Hemingways Welt

Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

Ernest Hemingway liebt die Katzen – aber er tötet die Tiere

Ernest Hemingway mit einer seiner Katzen, Finca Vigía, Kuba, im Herbst 1949.
Photo by Paul Radkai, by courtesy of Marton Radkai.

Im Süden Havannas, etwas außerhalb des ärmlichen Dorfes San Francisco de Paula, wohnt der Schriftsteller auf seiner Finca Vigía, mehr als zwanzig Jahre lang. Auf dem tropischen Anwesen lebt er seit 1939, umhegt von einem Dutzend Dienstpersonal, zusammen mit seiner dritten Ehefrau Martha Gellhorn, ab Mitte der 1940er Jahre mit der vierten Ehepartnerin Mary Welsh. Die Zahl der Menschen auf Finca Vigía wird nur noch von der Anzahl der Haustiere übertroffen.

In Glanzzeiten halten die Hemingways sechs Hunde und achtunddreißig Katze auf dem riesigen Landsitz. Der Schriftsteller ist ganz vernarrt in all die Tiere. Die Katzen und die Hunde auf der Finca sind ihm wichtig, liebevoll betreut er sie, sorgt sich um sie, spricht mit ihnen. Wie ein Vater kümmert er sich um die Kreaturen.

Besonders die Katzen liebt Ernest Hemingway über alles. Eine Katze ist redlich in ihren Gefühlen. Menschen, aus welchem Grund auch immer, können ihre Gefühle verbergen, aber eine Katze kann das nicht. Einer seiner Lieblingskater heißt Cristobal Colón und dieser Christoph Kolumbus wird von ihm gekrault, selbst wenn er am Schreibpult steht und an einem wichtigen Manuskript arbeitet.

Die Katzen besitzen auf Finca Vigía Narrenfreiheit, Ernest erlaubt so ziemlich alles. Sie dürfen auf Tischen und Schränken umherkrabbeln, sich in den Hausschuhen und in den Safari-Stiefeln bequem machen, und überall in Haus umherstreifen und über das weitläufige Landgut stromern, als seinen sie die Monarchen des Anwesens.

Für seine vielen Katzen räumt der Autor eine ganze Etage seines Arbeitsturms frei, Ernest schreibt im Obergeschoss, die Katzen dürfen auf der unteren Ebene des Turms machen, was sie wollen, es ist ihr Reich. Der Schriftsteller spielt gerne mit den Tieren und die Fotos von der Finca Vigía zeigen meist einen ausgeglichen und doch melancholischen Menschen inmitten der heilen Natur.

Die Verantwortung für seine Tiere nimmt er ernst. Sie erhalten regelmäßig ihr Futter und wenn sie

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Ernest Hemingways Familie

Die Familie Hemingway in Oak Park, im Jahr 1906: Die Schwestern Marcelline und Madelaine, Vater Clarence, Mutter Grace, Schwester Ursula und Ernest. (v. l. n. r.); Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Ernest Miller Hemingway wird um acht Uhr morgens geboren, am 21. Juli 1899 in Oak Park, Illinois, einem Vorort von Chicago. Der konservative Wohngürtel um die Großstadt mit den vielen Kirchen und Kapellen hat so gar nichts am Hut mit dem liberalen Geist der Handelsmetropole. Die liegt zwar nur zehn Meilen von Oak Park entfernt, doch bewegt sich dort das Leben mental wie auf einem anderen Planeten.

Im Grunde genommen blicken die gutbürgerlichen Bewohner des Stadtrandes voller Verachtung nach Norden auf das Lotterleben Chicagos. In der Großstadt prägen Wirtschaftskrisen, soziale Konflikte, ein kaum versteckter Rassismus und die allgegenwärtige Mafia den Alltag, damit will man im wohlhabenden Speckgürtel nichts zu tun haben. 

Ernest wächst auf in einer angesehenen Familie, die nach außen wie ein Tugendhort erscheint. Die Hemingways gehören zur oberen Mittelschicht, der Vater arbeitet als praktizierender Mediziner, die Mutter ist Opernsängerin und Malerin. Die Familie besitzt ein dreistöckiges herrschaftliches Haus an der Oak Park Avenue, materiell fehlt es der Familie Hemingway an nichts.

