im Gespräch bleiben, wächst in meinem Kopf die

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5 Pesos – vorne Kuba, hinten Hemingway

Hemingway's Coin Cuba

Münze Vorderseite: 5 Pesos und Kuba

Bunte Briefmarken mit einem Ernest Hemingway, man kennt dies, im Dutzend, auf dem ganzen Globus, von Spanien bis Afrika. Aber Geld? Ernest Hemingway als gültiges Zahlungsmittel? Und doch, auch dies lässt sich auftreiben. Auf der sozialistischen Insel, die zwanzig Jahre seine Wahlheimat gewesen ist. 5 Pesos, Havanna, Republica de Cuba.

Coin Ernest Hemingway Cuba

Münze Rückseite: Ernest Hemingway

In der Tat wird Ernest Hemingway auf Kuba so sehr verehrt, dass es für einen eingefleischten Kommunisten dort fast schon peinlich wird. Das Revolutions-Regime hat diesem reichen Gringo 1982 gar eine Serie von drei Münzen gewidmet. Neben einem Portrait des amerikanischen Autors und einer Münze, auf der sein Motorboot Pilar zu sehen ist, zeigt die schönste 5-Peso-Münze ein Motiv aus dem Roman Der alte Mann und das Meer.

Auf der Vorderseite prangt neben dem Schriftzug República de Cuba das Nationalwappen. Und der Nennwert der Münze in Höhe von 5 Pesos. Das gleiche gibt es dann nochmals als 1-Peso-Münze aus Kupfer und Nickel. Die Auflage der Münzen aus Silber betrug damals 5.000 Exemplare.

Immer wieder Der alte Mann und das Meer. Hemingways schmales opus magnum. EL VIEJO Y EL MAR – PREMIO NOBEL 1952 – 1982 steht auf

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Ernest Hemingway gibt Frank Sinatra einen Korb

Frank Sinatra, 1947. Foto: William P. Gottlieb.
Photo Credits: Wikimedia Commons, Public Domain.

Im Havanna der 1940er Jahre laufen genug gegelte Amerikaner herum, deren Nachnamen auf -a oder -o enden und deren Reichtum bedenklich nach Koks, Puff oder sonstigen niedlichen Sachen riecht. In diesen vorrevolutionären Tagen hören Havannas Nächte auf das Kommando der Bosse aus Chicago und New York, die amerikanische Mafia hat Kubas Hauptstadt unter sich fein aufgeteilt.

Über das Hotel Capri herrscht Nicholas di Constanzo, im Deauville hat Santo Trafficante junior das Sagen, Meyer Lansky macht das Hotel Riviera unsicher, sein Bruder Jack ist der Platzhirsch im Hotel Nacional. Ob Wettspiel, Prostitution oder Heroinschmuggel, die amerikanische Mafia ist in Havanna allgegenwärtiger als im Vatikan der liebe Gott.

Matrosen, Flugzeugpiloten, Anwälte stehen auf den Gehaltslisten der Mafia. Politiker und Polizisten sowieso. Aber wen man auch fragt, keiner weiß genaues. Den feinen Herrschaften ist nichts nachzuweisen. Nicht mal ein klitzekleiner Mord.

Am liebsten hängen die Spitzbuben im Hotel Nacional ab. Das Nacional ist ein achtstöckiges Gran Hotel im Vedado, ein architektonischer Stilmix aus Neoklassik und Art Deco, ein oller Schuppen aus dem Jahr 1930, groß und weitläufig und mit einem riesigen Garten wie in einem mittelalterlichen Kloster. Das Nacional ist das beste und wohl auch schönste Hotel der Stadt mit einem atemberaubenden Ausblick über den Malecón und hin zur Bucht von Havanna.

Im Februar 1947 organisiert Meyer Lansky

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Was sucht Ernest Hemingway in Acapulco?

Acapulco, 1982 Photo by W. Stock

Der mexikanische Badeort Acapulco. Photo by W. Stock, 1982.

Ernest Hemingway und Acapulco? Ja, das passt schon. Acapulco ist ein Fleckchen nach Hemingways Gusto. Zudem ein Paradies für Sportangler. Ganzjährig ist das Brandungsangeln in den ausgedehnten Buchen vor Acapulco möglich.