Ernest hat fünf Geschwister, den jüngsten Bruder Leicester und die vier Schwestern Marcelline, Madelaine, Ursula und Carole. Es wird viel kammermusiziert in der Familie, jedes Familienmitglied spielt ein Instrument, Ernest bekommt das Cello zugewiesen. Nur mit Widerwillen nimmt er an den Konzerten, auch den öffentlichen, in ihrem Bezirk, teil.

Von 1913 bis 1917 besucht Ernest die Oak Park and River Forest High School. Er ist ein hochgewachsener Bursche, der viele Sympathien auf sich zieht. Er begeistert sich für den Sport, speziell fürs Boxen, das Schwimmen und den Football, und er spielt zwei Jahre im Schulorchester. Auch bei den Mädchen der Schule hat er einen Schlag, es gibt schon den einen oder anderen Schwarm.

Seine besten Leistungen verbucht er

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Ernest Hemingways Liste für Cabo Blanco

Ernest Hemingways Moleskine: Auf zwei Seiten Notizen zu Cabo Blanco.

Ernest und Mary Hemingway fliegen von Havanna über Miami ins südamerikanische Cabo Blanco. Fünf Wochen im April und Mai 1956 wird das prominente Ehepaar in dem winzigen peruanischen Fischerdorf verweilen. Am Pazifik wollen sie einen riesigen Marlin fangen und die Dreharbeiten der Second Unit zu dem Hollywood-Film Der alte Mann und das Meer ein wenig anleiten.

Cabo Blanco wird von dem weltberühmten Autor – zwei Jahren zuvor hat er den Nobelpreis für Literatur erhalten – gut vorbereitet. Die Reise nach Peru ist ihm wichtig. Ernest freut sich auf das fremde Meer, auf den wilden Pazifik, wo es an der Schnittstelle zwischen kaltem Humboldt-Strom und den warmen Äquatorial-Gewässern die größten Marline überhaupt geben soll. Eine Handvoll Freunde aus Kuba begleitet den Nobelpreisträger auf diesem exotischen Trip.

Auf seinen Ausfahrten in Cabo Blanco wird der Schriftsteller mehr oder weniger die gleiche Kleidung anziehen wie zwei Jahre zuvor auf der Safari in Ostafrika. Im Januar 1954 hat er zusammen mit Miss Mary Kenia und Uganda besucht, erfolgreich gejagt, war allerdings auch in zwei verheerende Unfälle mit Flugzeugabstürzen verwickelt.

Der Autor trägt eine helle Safari-Jacke aus etwas zu dicker Baumwolle, die ein Stoffgürtel über dem sichtbaren Bauchansatz zusammen hält. Dazu eine bis zu den Oberschenkel reichende Khaki-Hose und Halbschuhe aus leichtem Leder. An Bord zieht Ernest Hemingway es dann vor, meist barfuß zu laufen.

Obwohl den Autor Komplikationen an den Augen plagen, trägt er im glutheißen Nordperu auch bei prallstem Sonnenschein keine Sonnenbrille. Wenigstens zieht der Nobelpreisträger in der sengenden Sonne seine Baumwoll-Kappe an, ohne deren Schutz es in diesen Breiten böse enden kann.

Auf Finca Vigía hat Ernest Hemingway auf zwei Seiten in sein Moleskine akribisch aufgeschrieben, was er auf die Reise nach Peru mitnehmen möchte. List Cabo Blanco hat er die Blätter seines Büchleins überschrieben, und unter anderem aufgeführt: Rods, Rod Case, Headers, Hooks, Gaff, two Harpoons, Lines – das ist das Angelzeugs wie Haken, Angelschnüre und Angelruten.

Dann folgt die Auflistung der Kleidung: Hemden, eine Jacke, Caps, die Windjacke, eine Krawatte, Trenchcoat, Stiefel, eine Flanell-Hose, Sneakers, Brillen und Fishing Gloves, die Angel-Handschuhe. Und am Ende der zweiten Seite steht Books. Flott unterstrichen und dann ein dicker Punkt. Auf die Auswahl der Bücher möchte Ernest Hemingway wohl ein besonderes Augenmerk legen.

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Die zweite Seite von Hemingways Liste für Cabo Blanco.

Die Reise nach Peru soll ein Erfolg werden. Wir schreiben Mitte April 1956, es geht körperlich langsam bergab mit ihm, und auch das Schreiben fällt ihm schwer. Er braucht den Erfolg. In Peru, aber er braucht den Erfolg vor allem in sich drin. Das Schicksal hat ihm in den letzten Jahren schlimm mitgespielt.

Er ist erst Mitte 50 und sieht doch schon aus wie ein alter Mann. Sein Körper und seine Geisteskraft haben schon vor den Flugzeugabstürzen in Afrika nach und nach abgebaut, doch die starken Verbrennungen, die schweren Kopfwunden und die zahlreichen inneren Verletzungen setzen ihm so heftig zu, dass nichts mehr so ist wie in den guten Jahren.

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Von Hemingways ‚Bohemia‘ zur Leprakolonie

Bohemia
Cuba
Ernest Hemingway
Ernest Hemingway auf dem Cover des kubanischen Wochenmagazins Bohemia.

Als The Old Man and the Sea, Ernest Hemingway hat die Erzählung um die Jahreswende 1950/1951 geschrieben, auf den Markt kommt, da schlägt die Story in den USA ein wie eine Bombe. Am 1. September 1952 erscheint der kurze Roman zunächst in voller Länge im Magazin LIFE, die Zeitschrift hat dem Schriftsteller 30.000 Dollar für den Vorabdruck gezahlt.

Das großformatige Magazin wird den Kioskverkäufern zwischen San Francisco und Boston aus der Hand gerissen. LIFE sorgt mit dieser Ausgabe für einen nie erreichten Auflagenrekord: Innerhalb von zwei Tagen werden in den Vereinigten Staaten 5,2 Millionen Hefte verkauft.

Ein paar Tage später erscheint dann die Buchausgabe mit 127 Seiten beim New Yorker Verlag Charles Scribner’s Sons. Das Publikum in Amerika schließt Ernest Hemingways Erzählung von dem alten Fischer Santiago, dem Jungen Manolín und dem Fisch schnell ins Herz. The Old Man and the Sea wird einer der größten Bucherfolge aller Zeiten. 

Über 3.800 Briefe erhält der Schriftsteller zur Finca Vigía, von Lesern, die seine Novelle verschlungen haben und ihm nun danken. Und weil bei einer Anzeige für Ballantine-Bier sehr auffällig seine Adresse auf Kuba zu erkennen gewesen ist, werden die Tausende Briefe nicht an den Verlag in New York, sondern direkt nach San Francisco de Paula geschickt.

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Der kürzlich aufgetauchte Vertrag zwischen Ernest Hemingway und dem Verlagsdirektor von Bohemia über den Abdruck von El Viejo y el Mar.

Mancebo, der Postbote des armen kubanischen Dorfes hat einen

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Waldo Peirce, Ernest Hemingways Lieblingsmaler

Ernest Hemingway im Jahr 1953 auf Finca Vigía, vor einem Portrait, das Waldo Peirce von ihm gemalt hat. Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Ernest Hemingway mag die moderne Malerei. Aus seiner Pariser Zeit kennt er Pablo Picasso und andere Maler der Avantgarde. Wenn er in den jungen Jahren irgendwie Geld erübrigen kann, er steckt es in den Kauf von Bildern. Im Schlafzimmer der Finca Vigía über seinem Bett hängt El guitarrista von Juan Gris, im Wohnzimmer und in Marys Schlafzimmer finden sich ein Paul  Klee, ein Georges Braque und Joan Mirós Der Bauernhof kann im Esszimmer bestaunt werden.

Und dann prangt auf der Finca Vigía noch ein Portrait, im Jahr 1929 gemalt von seinem Freund Waldo Peirce, das den dreißigjährigen Ernest darstellt. Kid Balzac hat Peirce das Gemälde genannt, in Anlehnung an den von Hemingway verehrten französischen Autoren Honoré de Balzac. Die Ähnlichkeit mit dem Romantiker aus dem 19. Jahrhundert ist verblüffend, obgleich ein leicht ironischer Seitenhieb dazukommt, denn im Vergleich zum kugelrunden Balzac erscheint Hemingway im Pinselstrich von Peirce als ziemlich abgespeckte Variante. 