Seit seinen Kindertagen, der Vater hat es ihm beigebracht, mag Ernest das Sportangeln. Als beste Angelzeit gilt in Acapulco die Abenddämmerung und die Nacht bei auflaufender Flut. Dann können Fische wie der Yellowtail, Hornhechte oder Seebarsche gefangen werden. Auch ist Acapulco für seine wuchtigen Segelfische berühmt, die man draußen auf hoher See sieht, und in den aussichtsreichsten Fangzeiten, von Oktober bis Januar, kommen die Sportangler in Scharen hier an den Pazifik.

Vielleicht soll dieses Acapulco, wir schreiben das Jahr 1958, eine Vitaminspritze für Ernest Hemingway sein. 1954, vier Jahre zuvor, ist sein Schicksalsjahr gewesen. Im Januar hat er die zwei Flugzeugunglücke in Afrika knapp überlebt, er ist schwer verletzt, so ganz soll er sich nicht mehr erholen. Und im Oktober bekommt er den Nobelpreis für Literatur. Auch davon wird er sich nicht mehr erholen. Wie ein Damoklesschwert schwebt das Gewicht dieser Auszeichnung über seinem Kopf, er wird danach zu seinen Lebzeiten kein Buch mehr veröffentlichen.

Es geht ihm nicht gut, er merkt, die

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Ernie, let’s go loco in Acapulco

Acapulco, 1992 Photo by W. Stock

Die Bucht Puerto Marqués bei Acapulco. Photo by W. Stock, 1992.

Ernest Hemingway in Acapulco. Doch merkwürdigerweise ohne eine literarische oder persönliche Spur zu hinterlassen. Kein Denkmal, das ihn zeigt, kein Hotel, das mit ihm angibt, keine Straße, die sich nach ihm nennt, nichts, nada, gar nichts, noch nicht einmal eine klitzekleine Gedenktafel.

Auch in dieser Hinsicht dürfte Acapulco einmalig sein. Aber vielleicht liegt die Ignoranz auch daran, dass diese Pazifikstadt seine Berühmtheiten und Notabeln in Tausenden zählt. Doch zunächst, was macht diese lebenslustige Stadt am Meer für jemanden wie Ernest Hemingway so anziehend? Warum fühlen sich auch Intellektuelle hier wohl?

Das Wetter, na klar, die Hitze und Glut, und besonders dieser erhaben blaue Himmel. Denn an Mexikos Pazifikküste herrscht ewiger Sommer. Herbst und Winter sind unbekannte Phänomene. Der Frühling findet an einem Märznachmittag statt, und dann ist Hochsommer bis hinein ins nächste Jahr.

Diese wuchtige Schwüle der Tropen drückt auf die ganze Stadt, ihre Bewohner und dann auch auf die Besucher. Dieser Ort besitzt aphrodisierende Wirkung, weshalb auch immer, es ist so, und so lässt sich manch einer zu

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Hilmar Kopper trifft auf Ernest Hemingway

Acapulco, 1992 Photo by W. Stock

Ein wunderschöner Morgen vor Acapulco, 1992. Photo by W. Stock

Hilmar Kopper, der später Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank in Frankfurt werden sollte, ist ihm über den Weg gelaufen. In Acapulco, am Pazifik. Es war im Januar oder Februar 1958, wie Hilmar Kopper die Begegnung aus seiner Erinnerung kramt.

Als junger Kerl, erst 22 Jahre, schickt die Deutsche Bank den Trainee in die Vereinigten Staaten. Dort soll er unter anderem in Hollywood bei MGM und den anderen Studios schauen, wie die Filmstudios ihre Bankkredite verwalten und einsetzen. Von Los Angeles aus macht Hilmar Kopper mit einem Freund dann einen Trip nach Mexiko, zuerst nach Mexico City, anschließend nach Acapulco.

Dort, an einem späten Vormittag, sollte es zu einer schicksalhaften Begegnung kommen, an die sich der Banker auch nach 55 Jahren noch gut erinnert. Hilmar Kopper ist am Pazifikstrand, vor dem Hotel, der Name ist Kopper entfallen, jedenfalls damals eines der guten, in einer Bucht, vor der ein markanter Felsen eingefasst ist.

Ich war da in Acapulco am Strand und ging mit ein paar einheimischen Jungen immer im Meer tauchen, nach Korallen, darf man gar nicht sagen, aber das ging ganz gut. Und plötzlich, als ich da wieder am Strand lag, stellte ich fest, dass neben mir ein älterer Herr in einem Liegestuhl saß unter einem Sonnenschirm. Der Mann, ein bisschen betagt, ein bisschen füllig, graumeliert, auch der Bart, und der las die New York Times.

Hilmar Kopper ist verblüfft, weil er den Mann zu glauben kennt, er hat ihn schon

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