Waldo Peirce, ein Falstaff mit Rauschebart, wird schnell ein enger Kumpel des Schriftstellers. Der Mann aus Bangor in Maine, ein kräftiges Mannsbild  vom Jahrgang 1884, besucht Ernest oft in Key West. Dann fahren sie gemeinsam fischen oder hinaus auf die Marquesas Keys, auf eine kleine unbewohnte Inselgruppe, die westlich der Keys liegt, und die beiden Freunde machen all den Blödsinn, den Männer halt machen, wenn sie unter sich sind. 

Viermal heiratet Waldo Peirce und bekommt fünf Kinder. In die Kinder ist er vernarrt, er tollt mit ihnen herum und macht jeden infantilen Klamauk mit. Die Kinder haben auch eine Krankenschwester und eine Haushälterin, beobachtet Ernest Hemingway bei einem Besuch, aber Waldo ist nur wirklich glücklich, wenn er malt und ein Kind versucht, seinen dicken Bart anzuzünden und ein anderes Kind Kartoffelpüree auf seine Leinwand klatscht. So geht Vaterliebe!

Waldo Peirce begleitet den Freund von frühen Jahren hin bis zu seinem Ende. Am 2. Juli 1961, am Tag seiner Selbsttötung, schlurft Ernest Hemingway im

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Der schönste Hemingway-Satz: Pariser Dächer

Da stehe ich und blicke über die Dächer von Paris und denke: Mach dir keine Sorgen. Du hast immer geschrieben und du wirst auch jetzt schreiben. Du brauchst nur einen einzigen wahren Satz zu schreiben.
Ernest Hemingway, Paris – Ein Fest fürs Leben 

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Die Schlacht im Hürtgenwald

Der amerikanische IllustratorJohn Groth zeichnet ein Bild von Ernest Hemingway an der Front im Hürtgenwald.

Die Schlacht um Aachen ist schon lang und schrecklich gewesen. Doch um bis zum Rhein vorzustoßen, müssen die Alliierten die Siegfried-Linie knacken, jenen deutschen Schutzwall von Holland bis zur Schweiz mit seinen Bunkern, Stollen und Panzersperren. Im Oktober 1944 stehen die amerikanischen Bodentruppen vor dem Hürtgenwald südlich zwischen Aachen und Düren, wo der Vormarsch der Amerikaner zum Stehen kommt.

Ernest Hemingway kreuzt Mitte November an der Front auf, aus Paris, er hat in der französischen Hauptstadt nach der Befreiung feuchtfröhlich im Ritz residiert, und nun soll er für das Wochenmagazin Collier’s über den Siegeszug der US-Truppen berichten. Der Schriftsteller ahnt, was da kommen kann, er wird Augenzeuge der letzten verzweifelten Gegenwehr des Nazi-Reiches. Achtzehn Tage lang wird der Kriegsreporter von dem Kampfgeschehen im Hürtgenwald berichten, aus einem Wald, in dem die Drachen hausen.

Der Hürtgenwald sei eine Gegend, in der es äußerst schwierig war, am Leben zu bleiben, selbst wenn man nichts weiter tat, als dort zu sein. Das zerklüftete Gebiet bei Hürtgen mit seinen hohen Fichten, dort wo die Eifel ins Kalltal abfällt, wird in den nächsten Wochen eines der blutigsten Gemetzel des Zweiten Weltkrieges erleben. Die heranrückenden US-Amerikaner sind den deutschen Truppen materiell und personell überlegen, doch das unebene Gelände ist militärisch schwer zu nehmen.

Die dichten Wälder und die zahlreichen Hügel lassen den Einsatz von Panzertruppen nur eingeschränkt zu, ebenso wenig kann die Überlegenheit der US-Luftwaffentruppen in den Wäldern zur Geltung kommen. Im Herbst 1944 weiß die Generalität der Wehrmacht natürlich, dass der Krieg verloren ist, doch der Widerstand überrascht in seiner Heftigkeit die anrückenden amerikanischen Truppen. Die deutschen Soldaten haben sich in ihren Westwall-Bunkern verschanzt, von wo aus sie mit ihren Mörsern alles zu Klump hämmerten.

Die Soldaten im Hürtgenwald gehen mit Handgranaten und Flammenwerfern aufeinander los, Auge um Auge kämpfen die jungen Männer um jeden Meter Gelände. Der Winter 1944 ist in der Eifel der kälteste seit Jahrzehnten, selbst am Tag wird es frostig und bei Temperaturen von 20 Grad minus erfrieren die Soldaten auf beiden Seiten. In Hürtgen gefroren die Toten alle einfach, und es war so kalt, dass sie mit roten Gesichtern gefroren, berichtet ein erschütterter Ernest Hemingway.

Im Dezember 1944 starten die Amerikaner schwere Bombenangriffe auf die Eifel-Talsperren, die Staudämme halten jedoch dem Einsatz der Spezialbomben stand. Anfang Februar 1945 erfolgt der Durchbruch bis kurz vor Schleiden, ein paar Tage später fällt dort die Urfttalsperre in die Hand der amerikanischen Soldaten, am 9. Februar auch die Rurtalsperre. Damit ist der Widerstand der Wehrmacht gebrochen.

In der Nordeifel bleibt ein riesiges

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Ernest Hemingway dankt Modeste von Unruh

Ernest Hemingways Brief vom 21. Mai 1956 an die Fotografin Modeste von Unruh aus dem peruanischen Fischerdorf Cabo Blanco.

Der Schriftsteller setzt sich an den kleinen Tisch und verfasst ein Schreiben an Modeste von Balás-Piry. Er befindet sich in Cabo Blanco, im Norden Perus, und der Kalender zeigt den 21. Mai 1956. Der Nobelpreisträger spricht die deutsche Fotografin Modeste von Unruh mit ihrem Ehenamen an, so wie er auf ihrer Visitenkarte steht. Auf dem mauven Briefpapier des Cabo Blanco Fishing Clubs schreibt der bärtige Amerikaner einen herzlichen Gruß an seine Fotografin und übermittelt ihr nochmals seinen Dank.

Er findet, dass die Fotos auf der Miss Texas die Marlin-Jagd glänzend einfangen und er, der wilde Naturbursche, steht im Mittelpunkt von all dem. Über den Schnappschüssen, die in der Hamburger Zeitschrift Kristall erscheinen sollen, weht ein Hauch von Draufgängertum und Verwegenheit, so soll ihn die Welt sehen.

Die Fotos der Modeste von Unruh halten seinen Triumph fest, sie schmeicheln seiner durch das Alter verletzten Eitelkeit. Die Bilder aus Cabo Blanco künden der Welt von seiner Vitalität, einerlei, wie es in ihm drinnen aussieht. Die Botschaft vom Sieg des alternden Mannes richtet sich nicht nur an die Welt da draußen, die Botschaft geht vor allem an ihn selbst.

Denn das Bulletin seines kubanischen Hausarztes Doktor José Luis Herrera Sotolongo spricht eine klare Sprache. Doch die Fotos lindern seine Pein ein wenig, zwar nicht den Schmerz des Körpers, aber den der Seele. Deshalb richtet Ernest Hemingway herzliche Worte des Dankes an Modeste von Balás-Piry, in einem eng beschriebenen Brief, über eine volle Seite.

Zunächst bittet er die junge Fotografin, sie veröffentlicht unter ihrem Mädchennamen Modeste von Unruh, um weitere Abzüge. Dann spricht er seine Anerkennung aus. I wish you could have been with us all the time, with your beautiful camera and your good luck. Ich hätte mir gewünscht, dass Sie die ganze Zeit bei uns gewesen wären, mit Ihrer wundervollen Kamera und Ihrem guten Glück.

The good luck, das gute Glück, das sich von der Fotografin auf den Autor überträgt, weil sie hilft, den großen Fisch zu fangen. The good luck beschreibt jenen

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Ernest Hemingway & Hadley Richardson

Die Hochzeit in Horton Bay, Michigan, am 3. September 1921. Die Schwestern Carol und Ursula, die Braut Elizabeth Hadley Richardson, Bräutigam Ernest Hemingway, Mutter Grace, Bruder Leicester und Vater Clarence (v. l. n. r.); Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Im Dezember 1921 treffen Ernest und Hadley Hemingway auf dem französischen Atlantikkreuzer Leopoldina in Europa ein. Der 22-jährige Ernest Hemingway und die acht Jahre ältere Elizabeth Hadley Richardson haben drei Monate zuvor im Kreise der Familie in Horton Bay am Lake Michigan geheiratet. Das junge Ehepaar will für einige Jahre im quicklebendigen Paris sein Glück suchen und mietet sich zunächst im Hôtel Jacob et d’Angleterre ein, in der Rue Jacob, im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés.

Die rothaarige Hadley ist eine pausbäckige herbe Schönheit und bewundert ihren Ernest, als Ehemann und als Schreiber. Seinen Wunsch, nach Paris überzusiedeln, trägt sie ohne Umschweife mit. Sie hatte ein reizend geformtes Gesicht, und ihre Augen und ihr Lächeln leuchteten bei Entschlüssen auf, als seien es kostbare Geschenke. „Wann sollen wir aufbrechen?“.

Der Sohn John kommt im Oktober 1923 bei einem Aufenthalt in Kanada in Toronto zur Welt. Mit Hadley und Bumby reist der angehende Schriftsteller zurück nach Paris, wo die kleine Familie mittlerweile im Quartier Latin in einer Wohnung in der Rue du Cardinal Lemoine 74 lebt. Es ist eine einfache Wohnung, mit Bad im Zwischengeschoss, sehr preiswert, denn die Familie muss mit dem wenigen Geld haushalten.

Als freier Korrespondent der kanadischen Tageszeitung Toronto Star soll sich Hemingway in Europa umschauen, es ist ein Kontinent, der durchgerüttelt wird von politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen. Hadley und Ernest erkunden Europa, sie entdecken Spanien für sich, die Hemingways reisen nach England, in die Schweiz und nach Italien. Der Korrespondent schickt scharfsinnige Reportagen an den Toronto Star aus Griechenland, aus Bulgarien oder aus dem Ruhrgebiet.

Ernest, bei seiner Hochzeit gerade einmal 22 Jahre alt, ist trotz großer Klappe doch ziemlich ahnungslos in Liebesdingen. Die Liebe zu Hadley erfüllt ihn, ebenso die Geburt des Sohnes. Ich habe dich gesehen, Schöne, und jetzt gehörst du mir, auf wen auch immer du wartest, selbst wenn ich dich niemals wiedersehe, dachte ich. Du gehörst mir, und ganz Paris gehört mir, und ich gehöre diesem Notizbuch und diesem Bleistift.

Der junge Ernest Hemingway, seinem strengen Elternhaus entflohen, wird in Frankreich zum

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Ernest Hemingway: „Am Meer kannst du nicht lügen.“

Gleich explodiert jemand: Miss Mary beißt sich auf die Zunge und Ernest schaut arg muffelig. Die Hemingways auf Rückreise aus Peru, Miami International Airport, am 22. Mai 1956

Die entspannte Heiterkeit und Eleganz scheinen ganz aus dem Gesicht der aparten Frau entschwunden. Mary Welsh, sie hat den strapaziösen Flug von Talara nach Miami in den Knochen, wirkt angesäuert und genervt. Ernest Hemingways Ehefrau beißt sich auf die Lippen und straft ihr Gegenüber mit einem eisigen Blick. 

Vielleicht stellt der Zollbeamte irgendwelche dämliche Fragen, oder – noch schlimmer – womöglich weiß der gute Mann gar nicht, welch eine Berühmtheit da vor ihm steht. Der Nobelpreisträger blickt über seinem grauen Bart erschöpft in die Welt, seine Augen schauen ganz matt und glanzlos ins Leere, die Mundwinkel fallen nach unten.

Die Stimmung des Ehepaares ist ziemlich mies, die wunderbaren Wochen in Cabo Blanco am Pazifik sind vorüber. Das Kapitel Cabo Blanco ist für die Hemingways beendet, jetzt fliegt der gefeierte Autor zurück in den Alltag. Ernest Hemingway hat die Tage im April und Mai 1956 genossen auf dem großen Meer, fernab vom Trubel und Gewusel, der Rückzug in die Abgeschiedenheit hat ihm gutgetan.

Die kommode Kargheit des Cabo Blanco Fishing Clubs haben so ganz seinem lässig-luxuriösen Lebensstil entsprochen und die Angeltage auf dem Ozean, den schwarzen Marlin im Visier, haben ihn noch einmal zur Höchstleistung angetrieben. Jedoch, mit dem Ende seines peruanischen Abenteuers haben sich nun Abgeschlagenheit und innere Leere in ihm breitgemacht. Ernest Hemingway, zurück aus Peru, bringt Erzählungen mit über

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